Zweifelhafte Geldanlageberatung fuer Senior (96)

Meinem Grossvater (96 Jahre) wurden von einer Sparkasse folgende Geldanlagen verkauft:

  • Bausparvertrag ueber 20.000 € mit 100 € Besparung, Abschluss 2003
  • Bausparvertrag ueber 13.000 € mit 50 € Besparung, Abschluss 2008
  • Geldmarktfonds, aus meiner Sicht o.k.
  • Immobilienfonds, aus meiner Sicht gerade noch o.k.
  • Garantieaktienfonds mit Laufzeit bis 08/2012, dann ist er ueber 100!!
  • Dachfonds mit Renten, steht tief im Minus

Sein gesamtes Vermoegen ist in diesen Anlagen gebunden, ausser dem Geldmarktfonds ist nichts schnell und ohne Verlust fluessig zu machen. Ich halte die Auswahl der Produkte fuer skandaloes, gerade von den ach so serioesen Sparkassen.

Bisher hat sich mein Grossvater ueber solche Sachen nie mit uns besprochen, jetzt hat er seine Meinung geaendert.

Welche Chancen bestehen, die Bausparvertraege und Fonds verlustfrei rueckabzuwickeln? Hilft es, mit Oeffentlichkeit (Zeitung, TV) zu drohen? Wie sollte das Gespraech mit dem Verkaeufer der Anlagen gefuehrt werden? Bin fuer jeden Hinweis dankbar.

Hallo,

Meinem Grossvater (96 Jahre) wurden von einer Sparkasse
folgende Geldanlagen verkauft:

  • Bausparvertrag ueber 20.000 € mit 100 € Besparung, Abschluss
    2003

Da sehe ich kein Problem, ich gehe mal davon aus, man hat ihm einen Vertrag mit hohem Zinssatz in der Ansparophase gegeben. Wenn Du Dich erinnerst, gab es damal extrem niedrige Zinsen im kurz-, mittel-, und langfristbereich, so dass viele Sparer Bausparverträge gemacht haben, weil da die Verzinsung selbst nach Gebühren höher war, als bei einem 2-jährigen Zertifikat.
Du erwähnst die Sparkasse, also wird der Vertrag bei der LBS sein. Leider erwähnst Du das Bundesland nicht, was schade ist, da die LBS en regional unterschiedliche Tarife haben.
Zu dieser Zeit war es aber bei den meisten LBS en so, dass man, bei Nichtinanspruchnahme des Darlehens nach Zuteilung die Abschlussgebühr zurückbekommt.
Der Vertrag könnte durchaus zuteilungsreif sein, so oder so, er sollte im Plus sein. Kündbar ist er sowieso (Frist normalerweise 6 monate bei der LBS).
Den hätte ich in dieser Zeit auch einem älteren Menschen verkauft, wenn davon auszugehen war, dass er geistig noch fit ist und versteht´, dass das Geld fest angelegt ist.
(Nebenbei, ich hatte in der Beratung auch schon 100-jährige, die auf 5 Jahre anlegen wollten und das Argument vorbrachten „Ich geb es eh nicht mehr aus, das ist für die Erben“).

Die Presse brauchst Du dazu nicht.

  • Bausparvertrag ueber 13.000 € mit 50 € Besparung, Abschluss
    2008

Das hätte ich jetzt nicht mehr empfohlen, da gab es in der Zeit besseres. Trotzdem kannste das Ding kündigen (also, Opa kann das), notwendig ist das nicht. Der Vertrag ist vererbbar.

  • Geldmarktfonds, aus meiner Sicht o.k.

der dürfte DEKA sein und noch im Plus

  • Immobilienfonds, aus meiner Sicht gerade noch o.k.

dito

  • Garantieaktienfonds mit Laufzeit bis 08/2012, dann ist er
    ueber 100!!

kann jederzeit verkauft werden, die Einlage ist garantiert, der Fonds vererbbar. Das sehe ich nicht als Schlechtberatung.

  • Dachfonds mit Renten, steht tief im Minus

sehe ich nicht unbedingt als Schlechtberatung, hängt davon ab, ob Opa die Risiken bewußt waren.

Sein gesamtes Vermoegen ist in diesen Anlagen gebunden, ausser
dem Geldmarktfonds ist nichts schnell und ohne Verlust
fluessig zu machen.

Leider schreibst Du nicht, wie hoch die liquiden Anteile von Opa sind.
Was braucht er denn sofort fällig?
Mehr als 10.000 EUR wohl nicht, oder? Das muss in der Beratung besprochen worden sein. Vielleicht gibt es da noch einen Finanzcheckbogen oder ein Gesprächsprotokoll bei der Sparkasse.
Es gibt Leute, die fühlen sich mit 3000 EUR Liquidität wohl, ander möchten 20.000 EUR haben. Hängt also auch von Opas Mentalität ab.

Ich halte die Auswahl der Produkte fuer
skandaloes, gerade von den ach so serioesen Sparkassen.

