Zweimenschensystem

Liebe LeserInnen,

Theodor Fontane spricht in ‚Vor dem Sturm‘ (1878, spielt aber 1812-1813), 1. Band, 17. Kapitel, vom ‚Zweimenschensystem‘. Das wäre typisch etwas worüber eine altmodische Gräfin ‚geheimnisvolle Unterhaltungen‘ führen würde. Wird weiter nicht erklärt. Google findet nur diese Stelle. Was ist dieses ‚Zweimenschensystem‘?
Danke!

Ob damit vielleicht der „Kugelmensch“ (von Plato, soviel ich weiß) gemeint ist? google mal damit, vielleicht ist es das ja.

Schöne Grüße

Petra

Hallo,

ich könnte mir auch vorstellen, dass dieses Prinzip gemeint ist:

http://de.wikipedia.org/wiki/Kugelmenschen_von_Platon

Gruß,

Myriam

PS: ich glaube, wir kennen uns aus FRADT, zumindest hatte ich dort einen Kollegen Deines Namens

Hallo Petra und Myriam,

vielen Dank für den Hinweis. Ich glaube aber, dass diese Kugelmenschengeschichte nicht zutrifft. Bei Plato geht es ja um ein Dreigeschlechtersystem.

Von anderer Seite wurde mir vorgeschlagen, vielleicht war die Zweiteilung zwischen adligen und nicht-adligen gemeint. Das könnte sein.

Noch eine andere Möglichkeit: könnte es vielleicht eine Anspielung sein auf den Unterschied zwischen den natürlichen / fleischlichen Menschen und den geistlichen Menschen (1 Kor. 2:14-15; 1 Kor. 3:1)? Darüber ist in protestantischen Kreisen ziemlich viel geschrieben worden. Fontane selbst erwähnt den natürlichen Menschen in diesem Sinne einige Male an anderen Stellen.

Lieber Fontane-Leser,
der Ausdruck Zweimenschensystem erinnert mich sehr an
„Zweikammersystem“. Sollte es sich vielleicht um eine Verulkung
konservativer Positionen handeln, bei der, quasi in Verteidigung des
alten feudalen Personenverbandsstaates gegen den modernen
Verfassungsstaat, dem damals vermutlich in fortschrittlichen Kreisen
viel diskutierten Zweikammersystem ein imaginäres Zweimenschensystem
gegenübergestellt wurde? (Nachdem ich nun Fontane gelesen habe,
Folgendes:smile: Und so verbleibe ich, in der wohl vergeblichen Hoffnung,
Ihnen mit diesem Gedankensplitter geholfen zu haben, mit dem Ausdrucke
vorzüglichster Hochachtung, stets Ihre sehr ergebene
mai-ling

Sehr geehrte Mai-Ling,

das ist sehr schlau gefunden, aber die Gräfin würde meines Erachtens sagen: ‚Cela me paraît trop recherché.‘ Zu weit hergeholt.

Immerhin, hochachtungsvoll,

Jaap Engelsman