A. Miller

Hallo,

vor einiger Zeit hatte ich ein wunderbares Buch in der Hand,
das mir sehr dabei geholfen hat, mich und andere besser zu verstehen.
Das Buch heißt „Wege des Lebens“ von Alice Miller.

Vor der Lektüre dieses Buchs hatte ich felsenfest gedacht,
dass Psychotherapie in der Realität längst so sei,
wie Miller es sich für die Zukunft wünscht. Dass DAS Psychotherapie sei. Nach Gesprächen mit einigen Menschen habe ich dann aber noch gehört, dass sie in ihrer Psychotherapie gar nichts über ihr Elternhaus und ihre Beziehung zu ihren Eltern erfahren haben. Nicht mal nach fünf Jahren und zig Therapien. Einer war darunter, der später nur ein einziges Buch lesen musste, um zu erkennen, dass sein Problem vom Elternhaus kam. Er spürte danach eine große Erleichterung und begann sein Umfeld anders als vorher zu beobachten und über sich selbst nachzudenken. Jetzt wo er weiß, was nicht richtig lief, fühlt er sich erleichtert. Warum ist das in den Therapien nicht gelungen? Ich dachte immer das sei der Sinn einer Psychotherapie!!!??

Meine zweite Frage: hat sich heute etwas verändert in der Therapie?
Das o.g. Buch ist ja schon etwas älteren Baujahrs.

Schöne Grüße
Jenna

Hallo,

Das Buch heißt „Wege des Lebens“ von Alice Miller.

Vor der Lektüre dieses Buchs hatte ich felsenfest gedacht,
dass Psychotherapie in der Realität längst so sei,
wie Miller es sich für die Zukunft wünscht. Dass DAS
Psychotherapie sei.

Alice Miller ist bzw. war Psychoanalytikerin, und selbst in diesem Bereich durchaus eine „besondere“ Ausgabe. Psychoanalyse ist nicht gleichzusetzen mit Psychotherapie, obzwar es psychoanalytisch basierte Therapieformen gibt - aber eben nur als eine Variante unter vielen.

Ein eher ganz anders orientiertes Beispiel ist die Verhaltenstherapie (auch „nur“ ein Überbegriff), für die Eltern, Kindheit etc. generell eher egal sind, weil sie nicht zum Ziel hat, die eigene Lebensgeschichte aufzuarbeiten, sondern bestimmte belastende Verhaltensweisen verändern möchte bzw. Techniken dazu vermittelt.

Soll heißen, es gibt endlos viele Therapieformen und welche für das jew. Problem die richtige ist, lässt sich keinesfalls pauschal beantworten. Deine etwas romantisierende Vorstellung von Psychotherapie steckt aber in vielen Köpfen, die sich damit bislang nicht sonderlich auseinandergsetzt haben :wink:

Gruß,

Malte

ergänzung
hi,

hinzu kommt, dass viele patienten auch gar nicht wünschen, tief in familie und vergangenheit abzutauchen, sondern ziel- und lösungsorientierte unterstützung bei konkreten problemen erbitten.

die psychotherapie als klinische fachrichtung hat sich sehr erweitert und verändert: im augenblick herrscht (für die finanzierung!)wissenschafts-glaube vor. das heisst, eine psychotherapie muss eine methode haben, die wissenschaftlichermassen wirksam ist, auch besser als placebo.

das sind derzeitig:
-die psychoanalyse
-die tiefenpsychologie
-die verhaltenstherapie

daneben existieren viele -und viele guten!- weitere psychotherapiemethoden, die aber 1999 durch das psychotherapiegesetz nicht ins system der krankenkassenrefinanzierung aufgenommen wurden. das hat auch mit lobbys, macht, historischen netzwerken und politik zu tun.

wer einen überblick über das, was es alles so gibt, haben will, liest:

http://www.amazon.de/gp/reader/3131060948/ref=sib_dp…

und/ oder:

http://www.amazon.de/Grundkonzepte-Psychotherapie-J%…

findet man auch in stadtbibliotheken.

Danke für deine Antwort :smile:

Das Psychotherapie nicht gleich Psychoanalyse ist, ist mir bewusst.
Ich wollte mit meiner Frage auf etwas anderes hinaus.

