Hallo zusammen,
immer wieder lese ich, dass sich ein Staat mit einer hohen Inflationsrate entschulden könne oder dass man Schulden mit hoher Inflation abwenden könnte.
Leider will mir der Zusammenhang nicht in den Kopf. Könnte mir das jemand (in ökonomischer Babysprache) kurz deutlich machen?
Vielen lieben Dank und ein schönes WE
Hallo,
ein Staat XY weiß, dass er nächstes Jahr Staatsanleihen über 100 Mio. zurückzahlen muss. Da er das Geld nicht hat, druckt er es, und bedient so die Schulden. Diese 100Mio fließen dadurch in den Wirtschaftskreislauf, erhöhen also die Geldmenge in Relation zu Waren und Dienstleistungen. Das nennt man Inflation.-
Mit unabhängigen Zentralbanken geht das so einfach nicht. Aber so ist das Ur-Modell, siehe 1914-1923.
Gruß,
Andreas
Es kommt allerdings auch vor bzw. ist in den entwickelten Volkswirtschaften der Regelfall, dass auch eine unabhängige Zentralbank „Geld druckt“ ( ich mag diesen Begriff überhaupt nicht, weil man dann automatisch an Bargeld denkt und das ist falsch ) und dieses neue Geld nicht (!) in die Hände des Staates fließen sondern direkt in den Wirtschaftskreislauf. Der Effekt ist allerdings der Gleiche - Inflation.
Um ein Staatsverschuldungsproblem mittels Inflation lösen zu können bedarf es zweier Grundvorraussetzungen.
- Die Staatseinnahmen müssen mit der Inflation steigen, vielleicht sogar etwas schneller ( z. b. kalte Progression ).
- Die Staatsausgaben müssen unterproportional zur Inflation steigen.
Neudeutsch : Wenn der Staat bei 4 % Inflation die Steuersätze um 3 % senkt und gleichzeitig seine Ausgaben inflationsbedingt um 6 % steigen, hat die Inflation keinen schuldreduzierenden Effekt.