Ich hab da mal ne frage, die mich beschäftigt.
Mein Kollege ist 23 jahre alt und hat ca. seit 8 Jahren (+/-) Zwangsstöhrungen…ich weiß nicht genau, nur soviel, dass er einen ausgeprägten Kontrollzwang hat und auch Zwangsgedanken.
Nun war er in Behandlung bei einem Psychologen, und hat nun 1 Woche „Radikal“ alles abgeschalten - also den Zwängen nicht mehr nachgegeben, und meinte er sei nun „geheilt“ und rückfall gibts einfach nicht. das stehe nicht zur Debatte. ich als leihe, welcher einige berichte im Fernsehen gesehen hat und erst vor kurzem ein Gespräch mit einem anderen „Zwangsverhaltengestörten“ Menschen geredet habe der mir auch versicherte in einer woche kann man Zwangsverhalte nicht einfach abschalten.
Belügt sich mein Kollege selber?
ich steig auf das Thema schon gar nicht mehr ein, weil er sich seiner sache so sicher ist, aber wenn so einfach wäre, dann würde es doch für die ganzen Kranken „so einfach sein“ … nach dem Motto „reiß dich zusammen dann geht das schon“…
würde mich echt interessieren ob er wirklich „geheilt“ ist oder er sich nur selbst was vormacht. was kannn ich als „außenstehende“ sagen, oder tun, weils für mich einfach unmöglich scheint.
Ich habe selbst OCD und kann mir nicht vorstellen, nach einer Woche “geheilt” zu sein. Diese Gedanken beherrschen meinen Alltag und laufen eher unbewusst ab, d. h. ich handle automatisch entsprechend. Bewusst wird es mir nur in Situationen, in denen meine Zwangshandlung etwas im Weg steht und es mich deswegen nervt.
Ich raeume ein, dass ich es eventuell fuer moeglich halte bei nur einer Zwangshandlung, z. B. Haende waschen. Mir das in einer Situation bewusst zu machen und es zu unterlassen wuerde mir immens schwer fallen (da Zwang) und mir waere sehr unwohl dabei, aber moeglicherweise wuerde ich das in den meisten Siutationen schaffen (bei mir hat sich das schon sehr gebessert, ich habe es aber nicht ganz abstellen koennen).
Falls diese Person jedoch mehrere Zwaenge hat, halte ich das fuer fraglich, da ich nicht glaube, dass jemand alle seine Gedanken kontrollieren und entsprechend handeln kann. Diese Zwaenge zu ueberwinden und anerlernte Handlungen zu aendern ist ein Lernprozess und nicht etwas, dass man von heute auf morgen abstellen kann. Zudem haben alle diese Zwaenge einen Ursprung und je nachdem wieviele man hat, bezweifle ich, dass diese schnell gefunden werden koennen und damit automatisch verschwinden.
Ich frage mich auch, wie der Betroffene und auch der Psychologe “normal” definieren. Moeglicherweise sind diese Zwaenge dann doch keine oder nicht so schlimm und diese Person ist jetzt davon ueberzeugt geheilt zu sein. Ist ist es normal, dass man sich nach dem Essen mit Besteck die Haende waescht? Ich wuerde das fuer normal halten, da ich aber niermanden kenne der das automatisch tut, muss es ein Zwang sein. Ist das aber wirklich etwas, das so schlimm ist? Ist es normal, dass man sich Sorgen macht, dass der Familie etwas passieren koennte? Wie oft darf man solche Gedanken haben bevor es zum Zwang erklaert wird? Und wie oft ist man sich bewusst, dass man darueber nachdenkt? Wenn man sich niemals ins Gras und nur sehr ungern auf eine Bank in einem Park setzen wuerde wegen moeglicher Insekten, das halte ich fuer einen Zwang. Aber damit kann man bis auf wenige Ausahmesituationen gut leben. Macht das Leben komplizierter, aber man ist daran gewoehnt und kann sich gut einreden, dass man nicht wirklich ein Problem hat.
Hallo Kris !
Also ich glaube bei meinem Kollegen nicht das es „eingebildete Zwänge“ sind, weil ich ja selber teilweise mitbekomme was abgeht - wo er sich Gedanken macht, worüber ein andere nicht mal einen daran verschwendet- sag ich mal - die für unser eins irrational sind.
Er selbst erzählt so dinge wie:
* er Kontrolliert versperrte türen bis zu 5 mal und öfter
* er muss immer wieder zurück gehen und schauen ob alles ausgesteckt ist
* er hat gedanken er könnte z.b. beim Protokolliren eines schriftstückes etwas hineingeschrieben habe was eine andere Person beleidigt oder ein schlechtes Licht auf ihn rückt
* er schreibst sich - also die arbeit betreffend - die Aktenzahlen auf zu denen er etwas protokolliert hat auf und kontrolliert diese immer wieder obwohl er weiß dass alles ok ist…
um nur einiges zu nennen was wir bzw. ich als seine Kollegin so wissen - er schaltet den Wecker auf 3 uhr früh und lässt ihn alle 15 minunten runtergehen…weil er anders nimma kann…und so was alles…
und mir kommt vor das war zum schluss auch richtig schlimm.
Er ist ein seeeehr ergeiziger Mensch und in meinen Augen auch sehr arrogant - so kommt er zu mindest rüber - so - ich bin alles ihr seit nichts - und da muss man ihn schon mal runterholen.
Es war auch teilweise so schlimm, das er an meinen Arbeitsplatz ging und Dinge ausgesteckt oder schaltet hat die für mich „normal“ sind anzulassen - wo ich mir denke „hallooo? gehts noch“.
Ich denke mir an Zwangsstöhrungen zu leiden muss schlimm sein, und sie für außenstehnde sicher nur schwer zu verstehen, aber mich interessiert so etwas total und möchte es auch mehr verstehen. und als ich mit einer Person die auch darunter leidet geredet habe, wurde mir auch irgendwie klar dass man soetwas nicht von heute auf morgen „loswerden“ kann … und wer das sagt macht sich in meinen augen etwas vor - denn wie gesagt, wenn so einfach wäre…
liebe grüße aus salzburg
silvia
Hallo,
„reiß dich zusammen dann geht das schon“ (Zitat) ist ein sehr zwanghafter Satz, finde ich. Für mich klingt es wie eine „einfache Lösung“, die es bei Zwangsstörungen wohl kaum gibt.
Es geht eben nicht, man kann sich nicht dazu zwingen, keine Zwänge mehr zu haben. Ist doch klar, dass das die erste Lösung ist, die ihm eingefallen ist: eine „Musterlösung“ für eine Zwanghaften: „Ich bekomme das schon in den Griff, ich zwinge mich einfach dazu“.
Einen Zwang mit einem Zwang bekämpfen, naja…
Hmm, jetzt habe ich mich wohl mehrmals wiederholt.
Nun gut, vielleicht sagt ja noch jemand vom Fach was dazu.
Gruß Anwärter
Meine Einschätzung ist, dass es natürlich sehr unplausibel klingt, dass er schlagartig geheilt ist.
Aber man sollte es nicht schon dadurch kaputt machen, dass man es in Frage stellt. Wo steht denn, dass sich zu zwingen keinen Zwangsimpulsen mehr nachzugeben, vielleicht in soweit helfen kann, dass alle anderen Zwänge erstmal weg sind und man erkennt, dass man auch ohne überlebt, nichts Schlimmes passiert und man dann ganz getrost und gelassen ein zwangfreies Leben fortführen kann.
Nur als Idee. Bin kein Experte und selbst neugierig auf fachliche Antworten.