QED (owt)
Hallo!
PS: Was Astrid unten schreibt, ist meine Erfahrung auch. Noch
jeder noch so große Verfechter von Synchronisation hat nach
einiger Zeit gezwungenen O-Ton-Hörenmüssens (weil im Ausland
lebend) Synchronisation abgelehnt und gejammert, wenn er
wieder in Deutschland synchronisierte Filme sehen und hören
musste.
Uppss … das wusste ich ja gar nicht.
Ich habe mal ein paar Monate in Spanien gearbeitet und eine Menge Filme - auf spanisch - im Fernsehen gesehen. Ich kann nicht sagen, dass mir heute die Filme oder Serien im spanischen Original fehlen.
Die Verfechter der Synchronisation urteilen meist von
einigen wenigen Untertitel-Erlebnissen. Und wie auch schon
jemand schrieb: es gibt durchaus einen Grund, warum die
Deutschen im Vergleich zu vielen anderen Nationen so schlecht
abschneiden, wenn es um Englischkenntnisse geht.
Ich bin ein Verfechter der deutschen Synchronisation, weil ich viele Leute kenne, die keine oder nur sehr minimale Fremdsprachenkenntnisse besitzen. An denen prallt ein Argument wie „Gesamtkunstwerk“ (und bei Fernsehserien wie „Reich und schön“, „Alle unter einem Dach“ oder „Für alle Fälle Amy“ von „Kunstwerk“ zu sprechen, das hat schon was) locker ab, weil sie weder den originären Wortwitz mitbekommen noch die Unterschiede der Betonungen im Deutschen und Englischen bemerken. Die Frage ist, ob solche Fernsehzuschauer durch unsynchronisierte Filme in Fernsehen tatsächlich Fremdsprachen lernen würden (wohl nur ein geringer Teil) oder einfach den Fernseher abdrehen (was bei dem aktuelle Angebot sicher von Vorteil wäre). Letzteres hätte aber Einbüen bei der Finanzierung der Sender zur Folge, was wohl noch schlechtere Programme nach sich zieht.
Die Nutzung des Zwei-Kanal-Tons wäre sicher eine mehr als sinnvolle Alternative - nur müsste dann geprüft werden, ob das Angebot der Fernsehübertragung mit Originalton ausreichend genutzt wird.
Was mir auch noch aufgefallen ist in der Diskussion: Es wird so viel über die Erhaltung des Gesamtkunstwerks eines Filmes geredet und der Zerstörung selbiger durch Synchronisation.
Ehrlich gesagt finde ich die Zerstörung des „optischen Gesamtkunstwerkes“, sprich des Filmbildes, etwa durch Einblendung von Untertiteln, durch Laufschriften mit Hinweisen auf irgendwelche herunterladbaren Klingeltöne, durch Blitze oder animierte Saurier, die auf das große Filmevent des kommenden Wochenende hinweisen, durch Beschneidung der Bildgröße, weil rechts und unten vom Bild notgeile Zuschauer Telefonkontakte wünschen, wesentlich schlimmer als eine Synchronisation (von den Unterbrechungen durch Werbeblöcke mal ganz abgesehen). Zum Gesamtkunstwerk eines Filmes gehört meines Erachtens auch der vollständige Abspann eines Filmes, denn dort werden die Leute genannt, die an diesem Film mitgearbeitet haben und ein gewisses Recht darauf haben, namentlich genannt zu werden (von der abgewürgten Filmmusik der „End Credits“ mal ganz zu schweigen).
Just my 2 cents!
Heinrich
Hallo,
Uppss … das wusste ich ja gar nicht.
Ich habe mal ein paar Monate in Spanien gearbeitet und eine
Menge Filme - auf spanisch - im Fernsehen gesehen. Ich kann
nicht sagen, dass mir heute die Filme oder Serien im
spanischen Original fehlen.
Ich glaube nicht, dass ein paar Monate ausreichend sind.
Ich bin ein Verfechter der deutschen Synchronisation, weil ich
viele Leute kenne, die keine oder nur sehr minimale
Fremdsprachenkenntnisse besitzen.
Aber diese Menschen gibt es doch auch in z.B. Griechenland. Trotzdem gucken die alle Hollywoodfilme auf Englisch.
