Zweisprachige Erziehung

In ein paar Monaten ist es soweit.
Ein Kind soll zweisprachig erzogen werden.
Wie soll das funktionieren?
Es wäre nett, wenn uns jemand Auskunft geben könnte!

Vielen Dank!

Gruß

Ich selber erziehe einsprachig, kenn aber viele Eltern (und deren Kinder), die eine zweisprachige Erziehung einsetzen/ausführen/durchziehen.
Ich habe die Beobachtung gemacht, dass die Kinder am schnellsten und am korrektesten beide Sprachen erlernen, bei denen ein Elternteil immer ausschließlich die eine, das andere Elternteil immer ausschließlich die andere Sprache verwendet. Das gilt für „mit dem Kind reden“ sowie konsequent „das Kind verstehen“.
So ist das Kind quasi „gezwungen“ beide Sprachen vollständig getrennt und korrekt zu erlernen und einzusetzen.
Ist aber nur eine persönliche Beobachtung und eventuell durch „moderne Studien“ oder schlaue Bücher widerlegbar.

meine eltern haben immer türkisch mit mir gesprochen. erst im kindergarten habe ich im umgang mit den anderen kindern deutsch gelernt.

…ich würde sagen, die sprache mit der die kinder in ihrer umwelt - außerhalb des elternhauses - konfrontiert werden erlernen sie ohnehin :smile:

Ein Freund von mir ist sogar dreisprachig aufgewachsen. Seine Eltern sprachen Deutsch, er ging in einen belgischen Kindergarten und lernte dort Französisch und im Haus lebt fast ständig ein englischsprachiges Au pair Mädchen. So weit ich feststellen kann, hat ihm das nicht geschadet (von wegen Sprachentwicklung). Im Moment lernt er Chinesisch, weil seine Freundin Chinesin ist und Japanisch, weil ihn die Sprache interessiert.

Gandalf

derleidernurmitdeutschaufwuchs

Hallo KUG,

auf http://www.binational-in.de findetst du einige Tips, auch in der FAQ des Diskussionsforums.

Viel Erfolg!
Michael

Hallo!

Ich muss mir immer Vorwürfe machen, dass ich mit meinem Sohn nicht konzequent genug gewesen bin. Jetzt möchte er auf keinen Fall meine (und seine auch) Muttersprache sprechen, und meine Tochter auch nicht. Sie weigern sich einfach, mit mir in meiner Muttersprache zu sprechen. Weiß jemand wie ich diese „Ablehnung“ wegschaffen kann? Ich habe keine große Pläne, dass die Beide 2 Sprachen können z. B., es würde mich nur freuen wenn meine Eltern anrufen würden und auch die Kinder mit denen sprechen könnten.

Übrigens mein Sohn ist 11 und meine Tochter 5. Danke für eine Meldung!!

Hallo Clarissa,
weigern die sich grundsätzlich, oder antworten die nur auf deutsch, wenn du sie in deiner Muttersprache ansprichst?
Mein Sohn weigert sich auch (meistens), ich spreche aber nach wie vor in meine Muttersprache mit ihm, und das schon immer. Meistens antwortet er auf deutsch, aber wenn er mich was fragen will, was andere nicht verstehen *dürfen* dann strengt er sich schon an.
Helfen können da eigentlich nur Verwandte die nicht deutschsprachig sind, oder halt Urlaub…? Und natürlich auch dass du sie immer in deiner Muttersprache ansprichst.
Gruß,
Maja

Hallo!
Wir erziehen inzwischen zwei Söhne zweisprachig (dt.-franz.) und haben viele Illusionen verloren, aber auch gewisse Erkenntnisse gewonnen.

Mein Mann hat z.B. das Vorurteil verloren, es könne unserem Sohn schaden („das Kind lernt keine Sprache richtig“), wenn er von Geburt an mit ihm Französisch spricht (deshalb hat er beim zweiten (jetzt zweieinhalb) - im Gegensatz zum ersten (jetzt acht), bei dem er erst mit ca. 1 1/2 angefangen hat - direkt mit Französisch angefangen - und das merkt man).

