Zwillingsparadoxon

Guten Abend!

Relativistische Effekte wie Zeitdilatation und
Längenkontraktion haben wenig bis gar nichts mit der
Retardierung von Signalen zu tun. Letztere werden bei
Gedankenexperimenten, wie dem Zwillingsparadoxon,
üblicherweise nicht berücksichtigt, um es nicht noch
komplizierter zu machen, als es ohnehin schon ist.

Wenn man Texte bezüglich der Zeitdilatation recherchiert, wird man häufig auf den Begriff „Beobachter“ stoßen, ein solcher empfängt visuelle Signale, die selbstverständlich zeitverzögert sind.

Will man die Zeitdilatation ohne solche konkret benennbaren physikalischen Ursachen einfach nur als Naturgesetz ansehen, dann fehlt eine fundierte Begründung, dass dieses Naturgesetz existiert. Mathematisch kann alles mit einem gewissen Aufwand zurecht gerechnet werden, z.B. wird plötzlich behauptet, dass eine Weltlinie oder z.T. auch der Graph eines Raum-Zeit-Diagramms etwas mit Zeitverlangsamung zu tun hätte - solche Argumentationen sind nicht wirklich belastungsfähig.

MfG Gerhard Kemme

Guten Abend!

Jeder Punkt der Raumzeit besteht z.B. aus drei zeitunabhängigen Wegkomponenten und einer zeitabhängigen Wegkomponente (x,y,z,c*t), wobei oftmals das Minkowsky-Diagramm mit (x,c*t) gewählt wird. Somit ist die Ordinate zeitabhängig und die Abzisse wegabhängig, d.h. jedes Teilstück des Graphen kann durch einen senkrechten und einen waagerechten Anteil dargestellt werden, somit kann der Zeitanteil jeweils durch Projektion auf die c*t-Achse bestimmt werden, d.h. bei einer Wiederbegegnung am Ziel ist die Summe der Zeitintervalle gleich, egal ob ortsfest oder bewegt (rechtwinkliges KO-System).

MfG Gerhard Kemme

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo,

Nein. Der raum-zeitliche Abstand zwischen Start und Ziel ist
für alle gleich. Das heißt, je länger der Weg im Raum, um so
kürzer die Zeit und umgekehrt.

Das kann nicht sein, dann wäre keiner älter. Wohlgemerkt - es ging um den Unterschied zwischen den beiden Raumfahrenden und dem Daheimgebliebenen.

Da der Weg (in flacher Raumzeit) am kürzesten ist, wenn man gar nicht
beschleunigt, ist der unbeschleunigte Zwilling am Ende immer der
älteste.

Welcher der Zwillinge ist denn unbeschleunigt? Imho sollte der Daheimgeblieben permanent die Erdgravitation spüren. Wie das bei den anderen beiden ist, kommt wohl auf die genaue Flugbahn an, oder?
Was ich nicht überblicke, ist, ob die schneller(?) vergehende Zeit während der Beschleunigung zu Beginn, beim Umkehrpunkt und am Ende der Reise die Zeitminderung(?) während des unbeschleunigten Fluges aufheben würde oder nicht. Eigentlich sollten je nach Flugdauer alle Möglichkeiten bestehen (Raumfahrer älter - gleich alt - jünger als der Daheimgebliebene).

Gruß
loderunner

Hallo,

Per Experiment wurde bestätigt, dass sehr empfindliche Uhren von
der Bewegungsrichtung auf der Erde in ihrer Ganggenauigkeit
abhängig sind.

Falsch. Ihre Ganggenauigkeit ist gleich.

Wir können jetzt sehr spitzfindisch werden, aber wenn
synchronisierte Uhren unterschiedliche Zeiten anzeigen,
nachdem sie in entgegengesetzte Richtungen geflogen sind,
würde ich abweichende Ganggenauigkeiten diagnostizieren.

Und genau das ist falsch. Nicht ihre Ganggenauigkeit ist abgewichen, sondern ihre Zeit. Sie sind tatsächlich unterschiedlich gealtert, ihre Ganggenauigkeit ist genau gleich geblieben.

Fakt ist, dass die in Westrichtung bewegte Uhr vor ging und
sich somit ein Widerspruch zur Zeitdilatation gezeigt hat.

Falsch. Der Versuch hat eben KEINEN Widerspruch gezeigt,
sondern die RT bestätigt.

Solange man nicht ins Detail geht, kann man alles behaupten.

