Zwiebelgift?

Liebe Bio- Chemie- Gemeinde,

Meine Mama ist eine sehr umständliche Frau, die sehr viel Wert auf Gemüsepflege legt. Sie schneidet zum Beispiel sehr gewissenhaft das Grüne aus den Tomaten, aus Angst, sich zu vergiften.
Jetzt hat sie irgendwo gelesen, resp. im Fernsehen aufgeschnappt, resp. irgendwo gehört, dass man eine Zwiebel so lange schälen muß, bis garantiert nichts grünes mehr an der Schale zu sehen ist. Sie hat natürlich keine Ahnung mehr, warum sie das macht, aber es zieht mich beim Salatschnippeln doch schon arg in Mitleidenschaft.
Trotz intensiver Suche im Internet hab ich nix giftiges gefunden. Hat jemand eine Idee, was die Zwiebel so gefährlich macht??

Vielen Dank im Voraus, und Grüße vom Igel

Hi,
Zwiebeln kannst Du mitsamt Schale essen, es kratzt nur unangenehm :wink:

Was denkt denn deine Frau Mutter, was dann mit den ganzen Bunden von Lauchzwiebeln ist. Das ist ja der reinste Massenmord, so was im Supermarkt anzubieten…

A.

Hi Igel,

Tomaten und Kartoffeln gehören zu den Nachtschattengewächsen und das Grüne, das weggeschnitten werden soll enthält Solanin, das wirklich giftig ist.

Bei Zwiebeln (die gehört neben dem Knoblauch zu den Liliengewächsen) ist zu fragen, was für Grün gemeint ist.

Wenn es, wie bei Lauchzwiebeln, Pflanzengrün ist, dann ist es völlig unbedenklich, genauso wie die Keime beim Knoblauch völlig unbedenklich sind.
Allerdings gibt es bei einigen Zwiebeln Schimmel der grün ist.
Der gehört nicht ins Essen, weil er Probleme machen kann(!).
Die Zwiebeln sollten normal geschält werden und wenn dann geringe Mengen Schimmel zu sehen ist, kann der mit Wasser abgewaschen werden.
Sollte ein massiver Schimmelbefall vorhanden sein, würde ich die Zwiebel wegschmeißen, weil das Mycel tiefer eingedrungen sein kann.

Gandalf

Hallo,

ich bin zwar kein Botaniker oder Biologe, halte das ganze jedoch für ausgemachten Blödsinn. Es gibt zwar giftige Pflanzen und Pilze, aber die sind wohlbekannt. Unser Speisegemüse und Obst enthält keine giftigen Bestandteile, allenfalls unverdauliche. Schlecht bekömmlich sind rohe Kartoffeln, aber auch das ist bekannt. Was mir noch einfällt, sind verdorbene oder erkrankte Pflanzen, was man aber heutzutage unwahrscheinlich ist.

Gruß
Moriarty

Hallo,

ich will dein Posting nicht schlecht machen, aber doch etwas ergänzen…

Es gibt zwar giftige
Pflanzen und Pilze, aber die sind wohlbekannt.

Trotzdem gibt es immer noch Vergiftungen mit Pflanzen. Nicht so viele, wie die Revolverpresse es uns weiss machen will, aber es gibt sie. Unlängst hat wieder jemand Maiglöckchen für Bärlauch gehalten und das mit dem Leben bezahlt…

Unser
Speisegemüse und Obst enthält keine giftigen Bestandteile,
allenfalls unverdauliche. Schlecht bekömmlich sind rohe
Kartoffeln, aber auch das ist bekannt.

Hier ein ganz klarer Einspruch von mir! Rohe Kartoffeln sind giftig, nicht nur „schlecht bekömmlich“. Reife Knollen sind nicht außerordentlich reich an Solanin (im Gegensatz zu grünen Pflanzenteilen), aber sie enthalten dieses Alkaloid. Solanin (und seine Nebenalkaloide) sind aber zum Großteil nicht sonderlich hitzestabil und außerdem gut wasserlöslich. Daher ist Kochen durchaus ratsam (auch aus kulinarischen Aspekten). Tomaten (auch grüne) enthalten nebenbei wesentlich weniger Glykosidalkaloide, so dass auch der Verzehr von grünen Früchten (als Marmelade etc.) nicht gesundheitsgefährdend ist.

