Zweisprachigkeit

Hallo Wissende,

der untere Artikel hat bei mir ein paar Fragen aufgeworfen, die ich hier mal in den Ring werfen möchte:

-Ist eine zweisprachige Erziehung in der folgenden Konstellation denkbar oder sinnvoll: beide Eltern muttersprachlich deutsch, aber ein Elternteil mit fliessenden Englischkenntnissen redet Englisch?
-Wie genau funktioniert „zweisprachige Erziehung“? So wie ich es dem unteren Artikel entnehme, einer immer Deutsch und einer immer Englisch? Oder beide abwechselnd beides aber nicht gemischt in einem Satz?

Danke für alle Meinungen/Erfahrungen.

Gruß,

Florian

Hi

@ein Elternteil mit fliessenden Englischkenntnissen redet Englisch

Ist er oder sie Muttersprachler/in?

Wenn nicht vergiß es und quäle Dein armes Kind nicht unnütz mit Halbwissen.

Gruß

Hallo,

bin kein Wissender. Aber mein Sohn (fast 3 Jahre) wächst grade zweisprachig auf. Zum einen Deutsch, weil ja Mami und Papi deutsch sprechen. Zum anderen, weil er mit Mami in Island wohnt, dort eben die isländische Sprache. Er lernt in einem so rasendem Tempo im Kindergarten, das man denken kann, er sprach nie anders. Dabei spricht er mit der Mutter nur in Deutsch, woanders ist isländisch Pflicht. Klar ist es im Moment schwer, doch nach einem Jahr denk ich hat er es vielleicht perfekt drauf, seinem Alter entsprechend zu reden in beiden Sprachen. Kinder lernen scheinbar wirklich schneller und es macht ihnen auch noch Spaß.

Grüße
André

Hallo Florian!

der untere Artikel hat bei mir ein paar Fragen aufgeworfen,
die ich hier mal in den Ring werfen möchte:

Ich weiß jetzt nicht genau auf welchen Artikel du Dich jetzt genau beziehst, aber dieses Thema würde hier schon ein paar mal angesprochen (Falls du das im Archiv schauen/suchen möchtest)

-Ist eine zweisprachige Erziehung in der folgenden
Konstellation denkbar oder sinnvoll: beide Eltern
muttersprachlich deutsch, aber ein Elternteil mit fliessenden
Englischkenntnissen redet Englisch?

Nach meiner Perspektive: Denkbar ist es auf jeden Fall. Empfehlenswert hängt von mehreren Faktoren ab.
Für mich grundlegend wäre wie gut die englisch-sprechende Person tatsächlich diese Sprache kann und ob sie in der Lage ist, auch auf englisch zu denken.
Sollte eins davon nein sein, würde ich es lieber auf Deutsch belassen.

-Wie genau funktioniert „zweisprachige Erziehung“? So wie ich
es dem unteren Artikel entnehme, einer immer Deutsch und einer
immer Englisch? Oder beide abwechselnd beides aber nicht
gemischt in einem Satz?

Ich habe auch hier erst erfahren, daß es mehrere „mögliche Konstellationen“ gibt. Bei uns ist es aber so, daß ich ausschließlich meine Muttersprache mit meinem Sohn rede. Mittlerweile (er wird bald 6) ist es so, daß er von mir NICHT akzeptiert, wenn ich irgendeine andere Sprache mit ihm rede (denkbar wäre bei uns, zB Katalanisch, denn diese ist für mich ebenfalls Muttersprache). Ganz, ganz verpönt bei mir ist es, beide Sprache zu mischen, nach dem Motto „Ich compro Brot en la Bäckerei um die esquina“ (und jetzt ersetzt das Deutsche durch Katalanisch, zB)

Mir ist es aufgefallen, daß wenn man konsequent ist, -und das ist weder streng, noch mühevoll- die Kinder übernehmen der muttersprachlichen Akzent des Erwachsenen mit (soll im späteren Jahren, wenn man die Sprache auf den „üblichen“ weg lernt, nicht mehr machbar sein) UND verwechseln/vermischen die beide gesprochenen Sprachen nicht im geringsten.

Danke für alle Meinungen/Erfahrungen.

Wenn Du genauer fragst, kann ich auch gerne genauer eingehen.
Allerdings was ich sage bezieht sich ausschließlich auf meine ganz persönliche Meinung, meine Erfahrung und die Fachliteratur, die ich damals gelesen habe, um das richtig einzugehen.