Genau das werfe ich Dir vor.

Also nocheinmal: Die in Westrichtung bewegte Uhr ging um 273
ns ± 7 ns vor. Hiermit liegt ein klarer Widerspruch zu den
wiederholt genannten Aussagen bezüglich Zeitdilatation vor,
wonach die Formel:
t_bew=t_ruh*sqrt(1 - v²/c²)
Gültigkeit hätte, d.h. die ortsfeste Uhr hätte einen größeren
Zahlenwert anzeigen müssen als die bewegte: Bewegte Uhren
gehen langsamer - nur diese Aussage stimmt nicht mit dem
Resultat des Experimentes überein, d.h. die Zeitdilatation
wurde nicht bestätigt.

Falsch. Du befindest Dich in der falschen Theorie. Die Uhren im Flugzeug und am Boden habe unterschiedliche Schwerkraft erfahren. Du musst schon alles berücksichtigen, nicht irgendeine Formel rausgreifen, in der zufällig die passenden Werte verwendet werden. Jede Formel hat ihren Gültigkeitsbereich, das ist das, was Du immer wieder ignorierst.

Nur hast Du wieder mal den Text nicht verstanden.

Selbstverständlich ist mir klar, dass in der Denkweise von
einigen Anhängern der SRT per Wechsel des Bezugssystems alles
zurechtgebogen wird.

Tja, und das scheint Dein Problem zu sein: Du weißt nicht, was ein Bezugssystem ist.

Da das Resultat des Experimentes keine
Bestätigung brachte, hatte man der ortsfesten Uhr jetzt die
Umfangsgeschwindigkeit der Erde zugeordnet, somit hatte die
westwärts fliegende Uhr bezüglich der ortsfesten Uhr eine
negative Geschwindigkeit. Voila`, die Zahlen stimmten wieder.
Man hätte selbstverständlich auch die Kreisbahngeschwindigkeit
der Erde um die Sonne hereinbringen können, dann hätten die
Werte wieder nicht gepasst.

Aber selbstverständlich hätte das gepasst. Wenn Du das gegenteil behauptest, musst Du das vorrechnen. ich gebe gern zu, dass ich das nicht kann. ich habe aber Vertrauen zu denen, die’s können.

Btw., einen ähnlichen Versuch mit zwei Atomuhren gab es vor
einiger Zeit sogar schon im Kinderfernsehen (Sendung mit der
Maus). Und auch diesmal wurde wieder die RT bestätigt.

Das ist mir sehr klar.

Offensichtlich leugnest Du aber permanent alle Ergebnisse, die die RT bestätigen. Ich verstehe nur nicht, warum.

In Hamburg gibt es die Sprüche Albert…

Polemik ohne Inhalt.

Gruß
loderunner

Hallo Gerhard !

Machen wir doch einfach nochmal das ominöse (Gedanken-)Experiment und überlegen wir wirklich jeden Schritt:

Grundvoraussetzung: Die Lichgeschwindigkeit ist für JEDEN Beobachter gleich (etwa 300000 km/s).
Wenn die Grundvoraussetzung stimmt, muss die Zeit für bewegte Systeme langsamer vergehen.
Beweis:
Wir setzen einen Beobachter wegen der schönen Aussicht auf einen kleinen Jupitermond :smile:.
Zugleich setzen wir einen Beobachter, eine Lampe, einen Lichtdetektor und einen Spiegel in ein Raumschiff das an diesem Jupitermond vorbeifliegen soll (und dass auf der dem Jupitermond zugewandten Seite durchsichtig ist).
Die Lampe wird neben dem Lichtdetektor auf dem Boden des Raumschiffs montiert, der Spiegel an der Decke.

Spiegel -------



Lampe \_\_o\_x\_\_ Detektor

Die Lampe sendet regelmässig Lichtblitze nach oben aus, die vom Spiegel reflektiert und danach vom Detektor neben der Lampe registriert wird (welcher dann z.B. selbst aufleuchtet um den Empfang anzuzeigen).

Lichtweg:

1. Licht wird ausgesendet:
 -------


 .
 \_\_o\_x\_\_

2. Licht ist unterwegs zum Spiegel:
 -------

 .

 \_\_o\_x\_\_

3. Licht wird reflektiert:
 -------
 .


 \_\_o\_x\_\_

4. Licht ist unterwegs zum Detektor:
 -------

 .

