Zusammenstellung der Ibizagespräche

Servus,

von dem Video sieht und liest man ja überall etwas. Gibt es irgendwo auch eine detaillierte Zusammenstellung, worüber Strache in den veröffentlichten Passagen so alles spricht? Vielleicht könnten wir ja auch eine gemeinsame Liste erstellen:

  • Die Russin soll die Kronenzeitung (mit zwei Millionen Lesern die bei weitem größte Tageszeitung) übernehmen, unliebsame Journalisten rausschmeißen und dann Wahlkampf für die FPÖ machen.
  • Im Gegenzug bekommt sie alle staatlichen Infrastrukturaufträge zu überhöhten Preisen.
  • Die Russin betont immer wieder, dass es sich bei dem Geld um Schwarzgeld handelt. Es geht also auch in Richtung Geldwäsche.
  • Das Trinkwasser soll verkauft werden und die Russin darf mitmischen.
  • Illegale Parteispenden in Millionenhöhe sollen am RH vorbei über Vereine abgewickelt werden.

Habe ich etwas vergessen?
LG

Hi"

Nöp, das ist alles, was auf dem bisher veröffentlichtem Material zu sehen und zu hören war - naja, ein paar „flapsige“ Aussagen des ehem. Vizekanzlers bzgl. des Aussehens der Russing gab es noch, aber die haben politisch weniger Brisanz, wohl eher familiäre Auswirkungen :wink: (welche ja lt. einiger Berichten ebenfalls bereits eingetreten sind)

Ein paar Details noch zu den Punkten:

  • Kronenzeitung: zusätzlich noch ein paar „liebsame“ Journalisten einstellen (um von 27% auf 34% zu kommen)
  • Baufirma gründen, die dann Aufträge abräumt (damit Haselsteiner nichts mehr abkriegt)
  • Trinkwasser wird „aufgeteilt“ (Infrastruktur wird bereitsgestellt, das Wasser wird privatisiert, sodaß „halbe-halbe“ gemacht werden kann)

Grüße,
Tomh

Ich hab jetzt keine Zeit zu suchen, aber ich erinnere mich an eine Passage, wo er darüber schwafelte, wer alles über dubiose Kanäle die FPÖ finanziere. Ich glaube, ich habe das bem SPON geguckt und da stand als Kommentar immer darünter, dass die entsprechenden Firmen/Leute das bereits dementiert hätten.

Grüße
Siboniwe

Hab’s doch auf die Schnelle gefunden:

ab 4:00 Minuten (der Video zählt runter).

Die erwähnten Namen sind Gaston Glock, René Benko, Heidi Horten und Novomatic, die alle - laut Spiegel - dementiert haben, dass sie auf diese Art das österreichische Parteiengesetz umgehen.

Grüße
Siboniwe

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Servus,

Stimmt. IIrc waren das Horten, Glock, Novomatic und Benko.

In dem Zusammenhang gibt es ja schon zwei Spuren:
Ominöser Spender von blauem Verein enthüllt, 10.000 Euro sollen geflossen sein

Es geht um die gemeinnützigen Vereine „Austria in Motion – Verein zur Reform der politischen Kultur in Österreich“ und „Wirtschaft für Österreich“. An sie ist etliches Geld geflossen, und zwar – nach derzeitigem Wissensstand – 370.000 an Austria in Motion und rund 120.000 Euro an Wirtschaft für Österreich. Tiefe Einblicke Die Einblicke der Justiz in diese Vereine sind offenbar schon tiefer als bisher bekannt, sie ist auch nicht erst seit Ibiza-Gate an der Sache dran. Die Ermittler haben schon Spender ausfindig gemacht und sind dabei auf nützliche Informationen gestoßen. Denn unter den Geldgebern befindet sich der insolvente private Immobilienkonzern Wienwert. Genau 10.000 Euro sollen von der Gesellschaft im Jahr 2017 an Wirtschaft in Österreich geflossen sein.

Und davor schon:
Rätsel um FPÖ-nahen Verein Austria in Motion

Laut Recherchen von „profil“ und ZIB2 am Sonntag sollen Strache und FPÖ-Innenminister Herbert Kickl im Frühjahr 2017 einen „bekannten österreichischen Geschäftsmann“ um eine Spende an den Verein Austria in Motion mit Sitz im 18. Wiener Gemeindebezirk gebeten haben. „Profil“ hat schon die Vermutung geäußert, bei Austria in Motion könnte es sich um jenen Verein handeln, den Strache im „Ibiza-Video“ als Kanal für illegale Parteienfinanzierung erwähnt.

Interessant ist hier, dass Kickl direkt involviert ist. Ich halte es für schwer vorstellbar, dass er (und auch Hofer) nicht genau über Straches Gedankenspiele im Bilde waren. Beweisen lässt sich freilich (noch) nichts.

Ha! SNAP!

Das, was du wesentlich nicht drin hattest, hat Siboniwe ja schon hinzugefügt, nämlich die Namen von Spendern in 6-7-stelliger Höhe an FPO, ÖVP bzw. gleich an alle.

