Hallo Petra!
Du wirst mir vielleicht nicht glauben, wenn ich das hier schreibe, aber einerseits kann ich Deine Reaktion fas verstehen. Wenn Du tatsächlich noch nie mit jemandem zu tun hattest der Wahnvorstellungen hatte, dann ist es schwer nachzuvollziehen, was das für Stress und für Sorgen für die Angehörigen sind. Man kann sich das selbst wirklich nicht vorstellen, wenn man das noch nie gesehen und miterlebt wie sich von Wahnvorstellunen gepeinigte Meschen verhalten.
Deswegen habe ich mir auch die Mühe gemacht Dir ganz genau zu antworten.
ich kann gut verstehen, dass deine Schwester aggressiv wird.
Sie soll zwangseingewiesen werden, weil sie ihren Mann zweimal
geschlagen hat?
Nein, sie soll nicht eingewiesen werden, weil sie meinen Schwager zweimal geschlagen hat, sondern weil wir ihr helfen wollen. Wir wollen ihr helfen, dass sie ihre Kinder wieder sehen darf. Das Jugendamt hat definitiv festgelegt, dass die Kinder nicht zu ihr dürfen, weil sie sehr große Bedenken haben, dass sie den Kindern etwas an tut.
Wenn mein Schwager ohne die Kinder ausgezogen wäre weil er es nicht mehr bei ihr aushält und hätte die Kinder bei ihr gelassen, dann hätte das Jugendamt sofort die Kinder geholt und in einer Pflegefamilie untergebracht.
Also noch mal, sie soll nicht eingewiesen werden, weil sie ihren Mann geschlagen hat, sondern weil sie Wahnvorstellungen hat und sich selbst schadet. Wir haben auch bedenken, dass sie sich selbst etwas antut, da sie schon 2 Selbstmordversuche hinter sich hat. Wir haben eben gehofft, dass es für einen Richter genügen würde sie einzuweisen, wenn sie bereits gegenüber dem Mann gewalttätig geworden ist.
Außerdem ist meine Schwester nicht aggressiv, weil sie zwangseingewiesen werden soll. Sie weis gar nicht, dass wir uns mit dem Jugendamt und dem Gesundheitsamt über dieses Thema besprechen. Wir hoffen ja auch immer noch, dass sie von selbst merkt, dass sie Hilfe braucht.
… Nur zur Erinnerung: Viele Männer schlagen
ihre Frau regelmäßig und nichts dergleichen passiert.
Ich finde Männer die ihre Frauen schlagen (es gibt übrigens tatsächlich auch immer mehr Frauen die ihre Männer schlagen) oder in der Ehe vergewaltigen oder sonst wie Gewalt ausüben sind nicht mit einem echten psychisch Kranken zu vergleichen. Natürlich haben diese Gewalttäter psychische Probleme, „ticken“ nicht ganz richtig, aber die Täter haben keine Wahnvorstellungen. Ich habe in Zusammenhang mit solchen Fällen zumindest noch nie gehört, dass solche Menschen behaupten, dass sie im Fernsehen sehen könne, dass ihr Partner mit „allen anderen unter einer Decke steckt“, oder dass Kameras in der Wohnung installiert sind mit denen sie ausspioniert werden.
Bei Gewalttätigen Ehemännern schreitet die Polizei sehr wohl sehr schnell ein; ist sofort in der Wohnung wenn ein Nachbar anruft und sagt, dass der Nachbar seine Frau verprügelt oder wenn die Frau selbst anruft (bei meiner Schwester sind sie schließlich sofort vor der Tür gestanden). Die Polizei kann, wenn die Frau eine Anzeige erstattet, den Mann sofort mitnehmen, ihm verbieten die Wohnung für einen gewissen Zeitraum zu betreten; letzteres sogar auch, wenn die Frau keine Anzeige erstattet.
Bei solcher Art von Gewalt in der Ehe ist es auch leider so, dass die misshandelten Frauen sich nicht helfen lassen, sich nicht trauen sich endgültig von ihrem Mann zu trenne und neu anzufangen. Viele Frauen nehmen Anzeigen in solchen Fällen auch wieder zurück.
Zwangseinweisen kann man solche Gewalttäter natürlich nicht, aber wenn die Opfer sich Hilfe holen, stark bleiben alles zur Anzeige bringen kann man die Täter sehr wohl ins Gefängnis bringen oder zumindest den Umgang mit dem Opfer gerichtlich untersagen.
Aber um Gewalt in der Ehe geht es ja hier auch nicht; es geht darum, dass wir befürchten, dass sich meine Schwester total ruiniert und wir glauben, dass in dem Fall eine Zwangseinweisung um ihr zu helfen das geringere Übel wäre. Denkt jetzt nicht, dass ich mir sicher bin; ich schwanke immer hin und her, was denn nun richtig ist. Aber ich sehe auch, dass sich meine Schwester mit ihren Wahnvorstellungen selbst zerstört, dass es immer schlimmer wird und ich kann anscheinend nichts anderes machen als zusehen und warten bis sie zusammenbricht.
Und du fühlst dich im Recht, weil sie nicht wie gewünscht mit
Trauer und Verzweiflung, sondern mit „Aggression“ auf die
Entführung ihrer Kinder reagiert?
