Kann mir hier jemand seine Erfahrungen bezüglich Zwangsbehandlung in der geschlossenen psychiatrischen Abteilung schildern?
Am hilfreichsten wäre es, wenn selbst Betroffene sich melden würden; aber auch über Antworten von Angehörigen würde ich mich freuen.
Ich frage deswegen, weil meine Schwester seit 4 Wochen zwangsweise auf der Geschlossenen ist. Sie ist an Schizophrenie erkrankt und hat auf Grund ihrer Wahnvorstellungen nicht nur Familienangehörige sondern auch fremde Personen angegriffen; „zum Glück“ nur mit den Fäusten. Außerdem konnte sie sich nicht mehr selbst versorgen, hat nichts mehr gegessen, ist total abgemagert und verwahrlost.
Da sie immer noch keine Krankheitseinsicht zeigt und zu niemand mehr einen Zugang zu ihr finden kann (sie denkt, dass wir alle mit dem Geheimdienst in Verbindung stehen und sie überwachen, vergasen und vergiften wollen) steht jetzt im Raum, ob nicht zwangsbehandelt werden soll.
Ich versuche mich immer in die Situation meiner Schwester zu versetzen und aus ihrer Sicht muss ich sagen, dass eine Zwangsbehandlung wirklich das schlimmste wäre, was man mir antun könnte; vor allem, weil sich dadurch ja meine ganzen Ängste bestätigen würden…
Andererseits, würde ich, wenn ich so krank werden würde und die Realität völlig falsch interpretieren würde auf jeden Fall wollen, dass ich behandelt werde. Zumindest sehe ich das jetzt aus meiner Sicht als „Gesunder“ so. Ich habe mir schon überlegt, ob ich mich sogar mal von einem Anwalt beraten lassen kann, ob es nicht möglich ist, so was wie eine Patientenverfügung aufsetzen zu lassen, die beinhaltet, dass, falls ich eine Psychose bekomme, auch gegen meinen Willen behandelt werden will.
Das was ich bis jetzt im Internet zur Zwangsbehandlung recherchieren konnte war durchwegs negativ. Ist es tatsächlich so, dass der Erkrankte auch nach „erfolgreicher Zwangsbehandlung“ nie einsieht, dass die Behandlung notwendig war und erwartet hätte, dass man anders mit ihm umgegangen wäre? Aber was gibt es denn als Alternative, vor allem, wenn der Patient tätlich wird, auch wenn es aus seiner Sicht nur Selbstverteidigung ist?
Es ist so schrecklich, nichts tun zu können und das Gefühl zu haben dass Beides falsch ist: sowohl eine Zwangsbehandlung als auch weiterhin abzuwarten und sie ihrer Psychose zu überlassen. Hier gilt es anscheinend das größere Übel gegen das kleinere abzuwägen, aber ich weis beim besten willen nicht, was das kleinere Übel ist…
Monika