Zwangstherapie möglich?

Hallo Leute,

es handelt sich um eine in Deutschland lebende lesbische Frau mittleren Alters. Ich hatte von Anfang an nicht den Eindruck, daß sie „völlig in Ordnung“ sei, aber ich nahm sie einfach an, da sie sich weitgehend normal verhielt und immer recht nett war.

Von einem Tag auf den anderen begann sie, den Kontakt zu ihrer sozusagen besten Freundin abzubrechen und auch zu allen anderen „Freunden“. Es folgten Lügen, viele, viele Geschichten, die sich gegenseitig widersprachen, die sie sämtlichen Leuten erzählte.
In ihrer Wohnung hat sie sämtliche elektrische Geräte ausgeschaltet. Sie geht mittlerweile wohl nicht mehr arbeiten, und wenn, dann spricht sie mit keinem mehr.
Sie ißt praktisch nichts mehr; Grund für eine Diät hat sie aber nicht.
Sie schreibt seltsame Zettel wie z.B. wirre Gedanken oder Listen mit ihr bekannten Leuten mit einer Notiz (fiktive Beispiele: „Tom: möglicher Feind, muß beobachtet werden“, „Elke: liebt mich“, „Richard: dick, ein Versager“).

Sie ist der Meinung, ihr Exfreund (wohlgemerkt behauptet sie aber eigentlich, lesbisch zu sein) würde sie „verfolgen“, er würde ihr überall Nachrichten zukommen lassen. Überall bedeutet im Radio, Fernsehen, Wetterbericht, Zeitschriften, Verkehrsmeldungen usw.
Offensichtlich ist sie paranoid und ich weiß nicht, was noch.

Ihrer Familie gaukelt sie eine heile Welt vor, sie erzählt lauter Geschichten, so daß die Familie der Meinung ist, es wäre alles in Ordnung.

Die Frage ist jetzt, ob es eine Möglichkeit gibt, sie zu einer Therapie zu „zwingen“ oder sie einweisen zu lassen.
Ich bin normalerweise gegen Zwangseinweisungen, aber in diesem Fall ist so viel passiert, daß ich mir einfach die Frage stelle, ob man als Außenstehender, also nicht als Familienmitglied, in der Lage ist, sie u einer Therapie o.ä. zu schicken, oder ob man quasi machtlos ist, wenn die Familie meint, alles sei in Ordnung.

Mir ist im Prinzip schon klar, daß für eine Zwanseinweisung massive Eigen- oder Fremdgefährdung vorliegen muß, aber gibt es vielleicht etwas anderes, was man tun könnte?

Vielen Dank und schöne Grüße,
Corinna

Hallo Corinna!

Mir ist im Prinzip schon klar, daß für eine Zwanseinweisung
massive Eigen- oder Fremdgefährdung vorliegen muß, aber gibt
es vielleicht etwas anderes, was man tun könnte?

Du sagst es selbst: Erst wenn sie selbst oder andere gefährdet würden, ist eine Zwangseinweisung möglich.

Stellt sich die Frage: Warum willst du unbedingt etwas unternehmen? Du kannst hier keine Verantwortung übernehmen. Manchmal muss man Dinge einfach ansehen und loslassen. Was anderes bleibt dir nicht übrig.

LiebeGrüßeChrisTine

Hallo,
danke für deine Antwort.

Mir ist im Prinzip schon klar, daß für eine Zwanseinweisung
massive Eigen- oder Fremdgefährdung vorliegen muß, aber gibt
es vielleicht etwas anderes, was man tun könnte?

Du sagst es selbst: Erst wenn sie selbst oder andere gefährdet
würden, ist eine Zwangseinweisung möglich.

Stellt sich die Frage: Warum willst du unbedingt etwas
unternehmen? Du kannst hier keine Verantwortung übernehmen.
Manchmal muss man Dinge einfach ansehen und loslassen. Was
anderes bleibt dir nicht übrig.

Ich will nicht unbedingt etwas unternehmen. Ich möchte nur wissen, ob man etwas tun KÖNNTE.
Es fällt mir nicht schwer, in diesem Fall loszulassen (anderen schon eher), es ging mir nur darum, daß bei dieser Person offensichtlich etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist, und welche Möglichkeiten man hätte.

Hallo Corinna,

Ich bin der festen Überzeugung, dass jede Therapie nur dann von Erfolg gekrönt sein kann, wenn sie auf freiwilliger Basis gemacht wird. In der Psychiatrie würde man sie bloss mit Chemie volldröhnen und mit Elektroschocks quälen.

Offenbar glaubt sie an die Wahrheit von Gedanken, die mit der Realität nichts zu schaffen haben (wie wir alle das machen):

sozusagen besten Freundin abzubrechen und auch zu allen

Ich sollte jeden Kontakt abbrechen.

In ihrer Wohnung hat sie sämtliche elektrische Geräte
ausgeschaltet.

Ich sollte elektrische Geräte ausgeschaltet lassen.

Sie geht mittlerweile wohl nicht mehr arbeiten,

Ich sollte nicht arbeiten gehen.

Sie ißt praktisch nichts mehr; Grund für eine Diät hat sie
aber nicht.

Ich sollte nicht essen.

Beispiele: „Tom: möglicher Feind, muß beobachtet werden“,
„Elke: liebt mich“, „Richard: dick, ein Versager“).

Hier ist es wohl offensichtlich?