Mindestens Benko und Novomatic sind da ja sehr interessant.
Dazu das Konstrukt, um den Rechnungshof zu umgehen.
Wenn das stimmt, ist das vielleicht nicht nur auf die FPÖ beschränkt.

In dem Videoausschnitt, das der User „kurzschluss14“ noch vor SZ und Spiegel auf Twitter gestellt hat (ist das denn „echt“ oder eine Parodie?) sagt Strache, dass er Material gegen Kern und Kurz habe.

Per google ist das Video zu finden. Im Twitter-Thread dazu ist eine Unterbetitelung, weil schwer verstehbar.

Hier noch die erfragte Liste:
Quelle: https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/weitere-zitate-aus-ibiza-video-bist-du-deppert-die-is-schoarf-70423450

Im Folgenden ergänzende Zitate, die über Passagen der Kurzvideos hinausgehen:
„Falle, Falle, eine eingefädelte Falle.“ - Strache hat Bedenken. „Des is ka Falle.“ - Gudenus beruhigt.
Jeder Artikel, der „uns zugutekommt, treibt Rot und Schwarz die Weißglut ins Gesicht“. - Strache über den erhofften Zuspruch in der „Kronen Zeitung“.
Mit dieser Zeitung spiele sie (die russische Gesprächspartnerin, Anm.) „mit bei den zehn mächtigsten Leuten Österreichs“. - Strache will seiner Gesprächspartnerin ein Engagement schmackhaft machen.
„Journalisten sind sowieso die größten Huren auf dem Planeten.“ - Strache zu seinen Plänen, Redakteure auszutauschen.
„Du hast die Waffe in der Hand, dass alle dich schalten und walten lassen in Österreich.“ - Strache neuerlich über die „Kronen Zeitung“, die er auch als „Machtmonopol“ bezeichnet, das „andere Geschäftszweige“ eröffne.
Ein „großer Player“, der „für Orban alle ungarischen Medien der letzten 15 Jahre aufgekauft und für ihn aufbereitet.“ - Der FPÖ-Chef über den österreichischen Investor Heinrich Pecina.
„Wir könnten uns vorstellen, den ORF auf völlig neue Beine zu stellen.“ - Strache über seine ORF-Pläne und den Sender eventuell zugunsten Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz zu privatisieren.
Wenn die russische Geschäftspartnerin die FPÖ „auf Platz eins bringt“, dann „können wir über alles reden“. - Strache zeigt sich offen für einen Deal.
Das Land müsse sich „sehr stark Richtung Osten öffnen“. - Österreich soll die „Visegrad Gruppe“ steuern, so der FPÖ-Chef: „Wir haben die Dekadenz im Westen…im Osten sind sie normal.“
Er habe sich auch mit einem Putin-Berater getroffen und Pläne geschmiedet, „wie wir strategisch zusammenarbeiten“.
„Joschi“, also der ebenfalls anwesende FPÖ-Klubchef Johann Gudenus soll der Frau erklären, „dass da Leute dahinterstehen, die nicht wollen dass Österreich islamisiert wird; sie wollen nicht, dass ihre Kinder und Enkelkinder verrecken.“
„Schneebrunzer“ - Strache über politische Mitbewerber.
Manche Privatisierungs-Vorschläge schließt Strache kategorisch aus: Es gebe „Bereiche, die privatisieren wir nicht.“
„Dieses Monopol wollen wir aufbrechen.“ - Strache über Aufweichung des Glücksspielmonopols.
„Wir wissen, dass wir 24 Stunden beobachtet werden, dass man uns bei jeder Kleinigkeit vernichten will.“ - Ein Anflug von Misstrauen bei Strache.
„Joschi, mach das jetzt klar!“ - Der FPÖ-Chef schickt seinen Begleiter Gudenus vor dem Gehen noch einmal zurück.
„Solange ich nicht tot bin, hab’ ich die nächsten zwanzig Jahr noch das Sagen.“ - Strache glaubt nicht an eine kurze politische Halbwertszeit.
Er wolle eine Struktur schaffen, „wo wir das Wasser verkaufen, wo der Staat eine Einnahme hat und derjenige, der das betreibt, genauso eine Einnahme hat“. - Strache über die mögliche Privatisierung des „weißen Goldes“.
„Bist du deppert, die ist schoarf.“ - Strache ist von seiner Gesprächspartnerin sichtlich angetan.
„Aber es muss immer rechtskonform, legal und mit unserem Programm übereinstimmen.“ - Strache definiert rote Linien.
„Du sagst ihr, wenn sie die Kronen-Zeitung übernimmt drei Wochen vor der Wahl und uns zum Platz eins bringt, dann können wir über alles reden.“ - Strache offen für alles.
„I’m the Red Bull brother from Austria.“ - Der FPÖ-Chef über seine Vorliebe für den Energydrink.
„Sie muss sagen, dieser Geschäftszweig, dieser Geschäftszweig, dieser Geschäftszweig und dieser Geschäftszweig interessiert mich. So. Und dann schauen wir uns an, was bei uns von Vorteil ist.“ Strache erklärt, was er bei einer Zusammenarbeit zu tun gedenke, was „hineinpasst“.
„Die Hunde haben dicke Kohle.“ - Strache wenig charmant über chinesische Investoren.
„Würde es uns gelingen, von einer Seite Fotos zu organisieren, die wir übers Ausland spielen, würde die andere Seite glauben, die andere war’s und der atomare Krieg geht los.“ - Strache über kompromittierende Fotos von politischen Gegnern.
„Der Crash kommt. So sicher wie das Amen im Gebet.“ - Strache über eine drohende Wirtschaftskrise.

