Zwölf Uhr Läuten

Hallo,

ich dachte immer, unser Zwölfuhrläuten geht auf eine gewonnene Schlacht gegen die Türken vor Wien zurück, wenn ich auch die Details nicht mehr genau weiß.

Jetzt lese ich, das geht auf eine Schlacht vor Belgrad zurück?

Was ist denn nun richtig?

Danke für Hinweise Antal

Warum sollte das seinen Ursprung in einer Schlacht haben? In früheren
Jahrhunderten wurde in Kirchen und Klöstern einige Male am Tag
gebimmelt. Die Menschen hatten ja keine Uhren und benötigten zeitliche
Orientierung. Außerdem wurde so zum Gottesdienst gerufen, zu bestimmten
Zeiten jedenfalls. Und zusätzlich wurde der Vorrang von Religion und
Kirche verdeutlicht (das wohl mehr unbewußt).

Weils so ist

‚ißt‘ - Mittagspause, was sonst?

Weils so ist

Hallo antal,
das Mittagsläuten ist Teil des Angelusläutens, das Morgens, Mittags und Abends die Abschnitte des Tages markiert. Das Läuten fällt mit drei Horen des kirchlichen Stundengebets zusammen - Laudes, Sext und Vesper.

Am ältesten (schon seit dem 13. Jahrhundert) davon ist das Feierabendgeläut, das die Arbeitenden von den Feldern rief; in der Folge empfand man dann auch ein morgendliches ‚Weckläuten‘ als nützlich. Das Mittagsläuten schließlich, dessen praktischer Nutzen weniger offensichtlich ist, ist am jüngsten. Es wurde 1456 durch Papst Calixt III. per Dekret als ‚Läuten pro pace‘ eingeführt - volkstümlich „Türkenglocke“ genannt. Unmittelbarer Anlass war ein Hilferuf des ungarischen Heerführers Johann Hunyadi, der allerdings außer dieser moralischen Unterstützung nicht viel mehr erhielt. Trotzdem gelang es Hunyadi, 1456 das belagerte Belgrad zu entsetzen. Die Türken zogen sich in das drei Jahre zuvor eroberte Konstantinopel zurück.

Wien wurde zum ersten Mal 1529 von den Türken belagert - da war das Mittagsläuten schon Tradition.

Freundliche Grüße,
Ralf

Tach

Lies mal das Posting von Ralf (der so ziemlich alles erklärt hat)dann weißt du auch mehr. Finde es immer wieder komisch wie Leute mit ihrem Unwissen angeben…
Ach ja…eine nette Anrede usw. sollte auch drin sein. Man hat ja schließlich Manieren.

MfG
Christoph

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Hallo miteinander,
Bei der Frage sind ein paar Dinge miteinander verwechselt:

  1. Das Angelus-Läuten am Morgen, Mittag und Abernd: Das ist gedacht als eine Art Anwendung des klösterlichen Stundengebets für die Laien:
    Am Morgen (bezeugt seit 1317 aus Parma) sollte an die Auferstehung am Ostermorgen gedacht werden,
    am Mittag (bezeugt seit 1386 aus Prag) an die Kreuzigung Christi,
    am Abend (bezeugt seit 1307 aus Gran, 1327 Rom) an die Geburt Christi am Heiligen Abend.
  2. Das „Angst-Läuten” zum Gedächtnis der Todesangst Christi am Ölberg in der Nacht seiner Gefangennahme;
    Mancherorts heute noch am Donnerstag nach dem Abendläuten üblich mit einer besonderen Glocke,
    auch das Läuten am Freitagnachmittag um drei Uhr soll an den Tod Christi „um die neunte Stunde” (römischer Zählung) erinnern;
    mancherorts war es auch/zusätzlich eine Stunde nach Sonnenuntergang üblich zum Gedächtnis an die Verstorbenen („Arme-Seelen-Läuten”), heute noch mancherorts üblich mit der Arme-Seelen-Glocke nach dem Abendläuten;
    [oft verwechselt mit dem Glockensignal im Mittelalter zum Igne-tegium (Löschen des Feuers) nach Einbruch der Dunkelheit, also so gegen neun und zehn Uhr Abends (wo nicht der Nachtwächter dazu aufrief)].
  3. Das „Türkenläuten” als Gebetsruf gegen die Türkengefahr;
    wiederholt von kirchlichen Synoden dekretiert; erstmals in Prag 1386,
    seit 29.6.1456 durch Papst Calixtus III. vorgeschrieben täglich zwischen den Stundengebeten Non und Vesper (also gegen 17.00 Uhr);
    allgemein geboten von Papst Benedikt XIV. (23.12.1740) und wieder von Pius XI. (für Freitag 15.00 Uhr).
    Die Türkengefahr sah man im Abendland im 14. Jh., spätestens als sie unter Muhrad I. nach Europa herüberkamen und 1361 Adrianopel zu ihrem ersten Stützpunkt machten. Ins gleiche Jahrhundert fällt ihr Sieg auf dem Amselfeld (1389), durch den sie Bulgarien, Mazedonien und den Süden von Serbien gewannen. (Die heutige Kosovoproblem geht darauf zurück!). Dadurch und seitdem sah das christliche Europa die Türkengefahr. Wiederholt berieten Reichstage als „Türkentage” darüber.
    So viel aus der Geschichte und der Volkskunde zum Thema.
    Schöne Grüße!
    H.

Hallo Hannes,
vielen Dank für die präzisen Angaben. Speziell zu dieser:

seit 29.6.1456 durch Papst Calixtus III. vorgeschrieben
täglich zwischen den Stundengebeten Non und Vesper (also gegen
17.00 Uhr)

würde mich die Quelle interessieren, da sowohl der ‚Bautz‘ (Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon) als auch die ‚Catholic Encyclopedia‘ auf die Mittgaszeit verweisen („ordnete Prozessionen an und das Läuten der Betglocke um die Mittagszeit, um alle zum Gebet gegen die Türken zu vereinigen“ respektive „It was by order of Callistus III that the bells were rung at midday to remind the faithful that they should pray for the welfare of the crusaders“).

Freundliche Grüße,
Ralf

würde mich die Quelle interessieren,

Ach, Ralf,
da tu ich mich schwer.
Ich hab ein altes Vorlesungsskriptum, angereichert mit allerlei Notierungen von Gelesenem, Gehörtem und Weitergedachtem. Quellenhinweise hab ich da nicht mit aufgenommen, weil meine Materialien ja nicht für wissenschaftliches Arbeiten, sondern nur für den Schulunterricht (Türkenkriege, wie Du siehst) reichen müssen.
Gruß!
H.