 \_\_o\_x\_\_

5. Licht wird empfangen:
 -------


 .
 \_\_o\_x\_\_

Der Abstand zwischen Boden und Decke betrage etwa 150 m, der Abstand zwischen Lampe und Detektor sei 1 mm (also vernachlässigbar klein).
Das von der Lampe ausgesendete Licht muss also 150 m rauf und wieder 150 m runter zum Detektor, dass sind 300 m. Es braucht somit 300/300000000 = 1/1000000 Sekunde.
Für den Beobachter im Raumschiff vergehen also 0,000010 Sekunden zwischen Lichtaussendung und Lichtempfang.

Das Raumschiff fliege jetzt aber mit halber Lichgeschwindigkeit am Jupitermond vorbei. Was sieht der Beobachter auf dem Mond ?
Er sieht, wie das Licht der Lampe zum Spiegel und zurück zum Detektor fliegt. Gleichzeitig bewegt sich aber die Lampe, der Spiegel und der Detektor aber weiter (sie sind immerhin mit halber Lichtgeschwindigkeit unterwegs), der Weg, den das Licht von der Lampe zum Detektor zurücklegen muss, ist also deutlich länger:

Lichtweg:
1. Licht wird ausgesendet:
 -------


 .
 \_\_o\_x\_\_

2. Licht ist unterwegs zum Spiegel:
 -------

 .

 \_\_o\_x\_\_
 -\>

3. Licht wird reflektiert:
 -------
 .


 \_\_o\_x\_\_
 --\>

4. Licht ist unterwegs zum Detektor:
 -------

 .

 \_\_o\_x\_\_
 ---\>

5. Licht wird empfangen:
 -------


 .
 \_\_o\_x\_\_
 ----\>

Das Licht hat also einen Weg vom Punkt P1 (aussenden) über P2 (reflektieren) nach P3 (empfangen) zurückgelegt:

 P2
 |
 -------
 .
 . .
 . .
 . .
 o x o x
 | |
 P1 P3

Das Licht muss aus Sicht des Beobachters auf dem Mond also eine längere Strecke (schräg rauf + schräg runter) zurücklegen als aus der Sicht des Beobachters im Raumschiff (gerade rauf + gerade runter).
Nun gilt aber für beide Beobachter die Grundvoraussetzung: Licht bewegt sich IMMER mit der gleichen Geschwindigkeit.
Wenn für den Beobachter auf dem Mond aber die Strecke, die das Licht von der Lampe zum Empfänger zurücklegen muss, länger ist als für den Beobachter auf dem Raumschiff, das Licht für beide aber die gleiche Geschwindigkeit hat, muss die Zeitdauer zwischen Aussenden und Empfangen, die für den Beobachter auf dem Mond vergeht, grösser sein als die Zeitdauer zwischen Aussenden und Empfangen, die für den Beobachter auf dem Raumschiff vergeht, die Strecken, die das Licht zurücklegen muss sind ja unterschiedlich.
Für den Beobachter auf dem Mond vergehen also 0,000014 Sekunden zwischen Lichtaussendung und Lichtempfang.

Wir sehen also:
Aus der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit folgt ZWINGEND eine Verlangsamung der Zeit in bewegten Systemen.

mfg
Christof

Nein. Der raum-zeitliche Abstand zwischen Start und Ziel ist
für alle gleich. Das heißt, je länger der Weg im Raum, um so
kürzer die Zeit und umgekehrt.

Das kann nicht sein, dann wäre keiner älter. Wohlgemerkt - es
ging um den Unterschied zwischen den beiden Raumfahrenden und
dem Daheimgebliebenen.

Da die beiden Raumfahrer beschleunigen müssen, um zum Ausgangspunkt zurückzukehren, sind sie natürlich jünger, als jemand, der die ganze Zeit am Ausgangspunkt geruht hat.

Da der Weg (in flacher Raumzeit) am kürzesten ist, wenn man gar nicht
beschleunigt, ist der unbeschleunigte Zwilling am Ende immer der
älteste.

Welcher der Zwillinge ist denn unbeschleunigt? Imho sollte der
Daheimgeblieben permanent die Erdgravitation spüren.

Wenn Gravitation im Spiel ist, ist wie Raumzeit nicht flach, sondern gekrümmt und man muß anstelle der SRT die ART verwenden. Dann unterliegt der Zwilling auf der Erde natürlich der gravitativen Zeitdilatation. Er würde beispielsweise langsamer altern, als ein Zwilling im Orbit.