Schöne Grüße,
Helena
PS. Ich ganz persönlich würde davon abraten, dem Kind in einer Sprache zu erziehen, die nicht meine Muttersprache ist. Und zwar aus mehreren Gründen:

  1. Ein Kind zu erziehen ist sicherlich nicht leicht. Man wird oft mit Umständen konfrontiert, die man selbst kaum gewachsen ist. Und trotzdem muß man das dem Kind beibringen. Wenn man dazu noch eine gelernte Sprache benutzt (und das sind alle Sprachen die ich einigermaßen kann, ausser die Muttersprache) ist es um vieles schwerer bis kaum möglich.

  2. Gefühle auszudrücken ist es in die Muttersprache schon schwer genug. Ich denke, man muß einen absolut spitzendichter mit ausserordentlicher Fremdsprachenbegabung sein um diese auch noch in einer gelernte Sprache richtig zu vermitteln. Und das ist ein Kind lebenswichtig. (man ersetze auch „Gefühle“ durch andere Themen, die schwer sind)

  3. Wenn man dem eigenen Kind in einer gelernten Fremdsprache erzieht, wird es mal kommen, daß dieses diese Sprache besser kann wie der Erziender selbst. Davon abgesehen, daß es ein großes Risiko ist, wenn man dem Kind grammatikalische Fehlern übergibt. Und mMn. ist das bei der nicht-Muttersprachen regelrecht predestiniert.

Fazit: Es gibt viele Möglichkeiten einem Kind eine Fremdsprache zu vermitteln. Wenn aber beide Erziehenden diegleiche Muttersprache haben, sollten sie auch mMn. dabei bleiben. Lieber eine Sprache beherrschen, als sich fehlerhaft zu kommunizieren.

PS2. Schau Dir diesen Link an und lies ein bißchen von dem was andere Eltern in Zweisprachige Beziehungen zu sagen haben. Ich glaube das könnte Dir helfen und siehst du auch die Meinung von anderen Menschen.

http://www.rund-ums-baby.de/mehrsprachig/

Wie auch immer Ihr Euch entscheidet, wünsche ich Euch alles Gute und viel Erfolg!

(Uuups die „PS“ sind wesentlich länger geworden wie der Artikel an sich!) ;o)) ;o)))

Nachtrag
Hallo Florian!
Soeben den Artikel gelesen (und paar Antwprten gegeben) auf den Du dich bezogen hast ;o))
Schöne Grüße,
Helena

Hallo,

-Ist eine zweisprachige Erziehung in der folgenden
Konstellation denkbar oder sinnvoll: beide Eltern
muttersprachlich deutsch, aber ein Elternteil mit fliessenden
Englischkenntnissen redet Englisch?

Nein, das ist nicht empfehlenswert. Für einen Nichtmuttersprachler, egal wie gut, ist die notwendige Konsequenz nicht zu erreichen. Jedesmal wenn Dir eine Vokabel fehlt und Du die Sache umschreibst oder das deutsche Wort benutzt, hast Du dem Kind etwas (subtil) Falsches beigebracht.

Man kann aber mit dem Kind früh anfangen, es an die englische Sprache heranzuführen.

Gruß,

Myriam

Hallo,

-Ist eine zweisprachige Erziehung in der folgenden
Konstellation denkbar oder sinnvoll: beide Eltern
muttersprachlich deutsch, aber ein Elternteil mit fliessenden
Englischkenntnissen redet Englisch?

Das würde ich nur machen, wenn das Elternteil nicht nur fliessend, sondern perfekt englisch spricht (also z.b. jahrelang im englischsprachigen Ausland gelebt hat).
Und natürlich sollte das andere Elternteil das auch verstehen, sonst wirds zur Qual.

-Wie genau funktioniert „zweisprachige Erziehung“? So wie ich
es dem unteren Artikel entnehme, einer immer Deutsch und einer
immer Englisch? Oder beide abwechselnd beides aber nicht
gemischt in einem Satz?

Einer redet immer Deutsch, einer immer Englisch mit dem Kind. Abwechselnd stelle ich mir ziemlich schwierig vor.

Grüße.
Moritz

Hi auch,

Ist er oder sie Muttersprachler/in?
Wenn nicht vergiß es und quäle Dein armes Kind nicht unnütz
mit Halbwissen.

