Zwang,als Kind Teller leerzuessen Grund f.Übergew

Hallo und Guten Tag,

gibt es eigentlich wissenschaftliche Untersuchungen darüber, inwieweit der von Erwachsenen ausgeübte Zwang auf Kinder, über das Sättigungsgefühl hinaus ihren Teller leerzuessen (oder sie sogar zu zwingen, noch einen „Nachschlag“ zu nehmen) zu lebenslangen Problemen mit Übergewicht bei Erwachsenen führt?

Vielen Dank im Voraus für Antworten,

Jasper.

Hallo,

es gibt einige wissenschaftliche Untersuchungen zu diesem Thema, auch wenn ich dir jetzt leider keine Referenz geben kann.
Man weiß aber, dass das elterliche Erziehungsverhalten entscheidend dazu beiträgt, ob ein Kind adipös wird. Dadurch, dass man es zwingt, den Teller leer zu essen, wird das Sättigungsgefühl übergangen. Bei Erwachsenen Adipösen wissen wir, dass diese oft kein richtiges Sättigungsgefühl mehr haben. Z.B. können die meisten sich bei einer Reise in eine andere Zeitzone direkt an deren Mahlzeitenrhythmus anpassen, weil sie ohnehin dann essen, wenn „es Zeit ist“, während Normalgewichtige mit dieser Umstellung Schwierigkeiten haben, da sie dann essen, wenn sie Hunger haben, und eben nicht, wenn es 12 Uhr ist.
Bei Therapien mit adipösen Kindern ist dies auch das erste, was die Eltern lernen müssen: Dass die Kinder sich kleine Portionen nehmen und dass man sie nicht dazu zwingt, den Teller leer zu machen.

Ich hoffe, das reicht dir, Literaturstellen fallen mir gerade nciht ein.
Chintin

Hallo

Ich weiß nur etwas über Sprichworte, und wodurch sich das „Hungergefühl“ beeinflussen läßt.
Es heißt z.B., „Hunger kommt vom Essen“.
Das Hungergefühl ist zum Teil genetisch bedingt, kann also von daher irrational sein.
Essen wird bewußt oder unbewußt oft als „Ersatzbefriedigung“ für alles mögliche betrachtet.
Hatte man in der Vergangenheit Hungerzeiten, neigt man zum vielessen.
Letzteres konnte man im Zusammenhang mit der Nachkriegszeit irgendwo lesen. Das war statistisch und man könnte auch was wissenschaftliches dazu finden, vermute ich.

MfG
Matthias

Hallo,
das übermäßige Essen ist die eine Sache - die Qualität des Essens eine andere und beide tragen zum Übergewicht bei.

Das Kind hat erstmal meist eine natürliche Sperre - wenn es satt ist, hört es auf zu essen - anders als bei Erwachsenen, die oft noch einen Nachschlag oder zwei nehmen weil es so gut schmeckt. Es wird zu schnell gegessen und man lässt den Körper keine Chance zu merken, dass man satt ist.

Nicht nur gesundheitlich, sondern auch erzieherisch ist es die beste Methode das Essen in Schüsseln oder Töpfen auf den Tisch zu stellen, so dass sich jeder selbst das nehmen kann was er möchte (und wieviel er möchte). In so einem Fall würde ich auch sagen: Du isst Dein Teller leer, denn Du hast Dir das selber aufgetan. Probieren ist ok - und wenn es nicht schmeckt, muss es auch nicht augegessen werden. Das Kind lernt dadurch nicht nur auf sein Hungergefühl zu hören, sondern es lernt auch selbständig eine Entscheidung zu treffen und wird ernst genommen.

Dass ein Erwachsener einen Teller auftut und das Kind anschließend zwingt es leer zu essen ist Grenzüberschreitend in sowohl seelischen als auch körperlichen Bereich. Gibt es wirklich sowas noch? Das klingt eher nach Nachkriegszeit.