Das Buch von A. Miller ist schon älter. Sie prangerte in diesem Buch etwas an: dass das Reden über das Elternhaus bzw. über die Beziehung zu den Eltern während der Psychotherapie lediglich in verschleierter Form vorkomme.
Zu dem damaligen Zeitpunkt scheint es keine wirklichen Alternativen gegeben zu haben. Hatte der leidende Mensch Glück, hat er vielleicht zufällig einen Therapeuten gefunden, der auch Millers Ansatz verfolgt (bwz. eine sehr ähnliche Herangehensweise vertritt). Das hing dann aber mit dem persönlichen Engagement des Therapeuten zusammen.

Miller bezieht sich in ihrem Buch glaube ich auf Bowlby, der Bindungsforschung betreibt.

Wenn es Therapieformen gegeben hätte, die der leidende Mensch hätte nützen können, hätte Frau Miller sie dann nicht erwähnt?

Und wie sieht es heute aus?

Kannst du mir den Namen der Therapie nennen, in der man über die Beziehung zu seinen Eltern sprechen kann und in der man auch Konkretes erfährt (in dem Sinne von Miller)?

Auch für deine Antwort herzlichen Dank.

Welche Therapiemöglichkeiten es gibt ist für mich nicht neu.
Das hätte ich in meinen Text mit hinein nehmen sollen. Es fehlte der Bezugsrahmen. Einige Leser, die sich noch nie oder nur wenig mit Möglichkeiten der Psychotherapie befasst haben, sehen ohne diesen vielleicht nicht, worauf ich hinaus wollte.

Ich bin absolut Millers Meinung und verehre diese Frau. Ihr Buch war für mich eine Bestätigung dessen, was ich selbst zunächst nur sehr schemenhaft erkannt habe (und das erst durch viel Eigenlektüre): die Wichtigkeit der Eltern-Kind-Beziehung für die spätere Persönlichkeit.
Ihr Buch sticht aus meiner Sicht einzigartig in der Erhellung dieser Problematik hervor. Ich könnte jetzt noch so viel mehr dazu sagen, aber das gehört nicht zu der eigentlichen Fragestellung meines Threads.

Meine Frage zielte vielmehr darauf ab, in welcher Therapie der Mensch über die Beziehung zu den Eltern sprechen kann, wenn er das wünscht.
Es ging mir selbstverständlich nicht um Menschen, die das gar nicht möchten und/oder für die aufgrund ihres psychischen Problems eine andere Therapieform in Frage kommt.

das habe ich in meinem ‚Schreibwahn‘ ganz vergessen: Vielen Dank für die Buchtipps, die du mir gegeben hast. Ich hatte deine Aussage erst anders gedeutet. Ich habe sie gar nicht richtig erkannt … :smile:
(nur an dich: Eine Placebo-Therapie ist definitiv nicht das Richtige
ich bin froh, dass du dem Kindchen so einen schönen Namen gegeben hast)

zwei Anmerkungen dazu
Liebe Jenna!

Das Psychotherapie nicht gleich Psychoanalyse ist, ist mir
bewusst.

Und wie sieht es heute aus?

  1. Es gibt auch heute kein Psychanalyse Millerienne, wenn du das meinst.
    Sprich, ihr Beitrag für die analytische Theoriediskussion ist überschaubar geblieben.

ABER:
Miller übertreibt m.E. bei ihrem negativen Bild der Psychoanalyse in grandioser Weise (und hier meine ich auch tatsächlich „Grandiosität“).
Die Psychoanalyse ist hochgrad heterogen.
Es gibt ihn ihr viele Ansätze, die sich gegen die Triebtheorie wenden, und auch solche, die dezidiert „anti-pädagogisch“ sind (das sind wohl zwei der drei Hauptpunkte Millers).
Dazu gibt es Ansätze wie die ‚Verallgemeinerte Verführungstheorie‘, die v.a. in Frankreich präsent ist, welche auch eindeutig das Kind (im Analysanden) als passives Opfer seiner erwachsenen Bezugspersonen darstellen und so in der Behandlung auch in den Mittelpunkt stellen. (der dritte Hauptpunkt Millers).

Was fehlt noch?

Kannst du mir den Namen der Therapie nennen, in der man über
die Beziehung zu seinen Eltern sprechen kann und in der man
auch Konkretes erfährt (in dem Sinne von Miller)?