Dann können wir Fremdsprachen als Unterrichtsfach an den Schulen generell fallen lassen, weil dort auch nur Halbwissen verbreitet wird.
Deine Kinder werden es dir danken.
Grüße
BW

Dann können wir Fremdsprachen als Unterrichtsfach an den
Schulen generell fallen lassen, weil dort auch nur Halbwissen
verbreitet wird.

Hi,

das sind doch zwei Paar Stiefel.
In der Schule handelt es sich um das Unterrichten einer Fremdsprache; und dies kann durchaus auch von einem Nichtmuttersprachler geschehen. Klar ist der ideale Lehrer ein Muttersprachler, muß aber nicht sein.

Beim Vater oder der Mutter handelt es sich aber um die Weitergabe der eigenen Muttersprache. Da spielen gerade im Umgang mit Babys Gefühle eine sehr wichtige Rolle, mehr noch als die Vermittlung der Information an sich. Und diese Sprache sollte der Elternteil nicht mal irgendwo gelernt haben und nach entsprechender Praxis meinetwegen auch fließend sprechen, sondern in dieser Sprache sollte derjenige selbst aufgewachsen sein.

Liebe Grüße,
Christiane

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Hi,

Hi auch,

das sind doch zwei Paar Stiefel.

Nöh.

In der Schule handelt es sich um das Unterrichten einer
Fremdsprache; und dies kann durchaus auch von einem
Nichtmuttersprachler geschehen. Klar ist der ideale Lehrer ein
Muttersprachler, muß aber nicht sein.

Eine Englischlehrerin (Nichtmuttersprachlerin) kann sich durchaus mit ihren Kindern zuhause auf Englisch unterhalten. Dabei werden sicherlich auch entsprechende persönliche Gefühle übermittelt. Und das Unterrichten in der Fremdsprache erfolgt nebenbei (ich bin überzeugt, daß es in einigen Lehrerfamilien so gehandhabt wird).

Beim Vater oder der Mutter handelt es sich aber um die
Weitergabe der eigenen Muttersprache. Da spielen gerade im
Umgang mit Babys Gefühle eine sehr wichtige Rolle, mehr noch
als die Vermittlung der Information an sich. Und diese Sprache
sollte der Elternteil nicht mal irgendwo gelernt haben und
nach entsprechender Praxis meinetwegen auch fließend sprechen,
sondern in dieser Sprache sollte derjenige selbst aufgewachsen
sein.

ich kann mir nicht vorstellen, daß Sian als „Native Speaker from North Wales“ ihren Kindern die Zweisprachigkeit vorenthält.

Liebe Grüße,

Von mir auch
BW

Hallo,
das Ganze kommt denke ich auf zwei Faktoren an:
a) Wie gut ist Dein Englisch? Man denkt selbst oft, man wäre sehr sehr gut, aber wenn es dann gerade um Zwischentöne etc. geht, kann man ganz schön in der Luft hängen, was man im Deutschen nie täte.
Und mit Sprache geht immer ein kultureller Habitus einher.
Ich gebe Dir ein Beispiel: Ich sehe mich als sehr kultivierten, sprachgewandten und gebildeten Menschen. Aber wenn ich im englisch-sprachigen Ausland unterwegs bin - und ich spreche und schreibe Englisch so gut, dass ich zum Teil auf Englisch publiziere - kommt mir immer wieder der Selbstvorwurf des deutschen „Barbarentums“ in Bezug auf Soziales… Wir sind das selbstverständlich nicht, aber wir wirken so auf viele amerkanische und britische Mitmenschen, weil unsere Sprache und Kultur anders funktionieren.
Du wirst z.B. in den USA mit Smalltalk überhäuft. Diesen zu beherrschen, andere zu komplimentieren und selbst richtig auf Komplimente zu reagieren (nämlich mit einem „Thank you, I love that xy, too!“ mit dem Brustton der Überzeugung und nicht „Ach, das ist doch nur H&M…“) sind dort Zeichen einer guten Erziehung und Bildung. Zehnmal nachzufragen ob es ok ist, sich mit an den Tisch zu setzen, als Antwort auf die Frage „How are you?“ bei nicht-intimen-Freunden grundsätzlich mit „Fine, thanks, how are you?“ zu antworten weil es soziales Ritual ist und ein Habitus, nicht wie hier häufig eine ernstgemeinte Frage, sind Dinge, die man zusammen mit den Wörtern und der Grammatik einer Sprache mit-vermitteln muss.
Gleichzeitig fiel es mir gerade zu Anfang in England häufig schwer, am Tonfall herauszuhören ob etwa eine Einladung zu einer Party ernstgemeint war oder höfliches Ritual und man sie anständigerweise niemals annehmen darf, sich aber trotzdem tausendmal bedankt.
Wo wir auf Fragen mit „Nein“ antworten wäre ein „No“ richtig richtig unhöflich im Englischen, die Formel lautet im Zweifel immer „I’m afraid not“. Die deutsche Sprache ist im Gegensatz zur englischen (oder die deutschsprachige Kultur im Vergleich zur englischsprchigen) wesentlich Relevanz-bestimmter. Die deutsche Sprache ist geprägt von einer „Eigentlichkeit“, die die englische so nicht kennt.

