Zweisprachig erziehen

Hallo,

angenommen man möchte ein Kind von zweisprachig erziehen.

Find ich grundsätzlich eine klasse Idee. Bin auch zweisprachig erzogen worden.

Wie sollte man da vorgehen? Der eine Elternteil nur Deutsch
sprechen und der andere nur Frendsprache oder gibt es andere
sinnvollere Methoden?

Also, bei mir war es so, dass die Mama Deutsch mit mir geredet hat, der Papa Englisch oder Amerikanisch (Was den nachteil hat, dass die Englischlehrerin in der 5. Klasse sehr wütend war, weil ich ehr amerikanische Wörter als Oxfordwörter benutzt hab und auch von der Aussprache ehr „schlampig“ geredet hab)
Videos bzw. Bücher hab ich von beiden Elternteilen auf Englisch zum anschauen bzw. zum vorlesen bekommen.
Was Helena sagte, macht auf jeden Fall Sinn: Wenn Du die Sprache nicht 100%ig kannst, dann wird es so sein, dass Dein Kind sie irgendwann einmal besser beherscht, als Du und, dass Du ihm Fehler ungewollt beibringst.
Ich hab mit meinem Papa ausschließlich auf Englisch geredet. Und heute ist es so, dass ich mit meiner Mom Englisch rede, wenn ich irgendwo bin und es nicht jeder mitbekommen soll, was ich gerade zu ihr sag. Ergibt zwar recht wenig Sinn, weil Englisch eh fast jeder versteht, aber es passiert einfach so.

Falls Du noch Fragen hast…
Gruß
Fee

hi Fee,

Was Helena sagte, macht auf jeden Fall Sinn: Wenn Du die
Sprache nicht 100%ig kannst, dann wird es so sein, dass Dein
Kind sie irgendwann einmal besser beherscht,

Wobei mir immer noch nicht klar ist, was daran schlimm
sein soll.
als Du und, dass

Du ihm Fehler ungewollt beibringst.

Ja. Aber wenn sie diese Sprache in ihrem Umfeld
hören, werden die Fehler nicht hängen bleiben.

Ich hab mit meinem Papa ausschließlich auf Englisch geredet.
Und heute ist es so, dass ich mit meiner Mom Englisch rede,
wenn ich irgendwo bin und es nicht jeder mitbekommen soll, was
ich gerade zu ihr sag. Ergibt zwar recht wenig Sinn, weil
Englisch eh fast jeder versteht, aber es passiert einfach so.

Das ist bei uns auch so. Meine Kinder wollten immer, schon
von klein auf,
wenn wir in Deutschland waren, auf Englisch geschimpft
werden (wenn es nötig war), und wenn wir woanders waren
auf Deutsch – sie sagten, das sei weniger peinlich.
Das zwar viele Menschen Englisch können, stimmt schon,
aber es sind dann doch nicht so viele, die die Details
mitbekommen.

Grüße
Elke

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hallo Gio!,
Vielleicht habe ich Dein Text falsch verstanden, aber für mich…

was mir immer wieder aufstößt: zweisprachige erziehung wird
allgemein als das nonplusultra angesehen, weil es ja dem kind
so wahnsinnig viele vorteile verschafft etc. pp.

Also bis jetzt sehe ich an meinen Sohn absolut kein Nachteil an seine Zweisprachigkeit. An ältere Kinder, die zweisprachig aufgewachsen sind, auch nicht.

ganz anders sieht es natürlich aus, wenn das kind nicht
dialekt sprechen soll…

Dieses dialekt wird man nie ganz „ausradieren“ können. Und schlimm finde ich es keineswegs. Warum soll man dem Kind seine Würzeln nicht erkennen sollen/dürfen??? Warum soll man künstlich -anders geht es kaum!- dialektfrei mit einem Kind reden?

gesetzt den (nicht soo seltenen) fall, ein elternteil spricht
hinlänglich „hochdeutsch“, der andere bösen dialekt.
was ist das anderes als „zweisprachigkeit“?

Weil das schlicht keine Zwei sprachigkeit ist! Ein Dialekt (und darüber kann man stunden diskutieren) ist eben keine sprache, sondern lehnt sich an eine an. Wenn ein Vater mit seinem Sohn Bayerisch redet und die Mutter Schwäbisch (als beispiel) hat das Kind zwei Akzente aber nur eine Grammatik (als Beispiel) gelernt. Somit wächst er nicht zwei sprachig auf, sondern bestenfalls mit zwei Dialekten auf. Und das ist ein großer Unterschied. Nämlich imo so ein großer, daß man überhaupt nicht von Zweisprachigkeit reden kann.

warum ist das eine gut und das andere schlecht???
das frage ich mich schon lange!

