Hi!
In wie fern ich mich dazu zählen darf, weiß ich nicht.
Aber als erstes: Ich wuchs 2-sprachig auf: Katalanisch und Spanisch. Im zarten alter ;o))) von 8 fing ich an, Französisch in der Schule, auf freiwilligerbasis, zu lernen, was ich bis einschl. Abiturklasse dann machte (irgendwann mal war es aber dann Pflicht!). Als ich mit ca 18 meine Neugier zwang, Europa zu erkunden, lernte ich ein bißchen Englisch. Und genau am meinen 20. Geburtstag fing ich an, Deutsch zu lernen. Danach kam ich als au-Pair Mädchen nach München und ein paar Jahre später verbrachte ich nochmal 1 Jahr in Massachusetts. So weit so gut.
Und nun zu Deiner Frage:
Eigentlich wenn jemand mich eine Frage stellt, versuche ich, wenn möglich, in derselben Sprache eine Antwort zu geben. Natürlich wenn es geht. Ich glaube der Vorgang in meinem Hirn läuft so, daß ich erst die Antwort überlege (jetzt denke ich sie meistens auf Deutsch!!!) und dann diese übersetze.
Allerdings, wenn ich in meiner Heimat bin, schaltet sich irgendwas im Gehirn ein (wenn ich mich so salopp ausdrücken darf!) und schon denke ich nicht mehr auf Deutsch sondern wahlweise Spanisch oder Katalanisch, je nachdem auf welche Sprache ich angesprochen wurde. Dieses „Ein- oder Umschalten“ dauert immer ein paar Tage. Danach läuft alles automatisch ab. Und ich fühle mich sehr unbeholfen wenn ich etwas (sogar ganz simples) ins Deutsch übersetzen muß, denn es fällt mir, unglaublicherweise, sehr, sehr schwer. Warum das so ist, weiß ich nicht, aber ich habe öfters dasselbe gehört: Es soll angeblich immer so oder ähnlich sein.
Doch Akzent- bzw. Fehlerfrei rede und schreibe ich nur Katalanisch und Spanisch, eben meine Muttersprachen. Ich glaube, daß es so ist, liegt in erster Linie daran, daß wir eben dieses Akzent vom Geburt an gehört und uns irgendwie damit identifiziert haben. Dieses Akzent ist in späteren Jahren sehr schwer/unmöglich ganz abzulegen.
Aber zu Deiner Hauptfrage: Wenn ich in Deutschland bin und mindestens 3 Tage nach einer Auslandsaufenthalt vergangen sind, „schaltet sich“ dieses „Knöpfchen“ ein, und schon denke ich auf Deutsch. Ich bin der Meinung, daß wenn ich dauernd übersetzen würde, wäre meine Sprache so voller Fehlern, daß mich keiner verstehen würde. Denn allein die Satzstellung in Deutsch ist ganz anders wie in die römischen Sprachen.
Dieses wissenschaftlichen Ergebnis von dem du redest:
„das Gehirn des
Muttersprachlers weniger „Rechenleistung“ (=Anstrengung)
vollbringen muss als bei einem angelernten Zweitsprachler“
kann ich schon u.U. bei meinem kleinen Sohn bereits feststellen: Er wächst zweisprachig auf, Deutsch und Spanisch und soweit ich von anderen Menschen höre bzw. selber merke, das „wenige“ was er redet ist akzentfrei, unabhängig davon, welche Sprache er gerade benutzt.
Ich hoffe ich habe Dir damit ein bißchen weiter geholfen!
Schönen Gruß
Helena
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