Skandalös ist was anderes. Natürlich kann man das aus der Ferne schwer beurteilen, aber einige Dinge hätte ich auch so beraten, beim 2. Bausparvertrag sehe ich allerdings auch Klärungsbedarf.

Generell zum Auftritt in der Bank:

Droh gerne mit Presse, TV, Zeitung und man wird Dir freundlich und bestimmt die Tür weisen - erpressen lassen sich auch Sparkassen nicht gern.

Der besser Weg ist, mit Opa dort aufzutauchen, um einen Anlagecheck mit dem Berater zu bitten und dann sachlich darlegen, was Du nicht gut findest, Sparkasse und LBS notfalls schriftlich (oder mit anwaltlicher Hilfe) um Rückabwicklung des BSV bitten.

Die Fondsgeschichte wird die Sparkasse vermutlich nicht rückabwickeln, dafür hat sie mit Sicherheit ein Beratungsprotokoll, das sie vorweisen kann, aus dem hervorgeht, das Opa über die Risiken der anlage aufgeklärt wurde.

Grüße

Uwe

Bisher hat sich mein Grossvater ueber solche Sachen nie mit
uns besprochen, jetzt hat er seine Meinung geaendert.

Welche Chancen bestehen, die Bausparvertraege und Fonds
verlustfrei rueckabzuwickeln? Hilft es, mit Oeffentlichkeit
(Zeitung, TV) zu drohen? Wie sollte das Gespraech mit dem
Verkaeufer der Anlagen gefuehrt werden? Bin fuer jeden Hinweis
dankbar.

Vielleicht hat das bei den Sparkassen System: Meiner Mutter hat man im Alter von gegenüber deinem Vater „zarten“ 86 Jahren auch einen Bausparvertrag angeboten - bei einem (Renten-) Einkommen von damals ca. 1100 DM. Ich war entsetzt! Gott sei Dank konnten ich das gerade noch verhindern.
Dass „Uwe Sparkassenbetriebswirt“ die Anlage für einen 96-jährigen rechtfertigt/verharmlost, wundert mich eigentlich nicht.

Leider aber wird man, wenn der Grossvater noch zurechnungsfähig ist, nichts machen können.

Gruss
Laika

Hi,

Dass „Uwe Sparkassenbetriebswirt“ die Anlage für einen
96-jährigen rechtfertigt/verharmlost, wundert mich eigentlich
nicht.

moment mal, Du kannst davon ausgehen, dass ich weder bei einer Sparkasse arbeite, noch irgend etwas verharmlosen möchte.
Allerdings will ich auch nichts dramatisieren.

Der Mann ist doch nicht zu Schaden gekommen. Er hat einen Sparvertrag abgeschlossen, mit dem er mehr Zinsen bekommt, als es damals mit einem Sparkassenprodukt möglich war.

Wo ist jetzt das Problem?

Grpße

Uwe

Hi,

ich verstehe das Problem auch nicht. Bei keiner dieser Anlageformen ist das Geld in irgendeiner Form weg (im sinne von, niemand kommt je wieder da ran, Stichwort Rheumadecken), sie sind unterschiedlich schnell verlustfrei zu Bargeld zu machen, und sie sind allesamt vererbbar. Das heißt, Opa kann an GEld ran, wenn er welches braucht, ihr könnt an welches ran (ich bitte um Verständnis), wenn ihr seine Beerdigung zahlen möchtet / müßt (was hoffentlich noch in recht weiter Ferne liegt, ich wünsche dem Opa nichts Böses). Und er kann vererben, was er möchte. und wenn er nicht vererben möchte., löst er eben alles auf und haut es auf den Kopf :smile: … aber wenn er das gewollt hätte, hätte er sich nicht nach Anlageformen erkundigt.

Mit Bausparverträgen kann man ja nicht nur Häuser bauen. Ich bin mit meinem nach England geflogen, also hab ihn aufgelöst (vorzeitig) und habe mir für das Geld das FLugticket nach England gekauft, um dort ein Jahr zu arbeiten. Und man kann Bausparverträge vererben, dann könnt Ihr damit ein Haus bauen.

Die Franzi

Guten Tag Steffen Kohl,
eine Weile habe ich überlegt, weswegen Geldmarktfonds und Immobilienfonds o.k. bzw. gerade noch o.k. sind. Ich verstehe den
Sinn der Worte nicht. Gibt es von Ihnen eine Erklärung ?

Im übrigen: Ob Dingsbank oder Sonstwaskasse. Solange Ihr Großvater
zum jeweiligen Abschlusszeitpunkt Herr seiner Sinne war, können Sie sich die Aussicht auf Rückabwicklung - sagen wir - verkneifen.
Auf welcher Grundlage denn auch. Da gab es ein Verkaufsgespräch und
ein Ergebnis.
Die Dinge laufen nunmal so. Ihr Großvater ist kein Einzelfall.
Und sog. Verkaufsziele stehen nicht nur nachrichtlich in
irgendwelchen kritischen Blättchen zur Bankenwirklichkeit.
Sie werden den Bediensteten regelmäßig so eingebläut ( im
übertragenen Wortsinn versteht sich), dass sie nicht
vergessen, wovon die Rede war.

