Zwangseinweisung

Hallo Christina,

dich möchte ich aber nicht als Schwester haben, wenn mein eigenes Innenleben aus den Fugen geraten ist und droht mich zu zerreissen…

Man mag sich wohl fühlen, beim ganzen so genannten Verständnis, das man für jemand so kranken aufbringt - schaut alle her, wie edel ich bin! Ich verstehe die Ängste meiner Schwester! Und keiner tut es sonst! Nun, mit dem Verstehen ist es aber nicht getan. Das ist zu wenig.

Die wirklich Betroffenen haben diese Phase schon längst hinter sich und wissen, dass es sehr wahrscheinlich um Leben und Tod geht. Und dass sie statt eitlerweise ihre große Seele zu genießen, unpopuläre Entschedungen treffen müssen, für die es genug Außenstehende gibt, die dann sagen werden DU VERSTEHST DEINE SCHWESTER JA GAR NICHT, du eigensüchtige Person. Wahrscheinlich willst du dich nur für die Barbie-Puppe rächen, die sie dir mal geköppft hat. Oder du willst ihren Mann.

Ja ja, schön wär’s…

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Hallo Christina

eine fiktive Reaktion auf ein fiktives Schwestern-Gegenüber:

Zum Glück schreibst Du „fiktiv“. Trotzdem passt Deine kleine
Geschichte nicht ganz zum Thread, meinst Du nicht?

Gruss
Heinz

verzweifelte Verteidigung
Hallo Christina!

Ich hätte gerne gewusst, ob Du selbst Betroffene bist? Leidest Du selbst unter Wahnvorstellungen? Hast Du selbst schon eine Zwangseinweisung miterlebt? Ist einer Deiner Verwandten, Bekannten, Freunde an so etwas erkrankt? Hast Du Angst um sie, dass sie sich selbst umbringen, in ihrem Wahn evtl. ihre eigenen Angehörigen, ihre eigenen Kinder „mitnehmen“?

Ich finde es so schrecklich, dass mir hier schon zwei mal unterstellt wurde, dass ich meine Schwester nicht verstehen will, dass mir das zu anstrengend ist eine bessere Lösung als die Zwangseinweisung zu finden, sie „abschieben“ will, damit die restliche Familie endlich ihre Ruhe hat.

DAS STIMMT NICHT !!!

Ich bespreche mich jeden Tag stundenlang mit meiner Familie, was wir machen könnten, dass sie freiwillig ambulant wenigstens eine Therapie versucht! Mit sämtlichen Tricks und gutem Zureden. Und das nicht nur seit einer Woche sondern seit 10 Jahren!!! Sobald wir es endlich geschafft haben, dass sie zu einem Psychologen, einem allgemein Arzt oder zu einer Familientherapie geht hat sie das nur so lange mitgemacht, bis der Arzt oder der Therapeut nur leicht anklingen hat lassen, dass sie evtl. psychische Probleme hat, dass sie an sich, an ihre Gesundheit denken sollte und doch deswegen an eine Therapie in betracht ziehen sollte dreht sie wieder durch; behauptet wir stecken mit dem Arzt unter einer Decke würden überall rumerzählen, dass sie verrückt ist.
Das stimmt alles nicht! Wir haben es bis vor einem Jahr geschafft ihre Krankheit „geheim“ zu halten, haben nichts nach außen dringen lassen, weil wir sie schützen wollten. Lediglich mit dem sozial-psychatrischen Dienst hatten wir regelmäßig Kontakt haben uns immer wieder von dort Rat geholt.