Beides finde ich gut. Nur im allgemein, imo, im beruflichen Leben hat ein Mensch, der mit zwei Dialekten aufgewachsen ist weit weniger Vorteile als einer der zweisprachig aufgewachsen ist(egal welche Sprachen sind!)

danke und gruß,

Gerne. Ich hoffe meine Meinung hat Dir ein bißchen weiter geholfen!

Schöne Grüße aus Nürnberg!
Helena

Der eine Elternteil nur Deutsch
sprechen und der andere nur Frendsprache oder gibt es andere
sinnvollere Methoden?

wie meinst du das - „fremdsprache“? jeder elternteil soll seine muttersprache mit dem kind sprechen und eben keine fremdsprache.

gruß
dataf0x

irgendwann mal wird
er das weit besser können wir ich selber. Dadurch können
Mißverständnissen und Vorkommnisse geschehen, daß die
Beziehung trübt.

aber nein, lol.

die klassische sprache, die normalerweise die eltern von den kindern lernen, ist hebräisch. so ein zustand ist völlig normal hierzulande, weil es eben viele einwanderer gibt. die kinder können es immer besser als die eltern. das einzige gefährlich ist, daß man selber analphabet bleibt und den kindern verantwortungen überläßt, die sie nicht haben sollten wie zb. bankgeschäfte. das kommt in familien vor, wo beide eltern einwanderer sind, und die sich selber nicht um ihre srpachkenntnisse kümmern!

wichtig ist aber, daß das eigene kind die eigene sprache (auch) lernt!

gruß
dataf0x

Hi Data!

Wir gingen von einer gezielten und gewollten Zweisprachigkeit der Kinder auf, wenn die Eltern ihre eigene Muttersprache nicht reden und dafür eine von ihnen gelernten verwenden. Und das auch noch, wo dies für den Eltern gelernte Sprache NICHT die Landessprache ist.

Was du sagst ist imho etwas anders, als diese Konstellation und natürlich hat das dann andere Sichtpunkte. Wenn ich Dich richtig verstanden haben, lernen die Eltern die Landessprache nicht (kommt auch hier in Deutschland sehr oft vor, so viel ich weiß). Doch daheim reden sie nach wie vor die eigene Muttersprache. Die Kinder werden zweisprachig indem in ihren Umfeld die Landessprache lernen und zuhause die „mit eingeführte“ Muttersprache der Eltern. Schade für den Eltern denn sie versäumen die Kultur ihres Gastlandes! (Ich vermute -ist aber sehr off-topic- dass ist der Ursprung des Problems was jetzt über Frankreich in den Zeitungen gelesen wird)

Wenn die Eltern mit dem Kind die eigene Muttersprache reden, ist ja auch toll. Wenn die Kinder dann sonstwo (schule, Freunde,…) die Landessprache lernen, dann ist es wiedrum auch kein Problem und auch toll. Bedenken hatte ich wenn diese Konstellation anders ist.

Schöne grüße aus Nürnberg! Shalom!
Helena

hiermit
melde ich mich ab!
(zweisprachig/„zweidialektisch“ wink@fritz)

danke.
Gio

hallo

Wir gingen von einer gezielten und gewollten Zweisprachigkeit
der Kinder auf, wenn die Eltern ihre eigene Muttersprache
nicht reden und dafür eine von ihnen gelernten verwenden. Und
das auch noch, wo dies für den Eltern gelernte Sprache NICHT
die Landessprache ist.

was für einen sinn soll dieses - pardon - theater haben? sprachen sind in ihrer natürlichen form immer an personen, biografien, mentalitäten, gesten, mimik und umgangssprachliche ausdrücke geknüpft. die eigene muttersprache ist teil der persönlichkeit. nur die muttersprache kann man lebendig an ein kind weitergeben - alles andere ist unnatürlich! im besten fall lernt das kind dann kauderwelsch mit einem üblen akzent und falscher intonation und verdrehter grammatik.

wenn die eltern einem kind eine weitere sprache, die sie selber nicht beherrschen, beibringen wollen, dann gibt es andere möglichkeiten:

  • einige zeit in diesem land leben. kinder saugen sprachen auf wie ein schwamm. wenn sie als kleines kind nur kurze zeit in einem land waren, lernen sie diese sprache später oft akzentfrei. kenne solche fälle!

