Lieber Herr Dr. Fischer,
ich habe eine Frage zur zweisprachigen Erziehung. Mein Sohn Marco ist jetzt 19 Monate alt und wird zweisprachig erzogen (deutsch und spanisch).
Mein Mann und ich sind uns nun nicht sicher, ob es sinnvoll ist, unserem Sohn, z.B. wenn er ein Bilderbuch anschaut, jeweils die Wörter beider Sprachen für ein Bild gleichzeitig zu sagen, mein Mann auf Spanisch, ich auf Deutsch. Beispiel: Er zeigt auf einen Baum. Mein Mann sagt „arbol“, ich „Baum“.
Könnte ihn das verwirren? Sollte er besser nur mit einem von uns das Bilderbuch anschauen und später mit dem anderen?
Wir wären sehr dankbar für Ihren Kommentar hierzu.
Viele Grüße
Elke
Liebe Frau Fernández,
dieselbe Frage habe ich mir auch schon gestellt, denn inzwischen haben wir ein Enkelkind von 2 Jahren, und da erlebe ich dieselbe Situation.
Ich würde davon abraten, wirklich gleichzeitig das Bilderbuch durchzugehen. Ähnlich in anderen Situationen, in denen Begriffe quasi geübt werden.
Was anderes ist es, wenn man zusammen am Tisch
sitzt u.ä. und dabei die Alltagskommunikation
verwendet wird.
Es ist ja ohnehin normal, dass man sich selbst in
derselben Sprache verschieden ausdrücken kann. Das merkt ein Kind schnell.
Nur wie gesagt wenn es um direkte Benennungen ein
und derselben Sache geht, ist das anders.
In einzelnen Fällen, wenn wir merken, dass unser
Enkel in einer Sprache ein Wort gar nicht versteht,
helfen wir „per Übersetzung“: Papa sagt xxx, und Mama
sagt yyy. Aber das soll Ausnahme bleiben, weil die
Querverbindungen unter den Sprachen nicht wichtig
sind. Perfekt lernt man jede Sprache nur als
unabhängiges System, nicht als Abklatsch einer
anderen.
Das Wichtigste ist, dass Mama und Papa immer konsequent
nur bei ihrer eigenen Sprache bleiben. Durch die
automatische Zuordnung zu einer Person, bleibt eine
Sprache als eigenes System erkennbar. Das verhindert
Mischungen, die übrigens normalerweise selten
und dann auf Einzelbegriffsebene vorkommen.
Denken Sie auch daran, dass die eigentliche Muttersprache
die der Umgebung wird. Wenn Ihr Kind in etwa 1 Jahr
urplötzlich nur noch in der Umgebungssprache antwortet,
ist das völlig normal.
Sobald dann später Verwandte auftauchen, die Spanisch,
aber kein Deutsch können, aktiviert das Kind seine
bisher nur passiven Kenntnisse in kürzester Zeit.
Viele Erfolg weiterhin,
Rudolf Fischer
Hallo Herr Rudolf,
vielen Dank für die schnelle und ausführliche Antwort. Wir werden Ihren Rat gerne beherzigen. Ich war mir wegen der Querverbindungen unsicher. Es ist aber gut zu wissen, dass diese unwesentlich sind. Wahrscheinlich denken wir dabei noch zu oft an das Fremdsprachen lernen 
Marco hat den Vorteil, dass wir zweimal im Jahr zu seiner Oma und seinem Cousin nach Spanien reisen. Dort versteht man kein Deutsch. Außerdem sprechen wir zuhause als Familiensprache Spanisch.
Wir hoffen jedenfalls, dass es weiterhin gut klappt. Langsam lernt er, die Sprachen uns zuzuordnen, aber das funktioniert natürlich noch nicht immer.
Man sagt ja immer, dass zweisprachig aufwachsende Kinder später mit dem Sprechen anfangen, aber Marco hat schon recht früh drauflos geplappert und macht inzwischen schon 2-Wört-Sätze.
Nochmals vielen Dank
Elke Fernandez
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