Wie das
bei den anderen beiden ist, kommt wohl auf die genaue Flugbahn
an, oder?

Wenn man die Gravitation ins Spiel bringt schon, aber dann wird das Ganze sehr schnell sehr kompliziert.

Was ich nicht überblicke, ist, ob die schneller(?) vergehende
Zeit während der Beschleunigung zu Beginn, beim Umkehrpunkt
und am Ende der Reise die Zeitminderung(?) während des
unbeschleunigten Fluges aufheben würde oder nicht.

Aus Sicht des am Umkehrpunkt beschleunigten Zwillings macht die Uhr des ruhenden Zwiliings einen großen Satz nach vorn. Dadurch wird die Zeitdilatation während der unbeschleunigten Phase derart überkompensiert, dass selbst mit der Zeitdilatation während des Rückflugs am Ende ein Vorsprung bleibt.

Eigentlich
sollten je nach Flugdauer alle Möglichkeiten bestehen
(Raumfahrer älter - gleich alt - jünger als der
Daheimgebliebene).

Nein. In Flacher Metrik gibt es da nur eine Möglichkeit. Der gaheimgebliebene (unbeschleunigte) Zwilling ist immer der ältere.

Wenn man Texte bezüglich der Zeitdilatation recherchiert, wird
man häufig auf den Begriff „Beobachter“ stoßen

Und damit ist üblicherweise ein fundamentaler Beobachter gemeint, dem nicht-retardierte Informationen zur Verfügung stehen. Das kann praktisch realisiert werden, indem alle Orte und Zeiten lokal gemessen und die Werte dann an den Beobachter übermittelt werden. Dann spielt die Signallaufzeit überhaupt keine Rolle.

ein solcher
empfängt visuelle Signale, die selbstverständlich
zeitverzögert sind.

Um solche Mißverständisse zu vermeiden, verwende ich lieber die Formulierung „im Ruhesystem des Beobachters X“ anstelle von „aus Sicht des Beobachters X“. Das ist zwar nicht dasselbe, aber trotzdem wird beides gern synonym verwendet. Wenn man das nicht weiß, versteht man natürlich kein Wort.

Will man die Zeitdilatation ohne solche konkret benennbaren
physikalischen Ursachen einfach nur als Naturgesetz ansehen,
dann fehlt eine fundierte Begründung, dass dieses Naturgesetz
existiert.

Da man das nicht will, ist dieser Einwand irrelevant. Relativistische Effekte wie zeitdilatation und Längenkontraktion ergeben sich zwanglos aus der Bezugssystemunabhängigkeit der Lichtgeschwindigkeit.

Moin,

Und damit ist üblicherweise ein fundamentaler Beobachter
gemeint, dem nicht-retardierte Informationen zur Verfügung
stehen. Das kann praktisch realisiert werden, indem alle Orte
und Zeiten lokal gemessen und die Werte dann an den Beobachter
übermittelt werden. Dann spielt die Signallaufzeit überhaupt
keine Rolle.

widerspricht das aber nicht den Grundannahmen der SRT? Es gibt nun mal keinen fundamentalen Beobachter, zu dem die Informationen von überallher mit Überlichtgeschwindigkeit übertragen werden. Ist denn dieser Artikel hier
http://projekte.aligini.de/physik/relth/teil2.php
falsch?

Relativistische Effekte wie zeitdilatation und
Längenkontraktion ergeben sich zwanglos aus der
Bezugssystemunabhängigkeit der Lichtgeschwindigkeit.

Ja, das stimmt schon. Aber welche zwingenden Beweise gibt es denn für eben diese Bezugssystemunabhängigkeit der Lichtgeschwindigkeit? Das Michelson-Experiment hat doch nur gezeigt, dass es entweder keinen Äther gibt oder dieser sich mit der Erde mitbewegt. Gab es da noch andere Experimente?

Olaf

Hallo,

Wenn Gravitation im Spiel ist, ist wie Raumzeit nicht flach,
sondern gekrümmt und man muß anstelle der SRT die ART
verwenden. Dann unterliegt der Zwilling auf der Erde natürlich
der gravitativen Zeitdilatation. Er würde beispielsweise
langsamer altern, als ein Zwilling im Orbit.

Eben das meinte ich.
Wird leider immer wieder beim Zwillings- und sonstigen Paradoxonen außer acht gelassen.

