Hallo Claudia,
ich habe eine Ausbildung abgeschlossen und dann noch studiert, ganz schlimm, was?
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Du zeichnest auf jedenfall ein ziemliches Idealbild vom Azubi, bei uns gabs genauso faule, verantwortungslose Säcke, die eh wussten, dass sie bald Papis Firma übernhhemen würde und sogar Ausbildungsabbrecher, wie es im Studium zielstrebige Fleissige gab, die mit 25 ihren Abschluss hatten und mit 28 promoviert waren und jetzt gut im Geschäft sind.
Und mir geht es noch um etwas anderes:
In unserer Gesellschaft genießt ein Student ein höheres
Ansehen als ein Lehrling. Aber ich hatte Kollegen, die
begnadete Handwerker sind, über ein goldenes Händchen
verfügen.
Ich habe eher Josés Erfahrung gemacht: Studis gelten oft als faule Hunde.
Ich würde mir für Hauptschüler fundiertere Wissensvermittlung,
bessere und vorallem ein besseres Lehrpensum und mehr Lehrer
wünschen.
Da gehen wir konform!
Hochgelobtes Studium - vernachlässigte Berufsausbildung, das
ist doch eine beklagenswerte Diskrepanz, oder nicht?
Sehe ich nicht so. Ich kenne btw sehr viele, die erst eine Ausbildung gemacht haben und dann noch studiert haben. (ich z.B. was völlig anderes, hat mir also karrieretechnisch nicht viel gebracht, unnütz war es aber auf gar keinen Fall! Weder die Ausbildung, noch das (zugegebenermaßen) lange Studium.
Eigentlich ist es für die Allgemeinheit ein teurer Spass, wenn
jemand (dank seines Abiturs) mal hier, mal da und möglichst
lang studieren darf. Dafür wünschte ich mir eine Regulierung,
um diese Studienplatzhopserei künftig zu vermeiden.
Naja, kommt meiner Meinung nach halt drauf an, ob ich im 2. Semester merke, dass ich mit VWL nicht klar komme, weil meine Mathekenntnisse nicht reichen oder im 9. Semester feststelle, dass Jura doch nicht das Wahre für mich ist.
bitte mich nicht mißzuverstehen.
Ich bin davon überzeugt, dass es, wie Du, einige fähige Leute
auch unter den Studienabbrechern gibt. Neuorientierung bei der
Berufsausbildung kommt in allen Sparten vor, und sollte für
jeden möglich sein - aber in Maßen, und besser nicht
problemlos, um Willkür mit finanziellen Folgen für den Staat
zu vermeiden.
Na, so problemlos geht das ja gar nicht! Es gibt ja schon „Langzeit“ -Studiengebühren in einigen Bundesländern. Was ich für problematisch halte, weil es auch einige Teilzeitstudis gibt, die sich ihr Geld selbst verdienen müssen und einfach deshalb länger brauchen. (auch Mütter bsw)
Ich habe bsw. bis auf wenige finanzielle Zuwendungen mich selbst finanziert, deshalb in der vorlesungsfreien Zeit viel arbeiten müssen, statt die Menge an Hausarbeiten schreiben können, die andere in dieser Zeit schreiben konnten.
Bei all dem Unsinn, den mein Bruder während seines Studiums
anstellte, hat auch er seinen Weg gemacht.
Aber ich kenne auch Dauerstudenten, die sozusagen
lebensunfähig im Berufsleben geworden sind. Das sollte der
Allgemeinheit wert sein, dies zu verhindern.
Ich würde eher sagen, manche Menschen sind nicht für das (Berufs-)leben geboren. Ganz ernsthaft. Ich glaube nicht, dass das die Uni verschuldet hat, ich halte die Uni eher für eine Nische, in der manche von diesen (berufs-)lebensunfähigen Menschen sich „verstecken“ können. Das sind aber weniger, als man denkt. Und die paar verkraftet unsere Gesellschaft ganz gut.
Ich glaube eher, dass es teilweise Neid ist, der nichtstudierte Berufstätige so schimpfen lässt. Natürlich habe ich als Studentin ne ganze Menge gearbeitet. Geregelte Arbeitszeiten? Pustekuchen! Aber sehr selbstbestimmt. Dann, wann ich wollte. Und das, *was* ich wollte. Und ich wusste das Privileg zu schätzen, schließlich kenne ich die Dödelarbeit in manchen Jobs und weiß, wie viele Menschen unzufrieden sind mit ihrem Beruf. Aber viele ( nicht alle) haben sich dafür entschieden, weil sie schneller Geld verdienen wollten und keine Lust auf Lernen hatten. Ich habe dafür einen Renten - und Einkommensverzicht, den ich kaum aufholen werde können gegenüber denjenigen, die gleich in das Erwerbsleben gegangen sind. Ich glaube, so ungerecht, wie du das darstellst, ist das gar nicht.
liebe Grüße,
barbara