Viele Grüße

Moin, Chili,

Das klingt eher nach Nachkriegszeit.

für mich sieht das nach dem ganz natürlichen „Krieg“ zwischen Klein und Groß aus:

  • Kind ist schlank
  • Mutter hat Angst, dass Kind zu wenig isst
  • Kind erkennt, dass es ein Druckmittel in der Hand hat.

Dieses Muster funktioniert seit Generationen. Meine Mutter hat es mit meiner Schwester gespielt, die mit einer ihrer Töchter, jetzt sind die Tochter und deren Tochter zugange.

Gruß Ralf

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Hallo,

Das ist erschreckend!
Sind die Mütter wirklich so unreflektiert?

Viele Grüße

Das Kind hat erstmal meist eine natürliche Sperre - wenn es
satt ist, hört es auf zu essen

Kann man so pauschal nicht sagen. Dazu müsste man wissen ob das Kind gesund ist. Dummerweise geht man immer von gesunden Kindern aus.
Es gibt auch Kinder die kein Sättigungsgefühl und auch kein richtiges Hungergefühl haben, weil sie eigentlich ständig Hunger haben aber nicht wissen das dieser Hunger gar nicht echt ist sondern ausgelöst durch zuviel Insulin im Blut…

Nicht nur gesundheitlich, sondern auch erzieherisch ist es die
beste Methode das Essen in Schüsseln oder Töpfen auf den Tisch
zu stellen, so dass sich jeder selbst das nehmen kann was er
möchte (und wieviel er möchte). In so einem Fall würde ich
auch sagen: Du isst Dein Teller leer, denn Du hast Dir das
selber aufgetan. Probieren ist ok - und wenn es nicht
schmeckt, muss es auch nicht augegessen werden. Das Kind lernt
dadurch nicht nur auf sein Hungergefühl zu hören, sondern es
lernt auch selbständig eine Entscheidung zu treffen und wird
ernst genommen.

Da gebe ich Dir recht. Das hat Tim Mälzer zusammen mit einem Fernseh-Team auch heraus gefunden (ich glaube es war sogar „die Sendung mit der Maus“) Die Kinder haben viel mehr gegessen wenn ihnen der Teller von Erwachsenen gefüllt wurde und mehr drauf getan wurde als sie am Tag zuvor selbst aufgetan hatten.

Dass ein Erwachsener einen Teller auftut und das Kind
anschließend zwingt es leer zu essen ist Grenzüberschreitend
in sowohl seelischen als auch körperlichen Bereich. Gibt es
wirklich sowas noch? Das klingt eher nach Nachkriegszeit.

Leider gab es sowas in den frühen 70er Jahren auch noch ;-(

LG
Marion

Hallo Jasper,
meine Antwort trifft die Frage zwar nicht direkt, aber ich muß es trotzdem schreiben:
Ganz genau so war es bei mir - Teller mußte leer gegessen werden. Es war die Nachkriegszeit und gutes Essen nicht so reichlich. Ich war ein dünnes Kind und meine Mama meinte es gut und versorgte mich immer reichlich mit möglichst gutem Essen. Bei uns wurde sehr viel Wert auf Einhaltung der Mahlzeiten gelegt. Daran mögen die Kriegsjahre schuld gewesen sein, vielleicht ging das auch von meinem Vater aus. Er hat sich als Kind selten satt essen können. Auch durfte kein Essen weggeworfen werden.
Meine Eltern freuten sich, wenn ich guten Appetit hatte und lobten mich. Mit dem leer gegessenen Teller konnte ich ihnen und mir eine Freude machen. In der Folge wurde ich dann ein etwas pummeliges Kind. Viel Sport und Bewegung machten das dann aber wieder wett und aus Speck wurden Muskeln. Dünn war ich nie aber heute noch kann ich einfach nichts auf dem Teller liegen lassen, es ist wie ein Zwang - Teller leer -> alles gut!
Ja, ich habe immer ein paar Kilo zu viel gehabt. Es stört mich nicht wirklich doch etwas weniger wäre halt auch schön.
Grüße - Christina