Im Verlauf des letzten Jahres ist es aber so schlimm geworden, dass sie in Ihrem ganzen Umfeld, der Nachbarschaft, der Gemeinde „Lügengeschichten“ (ich weiss ja, dass sie nicht lügt, sie erlebt das ja tatsächlich) erzählt hat; den Lehrern, den Kindergärtnerinnen . Und deswegen ist das Jugendamt uns herangetreten, hat sie zu dem Gutachten beim Amtarzt geschickt und nicht weil wir sie „verraten“ haben. Es besteht lt. dem Jugendamt potentielle Gefahr für die Kinder! Ist es den „Kritikern“ hier denn lieber, dass wir sämtliche Warnungen ignorieren sollen, ihr die Kinder lassen sollen, nur damit sie sich nicht aufregt?! Damit ihr, die ihr hier alle das lest und Kritik übt in zwei Monaten in der Zeitung lesen könnt, dass eine verwirrte Frau ihre zwei Kinder mit dem Kissen erstickt hat und sich dann selbst auf dem Dachboden erhängt hat?! Damit ihr dann sagen könnt: „Ach, wie schlimm! Da muss man doch bemerkt haben, dass was nicht stimmt! Die armen Kinder! Warum hat man das denn nicht verhindern!?“

Wir haben sämtliche Dinge versucht, die Du als „Denkanstoss“ aufgeführt hast. ABER uns haben sämtliche Psychologen auch immer gesagt, dass wir sie auf keinen Fall in ihren Wahnvorstellungen bestätigen dürfen; das macht alles noch schlimmer. Sie ernst nehmen, in ihrer Angst, natürlich! Aber ich darf zu ihr doch nicht sagen, dass es stimmt, dass sie von allen verfolgt wird, dass sie überwacht wird, dass sie sich selbst im Fernsehen sieht!

Ich versuche mich ständig mich in meine Schwester zu versetzen und es zerreist mir regelrecht das Herz, weil ich weis wie verzweifelt, alleingelassen und verraten sie sich fühlt. Ich an ihrer Steller würde nur noch wollen, dass alles endet.

Bitte, bitte unterstellt mir nicht weiterhin, dass ich meine Schwester nicht als Mensch ernst nehmen würde, ihre Ängste nicht ernst nehmen würde, nur weil sie „sich vielleicht - SCHEINBAR - nicht ganz so „normal“ verhält wie andere …“

Eine Zwangseinweisung ist für uns immer noch das letzte Mittel und meine ganze Familie ist sich klar darüber, dass die Zwangseinweisung nicht das „Heilmittel“ ist. Meine Schwester wird hinterher sehr viel Liebe, Zuneigung und Verständnis brauchen und wir sind auch alle bereit uns um sie zu kümmern.

Wir wollen, dass sie wieder frei ist, frei Handeln kann; wieder ihre Kinder sehen darf.

Wenn wir krank sind und ein Arzt sagt uns dass wir operiert werden müssen damit wir wieder ganz gesund werden, dann haben wir auch Angst. Wir wissen genau, dass etwas bei so einer Operation schief gehen kann, dass wir wahrscheinlich nach der Operation momentan größerer Schmerzen haben als vorher; aber wir wissen auch, dass wir danach mit großer Wahrscheinlichkeit wieder ganz gesund sein werden.

Hat jemand von euch schon mal ein Kind ins Krankenhaus bringen müssen? Dann hat derjenige sicher miterlebt, welche Ängste das Kind ausstehen muss, auch wenn sie völlig unbegründet sind, wenn eigentlich gar nichts passiert, wenn man ihm eigentlich nur helfen will, auch wenn man weiss, dass tatsächlich noch mehr „zugefügte“ Schmerzen auf das Kind zukommen. Man kann nur versuchen zu beruhigen, auch wenn es wahrscheinlich nicht sehr viel hilft und es einem selbst das Herz zerreißt. Man fühlt sich selbst extrem schlecht dabei, zweifelt auch, ob es denn richtig ist, aber man würde es tun, es im „Stich“ lassen, es gegen seinen Willen in die Hände von fremden Ärzten geben, die ihm versuchen werden zu helfen, ihm aber wahrscheinlich dadurch auch Schmerzen zufügen werden.
Ist denn nun der freie Wille und die Angst des Kindes weniger wert, weniger aufrichtig und ernst zu nehmen als die Ängste meiner Schwester. Warum darf man dann das Kind „zwingen“ sich in eine äußerst beängstigende Situation zu begeben, warum darf man es zur Behandlung „zwingen“, wenn es das nicht will, panische Angst davor hat? In so einem Fall würde nie jemand Kritik üben; natürlich hätte jeder Mitleid mit dem Kind, aber jeder weiss, dass das notwendig ist.
Warum ist das denn bei meiner Schwester anders?! Hat sie denn keine Hilfe verdient, bei der mir klar ist dass sie momentan extrem darunter leiden wird, aber die Hoffnung besteht, dass es ihr dann wieder besser geht?