Es gibt, wie gesagt, keine institutionalisierte „Therapie nach Alice Miller“, allerdings ist es natürlich sehr wohl insgesamt das Ziel der Psychoanalyse „über die Beziehung zu seinen Eltern zu sprechen und Konkretes zu erfahren“.
Die Kritik Millers hier ist ja m.W. im Wesentlich, dass die Psychoanalyse diese Beziehungen zu den Eltern gleich unter abstrakte Kategorien packen würde (Objektbeziehung, Bindung, Ödipuskomplex, Triebe usw.) und so das Konkrete geschickt verdecken würde.
Das ist eine berechtigte Kritik, die aber das Kind mit dem Bade ausschüttet.

  1. Einzelne Therapeuten wie dieser:
    http://www.stephanmayer.com/
    bieten aber ‚tiefenpsychologische Behandlungen nach Alice Miller‘ an.

Du müsstest also in deiner Umgebung gezielt nach solchen Therapeuten suchen.

_ ℂ Λ ℕ Ð I Ð € _

Hallo Jenna

Meine Frage zielte vielmehr darauf ab, in welcher Therapie der
Mensch über die Beziehung zu den Eltern sprechen kann, wenn er
das wünscht.

Das geht in jeder Therapieform. Auch ein Verhaltenstherapeut, der keinen Schwerpunkt auf die Kindheit setzt, wird den Patienten nicht abwürgen, wenn dieser hier Gesprächsbedarf hat.
Richtig zuhause ist die Beschäftigung mit der Kindheit in der Psychoanalyse. Auch in der tiefenpsychologischen Therapie spielt sie, je nach Therapeuten, eine mehr oder weniger wesentliche Rolle.

Nach meinen Kenntnissen ist das Gespräch in jeder therapeutischen Richtung das hauptsächliche Mittel der Interaktion zwischen Therapeuten und Patienten. Die Themen kommen eher vom Patienten als vom Therapeuten. Letzterer eröffnet zwar den einen oder anderen Themenkreis, aber wenn der Patient sagt, dass ihn dieses oder jenes bedrücke oder er hier oder da ein Problem sehe, dann wäre der Therapeut ja ein merkwürdiger Geselle, wenn er Gespräche darüber vermeiden oder gar verhindern würde.

Tychi

1 „Gefällt mir“

da muss ich leider widersprechen. Aus eigener Erfahrung weiß ich dass alle Therapeuten es abgelehnt haben darauf einzugehen. „Bleiben Sie mal bei sich“ waren die Sprüche. Es geht mir hier in dem Thread nicht darum, ob ihr Miller Anhänger seid oder nicht. Die Frau ist großartig und hat meine Hochachtung. Sie hat artikuliert und erhellt, was ich schon immer dunkel geahnt hatte. Sie macht es begreiflich.
Wie auch immer, ich suche einen Therapeuten der einem hilft zu verstehen, woher bestimmte Wahrnehmungs- und Denkmuster kommen.
Ich meine: was ist mit der Familientherapie? Sollte das nicht dort der Fokus sein? Dort steht doch auch die Interaktion zwischen den Familienmitgliedern im Vordergrund. Oder in der Paartherapie.
Nur wenn kein Geld dafür da ist, weil die KK das nicht übernehmen oder weil die meisten Leute noch heute denken Psychotherapie ist was für Spinner, dann bleibt der Rest vom Angebot oder?

den Link zu dem Therapeuten, auf den du verwiesen hast, habe ich angesehen. Von dem Themen ist aber nichts weiterführendes dabei, als das was ich sonst so bei anderen Therapeuten in ihrem Angebot gelesen habe. Hast du eine besondere Erfahrung mit diesem Therapeuten? Wie bist du zu dem Link gekommen?