Wie das
bei den anderen beiden ist, kommt wohl auf die genaue Flugbahn
an, oder?

Wenn man die Gravitation ins Spiel bringt schon, aber dann
wird das Ganze sehr schnell sehr kompliziert.

Ja.
Vielleicht lässt man es ja deshalb so gern weg. Vielleicht haben aber auch genau deshalb so viele Leute Probleme mit dem Paradoxon?

Nein. In Flacher Metrik gibt es da nur eine Möglichkeit. Der
gaheimgebliebene (unbeschleunigte) Zwilling ist immer der
ältere.

Da aber der daheimgeblieben sich auf der Erde befindet…

Danke für Deine Erklärungen.

Gruß
loderunner

Hallo,

Und damit ist üblicherweise ein fundamentaler Beobachter
gemeint, dem nicht-retardierte Informationen zur Verfügung
stehen. Das kann praktisch realisiert werden, indem alle Orte
und Zeiten lokal gemessen und die Werte dann an den Beobachter
übermittelt werden. Dann spielt die Signallaufzeit überhaupt
keine Rolle.

widerspricht das aber nicht den Grundannahmen der SRT?

nein, da ja nicht behauptet wird, dass dem fundamentalen Beobachter die nicht-retardierten Informationen instantan zur Verfügung stehen.

Das entspricht ja auch regelmäßig dem experimentellen Aufbau: es ist praktisch einfach nicht möglich, Objekte im klassischen Sinne zu beobachten, die sich mit nahezu Lichtgeschwindigkeit bewegen. Man ist stets gezwungen aus den Messungen nachträglich ein Bild zu erstellen - dabei kann man dann gleich die Signallaufzeit herausrechnen. Darüberhinaus kann man das Experiment u.U. so aufbauen, dass alle relevanten Signale die gleiche endliche Laufzeit haben.

Aber welche zwingenden Beweise gibt es denn für eben diese
Bezugssystemunabhängigkeit der Lichtgeschwindigkeit?

Im Grunde keine. Die `Konstanz der Lichtgeschwindigkeit’ ist nicht erforderlich - es handelt sich lediglich um die einfachste Realisierung einer Relativitätstheorie, die Mechanik und Elektrodynamik vereint und mit den experimentellen Befunden verträglich ist. Damit gebietet nur Herr von Ockham, dieses Axiom zu verwenden.


Philipp

Hallo,

Das entspricht ja auch regelmäßig dem experimentellen Aufbau:
es ist praktisch einfach nicht möglich, Objekte im klassischen
Sinne zu beobachten, die sich mit nahezu Lichtgeschwindigkeit
bewegen. Man ist stets gezwungen aus den Messungen
nachträglich ein Bild zu erstellen - dabei kann man dann
gleich die Signallaufzeit herausrechnen. Darüberhinaus kann
man das Experiment u.U. so aufbauen, dass alle relevanten
Signale die gleiche endliche Laufzeit haben.

OK, dann kommen wir nochmal zum eigentlichen Thema dieses Threads zurück. Wenn der reisende Zwilling gerade am Umkehrpunkt angelangt ist, was sieht dann der fundamentale Beobachter? Wer ist älter?

Olaf

Wenn Gravitation im Spiel ist, ist wie Raumzeit nicht flach,
sondern gekrümmt und man muß anstelle der SRT die ART
verwenden. Dann unterliegt der Zwilling auf der Erde natürlich
der gravitativen Zeitdilatation. Er würde beispielsweise
langsamer altern, als ein Zwilling im Orbit.

Eben das meinte ich.
Wird leider immer wieder beim Zwillings- und sonstigen
Paradoxonen außer acht gelassen.

Was heißt leider? Das Zwillingsparadoxon ist ein Gedankenexperiment zur SRT, und weil die SRT nur in flachen Räumen gilt darf da gar keine Gravitation im Spiel sein.

Und damit ist üblicherweise ein fundamentaler Beobachter
gemeint, dem nicht-retardierte Informationen zur Verfügung
stehen. Das kann praktisch realisiert werden, indem alle Orte
und Zeiten lokal gemessen und die Werte dann an den Beobachter
übermittelt werden. Dann spielt die Signallaufzeit überhaupt
keine Rolle.

widerspricht das aber nicht den Grundannahmen der SRT?

Nein.

Es gibt
nun mal keinen fundamentalen Beobachter, zu dem die
Informationen von überallher mit Überlichtgeschwindigkeit
übertragen werden.