Was du m.E. überinterpretierst ist diese Passage „Im Gegenzug bekommt sie [die „Nichte“] alle staatlichen Infrastrukturaufträge zu überhöhten Preisen.“
Strache spricht hier von den Strabag-Aufträgen, nicht von allen.
Und er spricht davon, dass ein qualitativer Anbieter da sein muss. Was immer das genau heißt, aber er verpricht ihr keinen Automatismus. Nur der Korrektheit halber sei das angefügt.

Ich frage mich, ob nicht auch Kurz (wie offenbar viele) seit Monaten davon gewusst hat, denn dass er sich von der FPÖ distanzieren wollte, war unverkennbar (Identitäre, Ratten-Gedicht usw.). Und @vdmaster hatte damals in „meinem“ Sellner-Kickl-Strache-Kurz-Thread -rückblickend betrachtet- nicht recht, dass es nur um normales Wahlkampfgetöse für die EU-Wahl ging.

Noch ein kurzer Punkt: Daraus wird eine große Krise für die österreichische Politik entstehen. Allein schon deshalb, weil ich nicht sehen kann, wie Mehrheiten entstehen können, wenn mit der FPÖ, die bisher noch jede Regierung in den Sand gesetzt hat, so schnell keiner mehr will, und die Liebe für eine Große Koalition in Ö noch viel geringer ist als in D.

Gruß
F.

Stimmt, da war ich zu unpräzise.

Also erstens spricht er auch immer wieder davon, dass alles supersauber und legal ist :wink:
Zweitens wird da schon ein Automatismus angedeutet:

dann soll sie nämlich eine Firma wie die Strabag gründen, weil alle staatlichen Aufträge, die jetzt die Strabag kriegt, kriegt sie dann.

Strache wiederholt sein Angebot später.:

„Nochmal. Autobahn bin ich sofort dabei. (…) Statt Haselsteiner jeden öffentlichen Auftrag abseits der Strabag.

Russischer Verhandler: „Es ist nicht der öffentliche Auftrag. Der Punkt ist der Überpreis, der garantiert wird.“

Strache: „Noch einmal, beim staatlichen Auftrag hast du das.

Dass da irgendwas ist, wussten wohl einige. Küssel hat ja auch erst vor kurzem was angedeutet, aber da ging es (wenn überhaupt) wohl eher um Straches Neonazi-Vergangenheit.
Das Video selber soll ja auch immer wieder angeboten worden sein (angeblich um 1 Mio.), aber mit so einem Wahnsinn kann ja keiner rechnen.

Da hast du ziemlich sicher Recht. Man darf sich jetzt ja auch Fragen, was Sellner so durch den Kopf geht, nachdem sein stärkster Befürworter nicht mehr an den Schalthebeln sitzt :wink:

Ich denke, der Montag mit dem Misstrauensantrag wird entscheidend für die nächste Zukunft sein. Wie treffend, dass der gerade von der Partei, die keinerlei Zukunft mehr hat, initiiert wurde :stuck_out_tongue_closed_eyes:

Die FPÖ ist auf Jahrzehnte weg vom Fenster und wenn es die SPÖ trotzt größter Anstrengung nicht schafft, die ÖVP in Richtung 40% zu schieben, kann es ja nur eine GroKo werden. Wobei dann natürlich die Frage bleibt, ob Kurz so einen Schwenk politisch überlebt.

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Da musste ich natürlich auch lachen, andererseits ist das nicht nichts, dass er auch Sätze wie „aber es muss immer rechtskonform, legal und mit unserem Programm übereinstimmen“ getätigt hat.
Darum meine ich, dass er ihr keinen „Automatismus“ versprochen hat.
Aber ich kann deinen Punkt dazu schon auch akzeptieren.

Tja …
Sellner ist enttäuscht, und schuld war der „tiefe linke Staat und das linke Pressekartell“, die das umsetzen, was die Stasi einst angedacht hatte :smile:

Ja, und die Frage ist natürlich auch wie man mit einer erneuten Großen Koalition umgehen würde, die ja nun ziemlich unbeliebt war … Auch wenn die FPÖ als Koalitionspartner ausfällt, die politischen Haltungen in Österreich dürften sich durch die Ibiza-Episode nicht groß verschieben.

Gruß
F.