Zwänge,Süchte,Impulskontrollstörungen

Hallo zusammen,

angeregt wurde diese Frage dadurch, dass beispielsweise pathologisches Spielen je nach Auffassung als Zwang, Impulskontrollstörung oder Sucht bezeichnet wird. Oder auch die häufige synonyme Verwendung von Kaufzwang oder Kaufsucht z.B.

Kann man die drei Arten (Zwang, Impulskontrollstörung oder Sucht) nicht sauber trennen oder steckt hinter allem an sich dasselbe Phänomen?

LG,
Wheely

hi,

wer den ICD-10 kennt, weiss, dass differenzialdiagnostisch hier genau geschaut werden muss. der kliniker entscheidet nach intensivem gespräch mit dem patienten, wo das symtom am ehesten kategorisiert werden muss.

es bietet sich vor allem die F 63.0, kriterien:

-wiederholte episioden von glücksspiel über mind. 1 jahr
-fortsetzung des spielens auch ohne gewinne und gegen berufliche störungen und trotz leidensdruck
-kontrollverlust
-gedankliche fixierung auf spiel

„zwang“ trifft hier eher sprachgebrauchlich zu, nicht aber im rahmen von diagnostischen kriterien, da müssten andere symtome hinzukommen.

impulskontrollstörungen zeichnen sich durch die schnelligkeit und unüberlegtheit des handelns aus, sie sind eher durchbrechend als episodisch lang andauernd (wie bei F 63.0).

aber es stimmt: glücksspiel und kaufsucht können auch umgekehrt im rahmen von zwang, sucht oder störung der impulskonrolle auftreten, dann diagnostitziert man erst die hauptstörung und ordnet das symtom entsprechend ein. es ist nicht so unkompliziert, man muss genau vorgehen, gut testen und dem patienten gut zuhören. und dann muss man die diagnose im laufe des therapeutischen prozesses überprüfen.