LG
Jenna

hi,

würde ich gerne in einer therapie über meine eltern sprechen wollen, würde ich zu einem tiefenpsychologischen psychotherapeuten gehen.

die deutungen der psychoanalyse gehen mir da schon etwas weit (zu weit weg, mir oft zu abgehoben, kann ich manchmal nix mit anfangen, versteh´ ich auch oft nicht ganz).

ein tiefenpsychologe bleibt thematisch nachvollziehbarer am thema und deutet nicht drauflos, ausserdem sitzt man ihm/ihr gegenüber, statt zu liegen und ihn /sie nicht zu sehen.

es stimmt: generell kann man auch mit einem verhaltenstherapeuten gut über seine eltern und frühere familienthemen sprechen, aber es gibt doch VT´ler, die da eher reden lassen, als drauf einzugehen. es kommt auf den therapeuten an.

den Link zu dem Therapeuten, auf den du verwiesen hast, habe
ich angesehen. Von dem Themen ist aber nichts weiterführendes
dabei, als das was ich sonst so bei anderen Therapeuten in
ihrem Angebot gelesen habe. Hast du eine besondere Erfahrung
mit diesem Therapeuten? Wie bist du zu dem Link gekommen?

Er bietet halt „Therapie nach A. Miller“ an, überraschenderweise anscheinend nicht auf seiner HP, die ich verlinkt habe.

vgl. aber
http://www.google.de/#hl=de&source=hp&q=%22stephan+m…

Beim obersten Link erhältst du übrigens Frau Millers Meinung dazu.

Ich wollte damit sagen: Es gibt keine institutionalisierte ‚Therapie nach Miller‘, aber offenbar einzelne Therapeuten, die Millersche Gedanken in ihre Arbeit einfließen lassen.

Ansonsten: Frag die Miller doch selbst auf ihrer HP.
http://www.alice-miller.com/index_de.php

Go ask Alice
I think she’ll know.

_ ℂ Λ ℕ Ð I Ð € _

Brief von Alice Miller über den Therapeuten, der hier angeblich nach Millter therapieren will

http://www.alice-miller.com/leserpost_de.php?lang=de…

Hallo Jenna,

Unter Umständen wäre die Freudsche Traumanalyse etwas für Dich. Wenn man sich anhand seiner Methode konsequent mit den Botschaften der Seele auseinandersetzt (Freud nannte die Traumdeutung mit Recht den "Königsweg in das Unbwusste), dann kommen dabei früher oder später all die Ereignisse ab der frühesten Kindheit zur Sprache, an denen die Verhaltenstherapie meisst kein Interesse hat, und an die man mit den Methoden der Gesprächsanalyse nicht heran kommt, weil sie in aller Regel dem bewussten Erinnern nicht mehr zugänglich sind. Versuch vielleicht mal, Dich über Google und Wikipedia ein bißchen über die Traumanalyse zu informieren, und wenn Du Fragen hast, Kritik oder Bedenken, dann schreibe. Ich werde mich selbstverständlich gerne mit Dir befassen.

Joshua

Hallo Joshua,

danke für deine Antwort. Ich möchte dir auch noch eine PM schreiben, bin aber gerade in Eile.
Traumdeutung klingt interessant. Da kann ich auch einen „schönen“ Albtraum anbieten… (nicht nur einen, mehrere - problematisch nur, dass ich sie morgens meist vergessen habe bzw. nicht mehr inhaltlich wiedergeben könnte. Wenn ich mich mal erinnere und verbalisieren kann, was in dem Traum vorkommt, ist das eher selten.)
Meine Träume reflektieren oft meinen aktuellen seelischen Zustand, in metaphorischer Weise. Etwas Erdrückendes, Auswegloses kommt z.B. wie eine Tsunami-Welle auf mich zu. Ich überstehe die Welle unversehrt (wider Erwarten) und geh nicht unter, die nächste kommt und ich bin wieder in Panik. Eine Endlosschleife. Aus der Situation kann ich nicht entfliehen. Statt einfach wegzuziehen muss ich bleiben, wohl weil kein anderer Ausweg besteht. Das ganze reflektiert meine gegenwärtige Lebenssituation. Sobald dann ein Problem gelöst wurde und ein Ausweg zu sehen ist, gibt es auch keine Albträume mehr.
Das ist immer so wenn ich das Problem gelöst habe. Der Traum ist etwas höchst subjektives, denn er entsteht in meinem eigenen Kopf.
Ich möchte insgesamt eine Therapieform, die klar und deutlich Aufschluss über meine Beziehung zu den Eltern gibt und eine Antwort auf die Frage ansteuert, wie sich meine Persönlichkeit aus der Interaktion mit den Eltern entwickelt hat und wo eine Fehlentwicklung entstanden ist. Es scheint in unserer Familie ein Häufung von Fällen zu geben. Eine Fehlverarbeitung mit einer folgenden Verhaltensweise gegenüber dem Kind, die über mehrere Generationen in untersch. Formen weitergegeben wurde (Großmutter-Mutter-Enkel…). Wenn man sich Bücher über Familienpsychologie durchliest, wird man sehen, dass sich die Forschung dieser Problematik bereits lange angenommen hat.
Um noch mal auf Alice Miller zurückzukommen. Das ist auch genau ihr Fokus. Auch sie berichtet von Fällen in denen ein psychisches Problem eine Ursache hat, die zwei Generationen zurückliegt. Ihr geht es darum, dass der Mensch die Möglichkeit hat, in der Therapie offen darüber zu sprechen und auch entsprechende Aussagen erhält, um ihn zu entlasten. Mir geht es, nur um das klar heraus zu streichen, nicht um Schuldzuschreibung, sondern um Ursachenforschung/Analyse) und um die Thematisierung von Ressourcenaktivierung.