Unsere ganzen Mittel sind jetzt langsam erschöpft; ihr müsst auch uns verstehen, wir sind auch nur Menschen; wir sind auch verletzt und tief betroffen von ihren Vorhaltungen und Vorwürfen, auch wenn uns im Grunde klar ist, dass sie das nicht böse meint, weil sie krank ist. Wir sind keine Psychologen, verhalten und sicher auch meiner Schwester gegenüber in bestimmten Situationen falsch und machen Fehler. Aber werft uns bitte nicht vor, dass wir nicht Willens sind ihr zu helfen, dass wir uns doch einfach nur in ihre Lage versetzen müssen und alles wir ganz einfach wieder gut, weil sie dann endlich einsehen wird, dass sie Hilfe braucht und sie sich die auch freiwillig holt.
Wir sind keine Monster genauso wenig wie es meine Schwester ist. Und ich bin selbstbewusst genug um zu sagen, dass wir nicht zu „blöd“ oder zu „verständnislos“ sind um meiner Schwester zu helfen. Warum haben es denn bis jetzt noch nicht mal die Fachleute geschafft, mit denen sie ja schon im Kontakt war, sie zu einer freiwilligen Therapie zu bewegen?! Sind die denn auch alle, ohne Ausnahme, zu „dumm“ zu „inkompetent“?!

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hallo moni,

ich wollte eigentlich ichts dazu schreiben weil ich einerseits finde, das ist nichts für laien und andererseits keine verunsicherung streuen wollte mit meiner laiensicht.
ich habe mir von profis sagen lassen - wahn an sich ist deshalb ein problem weil das eine nichtvorhandene krankheitseinsicht einbindet - mal mit eigenen worten wiedergegeben…

du schreibst ja, ihr versucht nun schon 10 jahre lang ihr zu helfen.
2 leute hier wiederum haben das gefühl, das langt nicht oder nehmen es sogar als das gegenteil von dem wahr was es ist - der versuch der hilfe eben.

ich habe nun einen ganz anderen gedanken - das ihr nämlich bald aufhören solltet ihr helfen zu wollen - habt ihr als umfeld mal über diese möglichkeit mit einem profi gesprochen? - also - mann und kinder gehen aus dem leben deiner schwester und ihr zieht euch als umfeld ebenfalls zurück?
ich weiss nat nicht was ein profi dazu sagt, ob das ab einem gewissen punkt eine option ist…ich komme auf diese möglichkeit weil man sie ja z.b bei suchtkranken als die einzig hilfreiche option sieht wenn keine einsicht vorhanden ist - denn sonst hilft man ohne es zu wollen mit dem „zurseitestehen“ dabei, dass der erkrankte mensch sich weiterhin einbilden kann, alles ist ok - weil ja die äusseren umstände nie so krass werden, das keine selbstlügen mehr funktionieren.

des weiteren werden die familie und das umfeld im laufe der zeit zu gehilfen - mal vom leid - auch das von kindern - mal abgesehen.

ich weiss nun wirklich null ob diese möglichkeit eine option sein kann im sinne von einer vergleichbarkeit beider verschiedener erkrankungen.
das kann nur ein profi beantworten.

