Zwingende (?) Wortverbindungen

Hallo Wissende,

mir ist aufgefallen, daß es im allgemeinen Sprachgebrauch einige Wortverbindungen gibt, die offensichtlich schon zwanghaft sind.

Beispiele:

Ruhestand - wohlverdient (ein anderer Ruhestand scheint nicht denkbar zu sein)

Restaurierung - liebevoll (gleichgültig, ob es sich um Häuser, Gemälde oder alte Autos handelt; ketzerische Frage: kann man etwas auch ganz einfach sorgfältig restaurieren?)

Wer kennt noch mehr von diesen scheinbar unlösbaren Verbindungen?
Für alle Vorschläge dankt
Frank

Hallo.

mir ist aufgefallen, daß es im allgemeinen Sprachgebrauch
einige Wortverbindungen gibt, die offensichtlich schon
zwanghaft sind.

Ruhestand - wohlverdient (ein anderer Ruhestand scheint nicht
denkbar zu sein)

Der wohlverdiente Urlaub - am besten so, dass man die Anführungsfüßchen und Gänsezeichen deutlich hört …

Restaurierung - liebevoll (gleichgültig, ob es sich um Häuser,
Gemälde oder alte Autos handelt; ketzerische Frage: kann man
etwas auch ganz einfach sorgfältig restaurieren?)

Sorgfältig restaurieren ist mir aber durchaus schon untergekommen.

Wer kennt noch mehr von diesen scheinbar unlösbaren Verbindungen?

Jeder aktive Gewerkschafter weiß, dass Forderungen immer elementar und berechtigt sind, genau wie der Unmut der Kolleginnen und Kollegen, so dieser nicht verständlich oder sogar absolut verständlich ist … Kritik ist unüberhörbar, berechtigt, massiv und verständlich … Kundgebungen sind machtvoll, o wie prachtvoll … selbst wenn nur ein Bevollmächtigter mit zwei zufällig anwesenden Waldschraten diskutiert … Solidarität ist sowohl notwendig wie auch international … dass Argumentationen (sic!) überzeugend sind, erfordert kaum Erwähnung … welch letztere, so sie erfolgt, trotzdem eine beiläufige ist …

Lehrende reden gern von logischen Zusammenhängen, selten von unlogischen … wenn etwas einleuchtet, dann muss es, und zwar jedem …

ich könnte noch Tausende von Beispielen anführen, wenn ich a) wollte und b) noch welche wüsste …

Gruß kw

Ruhestand - wohlverdient

das sind diese zwillingswörter, worthülsen, phrasendresschereien, die absolut tabu in gehobener sprache sind. besonders der leichte journalismus ist davon überflutet bzw sie _schießen dort wie pilze aus dem boden_.

wenn es wo starke regenfälle gab, dann sind es immer _sintflutartige_, wenn irgendwo überlebende oder vermißte gesucht werden, ist die suche immer _fieberhaft_ usw. usf.

dazu herrlich:
http://www.kurier.at/zeitung/kopfstuecke/WM/index.ph…

gruß
datafox

HI datafox,

das sind diese zwillingswörter, worthülsen,
phrasendresschereien, die absolut tabu in gehobener sprache
sind. besonders der leichte journalismus ist davon überflutet
bzw sie _schießen dort wie pilze aus dem boden_.

wenn es wo starke regenfälle gab, dann sind es immer
_sintflutartige_, wenn irgendwo überlebende oder vermißte
gesucht werden, ist die suche immer _fieberhaft_ usw. usf.

klar können Adjektive zu Phrasen verkommen. Allerdings gibt es Wortpaare, die einfach nur zusammenpassen und Eigenschaft der deutschen Sprache sind.

Eine Butter wird nunmal einfach nicht „schlecht“, sondern sie wird „ranzig“, während Milch eben „sauer“ wird, Wasser „abgestanden“, Brot „trocken“, „schimmlig“ oder „hart“.
Ein Abenteuer ist meistens „spannend“, da dies im Wesen des Abenteuers liegt. Auch „Regefälle“ kann ich durchaus in Verbindung mit „sintflutartig“ setzen - denn wer wird von „starken“ „Regenfällen“ sprechen wollen - Regen fälle sind nun schonmal bereits stark! Das „sintflutartig“ betont diese Stärke und das subjektive Element darin noch zusätzlich. Dies, darin gebe ich Dir recht, hat in seriösen Nachrichten nur selten etwas zu suchen. Wenn es aber durch Regen tatsächlich zu Überschwemmungen kommt, würde ich dennoch nciht von „überdurchschnittlich starkem Regen“ sprechen, denn dies könnte als euphemistischer Zynismus gewertet werden.