Andere Beispiele: rohe Bohnen sind stark giftig (toxische, wasserlösliche, hitzelabile Proteine) und können durchaus bedrohliche Folgen haben, obwohl wahrscheinlich nur wenige Menschen die steinharten Dinger roh essen wollen… Auch die Kerne von verschiedenen Obstsorten sind wegen ihres Gehaltes an cyanogenen (blausäureabspaltenden) Glykosiden toxisch. Es sind auch schon Menschen an Apfel- oder Bittermandelkernen gestorben. Es gibt noch mehr Beispiele…

Ganz ohne Risiko sind also auch Obst und Gemüse nicht… Das nur zur Ergänzung. :wink:

Was mir noch einfällt,
sind verdorbene oder erkrankte Pflanzen, was man aber
heutzutage unwahrscheinlich ist.

Finde ich nicht so unwahrscheinlich, aber darum ging es auch gar nicht, denke ich.

Gruß
Bernd

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Hallo,

ich will dein Posting nicht schlecht machen, aber doch etwas
ergänzen…

so ganz korrekt ergänzt hast du da wohl aber auch nicht:

Solanin

(und seine Nebenalkaloide) sind aber zum Großteil nicht
sonderlich hitzestabil und außerdem gut wasserlöslich.

gut wasserlöslich stimmt. Hitzestabil sind sie allerdings (vermutlich wird das immer mit dem Phasin der Bohnen verwechselt). Pellkartoffeln enthalten deshalb etwas mehr Solanin als ohne Schale gekochte Kartoffeln.

Daher
ist Kochen durchaus ratsam (auch aus kulinarischen Aspekten).

Wie gesagt: das Wasser löst das Solanin etwas heraus. Das Solanin befindet sich vorwiegend im äußeren Bereich der Tuffel.

Tomaten (auch grüne) enthalten nebenbei wesentlich weniger
Glykosidalkaloide, so dass auch der Verzehr von grünen
Früchten (als Marmelade etc.) nicht gesundheitsgefährdend ist.

Grüne Tomaten enthalten je nach Reifegrad z.T. deutlich mehr Solanin / Tomatin als Kartoffelknollen und sind deshalb auch deutlich giftiger. Problematisch sind vor allem grüne Stellen an Kartoffeln. Rohe Kartoffeln würde ich eher als mindergiftig bezeichnen.

http://www.nutriinfo.de/artikeldetails.php?aid=1408
http://www.bernd-leitenberger.de/giftige-nahrungsmit…

Gruß, Niels

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Hallo Bernd,

Unlängst hat wieder jemand Maiglöckchen für
Bärlauch gehalten und das mit dem Leben bezahlt…

Stimmt, daher solle man sich bei Wildpflanzen immer(!) völlig(!) sicher sein was man sammelt, dito bei Pilzen.

Hier ein ganz klarer Einspruch von mir! Rohe Kartoffeln sind
giftig, nicht nur „schlecht bekömmlich“.

Gegenrde!
Wenn das stimmen würde, wäre ich längst tot.
Als Kind hab ich rohe Kartoffeln geliebt und in rauen Mengen gefuttert. Es ist mir noch nicht mal schlecht geworden.

Reife Knollen sind
nicht außerordentlich reich an Solanin (im Gegensatz zu grünen
Pflanzenteilen), aber sie enthalten dieses Alkaloid.

Nichtgrüne Teile von Kartoffelknollen enthalten so gut wie kein Solanin.

Solanin
(und seine Nebenalkaloide) sind aber zum Großteil nicht
sonderlich hitzestabil und außerdem gut wasserlöslich.

Stimmt nicht!
Zitat aus dem Römpp: ‚Das bei 286 °C unter Zersetzung schmelzende Solanin …‘
Das würde ich nicht als sonderlich labil bezeichnen.

Andere Beispiele: rohe Bohnen sind stark giftig (toxische,
wasserlösliche, hitzelabile Proteine) und können durchaus
bedrohliche Folgen haben, obwohl wahrscheinlich nur wenige
Menschen die steinharten Dinger roh essen wollen…

Das halte ich für Übertrieben. Rohe Bohnen erzeugen Unwohlsein, aber als stark giftig - ne
Blanchierte bzw. kurz gegahrte Bohnen werden als Salat zubereitet und haben mich (und meine Familie) bisher noch nicht getötet.

Auch die
Kerne von verschiedenen Obstsorten sind wegen ihres Gehaltes
an cyanogenen (blausäureabspaltenden) Glykosiden toxisch. Es
sind auch schon Menschen an Apfel- oder Bittermandelkernen
gestorben. Es gibt noch mehr Beispiele…

Die aber eher selten sind.

Ganz ohne Risiko sind also auch Obst und Gemüse nicht… Das
nur zur Ergänzung. :wink:

Ok, aber dann besser nicht übertreiben - oder ?

Gandalf

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