Mein Mann hat auch gelernt, daß zum Sprachenlernen das mit dem Kind Sprechen gehört. Er ist sehr ruhig von Natur, hat mit dem ersten Kind sich zwar beschäftigt, aber relativ „stumm“. Ich habe immer schon viel mit den Kindern geredet, viel vorgelesen, Cassetten gehört etc. Unsere Söhne sprechen beide sehr gutes Deutsch und haben einen für ihr Alter (das ist jetzt nicht meine Einschätzung) sehr großen Wortschatz.

Wir beide haben gelernt, nicht auf Verwandte /Freunde zu hören (Die Kinder sind doch so schon exotisch (Mein Mann ist Westafrikaner.) genug, sie sollten Deutsch sprechen und nichts anderes. Dein Mann kann doch nicht so gut Deutsch (völlige Fehleinschätzung), sprich´ Deutsch mit ihm!), sondern unserem Gefühl zu vertrauen.

Wir sprechen mit unseren Kindern in jeder Situation, auch im Beisein von nur Deutsch Sprechenden (die sind dann schon mal beleidigt oder meinen, man tratsche über sie - da ist Fingerspitzengefühl gefragt, manchmal auch einfach Konsequenz (wie bei meinen Eltern, die akzeptieren das jetzt notgedrungen)) die jeweilige „Muttersprache“ (ich deutsch, mein Mann Französisch).

Erfahrungsgemäß gibt es (im Gegensatz zu meiner eigenen Einschätzung, bevor ich Kinder hatte und anfing, sie zweisprachig zu erziehen) eine starke Sprache (im allgemeinen die Umgebungssprache also vermutlich Deutsch in eurem Fall) und eine schwache Sprache. Bester Fall ist immer, wenn die Mutter die schwache Sprache als Muttersprache hat, weil meistens sie in den ersten Jahren mit dem Kind am meisten zusammen ist und am meisten spricht. Die Umgebungssprache ist sowieso tendenziell überstark vertreten durch Umgebung, Familie, Spielkameraden, Kindergarten, Schule etc. und setzt sich sowieso durch. In diesem Fall lernen die Kinder beide Sprachen am ehesten auf einem ähnlich hohen Niveau. Wenn so wie bei uns der Vater die „ausländische“ Sprache spricht und vielleicht auch noch mundfaul ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß nur ein passiver Spracherwerb stattfindet (unsere Söhne verstehen ihren Vater (nicht aber unbedingt jeden, der Französisch kann) meistens, sprechen ihn aber nur auf deutsch an, trotzdem (und das ist ganz wichtig!!!) antwortet der Vater nur, wirklich nur in Französisch (wenn man das durchhält, kann man vom Kind auch verlangen, von Anfang an nur in Französisch zu antworten, ansonsten nicht reagieren, aber das ist sehr, sehr schwer, wir haben das nicht geschafft.).

Wir hoffen jetzt darauf, daß bei unserem Sohn, wenn er nächstes Jahr auf die Oberschule wechselt, das Fünf-Mark-Stück fällt und er dann vielleicht rasche Fortschritte auch im aktiven Sprachgebrauch macht.

Kleiner Literaturhinweis am Rande, es gibt eine sehr gute, weil auch nicht hochwissenschaftlich formulierte Studie von Kielhöfer (Zweisprachige Kindererziehung), der seine beiden Söhne (sie sind inzwischen erwachsen) zweisprachig (dt.-frz.) aufgezogen und dies dokumentiert hat. Er gibt einige ganz gute Hinweise, was man tun, was man besser lassen sollte.

Meiner persönlichen Einschätzung nach macht alles keinen Sinn, was zwanghaft geschieht. So habe ich eine Weile versucht, mit unserem Sohn auch Französisch zu sprechen. Erst fand er das ganz lustig, aber bald weigerte er sich (Mama, du sollst richtig mit mir sprechen!) - außer beim Vorlesen von Büchern und beim Singen. Außerdem (ich kann recht gut Französisch, man würde vermutlich behaupten können, ich kann „fließend“ Französisch (ich spreche mit meinem Mann keine andere Sprache)) erschien es mir irgendwie abartig, obwohl ich sehr gerne Französisch spreche. Aber beim Schimpfen oder Schmusen mit dem Kind fehlte mir dann einfach etwas, meistens die passenden Worte.
Viele haben mir auch empfohlen, Kindergruppen aufzumachen, bei denen dann nur Französisch gesprochen wird, aber das ist glaube ich eher was, wenn man Muttersprachlerin Ausländisch ist. Diejenigen, die mir das empfohlen haben, waren die ausländische Mutter, die hat es da generell leichter, denke ich. Außerdem hängt es ja davon ab, ob man andere Mütter/Väter mit derselben Sprachkombination findet. Uns - wir leben relativ zurückgezogen - war das bisher nicht vergönnt.

