Liebe Jenna!
Deine Bedenken gegen die Traumanalyse sind, glaube ich, erstamals ab Deiner letzten Stellungnahme klar ausgesprochen worden. In der davor gelegenen finde ich nichts konkretes, sei denn eventuell im Zusammenhang den Tsunamiträumen, insofern wie sie nach Deiner kurzen Schilderung zu urteilen zwar parallel zu bestimmten Krisen auftauchen, aber auch wieder aufhören, sobald Dir gelang, eine Lösung für die letzteren zu finden. Für die Bewältigung dieser Krisen bräuchtest Du also keine Kur auf Freuds Coutsch… allerdings enthält Deine diesebezügliche Gesundheit auch kein mir erkennbares Argument, die Traumanalyse anderweitig nicht zu nutzen. Sie erfüllt jede einzelne der Bedingungen, die Du unmißverständlich präzise stellst: „klar und deutlich Aufschluss über meine Beziehung zu den Eltern (geben) und eine Antwort auf die Frage (ansteuern), wie sich meine Persönlichkeit aus der Interaktion mit den Eltern entwickelt hat und wo eine Fehlentwicklung entstanden ist.“
Wie Du dem gegenüber darauf kommst, dass die Traumanalyse eben nicht fähig wäre, Dir diese Bedingungen zu erfüllen, stammt nach dem was Du im Thread erzählst, nicht aus Deiner eigenen Erfahrung. Ich kann auch nicht klar ersehen, bei konkret welcher Therapieform diese Erfahungen zustande kamen:
Entweder sind da etliche Leute an ausgesprochen sehr miserable Traumanalytiker der Freudschen Schule geraten (und haben dann diese Erfahrung unzulässig ausgedehnt auf die gesamte Konzeption der Psychoanalyse [falls das nicht Deine eigene Leistung wäre]).
Oder aber haben etliche Leute eine andere Theraphieform konsultiert (-wiederum davon berichtend, dass keine der von Dir genannten Bedingungen auch nur annähernd erfüllt worden sei), dabei aber meinend, sie wären bei der psychoanalytischen Traumdeutung gewesen.
Möglichweise bist Du es selbst, die das glaubt? Begreiflich fände ich es allemal. Wenn man gerade beginnt, sich mit diesen ganzen Begriffen zu befassen und zu fragen, was eigentlich in der Psychotherapie allgemein für unsäglicher Mist fabriziert wird, wie sollen dann die „Analytische Psychologie“ C.G.Jungs von der „Freudschen Psychoanalyse“ unterschieden werden, wo beide auch noch in für Laien identisch anmutender Weise behaupten, Traumdeutung als effektives Instrument der Psychodiagnostik und -therapie anzubieten?!
Das alle, mit denen Du gesprochen hast „gar nichts über ihr Elternhaus und ihre Beziehung zu ihren Eltern erfahren haben. Nicht mal nach fünf Jahren und zig Therapien.“., das zeigt an, wie katastrophal die Situation im Labyrinht zahlloser sog. „therapeutischer“ Angebote ist. Ein kompetenter Traumanalytiker hat damit nichts zu schaffen, da ihn nichts hindert, Bedingungen wie die von Dir genannten Punkt für Punkt zu erfüllen. Das Schema ist denkbar einfach - das Thema jeder Sitzung wird nur und ausschließlich von den Botschaften der vom Patienten mitgebrachten Träume bestimmt. Weder ist Vorbildung nötig, noch wird der Patient durch „wissenschaftliche Diskussionen“ abgelenkt von der erwünschten Auseinandersetzung mit den aus seinen Träumen geoffenbarten Inhalten seiner Schwierigkeiten, deren Ursachen und der tief unter solchem Ballast verschütteten, trotzalledem unverändert gesund gebliebenen Quelle aller seiner Kraft, jeder seiner naturgemäßen Fähigkeiten, geistigen wie körperlichen und seelischen.
Ich finde sehr nett von Dir, Dich um meine Energie zu besorgen; das war nicht nötig. Ich hatte auf Deine Anfrage nach einer für Dich geeigneten Therapie reagiert, einen Vorschlag unterbreitend, den Du eventuell noch nicht berücksichtigt hattest während Deine Versuche, sie zu finden. Menschen auf ihrem Weg weiter zu helfen, wissend, dass man es tut, ist ein Aspekt des Sozialinstinktes und des mit seiner Stilung verbundenen Glücks… Deine Stellungnahme darauf fand ich auf den ersten Blick zwar etwas ambivalent, beim zweiten aber entwickelte sich aus dem Thema der Generationen-übergreifenden „Fehlverarbeitung“ u.a. auch in Deiner Familie eine existentiell Konfrontation mit der Frage „Was ist Schuld?“. Man muß dafür mit sich selbst ins Gericht gehen. Der einzige Ausweg fand sich in der Erkenntnis, dass der gesunde Mensch und Therapeut aus eigener Kraft, Mitleid und Verantwortungsbewusstsein die Schuld aller in ihr Leiden gefesselten Täter/Opfer-Generationen auf sich nimmt, ihnen diese Frohe Botschaft verkündigend. Für Deinen unschätzbar wertvollen Beitrag danke ich Dir sehr!
Ich habe mich entschieden, Dir die Abhandlung vielleicht später einmal auszuhändigen, wenn Du Deine Dich mit mehreren sensiblen Themen befassenden Überlegungen den meinen gegenüber stellen, beide vergleichen und prüfen willst, jetzt aber möchte ich vorerst abwarten, ob Du mir helfen kannst, meine Unklarheiten bezüglich Deiner Bedenken gegen die Traumanalyse zu den Akten zu legen.
Ich wünsche Dir viel Efolg!
Dein J.