Sie ist der Meinung, ihr Exfreund … würde sie „verfolgen“,

Mein Exfreund verfolgt mich.

Ihrer Familie gaukelt sie eine heile Welt vor, sie erzählt

Ich sollte meiner Familie was vorgaukeln (sie verschonen, etc.).

(wohlgemerkt behauptet sie aber eigentlich, lesbisch zu sein)

Ich bin lesbisch.

aber gibt es vielleicht etwas anderes, was man tun könnte?

Das gibt es mit Sicherheit:
Hast Du mal versucht, ihr Selbsterfahrung/Selbsterkenntnis nahezulegen?
Sie liebevoll auf Möglichkeiten/Optionen hinweisen, was sie machen könnte?

Ich kenne eine sehr gute Methode, um negative Gedanken unschädlich zu machen, die sehr einfach, effektiv und auch noch gratis ist:
http://www.thework.at
oder hier auf Englisch:
http://www.thework.com
Buch:
http://www.amazon.de/Lieben-was-ist-Fragen-ver%C3%A4…
Ich mache das selbst seit zwei Jahren mit grossem Erfolg.

Erlaube mir auch die Frage:
Wie geht es Dir dabei, wenn Du denkst:

Ich sollte ihr helfen, mich um sie kümmern.

oder ähnlich.
Wie fühlst Du dich dann?

liebe Gruesse und
viel Erfolg!
Martin B

Hallo nochmal!

Ich will nicht unbedingt etwas unternehmen. Ich möchte nur
wissen, ob man etwas tun KÖNNTE.
Es fällt mir nicht schwer, in diesem Fall loszulassen (anderen
schon eher), es ging mir nur darum, daß bei dieser Person
offensichtlich etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist, und
welche Möglichkeiten man hätte.

Kann ich verstehn, ich frag mich auch, ob da wirklich kein Rankommen ist.
Aber für eine Therapie bedarf es zunächst der Einsicht der betroffenen Person, dass sie psychisch krank ist, und dann muss sie sowohl therapiewillig als auch therapiefähig sein. Das alles scheint ja hier nicht zuzutreffen.

Gruß, ChrisTine

Hallo Corinna,

Ich bin normalerweise gegen Zwangseinweisungen,

Ach ja? Interessant… warum?
Und warum plötzlich nicht mehr?

ob man als Außenstehender, also nicht als
Familienmitglied, in der Lage ist, sie u einer Therapie o.ä.
zu schicken, oder ob man quasi machtlos ist, wenn die Familie
meint, alles sei in Ordnung.

Du bist nicht machtlos und kannst natürlich mit deiner Bekannten zum Arzt gehen. Dieser wird, falls erforderlich, hinsichtlich weiterer Schritte Richtung erfolgreicher Behandlung beraten. Oder an einen entsprechenden Facharzt/Klinik überweisen.

Mir ist im Prinzip schon klar, daß für eine Zwanseinweisung
massive Eigen- oder Fremdgefährdung vorliegen muß, aber gibt
es vielleicht etwas anderes, was man tun könnte?

Für eine Zwangseinweisung ist ein Arzt zuständig.
Also: Wenn du der Meinung bist deine Bekannte ist schwer krank, dann musst du dich kümmern und dich um sie bemühen.
So wie man das mit allen Kranken eben so macht… da sein, Händchen halten, Sorgen ernst nehmen, Süppchen kochen, vielleicht mal die Wäsche waschen.
Solltet ihr ein gutes Verhältnis zueinander haben und sie merken, dass du es gut mir ihr meinst und ein verlässlicher Freund bist, dann geht sie auch mit dir zu einem Arzt.

Ansonsten:
http://www.psychiatrie.de/hilfenetz/versorgungssyste…

Mit Grüßen
Simone

Hallo Corinna,

Therapie ist ein weites Feld.

Eine zwangsweise psychotherapeutische Behandlung wird es nicht geben können. Bei der Psychotherapie ist die Komplianz des Patienten immer vorrausgesetzt. Sonst bringt das nichts.

Eine Zwangstherapie allgemein ist - wie hier bereits geschrieben wurde - nur bei akuter Eigen- oder Fremdgefährdung möglich.

Aber auch hier erfolgt keine psychotherapeutische Intervention (nur wenn der Patient dies wünscht bzw. zulässt).

Wenn jemand z.B. die Nahrungsaufnahme verweigert, dann liegt u. U. eine Eigengefährdung vor und eine Zwnagsernährung könnte angeordnet werden.

Wenn jemand ständig randaliert, andere angreift oder sich selber gefährlich zu verletzen sucht, könnte die Therapie über mechanische Fixation bis zur medimenkatösen Sedierung ausfallen.

Eine Zwangstherapie findet fast immer auf entsprechend ausgelegten Stationen statt - die sogenannten geschützten bzw. geschlossenen Abteilungen der Krankenhäuser (geschlossene Psychatrie, geschlossene Geriatrie, geschlossene Forensik etc.).

Bei diesen Stationen handelt es sich um „Intensivstationen“, und das entsprechende Störungsbild bei den Betroffenen sollte eben derart extrem in seiner Ausprägung sein, dass ein Aufenthalt hier auch gerechtfertigt wäre. Dies wird durch regelmäßige Begutachtung des Patienten durch auch externe Leute, z.B. einen Richter, gewährleistet.

Lieben Gruß
Patrick