Daher auch
b) Wie viel „englische Umgebung“ kannst Du Deinem Kind außer Dir selbst bieten? Englischsprachige (hier jetzt wirklich Muttersprachler!) Nachbarn, Kindergärten? Hast Du die typisch britischen oder amerikanischen Kinderbücher und Serien, ohne die man nie „richtig“ dazugehört dort?
Wie viele Sprrachanlässe auf Englisch kannst Du Deinem Kind bieten (außer Dir selbst)?

Wenn Du das aber hast, dann würde ich es sofort empfehlen.
Hast Du z.B. ne Spielgruppe mit englisch-muttersprachlichen Kindern oder Kindern von Muttersprachlern, dann kann Dein Kind kulturelle Feinheiten ohne Probleme auch dort mitbekommen und antrainiert kriegen.
Aber wenn NUR DU da bist, fände ich es schwierig…

LG,
NOrah

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Eine Englischlehrerin (Nichtmuttersprachlerin) kann sich
durchaus mit ihren Kindern zuhause auf Englisch unterhalten.
Dabei werden sicherlich auch entsprechende persönliche Gefühle
übermittelt. Und das Unterrichten in der Fremdsprache erfolgt
nebenbei (ich bin überzeugt, daß es in einigen Lehrerfamilien
so gehandhabt wird).

Dazu ein (natürlich anekdotenhaftes) Beispiel aus dem entfernten Bekanntenkreis: Nicole war die Tochter einer Englischlehrerin. Mutters Muttersprache war Niederländisch, Deutsch fließend und akzentfrei. Nicole konnte fließend und akzentfrei Deutsch und Holländisch, hatte aber in der Schule stets eine 5 in Englisch (und war wirklich schlecht), obwohl Mutter versucht hatte, sie mehrsprachig zu erziehen. Das klappt so richtig eben nur mit der Muttersprache.

Gruß,

Myriam

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Zweisprachigkeit erscheint mir nur dann sinnvoll, wenn die Kinder die zweite Sprache (zB neben der deutschen Sprache)außerhalb des Umfeldes derjenigen Person, welche mit ihnen die zweite Sprache spricht, erlernt. In unserem konkreten familiären Fall hatte das folgende Konsequenzen: Meine Frau ist Französin und beide Kinder erlernten von ihr die französische (Mutter)Sprache. Nun ergab sich Mitte der 80er Jahre die Gelegenheit, daß meine Frau in Strasbourg eine Arbeitsstelle bekam. Somit meldete sie beide Kinder dort zuerst im Kindergarten danach in der „ecole maternele“ an usw. Beide Kinder waren bis zur Mittleren Reife, bzw bis zum Abitur im französischen Schulsystem integriert. Somit war für sie eien adäquate Ausbildung in Französisch gewährleistet.
Unsere 10 Jährige Enkeltochter lebt in unserem Haushalt (in Deutschland). Meine Frau spricht ebenfalls nur französisch mit ihr. Allerdings tut sich das Kind in dem Fall viel schwerer, weil es - außer durch meine Frau - keinen anderen Bezug zur französischen Sprache hat. In der Grundschule hat sie zwar französisch als Pflichtfach, das Erlebnis des Erlernens dieser Fremdsprache ist für das Kind aber ein ganz anderes. Es wird für sie immer eine Fremdsprache bleiben.

Grüßle
Bernd Stephanny

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Das ist keine Zweisprachigkeit
Hi

Zweisprachigkeit:

Jedes Elternteil ist gebildet und beherrscht die eigene Muttersprache.

Sie reden mit dem Kind in Ihrer eigenen Sprache.

Alles andere wird wohl mit Ghetto/Bushidosprache enden.

Gruß

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