Grüße, Jenna

eine Traumdeutung macht wahrscheinlich mehr Sinn, wenn man sich an den Traum noch erinnern kann oder? Meistens kann ich das nicht. Es ist sehr selten, dass ich einen Inhalt noch wiedergeben kann.
Wie eine Nacht abläuft manchmal: Ich träume, wache auf, schlafe ein, träume, wache auf, schlafe ein… Das Problem: Am nächsten Morgen kann ich mich nicht an den Traum erinnern und wenn überhaupt nur dann sehr vague. Es sei denn der Traum hat mich in der Aufwachphase nach dem Traum so sehr beschäftigt, dass ich richtig aufwache (stärker zum Bewusstsein komme) und den Traum in Gedanken versuche noch mal zu rekapitulieren. Meistens bin ich aber nur im Halbschlaf und schlafe gleich wieder ein. Am nächsten Morgen kann ich mich an die Inhalte nicht mehr erinnern. Könnte daran liegen, dass mein Gedächtnis im allgemeinen sehr schlecht ist. Woher das kommt ist eine andere Frage…

Hallo Jenna!

Auf Deine PN freue ich mich sehr. Deine Stellungnahme habe ich inzwischend einige Male durchgelesen - sehr interessant, wie kritisch Du urteilst und wie präzise Du formulierst! Nachher werde ich anfangen, mir schriftlich Gedanken zu machen, um keine Deiner Überlegungen zu übersehen, jeden würdigend. Wahrscheinlich wird die Stellungnahme zwei, drei A4-Seiten lang; ich schicke sie Dir auch als Privatnachricht.

Alles Gute bis dahin!

J.

Hallo Joshua,

danke für deinen Kommentar. Deine Homepage habe ich auch kurz überflogen, so dass ich mir einen kleinen Überblick verschaffen konnte.
Ich glaube immer noch, dass Psychoanalyse in dieser Form und Traumdeutung im Speziellen nach wie vor nicht das Richtige für mich ist, aus den o.g. Gründen. Das dürfte eigentlich auch aus den vorhergangenen Beiträgen in diesem Thread ersichtlich geworden sein.
Ich weiß aber, das möchte ich dir unbedingt sagen, deine Interesse und deine Mühe, dich mit meinen Beiträgen zu befassen, zu schätzen.
Natürlich interessiert es mich, was du zu meinem Kommentar ausführlich schreiben würdest, ich werde es auch lesen, glaube aber, dass wir theoretisch gesehen nicht so „ganz“ der selben Auffassung sind.
Ich hoffe, dass es nicht unnötige Energie deinerseits ist, wenn du so einen ausführlichen Kommentar verfasst. Aus Zeitgründen kann ich in auch eine wissenschaftliche Diskussion derzeit nicht eintreten, ist auch nicht mein Kernanliegen dieses Threads gewesen.

Jenna

Liebe Jenna!

