Hi, wir naehern uns,
(d.h. reden nicht ganz aneinander vorbei:wink:
Wo siehst Du noch neuen Bedarf? Welcher Lebensbereich ist
warenmaessig noch nicht abgedeckt?
Es gibt immer mal wieder neue Lebensmittel, neue
Convenience-Produkte und auch neue technische Geräte, die alle
produziert werden wollen.
Und die andere Produkte verdraengen, die nicht mehr hergestellt werden. Zudem werden die neuen Produkte auf dem neuesten Stand der Technologie produziert, d.h. mit weniger Arbeitskraeften als fuer die verdraengten noetig waren. Welcher Teil Deines Alltags ist noch nicht von Waren ausgefuellt, wieviel Zeit vergeht am Tag, wo Du nicht in irgendeiner Form Geld ausgibst, d.h. Waren und Dienstleistungen konsumierst?
Und wir haben einen
Weltmarkt, also ist es erstmal egal, in welcher
Industrienation etwas produziert wird.
Das stimmt nur für einen Teil der angebotenen Artikel.
Bei gleichem Technologischen Stand, auch in der Qualitaetssicherung, ist es fuer den Konsumenten egal.
Ferner ist das absolut nicht egal, denn
Produktionsverlagerungen haben weitreichend Folgen.
Fuer die Angestellten, fuer lokale Zulieferer,…, richtig.
Richtig, nur werden andererseits durch neue Produkte auch
wieder neue Fabrieken us.w. mit neuen Arbeitsplätzen
geschaffen.
S.o., damit das in der von Dir gewuenschten Weise funktioniert muesste eine bisher nicht kommerzialisierte Nische im Konsumverhalten gefunden werden.
Und diese stellt die Norm. Alles was
mehr menschliche Arbeit fordert, muss mit Lohndumping
ausgeglichen werden.
Deutschland ist hierfür das beste Gegenbeispiel.
Produktion, die in Deutschland aufgebaut wird, findet auf dem hoechsten verfuegbaren Niveau statt, was anderes wuerde auch nicht finanziert werden.
Das hat mit dem Produkt Tamagochi nicht direkt etwas zu tun.
Vielleicht ein schlechtes Beispiel, lassen wir das.
Der Punkt war einfach, dass die immer schnellere Innovation ganze Produktionslinien wertlos machen kann, bevor diese sich amortisiert haben. Der moralische Verschleiss kommt immer weiter vor dem physischen Verschleiss. Extrembeispiel sind Computer.
In den Industrieländern steigt die Zahl der potentiellen
rechtsfähigen Käufer, da dort die Gesellschaften ein immer
höhreres Duchschnittsalter erreichen.
Aber es steigt nicht die Zahl der Einkommen, zumindest nicht der Einkommen aus materieller Produktion. Wir koennen noch so viele Konsumenten haben, wir koennen Saeuglinge als vertragsfaehig erklaeren, wenn sie kein Geld haben, ist das nur Augenauswischerei.
Frage: Gibt es im Kommunismus noch Geld? Antwort: Nur noch.
…nur ist es dann nichts mehr wert.
Wenn man das nicht nur als Witz begreift, kann man sich fragen, wie nahe wir heute diesem Zustand sind, mit dem ganzen aufgeblaehten Geldvolumen auf den internationalen Finanzmaerkten.
Waren wurden mit Geld bezahlt,…
…sofern es welche gab.
Stell Dir vor, es gab Brot, Milch, Wohnungen, Strom, Waschmaschinen, Radios, Staubsauger, Bekleidung in ausreichender Menge (zumindest vor den EDV-Schildern am Stadtrand von Berlin).
Wohin der Sozialismus uns führte hat man ja an der DDR
gesehen. Ein riesiger Pleiteladen.
Das System hat überhaupt nciht funktioniert, schon nach 40
Jahren war es handlungsunfähig.
Inwieweit unterscheidet sich das heutige System vom Sozialismus?
Das hatte nichts mit Kapitalismus zu tun.