Die Kinder wissen übrigens nicht, daß sie zwei Sprachen können, bis sie in den Kindergarten gehen. Erst da kam unser großer Sohn eines Tages zu mir und erklärte ganz stolz: Gell´ Mama, mein Papa spricht Französisch!? Trotzdem geistern da teilweise noch sehr lange, teilweise recht lustige Ideen in den Köpfen der Kinder. Mit etwa dreieinhalb erklärte unser Sohn seinem ein Jahr älteren Cousin, sein Vater werde jetzt bald Deutscher, dann würde er auch Deutsch sprechen und der Cousin könne ihn dann besser verstehen (dabei spricht mein Mann mit nur deutschsprachigen nur Deutsch). Ein anderes Mal erklärte unser Sohn, er wolle unbedingt „Franzose“ werden, damit er dann auch besser Französisch könne.

Zwang ist übrigens - haben wir festgestellt - tödlich. Unser achtjähriger - nachdem ich der Meinung war, ich müsste ihn immer wieder (offenbar zu drängend oder zu oft) mit Möglichkeiten versorgen, Französisch zu lernen (Volkshochschulkurse - „die spielen doch bloß, Mama“, Cassetten, Bücher), ist jetzt eher „genervt“. Es hängt aber sicher auch mit dem Charakter und den Interessen des Kindes zusammen, wie gut und gerne es die Sprache erlernt. Unser Sohn ist Perfektionist (wie sein Vater), deshalb möchte er nicht Französisch sprechen, weil der Satz ja eventuell nicht richtig sein könnte, also dann lieber gar nichts (auf Französisch) sagen. Außerdem vermute ich, möchte er auch nicht zu sehr aus der Masse der Kinder herausstechen (obwohl wir einige Familien kennen, die ihre Kinder zweisprachig aufziehen, er also nicht glauben muß (wie es einige Zeit bezüglich seiner Hautfarbe so war), er allein sei „so“). Zwar hat er kein Problem mit seiner Hautfarbe und reagiert relativ gelassen, wenn andere Bemerkungen machen, aber er läßt sich nicht gern (in Anwesenheit anderer) darauf ansprechen, daß er noch eine andere Sprache kann außer Deutsch.

Falls das übrigens aus meinen Ausführungen nicht klar geworden sein sollte, ich habe einige Illusionen verloren, aber ich bin nach wie vor ein uneingeschränkt großer Fan der zweisprachigen Erziehung (diese Chance haben nur wenige!) und würde es nie anders machen.

Kleiner praktischer Tip übrigens noch: Seit unser erster Sohn vor acht Jahren auf die Welt kam, hat sich im Bereich Medien einiges getan bezüglich Spiel/Lese/Hörmaterialien für zweisprachig erzogene Kinder, speziell für englisch gibt es eine Reihe von Cassetten, Büchern, Computerspielen für den Zweitsprachenerwerb vor dem Schuleintritt. In Französisch sind die Buchhandlungen nicht so gut bestückt, aber es gibt auch das eine oder andere, man muß nur ziemlich danach suchen. Besonders gut gefallen hat unserem Sohn „Französisch lernen mit Paul und Marie“ (Cassette und Buch, leider bisher nur ein erster Band) und „Französisch lernen mit Babar“, als Computerspiele eignen sich besonders Spiele mit interaktiven Geschichten, die in mehreren Sprachen vom Computer den Kindern vorgelesen werden. Wer nahe zu Frankreich/Luxemburg wohnt (so wie wir) kann es auch probieren mit einsprachigen Büchern/PC-Spielen (immer ein etwas niedrigeres Niveau wählen als dem Alter entspricht, entspricht dann aber öfter mal inhaltlich dem Alter nicht und wird schnell langweilig), z.B. Voyage au pays de la lecture. Die Luxemburger haben auch eine Reihe von deutsch/französischen Kinderbüchern/Erstwortschätzen.

Sollte es andere dt.-frz. Elternpaare geben, die das hier lesen, ich bin ebenso dankbar für weitere Anregungen oder Kontakte!

Susanne

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