Ich, wir, meine ganze Familie, das Jugendamt, die Psychologen vom sozial-psychjatrischen Dienst, die Psychologen vom Gesundheitsamt und ihr Hausarzt… wir fühlen uns alle im Recht, wenn Du das so formulieren willst. Aber nicht, weil sie mit Aggression reagiert, sondern weil sie Wahnvorstellungen hat und definitiv krank ist. Und weil die Kinder darunter leiden.
Außerdem wurden die Kinder nicht „entführt“, wie meine Schwester auch immer behauptet. Die ganze Aktion lief in enger Absprache mit dem Jugendamt und dem Gesundheitsamt ab; es liegt ein richterlicher Beschluss vor der eindeutig festlegt, dass mein Schwager das alleinige Sorgerecht hat.
Der Psychologe hat an das Jugendamt seinen Bericht geschickt aus dem zu entnehmen war, dass meine Schwester definitiv nicht erziehungsfähig ist und dringend angeraten, dass mein Schwager mit den Kindern auszieht, da es durchaus sein kann, dass es bei einer Kurzschlussreaktion meiner Schwester zu einem „Familiendrama“ kommen kann.
Die Kinder haben so sehr unter der Situation zu Hause gelitten, dass sie, seitdem sie mit dem Vater ausgezogen sind regelrecht aufblühen und noch nicht ein mal nach ihrer Mutter gefragt haben! Mein Schwager spricht sie aber selbst auf die Mutter an, versichert immer wieder, dass die Mama sie sehr lieb hat, nur dass sie eben leider sehr krank ist und sie deswegen manchmal „so komisch“ ist.
Selbst das Jugendamt ist von der extremen Verbesserung der Kinder in so kurzer Zeit erstaunt. War es dann richtig meiner Schwester die Kinder „zu entführen“ oder nicht?!
eine „normale“ Frau wird nicht so aggressiv, nicht wahr?
Frauen dürfen zwar weinen, aber nicht schreien.
Denkst Du denn wirklich, dass das meine Meinung ist? Natürlich dürfen Frauen sich wehren, schreien, aggressiv sein! Natürlich gestehe ich das auch meiner Schwester zu in jeglicher Form und auch besonders deswegen, weil sie krank ist.
Für uns Angehörige ist es nur schwierig, weil wir immer mit ganz anderen Reaktionen von ihr rechnen als dann tatsächlich kommen. Das ist auch das größte Problem an ihrer Krankheit, dass sie nicht mehr einschätzbar ist, dass man nicht weiss, was als nächstes kommt, ob sie nicht doch mal das Küchenmesser nimmt und sich „die Leute vom Hals schafft, die sie beobachten und fertig machen wollen“.
Wenn ich schreibe, dass ich geschockt oder verwundert war, dass meine Schwester nur mit Aggression auf die „Kindesentführung“ reagiert liegt das nur daran, dass ich mir vorstelle, was ich machen würde, wie ich mich fühlen würde wenn man mir meine Kinder weg nimmt. Und meine Reaktion wäre eben absolute Verzweiflung; ich würde nur noch heulen, wäre wahrscheinlich zu nichts mehr fähig. Natürlich „dürfen“ andere Menschen auf ein und die selbe Reaktion verschieden reagieren, aber mich irritiert das eben wie meine Schwester reagiert; so sachlich-aggressiv und aufgebracht, wie als würde sie bei der Polizei mitteilen, dass ihr Auto gestohlen wurde. So empfinde ich das eben, fühle ich und dafür dass mich über die Art und Weise wie meine Schwester reagiert verwundert bin, brauche ich mich weder zu entschuldigen oder zu schämen.
Irgendwas an dieser Geschichte gefällt mir ganz und gar nicht.
Und das ist der Umgang mit deiner Schwester.
Schreibe bitte was an dem, wie wir mit meiner Schwester umgehen nicht in Ordnung ist. Wir versuchen seit 10 Jahren ihr zu helfen, ihr zu erklären, dass sie sich Hilfe holen soll. Aber sie streitet mit jedem Arzt und mit jedem Psychologen, bei dem sie bis jetzt war und das sind nicht nur 2 oder drei Ärzte gewesen.
Wenn Du mir sagen kannst was da in so einem Fall hilft, dann sag es mir bitte; ich werde es sofort versuchen. Der sozial-psychatrische Dienst und das Gesundheitsamt rät uns sie „auflaufen“ zu lassen, ihr keinerlei Hilfestellung mehr zu geben, weder finanziell noch in sonst einer Weise. Sie haben uns erklärt, dass man mit ihr umgehen muss wie mit einem Drogensüchtigen; erst wenn solche Leute völlig zusammenbrechen, weil von keiner Seite Hilfe kommt dann lassen sie sich helfen.
Wir wollten ihr eigentlich mit einer Zwangseinweisung diesen totalen Zusammenbruch ersparen, ihr helfen zu erkenne, dass dies extrem beängstigenden Wahnvorstellung nicht der Realität entsprechen; aber anscheinend ist das durch unser Rechtssystem eben nicht möglich.
Wie ich schon geschrieben habe finde ich es natürlich sehr, sehr wichtig, dass solche Einweisungen sehr scharf kontrolliert werden, aber bei so einem Fall wie meiner Schwester fände ich es durchaus angebracht.
Ich hoffe immer noch, dass meine Schwester von selbst zur Vernunft kommt und nichts passiert.
Liebe Grüße,
Moni