Hallo!
Schon mal „Winnetou“ im Original gesehen?
Ich denke ich weiß worauf du hinaus willst. Sag es uns aber
trotzdem bitte 
Nun, „Winnetou“ ist ein deutscher Kinofilm.
Die Sprachvielfalt ist umwerfend. Da treten Franzosen, Amerikaner, Deutsche, Jugoslawen (gab es damals ja noch) auf.
Die Folge also: Spricht Winnetou zu seinem Blutsbruder Old Shatterhand, wird untertitelt. Mischen sich Sam Hawkins oder Frederick Sander ein, braucht es keine Untertitel mehr.
Nett finde ich dann auch Mehr-Länder-Koproduktionen, wo Schauspieler aus Großbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland auftreten und ein grauenhaftes, akzentbehaftetes Englisch radebrechen.
Interessant ist die Untertitelung auch bei Filmen, die als deutsche Produktion mit deutschen Schauspielern für den internationalen Markt gedreht werden. Der muss dann natürlich auch untertitelt sein.
Was ich in dieser Diskussion besonders hübsch finde, ist die Argumentation der „Puristen“ (ich will sie mal so nennen). Da wird gefordert, die Synchronisation abzuschaffen, um in den Genuss der englischen Original-Dialoge zu kommen. Denn Synchronisation verfälscht ja den eigentlichen Dialog im Film (und die Diktion angeblich gleich mit). Die selben Leute haben aber kein Problem damit, Untertitel setzen zu lassen. Etwa bei italienischen, französischen oder japanischen Filmen. Oder Filmen in Stammessprache aus Südafrika.
Können aber Untertitel, die deutlich langsamer vom Zuschauer aufgenommen werden als das gesprochene Wort, den Originaldialog korrekt wiedergeben? Ich stelle mir dann immer eine Streitszene einer sizilianischen Familie vor: Vater, Mutter und älteste Tochter fetzen sich. Die Worte fliegen nur so hin und her. Man schreit, tobt, brüllt. Teilweise sogar durcheinander. Und in hohem Tempo. In der Synchronisation bekommt man das hin. Und per Untertitel? Da flitzen die Texte nur so durch - wohl dem, der den Film aufgezeichnet hat und die Pause-Taste benutzen kann. Wer Purist ist, der müsste eigentlich gegen Untertitel sein, denn diese Form der Übersetzung unterschlägt aus Platz- und Zeitgründen etwa drei Viertel des gesprochenen Wortes.
Ganz abgesehen davon ist das Erscheinen bestimmter Fehler unabhängig von der Darstellungsform, sondern von der Qualität des Übersetzers. In der deutschen Übersetzung einer Sendung des „Discovery Channel“ wurde aus dem englischen „dive bomber“ allen Ernstes ein „Tauchbomber“ (korrekt wäre „Sturzkampfbomber“), und aus dem Schiffstyp „Cruiser“ wurde statt „Kreuzer“ ein „Kreuzfahrtschiff“ gemacht. In einem Spielfilm ist mir mal „downtown“ als „Unterstadt“ präsentiert worden (statt „Innenstadt“ oder „Stadtzentrum“). Ebenfalls ein Problem, unabhängig von Synchronisation oder Untertitel, ist die Übersetzung der Anrede „You“. Soll man das als „Sie“ oder als „Du“ in den Untertitel bringen? Im Deutschen ist das ein markanter Unterschied.
Ob Synchronisation oder Original mit Untertitel - die Qualität macht’s (als Beispiel möge man sich „Es war einmal in Amerika“ in der deutsch synchronisierten Kinoversion - sehr gut! - und als neu synchronisierte DVD-Fassung - grottenschlecht! - anschauen).
Just my 2 cents
Heinrich