sollte dem so sein und ihr könnt nichts erreichen auf euren derzeitigen wegen - könnte das die letzte option sein - sie in ihre eigenverantwortung zu entlassen und mit dem „fall“ im laufe der zeit zu erreichen dass sie einsieht was denn mit ihr los ist.
der andere punkt wäre nat auch - dass das umfeld aufhört für sie und ihr leben verantwortung zu übernehmen wo es weder gewünscht ist noch machbar - ich denke zwar, das wäre wirklich schwer nach all den jahren - aber es könnte auch eine art rettung sein für das überlastete umfeld.

wie schon erwähnt, ich bin laie und kann hier ja total daneben liegen.
aber evtl ist das auch eine erkrankung wo viele erstmal tief fallen müssen bis sie erkennen wo sie in sich stehen. keine ahnung.

manchmal ist nichthilfe die grösste art der hilfe - ob das hier aber
sinn machen würde wäre zu klären.

es fällt mir schwer das hier abzusenden weil ich denke, das kann nun der totale blödsinn sein und ich will auf keinen fall unverantwort- liches schreiben.
andererseits wäre es evtl einen gedanken oder gar ein gespräch mit einem profi wert *schulternzuck

LG
nina

hallo chris,

das klingt ja alles schön und gut - aber mit welchem recht kann man denn als einzelne person seine kinder, den ehemann und das gesamte umfeld leiden lassen und gleichzeitig erwarten, alles ist gut wie man es sieht, lebt, lässt - nur alle anderen sind falsch?

ich glaube, es ist der falsche ansatz weil es 2 fronten schafft und in eine art machtspiel hinausläuft wenn man diese sichtweise ansetzt.

es geht unter anderem um schäden an sich selbst und andere, es geht um die fähigkeit verantwortung für sich selbst zu übernehmen und das ist hier offensichtlich nicht mehr der fall - und es geht auch um die kinder.

insofern könnte man ebensogut fragen - wie kann sie so egoistisch sein und um ihrer auslebung willen so viele menschen leiden lassen…
doch darum gehts letztlich eben gar nicht.

ich glaube nicht, dass es hier um das recht auf individualität geht oder um das recht auf die eigenen macken oder ähnliches…

für mich liest sich deine sichtweise sehr sehr egostisch.
das kann man durchziehen wenn man im wald lebt und niemanden belastet oder niemand zuständig für einen ist, man selbst keine kinder hat etc. - aber diese umstände bestehen ja nicht…sie benutzt ihr umfeld - wenn auch nicht in „böser“ absicht - von fairness kann man also so oder so nicht reden.

mich befremdet deshalb dein einwand - es hat etwas von - die welt soll sich um die erkrankte person drehen - ohne wenn und aber - zu lasten der anderen - die ohne rechte sind weil sie nicht so „drauf“ sind?
kann doch nicht sein!!!

meiner ansicht nach tragen menschen nicht zuletzt auf grund von nichtwissen und falsch verstandener hilfsbereitschaft sowieso viel zu lange zu viel für andere mit.
weniger wäre oft mehr - dann würde manch erkrankter mensch fürher erkennen dass er hilfe braucht und sich nicht im stillen darauf verlassen von den anderen getragen zu werden (damit meine ich nicht die kostenseite oder ähnliches)

einsicht verlangen kann man nur wenn man selbst einsichtig ist - das gilt auch für jeden meine ich.

LG
nina

Hallo Moni,

lass dich nicht verrückt machen von ein paar Querschlägern. Die meisten hier sehen schließlich, was du dir für Gedanken machst. Ich muss sagen, dass ich nicht in deiner Haut stecken möchte, und ich finde es bewundernswert, dass du dir über 10 Jahre die Kraft erhalten hast, deine Schwester nicht einfach fallen zu lassen.

Darum viel Erfolg
Gruß
Cess

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