Zusammenhang preisstabilität + wirtschaftswachstum

Hallo,

Ich habe eine kurze Frage: Eine Preisniveausteigerung von +2,5% in einem Land ist doch ein Anzeichen für eine Inflation, oder? Wenn in diesem Land in dem gleichen Jahr dann die Arbeitslosigkeit rapide gestiegen ist, ist das doch ein schlechter Zeitpunkt für einen Markteintritt, weil man ja davon ausgehen kann, dass die Preissteigerung nichts mit einer Steigerung der realen Nachfrage zu tun hat, oder? Wie ist das denn allerdings, wenn im gleichen Jahr das Wirtschaftswachstum auch „angemessen“ gestiegen ist…das ist ja eigentlich ein gutes Zeichen? Ist das nun ein guter Zeitpunkt um in den Markt in Land einzutreten oder nicht? Ich versteh irgendwie nicht den Zusammenhang zwischen der rapiden Preissteigerung (schlecht), Steigerung der Arbeitslosigkeit (schlecht) und Steigerung des Wirtschaftswachstums (gut)… hab ich da einen Denkfehler? Ist das jetzt gut oder schlecht für einen Markteintritt in Land?

Ich danke euch vielmals für eure Antworten.

Lg.

Hallo premiumclass,

Eine Preisniveausteigerung von
+2,5% in einem Land ist doch ein Anzeichen für eine Inflation,
oder?

da die Inflationsrate - qua definitione - Änderungen des Preisniveaus ausdrückt, ist das zutreffend.

Wenn in diesem Land in dem gleichen Jahr dann die
Arbeitslosigkeit rapide gestiegen ist, ist das doch ein
schlechter Zeitpunkt für einen Markteintritt, weil man ja
davon ausgehen kann, dass die Preissteigerung nichts mit einer
Steigerung der realen Nachfrage zu tun hat, oder?

Nun, das ist schwerlich zueinander in Beziehung zu setzen.

Zum einen liegt deinem Argument implizit die Annahme zugrunde, dass Arbeitslosigkeit zu geringerer gesamtwirtschaftlicher Nachfrage führt. Bereits das muss ja nicht gegeben sein: Ein Unternehmen mag Arbeitsplätze aufgrund eigener Expansionsbestrebungen wegrationalisieren, was zwar die wirtschaftliche Nachfrage der Betroffenen senkt, der Firma jedoch zu größerer Nachfrage verhilft. Pauschal kann man einen solchen Zusammenhang also nicht unterstellen.

Zweitens ist die Entscheidung, ob man in den Markt eintreten will, von sehr vielen, oft unternehmensspezifischen Faktoren abhängig. Für jemanden, der exportorientiert produzieren will, mag das von dir beschriebene Szenario beispielsweise sogar attraktiv für einen Markteintritt sein. Da die Arbeitslosigkeit hoch ist, finden sich viele potenzielle Arbeiter, was einerseits die Suche vereinfacht und andererseits einen tendenziell negativen Einfluss auf die Lohnhöhe nimmt. Beides kommt der Unternehmung gelegen. Die höhere Inflationsrate ist in dieser Vorstellung nicht unbedingt ein Hinderungsgrund, sondern gewährleistet, im Gegenteil, eine höhere Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten. Das freilich ist ein idealtypisches Szenario, aber zeigt, dass ein potenzieller Unternehmen in so einer Situation nicht unbedingt schwarzsehen muss.

Wie ist das
denn allerdings, wenn im gleichen Jahr das Wirtschaftswachstum
auch „angemessen“ gestiegen ist…das ist ja eigentlich ein
gutes Zeichen? Ist das nun ein guter Zeitpunkt um in den Markt
in Land einzutreten oder nicht?

Auch hierzu sind pauschale Aussagen nicht möglich. Dies ergibt sich bereits daraus, dass deine Annahme zuteilen tautologisch ist. Denn niedriges Wirtschaftswachstum drückt ja bereits aus, dass sich offenbar - aus welchen Gründen auch immer - Unternehmen zurückhalten. Ein negatives oder gering positives Wirtschaftswachstum ist also eher Abbild der Tatsache, dass es in der Wirtschaft nicht so gut läuft. Ob das einen Standort für die einzelne Unternehmung nun attraktiver macht oder nicht, ist demnach - wie oben beschrieben - nicht eindeutig klärbar.

Grüße,
John