Dann haben Aliens die Bomben geworfen? Oder Amazonas-Indianer?
Der interessiert mich ehrlich gesagt nicht. Des weiteren hat
der auch nichts mit der Wirtschaftsform Kapitalismus zu tun.
Evtl. aber mit Demokratie, Menschenrechten,… Weil die haben was mit der Wirtschaftsform zu tun.
Mich stört die Formulierung.
Ich rede von denen, die denken nicht arbeiten zu müssen weil
die Stütze ja ausreicht.
D.h. sie benehmen sich ganz normal. Man braucht Geld zum Ueberleben und man sollte sich dafuer nicht zu sehr abrackern. Es ist auch eine (wert-lose oder -freie) Leistung, in dieser Gesellschaft auf diesem niedrigen Niveau zu ueberleben und evtl. sogar noch eine Familie mit Kindern durchzubringen.
Dann sind sie fuer die Nationaloekonomie/Sozialstat nicht
wesentlich, laufen unter ferner liefen.
Du hast leider nur teilweise zitiert. Sie sind wesentlich,
denn sie fallen dem Staat nicht mehr zur Last.
Das mag fuer den Einzelnen gelten, in der Gesamtheit wuerde das nur gelten, wenn fuer einen absolut neuen Markt in der entsprechenden Groessenordnung produziert werden koennte. Alles andere wird indirekt, z.B. ueber kommunale Auftraege, von der Allgemeinheit getragen, d.h. am Ende von Steuern oder auf Staatskredit.
Schlechtes Beispiel.
Wie sieht es mit Autonavigations-Systemen,
Hochgradig automatisierte Herstellung, kaum Arbeitsplaetze.
Equipment für die
medizinische Forschung,
das Volumen ist zu klein. Fuer die medizinische Praxis ist das Volumen dann wesentlich, aber diese Investitionen schraenken dann anderen Konsum ein oder muessen von der Gesellschaft getragen werden, also wieder Steuern und Kredite. Die medizinische Praxis produziert keine Werte, ist rein konsumptiv.
Produktionsanlagen für Litiumbatterien
Ersetzen andere Produkte. War das die Fabrik, wo eine arbeitsintensivere Fliessbandproduktion im lohnkostenbilligen pazifischen Raum durch eine hochgradig automatisierte Anlage in Deutschland mit nur wenigen Arbeitskraeften ersetzt wurde? Dann ist es ein Beispiel fuer die Tendenzen, die ich rueberbringen will.
Alles neue Produkte, die eine gigantische Marktentwicklung
haben.
Der Automarkt ist gesaettigt, die Belastung der Krankenkassen in allen Industrienationen jenseits von Gut und Boese, und die Batterien haengen ausserdem vom Markt der batteriegetriebenen Produkte ab, wo ich auch nur Ersatzkaeufe sehe. Oder glaubst Du noch der Dotcom-Pleite noch an einen grossen Markt fuer tragbare Mini-Computer? Der Haendie-Markt ist gesaettigt, hier erfolgt also auch nur noch Ersatz. Embedded Devices haben eine Stromversorgung entweder durch das umgebende System (Waschmaschine, Fernseher,…) oder muessen erstmal beweisen, dass sie mehr als elitaeres Spielzeug sind.
Was ist das denn jetzt?
Waren wir nicht bei Arbeitslosenzahlen?
Sicher. Es werden eher Ueberstunden in Kauf genommen, als das ein Arbeitsloser eingestellt wird. Das ist nicht boeser Wille, sondern betriebswirtschaftliches Denken.
Zunächst war das Ziel, eine Diktatur zu stürzen.