In diesem Sinne „freundliche“ „Grüße“

:wink:

Mirjam

Hallo!

Allerdings gibt es
Wortpaare, die einfach nur zusammenpassen und Eigenschaft der
deutschen Sprache sind.

Ja, aber diese sind eben nicht „zwingend“ und passen daher nicht zur Fragestellung!

Eine Butter wird nunmal einfach nicht „schlecht“, sondern sie
wird „ranzig“,

Aber der Zusammenhang ist weder in die eine noch in die andere Richtung _zwingend_ - die Butter die ich mir heute morgen aufs Brötchen geschmiert habe, war keinesfalls ranzig, sondern sehr schmackhaft. :smile:
Und Butter ist nicht das einzige was ranzig werden kann: ranziges Öl gibt es ebenso, und der „ranzige Geruch“ kann praktisch überallher kommen.

während Milch eben „sauer“ wird,

Dito: Milch kann auch frisch sein, pasteurisiert, angedickt oder einfach nur schlecht… Und manch ein Motor wurde schon „sauer“ gefahren wie auch viele Gurken sauer eingelegt sind.

Ein Abenteuer ist meistens „spannend“, da dies im Wesen des
Abenteuers liegt.

Das paßt recht gut zur ursprünglichen Frage!

Auch „Regefälle“ kann ich durchaus in
Verbindung mit „sintflutartig“ setzen - denn wer wird von
„starken“ „Regenfällen“ sprechen wollen - Regen fälle
sind nun schonmal bereits stark!

Natürlich gibt es starke Regenfälle - das „fälle“ bestimmt ja in erster Linie einmal die Bewegungsrichtung des Regens… (Aber wer hat schon jemals eine „Regensteigung“ gesehen?!? :wink: …)

„Häufige Regenfälle“ müssen jedenfalls genauso wie „gelegentliche Regenfälle“ nicht immer gleichbedeutend mit Starkregenereignissen sein!

Das „sintflutartig“ betont
diese Stärke und das subjektive Element darin noch zusätzlich.

Das ist halt das typische Beispiel einer sinnlosen Phrasendrescherei - obwohl ich mich selber keinesfalls davon freisprechen möchte, gelegentlich auf solche Worthülsen zurückzugreifen.

Dies, darin gebe ich Dir recht, hat in seriösen Nachrichten
nur selten etwas zu suchen. Wenn es aber durch Regen
tatsächlich zu Überschwemmungen kommt, würde ich dennoch nciht
von „überdurchschnittlich starkem Regen“ sprechen, denn dies
könnte als euphemistischer Zynismus gewertet werden.

Nein, die Formulierung ist mehr als holprig.
Aber wie wäre es mit „anhaltenden starken Regenfällen“? Auch der gute alte „Wolkenbruch“ wäre für mich noch eine Alternative.

Aber das „sintflutartige“ ist ein durch ständigen übermäßigen Gebrauch völlig abgenutzter Superlativ, der inzwischen überhaupt keine Bedeutung, keinen Inhalt mehr hat.

Früher mal gab es den „Star“, der alle anderen überragte. Irgendwann einmal mußte der ja getoppt werden und der „Superstar“ war geboren! Inzwischen ist die Star-Evolution nach „Weltstar“ und „Megastar“ schon derartig inflationär ausgeufert, daß jeder hergelaufene Hansel im Deppenfernsehen zum Superstar aufsteigen kann…

In diesem Sinne „freundliche“ „Grüße“

Ist auch nicht die zwingende und einzig wahre Verbindung, wetten? :wink:

Liebe Grüße,
Robert

Hallo,

ist mir heute in der Fernsehzeitschrift aufgefallen: „atmosphärisch dicht“. Falls mir jemand mal genau erklären könnte, was das bedeutet, wäre ich dankbar. Oft fand ich beim Schauen, daß einem etwas langatmigen Film damit ein positives Image aufgeklebt wird.

Gruß
mowei

Eine Butter wird nunmal einfach nicht „schlecht“, sondern sie
wird „ranzig“, während Milch eben „sauer“ wird, Wasser
„abgestanden“, Brot „trocken“, „schimmlig“ oder „hart“.

Was ist eigentlich, wenn die Butter zwar schlecht, aber nicht ranzig, sondern schimmlig wird? Ranzige Butter ist ja nicht einfach nur verdorbene Butter, sondern hier wird gleich beschrieben, was mit der Butter nicht mehr stimmt. Und u.U. kann sie eben auch schimmeln.

Bis denne!
Schnoof