An denen prallt ein Argument
wie „Gesamtkunstwerk“ (und bei Fernsehserien wie „Reich und
schön“, „Alle unter einem Dach“ oder „Für alle Fälle Amy“ von
„Kunstwerk“ zu sprechen, das hat schon was)
da geb ich dir recht, aber Serien schaue ich relativ wenige - bei Sitcoms (und da gibt es gute, z.B. Simpsons, Frazier, aber auch Faulty Towers, Black Adder usw.) geht es mir mehr um die Unübersetzbarkeit von vielen Gags und Witzen, von Humor überhaupt.
locker ab, weil
sie weder den originären Wortwitz mitbekommen noch die
Unterschiede der Betonungen im Deutschen und Englischen
bemerken. Die Frage ist, ob solche Fernsehzuschauer durch
unsynchronisierte Filme in Fernsehen tatsächlich Fremdsprachen
lernen würden (wohl nur ein geringer Teil) oder einfach den
Fernseher abdrehen (was bei dem aktuelle Angebot sicher von
Vorteil wäre). Letzteres hätte aber Einbüen bei der
Finanzierung der Sender zur Folge, was wohl noch schlechtere
Programme nach sich zieht.
Warum wird dann nur in wenigen Ländern so penetrant synchronisiert wie in Deutschland?
Man könnte auch umgekehrt argumentieren: wenn weniger Leute TV gucken, weil nur Originale laufen, dann sind die TV-Anstalten gezwungen mehr und bessere Sendungen in Originalsprache selbst zu produzieren.
Ehrlich gesagt finde ich die Zerstörung des „optischen
Gesamtkunstwerkes“, sprich des Filmbildes, etwa durch
Einblendung von Untertiteln, durch Laufschriften mit Hinweisen
auf irgendwelche herunterladbaren Klingeltöne, durch Blitze
oder animierte Saurier, die auf das große Filmevent des
kommenden Wochenende hinweisen, durch Beschneidung der
Bildgröße, weil rechts und unten vom Bild notgeile Zuschauer
Telefonkontakte wünschen, wesentlich schlimmer als eine
Synchronisation (von den Unterbrechungen durch Werbeblöcke mal
ganz abgesehen).
Full ack. Aber ein ganz anderes Thema.
Zum Gesamtkunstwerk eines Filmes gehört
meines Erachtens auch der vollständige Abspann eines Filmes,
JAAAAA!!!
denn dort werden die Leute genannt, die an diesem Film
mitgearbeitet haben und ein gewisses Recht darauf haben,
namentlich genannt zu werden (von der abgewürgten Filmmusik
der „End Credits“ mal ganz zu schweigen).
Das stört mich auch riesig. Meist wetze ich nach einem Film ans Internet, um nachzusehen, wer welche kleine Rolle gespielt hat oder so. Im Kino nerve ich meine Mitbesucher (also die, die mit mir persönlich dort waren) immer ,weil ich BIS ZUM SCHLUSS sitzen bleibe.
Inzwischen gibts ja Filme mit Bonus-Szenen NACH dem Abspann, deshalb bin ich nicht mehr immer allein!
Gruß
Elke
Nachtrag Spanisch
Hallo,
Uppss … das wusste ich ja gar nicht.
Ich habe mal ein paar Monate in Spanien gearbeitet und eine
Menge Filme - auf spanisch - im Fernsehen gesehen. Ich kann
nicht sagen, dass mir heute die Filme oder Serien im
spanischen Original fehlen.
Ich habe mir jetzt z.B. „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruch“ (Mujeres al borde de un ataque de nervios, 1988, von Pedro Almodovar) in Spanisch (das ich nicht spreche), Englisch und Deutsch angesehen.
Die deutsche Synchronisation ist um Längen besser als die englische (was nicht verwunderlich ist, weil die Deutschen viel mehr Erfahrung damit haben), aber ich finde die spanische Version trotzdem wesentlich besser.
Ein Unterschied, der mir generell noch eingefallen ist – ich schaue mir EINEN Film am Tag an. Auf den konzentriere ich mich und empfinde das eventuell anstrengendere Mitlesen nicht als Benachteiligung. Wenn ich allerdings mehrere Serien hintereinander sehen würde, oder auch mehrere Filme einfach „reinziehen“ würde, dann wäre das anders. Hat auch etwas mit „bewusst genießen“ und mit „berieseln lassen“ zu tun.
Gruß
Elke
Hallo!
Warum wird dann nur in wenigen Ländern so penetrant
synchronisiert wie in Deutschland?
Stimmt das eigentlich so?
Ich habe mal ein wenig recherchiert.
In Deutschland werden fremdsprachige Filme nahezu ausnahmslos synchronisiert.
In Italien ist das ebenfalls so.
Frankreich hat einen nicht ganz so hohen Anteil an synchronisierten Filmen, allerdings strahlen die großen Fernsehsender nahezu nur synchronisierte Filme aus, und die „Blockbuster“ aus Hollywood kommen auch nur synchronisiert in die Kinos.
Aus Spanien weiß ich selbst, dass Filme nahezu ausnahmslos synchronisiert im Fernsehen laufen.