Gruß
Günther

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Hallo Laika,
hättest du es nur nicht geschrieben!
Obwohl Sparkassen und Banken Konkurrenz für uns sind, muss ich jetzt doch eine Lanze für den Berater brechen. Er hat deiner Mutter die imo lukrativste und sicherste Anlage angeboten, die möglich war (sofern die BS-Summe nicht zu hoch gewählt war)!
Zum Grundzins wäre noch Wohnbauprämie (damals 10% aus 512/1.024 EUR, led./verh., 7 J. Bindefrist, bei Tod wird die WOP trotzdem gewährt)hinzugekommen. Trotz Abschlußgebühr hätte es eine bessere Anlage kaum gegeben.

Gruß cooler

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Er hat deiner Mutter die imo lukrativste und sicherste Anlage :angeboten, die möglich war (sofern die BS-Summe nicht zu hoch :gewählt war)! … Trotz Abschlußgebühr hätte es eine bessere Anlage :kaum gegeben.

Gruß cooler

Das sehe ich anders. Ich habe vor 6 Jahren auch einen Bausparvertrag mit 2 % Grundzins abgeschlossen. Einige Jahre kam ich zudem in den Genuss von Wohnbauprämie und AN-Sparzulage. Ausserdem werde ich die sog. Treueoption in Anspruch nehmen (+ 1 % Zins), da ich den Kredit nicht benötige.
Ich habe mir dann genau ausgerechnet, wie hoch die effektive Verzinsung am Ende ist, mit Einberechnung aller Prämien, Zinsen, Abschlussgebühr, und kam auf gut 3 %. Jedes Tagegeldkonto wäre besser gewesen.

Er hat deiner Mutter die imo lukrativste und sicherste Anlage :angeboten, die möglich war (sofern die BS-Summe nicht zu hoch :gewählt war)! … Trotz Abschlußgebühr hätte es eine bessere Anlage :kaum gegeben.

Gruß cooler

Hallo,

Das sehe ich anders. Ich habe vor 6 Jahren auch einen
Bausparvertrag mit 2 % Grundzins abgeschlossen. Einige Jahre
kam ich zudem in den Genuss von Wohnbauprämie und
AN-Sparzulage. Ausserdem werde ich die sog. Treueoption in
Anspruch nehmen (+ 1 % Zins), da ich den Kredit nicht
benötige.
Ich habe mir dann genau ausgerechnet, wie hoch die effektive
Verzinsung am Ende ist, mit Einberechnung aller Prämien,
Zinsen, Abschlussgebühr, und kam auf gut 3 %. Jedes
Tagegeldkonto wäre besser gewesen.

Ja klar, wenn du eine BS-Summe so hoch wie der Eiffelturm hast! (ansonsten kann es ja gar nicht sein!)
Ich habe extra geschrieben: „sofern die Summe nicht so hoch gewählt war“)

Gruß cooler

Ja klar, wenn du eine BS-Summe so hoch wie der Eiffelturm
hast! (ansonsten kann es ja gar nicht sein!)
Ich habe extra geschrieben: „sofern die Summe nicht so hoch
gewählt war“)

Gruß cooler

Bausparsumme 25.000 €, also Besparung von rund 12.500 €. Nicht zu hoch, oder?
Und ich habs wirklich genau ausgerechnet. Sparleistung insg. 11.760 € und am Ende bekomm ich 13.400 € ausgezahlt. Sind ca. 3%. Kann also doch sein.

Hallo,

das stimmt nur, wenn Du Deine Sparleistung auf einmal zu Beginn eingezahlt hast.
Hast Du sie allerdings in Raten (vermutlich á 250€ monatlich) eingezahlt, liegt die Verzinsung bei 6,6%.
http://www.zinsen-berechnen.de/sparrechner.php
probier mal den obenstehenden Link.

Grüße

Uwe

Hm Uwe, danke für den Link, aber auf 6,6 % komme ich nicht.
Sparrate mtl. 140 €, 7 Jahre lang. Bei einem Endkapital von 13.400 € sind das grad mal 3,67 %.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo cooler,

hättest du es nur nicht geschrieben!

Schön cool bleiben! :wink:)
Ich hatte ihr Einkommen dazu geschrieben! Und bei dem kann man eigentlich nix sparen.
Ein bisschen liegt das auch daran, dass ich mir (und meiner Mutter) sage, dass man in dem Alter sein Geld verleben und nicht für eine Zeit festlegen solte, die man wahrscheinlich gar nicht mehr überlebt.

Gute Nacht
Laika

Hallo,

wie gesagt, ich bin von der Regelbesparung ausgegangen (normal 1%o der Bausparsumme pro Monat).
Die 140 erscheinen mir zu gering für diese Summe, führen aber in der Tat zu einem wesentlich geringeren Effektivzins.

Grüße

Uwe