Davon war auch nirgends die Rede. Information wird natürlich maximal mit Lichtgeschwindigkeit übertragen. Da der Beobachter aber beliebig lange warten kann, bis alle Informationen bei ihm eingetroffen sind, spielt die Übertragungszeit überhaupt keine Rolle.

Relativistische Effekte wie zeitdilatation und
Längenkontraktion ergeben sich zwanglos aus der
Bezugssystemunabhängigkeit der Lichtgeschwindigkeit.

Ja, das stimmt schon. Aber welche zwingenden Beweise gibt es
denn für eben diese Bezugssystemunabhängigkeit der
Lichtgeschwindigkeit?

Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Welche zwingenden beweise gibt es denn, dass es nicht so ist. Solange beides gleich wahrscheinlich ist, zwingt Occhams Rasiermesser, sich für die einfachere Variante zu entscheiden und das ist zweifellos die Annahme, dass das Licht sich immer gleich schnell bewegt.

Es gibt aber zahlreiche Beobachtungen, die gegen den klassichen Lichtäther sprechen. Exotische Lichtäther, die genau so beschaffen sind, dass man sie nicht beobachten kann, kann man natürlich immr erfinden - aber wozu?

Das Michelson-Experiment hat doch nur
gezeigt, dass es entweder keinen Äther gibt oder dieser sich
mit der Erde mitbewegt.

Du darfst das MM-Experiment nicht isoliert betrachten. Es gab vorher schon andere Experimente, aus denen hervor ging, welche Eigenschaften der Äther haben müsste, wenn es ihn gäbe. Dazu gehört z.B. dass er nicht fluid sein darf (das folgt aus der Polarisierbarkeit des Lichtes). Wenn man das MM-Experiment nun so interpretiert, dass es einen Lichtäther gibt, der sich mit der Erde bewegt, dann muss das ein rotierender Festkörper sein. Da das Licht von diesem Äther mitgeführt wird, würden wie beispielsweise die Planeten an ganz anderen Positionen sehen. Die Tatsache, dass Raumsonden die Planeten genau da finden, wo man sie nach astronomischen Beobachtungen erwartet, spricht gegen eine solche Mitführung. Auch wenn man einen zumindest teilweise fluiden Äther zulässt, gäbe es solche Mitführungseffekte, die astromische Beobachtungen meßbar verfälschen würden. Die Tatsache, dass man sowas nicht beobachtet, schließt einen mitbewegten Äther aus. Damit ist der klassische Lichtäther falsifiziert.

Zu Zeiten von Michelson und Moreley war das natürlich alles bekannt, weil die Äthertheorie damals etablierte Lehrmeinung war. Deshalb war auch allen sofort klar, dass der Lichtäther mit dem MM-Experiment gestorben ist. Heute kennt die Äthertheorie kaum noch einer, weil sie veraltet ist und nicht mehr gelehrt wird. Diese Unkenntnis führt dann immer wieder zu Fehlinterpretationen des MM-Experimentes (wie beispielsweise die Mitführung des Äthers), die mit den Eigenschaften des Lichtäthers nicht vereinbar sind.

>Gab es da noch andere Experimente?

Massenweise. Aber das MM-Experiment ist nunmal das erste seiner Art und deshalb am bekanntesten.

OK, dann kommen wir nochmal zum eigentlichen Thema dieses
Threads zurück. Wenn der reisende Zwilling gerade am
Umkehrpunkt angelangt ist, was sieht dann der fundamentale
Beobachter? Wer ist älter?

Welcher fundamentale Beobachter? Für einen fundamentalen Beobachter, der im Ruhesystem des unbeschleunigten Zwillings ruht, ist dieser die ganze Zeit der ältere. Für einen Beobachter, der im Ruhesystem des beschleunigten Zwillings ruht, ist der „unbeschleunigte“ bis zum Umkehrpunkt der jüngere und danach der ältere.

Hallo,

Was heißt leider? Das Zwillingsparadoxon ist ein
Gedankenexperiment zur SRT, und weil die SRT nur in flachen
Räumen gilt darf da gar keine Gravitation im Spiel sein.

da hast Du natürlich völig recht. Nur trennen die wenigsten die ART von der SRT, werfen sogar die Begriffe und den Geltungsbereich völlig durcheinander. Und dann kommt eben leider nur Durcheinander heraus.
Gruß
loderunner