In Russland und Polen läuft diese merkwürdige Erzähler-Synchronisation, wo der O-Ton erhalten bleibt und jemand ständig drüber weg spricht.
Mittlerweile senden die Fernsehstationen in Ungarn, in der Slowakei und in Lettland auch nur noch synchronisierte Filme.
Selbst in GB werden nicht-englischsprachige Filme synchronisiert.
In Europa laufen Filme im O-Ton und mit Untertitel in den Niederlanden, in Skandinavien und in Griechenland.
In den USA werden so gut wie keine fremdsprachigen Produktionen ausgestrahl (Ausnahme: Hispano-Fernsehen, wo Spanisch als Sprache angesagt ist). Im französischsprachigen Teil Kanadas gibt es nur französischsprachige Filme, entweder als Import aus Frankreich oder direkt vor Ort synchronisiert. Japan und China synchronisieren ebenfalls, während Lateinamerika ein Splitting vornimmt. Im Kino laufen Filme im O-Ton mit Untertitel, während für das Fernsehen die spanisch synchronsierten Fassungen eingekauft werden.
Von daher ist die Aussage mit der typisch deutschen Synchronisationspenetranz so gar nicht haltbar. Vielmehr sieht es wohl so aus, dass es nur eine Handvoll Länder gibt, die nicht synchronisieren.
Scheint, als würde eine Legende sterben. 
http://de.wikipedia.org/wiki/Synchronisation_%28Film%29
Grüße
Heinrich
Hallo,
Warum wird dann nur in wenigen Ländern so penetrant
synchronisiert wie in Deutschland?Stimmt das eigentlich so?
Ich habe mal ein wenig recherchiert.
Du hast aber nicht gelesen, dass ich „in wenigen Ländern“ geschrieben habe.
Synchronisation existiert in allen größeren Ländern. Oder in kleineren (zahlenmäßig), in denen mit Synchronisationen eine politische Absicht verfolgt wird (war der Fall in Südafrika, um ein afrikaans-sprachiges Fernsehen gegenüber dem englischen Kanal zu behaupten).
In Russland und Polen läuft diese merkwürdige
Erzähler-Synchronisation, wo der O-Ton erhalten bleibt und
jemand ständig drüber weg spricht.
örgs
Mittlerweile senden die Fernsehstationen in Ungarn, in der
Slowakei und in Lettland auch nur noch synchronisierte Filme.
Selbst in GB werden nicht-englischsprachige Filme
synchronisiert.
Aber das sind prozentual sehr wenige.
In Europa laufen Filme im O-Ton und mit Untertitel in den
Niederlanden, in Skandinavien und in Griechenland.
Ja. Und guck mal wie in Skandinavien Englisch gesprochen wird im Vergleich zu Deutschland.
In den USA werden so gut wie keine fremdsprachigen
Produktionen ausgestrahl (Ausnahme: Hispano-Fernsehen, wo
Spanisch als Sprache angesagt ist). Im französischsprachigen
Teil Kanadas gibt es nur französischsprachige Filme, entweder
als Import aus Frankreich oder direkt vor Ort synchronisiert.
Japan und China synchronisieren ebenfalls, während
Lateinamerika ein Splitting vornimmt.
In China ändert sich gerade was.
Im Kino laufen Filme im
O-Ton mit Untertitel, während für das Fernsehen die spanisch
synchronsierten Fassungen eingekauft werden.
In Mexiko, habe ich gelesen, gibt es ein Gesetz gegen Synchronisation (außer bei Kinderprogrammen).
Von daher ist die Aussage mit der typisch deutschen
Synchronisationspenetranz so gar nicht haltbar.
Dennoch bleibt es eine Tatsache, dass in kaum einem anderen Land soviel synchronisiert wird wie in Deutschland. Natürlich ist das auch unter dem Gesichtspunkt logisch, dass englischsprachige Länder ein viel größeres Reservoir an O-Tonfilmen zur Verfügung haben, bzw. in der VRC z.B. westliche Filme für den Normalchinesen sehr weit von der eigenen Kultur weg sind, so dass sie die generell nicht so viel sehen.
Scheint, als würde eine Legende sterben.
Nein, du hast die Zahlen und Daten nur so interpretiert, dass es eher in deine Theorie passt. Auf andere Argumente bist du übrigens leider gar nicht eingegangen.
Inzwischen habe ich diese Seite gefunden, die Anti-Synchro schön zusammenfasst.
http://gegen-synchro.de/de/liste/1/date_new
Auf Englisch habe ich mehr dazu gefunden, sogar dass es eine Anti-Synchro-Initiative gibt, die hofft, dass sich Filmschaffende genauso dagegen wehren, wie es eine Aktion gegen Nach-Colorisation gibt, die sich ziemlich durchgesetzt hat.
Gruß
Elke