Das war die Propaganda ueber das Ziel. Die Regierung war demokratisch gewaehlt. Jugoslawien war mit seinem Sonderweg das sozialistische Land mit den meisten westlichen Tendenzen. In etwa wie China jetzt, evtl. sogar weiter. Nur es herrschte keine Demokratie/Rechtsstaat wie im westeuropaeischen Modell des Kap., ausserdem frass die Protektion nach aussen (Zoelle,…) und Subventionierung der Wirtschaft zunehmend die Staatsfinanzen auf, bis der Staat im wesentlichen handlungsunfaehig wurde. Um sich vor einer Welle von Wirtschaftsfluechtlingen zu schuetzen, wurde dann Anfang der 90er vom Westen massiv der Zerfall Jugoslawiens betrieben, u.a. um Kroatien und Slowenien als Schutzschild zu haben. Dass Madame Albright die Serben hasst, hat dem Ganzen eine sehr bedauerliche Wendung gegeben.
Das Privateigentum ist geschuetzt, d.h. jeder Unternehmer kann
machen, was er will, der Rest der Gesellschaft hat ihm da
nicht reinzureden.
Sorry, das ist Quatsch.
Das Allgemeinwohl dient als Begründung für mannigfaltige
Einschränkungen der unternehmerischen Freiheit.
Eben. Die unternehmerische Freiheit wird eingeschraenkt. Aber sie wird nicht an sich in Frage gestellt.
Ich halte mich da eher an die KMUs, s.o.
Haben die Gewinnraten von 20%? Spielen sie fuer das internationale Finanzsystem eine grosse Rolle? Fuer das, was sich an den Boersen und in der Weltpolitik abspielt, bilden diese KMU eine sehr notwendige Infrastruktur, die aber marktwirtschaftlich nicht sehr sexy ist.
Uebrigens verhindern die Freiheit des Privateigentums und der
Schutz der koerperlichen Unversehrtheit jegliche tiefgehenden
Massnahmen gegen Deine arbeitsscheuen Sozialschmarotzer.
Das sehe ich anders.
Nichts mehr zu bezahlen affektiert keines dieser Rechte.
Doch. Die Garantie der koerperlichen Unversehrtheit. Die Moeglichkeit, frei und unabhaengig die Waren im Privateigentum, d.h. in diesem Fall die persoenliche Arbeitskraft, am Markt anbieten zu koennen, dazu Vertraege (Arbeitsvertrag) unter gleichen Rechtspersonen abschliessen zu koennen, die nicht von einer persoenlichen Zwangslage beeinflusst werden, d.h. nicht erpressbar zu sein.
Das koennte natuerlich auch ohne Geldzahlung, mit Naturalien und Wohnheimen geleistet werden. Aber derartige Versuche waren bisher immer mit noch hoeheren Kosten verbunden.
Solange das Erz in der Ader verbleibt, hat es keinen Wert.
Solange der Baum im Urwald stehen bleibt, hat er keinen Wert.
Sorry, das ist mir zu abstrakt.
Was ist daran abstrakt? Haben die Minaralvorkommen auf dem Mars z.Z. irgendeinen Wert auf der Erde?
kann. Nicht nachpruefbare Risiken, die z.B. durch Kombination
verschiedener Faktoren entstehen, werden einfach ignoriert.
…klar, denn sie sind ja nun mal nicht nachprüfbar.
Aber vorhanden, indirekt, d.h. statistisch belegt oder sogar praktisch nachweisbar im Einzelfall, aber nicht im Alltag.
Tut man’s nicht, dann tut’s die Konkurrenz und verkauft
billiger. Die nachweisbare Qualitaet ist die gleiche.
Was nicht nachprüfbar ist, kann kaum einer Argumentation
zugrunde gelegt weren, denke ich.
Doch. Man koennte trotzdem nach vernuenftigen Massstaeben produzieren, gerade in der Landwirtschaft. Genveraenderte Pflanzen zur Produktivitaetssteigerung per chemischer Keule sind nicht wirklich notwendig. Die EU bezahlt Bauern, damit diese Felder brach liegen lassen, die Milchseen und Butterberge sind inzwischen schon legedaer,… Man muesste nicht jeden technologischen Fortschritt sofort und in maximaler Breite anwenden, es ist nur der Konkurrenzdruck, der Zwang, mehr Profit machen zu muessen als die anderen, um das nackte Ueberleben zu sichern, der diesen Irrsinn hervorbringt.
Ciao Lutz