Hallo,
Meinem Grossvater (96 Jahre) wurden von einer Sparkasse
folgende Geldanlagen verkauft:
- Bausparvertrag ueber 20.000 € mit 100 € Besparung, Abschluss
2003
Da sehe ich kein Problem, ich gehe mal davon aus, man hat ihm einen Vertrag mit hohem Zinssatz in der Ansparophase gegeben. Wenn Du Dich erinnerst, gab es damal extrem niedrige Zinsen im kurz-, mittel-, und langfristbereich, so dass viele Sparer Bausparverträge gemacht haben, weil da die Verzinsung selbst nach Gebühren höher war, als bei einem 2-jährigen Zertifikat.
Du erwähnst die Sparkasse, also wird der Vertrag bei der LBS sein. Leider erwähnst Du das Bundesland nicht, was schade ist, da die LBS en regional unterschiedliche Tarife haben.
Zu dieser Zeit war es aber bei den meisten LBS en so, dass man, bei Nichtinanspruchnahme des Darlehens nach Zuteilung die Abschlussgebühr zurückbekommt.
Der Vertrag könnte durchaus zuteilungsreif sein, so oder so, er sollte im Plus sein. Kündbar ist er sowieso (Frist normalerweise 6 monate bei der LBS).
Den hätte ich in dieser Zeit auch einem älteren Menschen verkauft, wenn davon auszugehen war, dass er geistig noch fit ist und versteht´, dass das Geld fest angelegt ist.
(Nebenbei, ich hatte in der Beratung auch schon 100-jährige, die auf 5 Jahre anlegen wollten und das Argument vorbrachten „Ich geb es eh nicht mehr aus, das ist für die Erben“).
Die Presse brauchst Du dazu nicht.
- Bausparvertrag ueber 13.000 € mit 50 € Besparung, Abschluss
2008
Das hätte ich jetzt nicht mehr empfohlen, da gab es in der Zeit besseres. Trotzdem kannste das Ding kündigen (also, Opa kann das), notwendig ist das nicht. Der Vertrag ist vererbbar.
- Geldmarktfonds, aus meiner Sicht o.k.
der dürfte DEKA sein und noch im Plus
- Immobilienfonds, aus meiner Sicht gerade noch o.k.
dito
- Garantieaktienfonds mit Laufzeit bis 08/2012, dann ist er
ueber 100!!
kann jederzeit verkauft werden, die Einlage ist garantiert, der Fonds vererbbar. Das sehe ich nicht als Schlechtberatung.
- Dachfonds mit Renten, steht tief im Minus
sehe ich nicht unbedingt als Schlechtberatung, hängt davon ab, ob Opa die Risiken bewußt waren.
Sein gesamtes Vermoegen ist in diesen Anlagen gebunden, ausser
dem Geldmarktfonds ist nichts schnell und ohne Verlust
fluessig zu machen.
Leider schreibst Du nicht, wie hoch die liquiden Anteile von Opa sind.
Was braucht er denn sofort fällig?
Mehr als 10.000 EUR wohl nicht, oder? Das muss in der Beratung besprochen worden sein. Vielleicht gibt es da noch einen Finanzcheckbogen oder ein Gesprächsprotokoll bei der Sparkasse.
Es gibt Leute, die fühlen sich mit 3000 EUR Liquidität wohl, ander möchten 20.000 EUR haben. Hängt also auch von Opas Mentalität ab.
Ich halte die Auswahl der Produkte fuer
skandaloes, gerade von den ach so serioesen Sparkassen.
Skandalös ist was anderes. Natürlich kann man das aus der Ferne schwer beurteilen, aber einige Dinge hätte ich auch so beraten, beim 2. Bausparvertrag sehe ich allerdings auch Klärungsbedarf.
Generell zum Auftritt in der Bank:
Droh gerne mit Presse, TV, Zeitung und man wird Dir freundlich und bestimmt die Tür weisen - erpressen lassen sich auch Sparkassen nicht gern.
Der besser Weg ist, mit Opa dort aufzutauchen, um einen Anlagecheck mit dem Berater zu bitten und dann sachlich darlegen, was Du nicht gut findest, Sparkasse und LBS notfalls schriftlich (oder mit anwaltlicher Hilfe) um Rückabwicklung des BSV bitten.
Die Fondsgeschichte wird die Sparkasse vermutlich nicht rückabwickeln, dafür hat sie mit Sicherheit ein Beratungsprotokoll, das sie vorweisen kann, aus dem hervorgeht, das Opa über die Risiken der anlage aufgeklärt wurde.
Grüße
Uwe
Bisher hat sich mein Grossvater ueber solche Sachen nie mit
uns besprochen, jetzt hat er seine Meinung geaendert.
Welche Chancen bestehen, die Bausparvertraege und Fonds
verlustfrei rueckabzuwickeln? Hilft es, mit Oeffentlichkeit
(Zeitung, TV) zu drohen? Wie sollte das Gespraech mit dem
Verkaeufer der Anlagen gefuehrt werden? Bin fuer jeden Hinweis
dankbar.