Hi,
angenommen ich esse ein produkt, dass zu 0,01% krebs
verursacht. dann müsste ja die Wahrscheinlichkeit dass ich
krebs bekomme, bei jedem mal (neu) 0,01% wenn ich dieses
produkt esse… (denke ich mal?)
Nein, so funktioniert das nicht. Diese Prozentzahlen sind statistische Spielchen. Das funktioniert so, wobei die jetzt von mir genannten Zahlen Hausnummern sind und nur das Prinzip erläutern sollen: Von 10.000 Personen, die regelmäßig Leberwurst essen, erkrankt eine an Leberkrebs, während von 10.000 anderen Personen, die niemals Leberwurst essen, kein einziger an Leberkrebs erkrankt. Daraus schließt man dann, dass Leberwurst zu 0,01% Leberkrebs verursacht. In der Praxis nimmt man etwa das Krebsregister in Deutschland her, in dem die Spitäler (ich weiß nicht, ob alle oder nur ausgewählte) ihre Krebsfälle melden und schaut nach, ob man irgendwelche Zusammenhänge mit Ernährung, Umwelt oder sonstigem findet. Sehr oft sind es auch einfach Tierversuche: Ich füttere 10.000 Ratten mit dem Lebensmittel oder nicht und schau, wie viele von ihnen Krebs kriegen.
Also mitnichten so: Wenn ich einmal Leberwurst esse, kriege ich mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,01 % Krebs und wenn ich es 1 Mio mal esse, kriege ich mit einer Wahrscheinlichkeit von 100 % Krebs.
Jetzt müsste eigentlich auch eine Abhandlung über die Krebsentstehung generell folgen. Die Ultrakurzfassung: Ob eine Zelle entartet oder nicht, hängt von sehr, sehr vielen Faktoren ab, und es gibt nicht einmal beim verdammt gut untersuchtem Zusammenhang von Rauchen und Lungenkrebs absolut gesicherte Zahlen. Wer ganz bösartig ist, könnte glatt behaupten, der Zusammenhang ist nicht nachgewiesen.
aber wie ist das bei der allergie? steigere ich die
Wahrscheinlichkeit, weil sich sowas im Körper anreichert? oder
verringert sich die Wahrscheinlichkeit, weil ich sagen kann,
mein Körper hat bei den ersten 10mal nicht allergisch reagiert
und wird es folglich bei den nächsten 1000 mal auch nicht tun?
Allergie ist ganz etwas anderes. und mindestens ebenso komplex wie krebs.
Erstens muss unterschieden werden zwischen „echter“ Allergie und Unverträglichkeit. Unverträglichkeit ist im Wesentlichen dosisabhängig (also z.B. können viele Leute mit Milchzuckerunverträglichkeit in geringerem Ausmaß durchaus etwa eine Mehlspeise mit Milch drinnen problemlos essen, ohne gleich die vollen Symptome zu kriegen). Unverträglichkeit hast du oder hast du nicht. Du kannst sie in unterschiedlichem Ausmaß haben, aber so viel ich weiß kannst du sie nicht im Laufe des Lebens erwerben. (bin in diesem Punkt aber nicht ganz sicher).
Allergie: Grundsätzlich ist es durchaus so, dass wenn der Körper bei den ersten 10 Mal nicht reagiert, er in der Folge wahrscheinlich auch nicht reagiert. Aber ich weiß aus eigener leidvoller Erfahrung, dass ich meine Allergie auf Katzen mir erworben habe, indem ich mit welchen zusammenlebte. Davor war der gelegentliche Kontakt mit Katzen bei Besuchen von Katzenbesitzern offensichtlich zu gering, um die Allergie auszulösen. Seit ich sie mir mit dem Zusammenleben so richtig schön erworben habe, muss ich mir bei katzenbesitzenden FreundInnen vorher ein Antihistaminikum einwerfen.
also die Intensität des Kontaktes spielt bei der Allergieentwicklung durchaus eine Rolle. oder anders gesagt: Kommt wohl auch drauf an, in welchem Zeitraum die 10 oder 100 mal sind.
Das ist jetzt auch alles nur sehr grob und ungenau. Die wahren Zusammenhänge sind noch viel komplexer und werden zum Großteil noch nicht einmal von Fachleuten wirklich durchschaut.
Livia