Uni gegen Lehre, nicht Student gegen Azubi
Hallo Barbara,
ich habe eine Ausbildung abgeschlossen und dann noch studiert,
ganz schlimm, was?.
dieser Schnörkel aus der zynischen Ecke sei Dir gegönnt
))
soll ich einen draufsetzen? zur zeit mache ich meine 3.Berufsausbildung, wovon eine auf Staatskosten ging!
Du zeichnest auf jedenfall ein ziemliches Idealbild vom
Azubi,…
Das war nicht mein angestrebtes Ziel. Mir geht es um die Erkenntnis, dass im volkswirtschaftlichen Sinne ein gut ausgebildeter Azubi genauso viel wert ist, wie ein Student, weil sowohl die Praktiker als auch die Theoretiker gebraucht werden.
Ein Student genießt durch seine lange Ausbildung mehr Unterstützung seitens des Staates, als ein Lehrling, klar mit dem Diplom fließt auch mehr Geld ins Staatssäckl.
Ich habe eher Josés Erfahrung gemacht: Studis gelten oft als
faule Hunde.
Ich kann verstehen, wenn dieses Vorurteil nervt, egal ob man Student ist oder war. Wer wie ich nicht studiert hat, erlebte Gleichaltrige, die anscheinend für ihre Berufsausbildung nicht viel Zeit aufwenden müssen, und auch sonst viel Spaß haben. Das was ich halt von außer erlebt habe. Obwohl, ich war sogar einmal Gast bei einer Vorlesung, selbst das hat mir Spaß gemacht. Zugegeben, da habe ich nur reingeschmeckt, der Rest ist Hören-Sagen.
Hochgelobtes Studium - vernachlässigte Berufsausbildung, das
ist doch eine beklagenswerte Diskrepanz, oder nicht?Sehe ich nicht so. Ich kenne btw sehr viele, die erst eine
Ausbildung gemacht haben und dann noch studiert haben. (ich
z.B. was völlig anderes, hat mir also karrieretechnisch nicht
viel gebracht, unnütz war es aber auf gar keinen Fall! Weder
die Ausbildung, noch das (zugegebenermaßen) lange Studium.
Da haben wir uns missverstanden, glaube ich.
Es ging mir um die gesellschaftliche Anerkennung jeweiliger Ausbildungsrichtungen, und ich habe mich oft gefragt, ob Politiker der Bildungsministerien ebenfalls ihre Vorlieben haben, wenn es um dieses Thema geht (Uni wird gefördert, Hauptschulen und Ausbildungsstellen vernachlässigt).
Na, so problemlos geht das ja gar nicht! Es gibt ja schon
„Langzeit“ -Studiengebühren in einigen Bundesländern. Was ich
für problematisch halte, weil es auch einige Teilzeitstudis
gibt, die sich ihr Geld selbst verdienen müssen und einfach
deshalb länger brauchen. (auch Mütter bsw)
ok, das wußte ich nicht!
Ich würde eher sagen, manche Menschen sind nicht für das
(Berufs-)leben geboren. Ganz ernsthaft. Ich glaube nicht, dass
das die Uni verschuldet hat, ich halte die Uni eher für eine
Nische, in der manche von diesen (berufs-)lebensunfähigen
Menschen sich „verstecken“ können. Das sind aber weniger, als
man denkt. Und die paar verkraftet unsere Gesellschaft ganz
gut.
Ich kann es nicht belegen, aber ich habe schon vor einigen Jahren von dem Vorwurf gelesen, dass die Zeiträume, bis ein Student fertig ist, zu lange sind. Ob das nun eine von Medien aufgebauschte Information ist, und wie die Hintergründe dazu in den Unis aussehen, kann ich hier nicht mehr beurteilen.
Aber 5 - 6 Jahre für Medizin oder Jura, das ist schon recht lange für das Erlangen von beruflichen Kenntnissen und Fähigkeiten, die ohnehin erst in der Praxis sich bewähren. Kann denn soviel Wissen über so einen langen Zeitraum überhaupt sinnvoll umgesetzt werden?
Ich glaube eher, dass es teilweise Neid ist, der
nichtstudierte Berufstätige so schimpfen lässt. Natürlich habe
ich als Studentin ne ganze Menge gearbeitet. Geregelte
Arbeitszeiten? Pustekuchen! Aber sehr selbstbestimmt. Dann,
wann ich wollte. Und das, *was* ich wollte. Und ich wusste das
Privileg zu schätzen, schließlich kenne ich die Dödelarbeit in
manchen Jobs und weiß, wie viele Menschen unzufrieden sind mit
ihrem Beruf. Aber viele ( nicht alle) haben sich dafür
entschieden, weil sie schneller Geld verdienen wollten und
keine Lust auf Lernen hatten. Ich habe dafür einen Renten -
und Einkommensverzicht, den ich kaum aufholen werde können
gegenüber denjenigen, die gleich in das Erwerbsleben gegangen
sind. Ich glaube, so ungerecht, wie du das darstellst, ist das
gar nicht.
Mir ist schon klar, worum es Dir geht. Es soll nicht eine ganze „Berufssparte“ so einfach schlecht gemacht werden, ohne sich bestimmte Details dann doch genauer anzusehen.
Ich gebe zu, dass ich gerne eine Studentin gewesen wäre. Diesen Glanz hätte ich gerne genossen: über einen langen Zeitraum über Bücher zu sitzen, mir interessantes Wissen anzueignen, tolle Gespräche mit Professoren und Kommilitonen zu führen, vom Nacht- und Partyleben gar nicht zu sprechen. So habe ich es jedenfalls von außen miterlebt. Aber ich bin durch und durch eine Praktikerin, und komme mit Gegenständen besser zurecht als mit Theorien. Meine Berufe habe ich bewußt getroffen. Und ich habe seitdem oft genug erlebt, dass Akademiker, selbst wenn sie noch keine sind, auf Rangstufe 1 der Gesellschaft zugeordnet werden - übrigens nicht zuletzt auch hier im www. Es ist ein Unterschied, ob ein Akademiker Blödsinn schreibt oder ein Nichtakademiker.
Ja, ja, ich weiss, darüber sollte ich stehen! tue ich auch, sonst wäre ich ja nicht mehr hier. 
Zurück zum Thema:
Soviel ich weiss, leiden sehr viele Unis an Geldmangel, die Räume werden knapp für immer mehr Studenten (sind wirklich alle für ein Studium geeignet?), ein Student kostet dem Staat recht viel Geld, bis dieses wieder in die Gemeinschaft zurückfließt…usw.
Diese Probleme halte ich für hausgemacht, und bedarf meiner Ansicht nach einer Änderung in der Bildungspolitik.
liebe Grüße
Claudia