  • die kinder einfach fernsehen lassen - nur bitte nicht synchronisiert. ich kenne kinder, die sprechen fließend spanisch, nur weil sie täglich eine spanische seifenoper gucken. und englisch sowieso. das lernen sie ab dem kindergarten, weil schon die cartoons und disneyfilme auf englisch sind!

alles andere halte ich für blanken unsinn.

gruß
dataf0x

ps. es gibt in israel eine berühmte geschichte von eliezer ben jehuda. dieser mensch hat das moderne hebräisch quasi erfunden. sein sohn ist ausschließlich auf hebräisch erzogen worden, als erstes kind mit hebräischer muttersprache. obwohl seine beiden eltern eine ganz andere sprache sprachen, haben sie sich geweigert, mit dem kind irgendetwas anderes als hebräisch zu sprechen. damals sprach niemand diese sprache. nun gut - das experiment hat funktioniert, aber das kind war sein leben lang psychisch gestört!!!

Hi Gio!

Habe ich etwas gesagt, was Dir nicht gefallen hat? Ich habe nur meine Meinung zum thema gesagt und dies, so weit mir möglich, ebenfalls begründet. Ich weiß wirklich nicht was ich falsch gesagt haben soll…

Schöne aber ratlose Grüße aus Nürnberg!
Helena

Ganz genau!
hallo Datafox!

was für einen sinn soll dieses - pardon - theater haben?

Eben! In meinen Augen, ebenfalls keinem… Es gibt aber Menschen, die das tun. Und ich kenne persönlcih welche.

sprachen sind in ihrer natürlichen form immer an personen,
biografien, mentalitäten, gesten, mimik und umgangssprachliche
ausdrücke geknüpft.

Eben! Und eine gelernte wird schon allein deshalb der Muttersprache nie das Wasser reichen, wenn ich mich so ausdrücken darf.

die eigene muttersprache ist teil der
persönlichkeit.

Das habe ich vor einiger Zeit hier in WWW auch geäussert. Wir sind uns einig.

nur die muttersprache kann man lebendig an ein
kind weitergeben - alles andere ist unnatürlich! im besten
fall lernt das kind dann kauderwelsch mit einem üblen akzent
und falscher intonation und verdrehter grammatik.

Hihihihi! also, sooooooooo schlimm muß auch nicht zwangsläufig kommen. Aber die Gefahr besteht auf jeden Fall, daß es so wird wie du es beschreibst.

andere möglichkeiten:

  • einige zeit in diesem land leben. kinder saugen sprachen auf
    wie ein schwamm. wenn sie als kleines kind nur kurze zeit in
    einem land waren, lernen sie diese sprache später oft
    akzentfrei. kenne solche fälle!

Ich kenne auch Fälle, wo diese zwischen vergessenen Sprache nie wieder gelernt wird, obwohl sie, bekanntermassen, im Unterbewußtsein schlummert. Aber ob sie dann, nachdem sie zum zweiten mal gelernt wird, akzentfrei gesprochen wird, das vermag ich sehr zu zweifeln.

  • die kinder einfach fernsehen lassen - nur bitte nicht
    synchronisiert. ich kenne kinder, die sprechen fließend
    spanisch, nur weil sie täglich eine spanische seifenoper
    gucken. und englisch sowieso. das lernen sie ab dem
    kindergarten, weil schon die cartoons und disneyfilme auf
    englisch sind!

Hihihihi! Du beschreibst ziemlich genau der Fall Davids. Er darf TV-schauen, wenn aber dafür eine der -mittlerweile unzähligen- ist, die er auf spanisch hat. Es klappt nämlich wunderbar!!! :o))

alles andere halte ich für blanken unsinn.

s.o.

ps. es gibt in israel eine berühmte geschichte von eliezer ben
jehuda. dieser mensch hat das moderne hebräisch quasi
erfunden. sein sohn ist ausschließlich auf hebräisch erzogen
worden, als erstes kind mit hebräischer muttersprache. obwohl
seine beiden eltern eine ganz andere sprache sprachen, haben
sie sich geweigert, mit dem kind irgendetwas anderes als
hebräisch zu sprechen. damals sprach niemand diese sprache.
nun gut - das experiment hat funktioniert, aber das kind war
sein leben lang psychisch gestört!!!

Wie gesagt: Ich glaube nicht, daß diese Störung unbedingt immer auftreten muß, wenn das Kind auf eine von den Eltern gelernte Sprache erzogen wird. Es ist künstlich: Ja. Gar nicht strebenswert: Ja. Bringt „Distanz“ (im Gegensatz zu Nähe) in die Beziehung: Ja. Ob es nutzlich ist oder nicht, sei dahin gestellt (ich glaube nicht) Und vorallem verstehe ich absolut nicht, weshalb das Kind entwürzelt werden soll.

Also für mich käme so was absolut nicht in Frage (Auch wenn ich schon ein paar mal eher böse angeschnauzt worden bin, weil „Obwohl du spanierin bist, bist du in Deutschland und deshalb solltest du gefälligst Dein Kind die Landessprache beibringen“. Der Mann der mir immer als erstes im Gedächtnis kommt, wenn ich daran denke, gehört nicht der Repuiblikaner oder gar der rechten Szene, aber frage mich bitte nicht welches Wort ich auf die Zunge hatte, als er fertig war mit seinen Parolen!! Zum Glück habe ich es schlucken können ;o)))

Schöne Grüße aus Nürnberg!
Helena

hallo

„Obwohl du spanierin bist, bist du in Deutschland und deshalb
solltest du gefälligst Dein Kind die Landessprache
beibringen“.

laß ihn. der weiß wirklich nicht, wovon er redet!

auch ein kind, dessen beide eltern nicht die landessprache sprechen, kann die landessprache auf einem niveau erlernen, wie jemand der landessprachliche eltern hatte. voraussetzung ist aber, daß einerseits die eltern das auch wollen und daß das kind die schulischen möglichkeiten dafür bekommt (gezielter sprachunterricht zuerst getrennt von anderen, später normale gemischte klasse).

da gibt es fälle, wo das kind vier sprachen spricht: vom vater lernt es eine, von der mutter eine andere, in der schule hebräisch und aus dem fernsehen englisch.

ich halte es für kontraproduktiv, mit dem kind im zwiegespräch eine fremdsprache zu sprechen. nichtmal mit meiner katze tue ich das - es ist unnatürlich! klar hört dich das kind landessprache sprechen, nämlich wenn andere leute dabei sind. aber es wird schon überreißen, daß es besondere sprache mit der mutter hat.

gruß
dataf0x

hej,
wenn du dich mit anderen familien, die ebenfalls mehrsprachig sind, austauschen möchtest, erfahrungen, tips und aufmunterung suchst, dann schau mal bei den sprachmäusen vorbei: http://de.groups.yahoo.com/group/Sprachmaeuse/

es ist eine untergruppe von der IDA, dem interessenverein für deutsche im ausland, aber es sind auch ein paar familien in deutschland dabei, die eben einen ausländischen elternteil haben.
die methode, die du ansprichst nennt sich OPOL - one person one language. es gibt dann auch noch ml@h (minority language at home, also die schwache sprache zuhause und die starke sprache in der umgebung, wenn man denn von einer starken und einer schwachen sprache reden möchte) und Ml@h - miority language at home, die starke sprache zuhause.

was am besten ist hängt von vielen dingen ab. welcher elternteil versteht und spricht welche sprache? warum möchte man die zweite sprache? usw.

ich bin mit einem dänen verheiratet und lebe in dk mit unseren drei jungs. mein alltag ist dänisch, ich denke dänisch, träume dänisch - muss mich echt konzentrieren, ab und zu mit den jungs deutsch zu sprechen. mein mann versteht nur wenig deutsch, deshalb können wir deutsch nicht als familiensprache wählen - ich fände es auch viel zu anstrengend, nun habe ich mit meinem mann seit 13 jahren dänisch gesprochen, diese gewohnheit ist so schnell nicht zu ändern.

bei der IDA u.a. den sprachmäusen habe ich dann die unterstützung gefunden, die ich gebraucht habe. ich habe andere deutsche hier aufgesucht, nun treffen wir uns ab und zu, telefonieren, usw.

mit den jungs spreche ich ab und zu deutsch, meistens dänisch. gesungen und vorgelesen wird fast nur auf deutsch und der fernseher hilft auch - dem sattelitten sei dank.

mein grosser - 5½ jahre - spricht fast fliessend deutsch, hat einen kleinen dänischen accent. er spricht gerne deutsch, es macht ihm spass. das ist für mich ein zeichen, dass es auch ohne zwang geht.

viel spass damit - es ist harte arbeit, aber wenn die kinder sich dann auf beiden sprachen mit den freunden in beiden ländern unterhalten können, ist das schon klasse.

evi aus dem heute sonnigen dk

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Deiner Artikel kann ich…
hallo Datafox!

…nur von anfang bis ende zustimmen.
Unsere Meinung stimmen miteiander überrein :o)))
Nur ganz eine kleine Bemerkung: Selbstverständlich lasse ich nicht mir von solchen Typen nicht sagen, wie ich mein Sohn zu erziehen habe. Das wäre ja gelacht!!!

Schöne Grüße aus Nürnberg!
Helena