Deine Bedenken gegen die Traumanalyse sind, glaube ich, erstamals ab Deiner letzten Stellungnahme klar ausgesprochen worden. In der davor gelegenen finde ich nichts konkretes, sei denn eventuell im Zusammenhang den Tsunamiträumen, insofern wie sie nach Deiner kurzen Schilderung zu urteilen zwar parallel zu bestimmten Krisen auftauchen, aber auch wieder aufhören, sobald Dir gelang, eine Lösung für die letzteren zu finden. Für die Bewältigung dieser Krisen bräuchtest Du also keine Kur auf Freuds Coutsch… allerdings enthält Deine diesebezügliche Gesundheit auch kein mir erkennbares Argument, die Traumanalyse anderweitig nicht zu nutzen. Sie erfüllt jede einzelne der Bedingungen, die Du unmißverständlich präzise stellst: „klar und deutlich Aufschluss über meine Beziehung zu den Eltern (geben) und eine Antwort auf die Frage (ansteuern), wie sich meine Persönlichkeit aus der Interaktion mit den Eltern entwickelt hat und wo eine Fehlentwicklung entstanden ist.“

Wie Du dem gegenüber darauf kommst, dass die Traumanalyse eben nicht fähig wäre, Dir diese Bedingungen zu erfüllen, stammt nach dem was Du im Thread erzählst, nicht aus Deiner eigenen Erfahrung. Ich kann auch nicht klar ersehen, bei konkret welcher Therapieform diese Erfahungen zustande kamen:

Entweder sind da etliche Leute an ausgesprochen sehr miserable Traumanalytiker der Freudschen Schule geraten (und haben dann diese Erfahrung unzulässig ausgedehnt auf die gesamte Konzeption der Psychoanalyse [falls das nicht Deine eigene Leistung wäre]).

Oder aber haben etliche Leute eine andere Theraphieform konsultiert (-wiederum davon berichtend, dass keine der von Dir genannten Bedingungen auch nur annähernd erfüllt worden sei), dabei aber meinend, sie wären bei der psychoanalytischen Traumdeutung gewesen.

Möglichweise bist Du es selbst, die das glaubt? Begreiflich fände ich es allemal. Wenn man gerade beginnt, sich mit diesen ganzen Begriffen zu befassen und zu fragen, was eigentlich in der Psychotherapie allgemein für unsäglicher Mist fabriziert wird, wie sollen dann die „Analytische Psychologie“ C.G.Jungs von der „Freudschen Psychoanalyse“ unterschieden werden, wo beide auch noch in für Laien identisch anmutender Weise behaupten, Traumdeutung als effektives Instrument der Psychodiagnostik und -therapie anzubieten?!

Das alle, mit denen Du gesprochen hast „gar nichts über ihr Elternhaus und ihre Beziehung zu ihren Eltern erfahren haben. Nicht mal nach fünf Jahren und zig Therapien.“., das zeigt an, wie katastrophal die Situation im Labyrinht zahlloser sog. „therapeutischer“ Angebote ist. Ein kompetenter Traumanalytiker hat damit nichts zu schaffen, da ihn nichts hindert, Bedingungen wie die von Dir genannten Punkt für Punkt zu erfüllen. Das Schema ist denkbar einfach - das Thema jeder Sitzung wird nur und ausschließlich von den Botschaften der vom Patienten mitgebrachten Träume bestimmt. Weder ist Vorbildung nötig, noch wird der Patient durch „wissenschaftliche Diskussionen“ abgelenkt von der erwünschten Auseinandersetzung mit den aus seinen Träumen geoffenbarten Inhalten seiner Schwierigkeiten, deren Ursachen und der tief unter solchem Ballast verschütteten, trotzalledem unverändert gesund gebliebenen Quelle aller seiner Kraft, jeder seiner naturgemäßen Fähigkeiten, geistigen wie körperlichen und seelischen.

Ich finde sehr nett von Dir, Dich um meine Energie zu besorgen; das war nicht nötig. Ich hatte auf Deine Anfrage nach einer für Dich geeigneten Therapie reagiert, einen Vorschlag unterbreitend, den Du eventuell noch nicht berücksichtigt hattest während Deine Versuche, sie zu finden. Menschen auf ihrem Weg weiter zu helfen, wissend, dass man es tut, ist ein Aspekt des Sozialinstinktes und des mit seiner Stilung verbundenen Glücks… Deine Stellungnahme darauf fand ich auf den ersten Blick zwar etwas ambivalent, beim zweiten aber entwickelte sich aus dem Thema der Generationen-übergreifenden „Fehlverarbeitung“ u.a. auch in Deiner Familie eine existentiell Konfrontation mit der Frage „Was ist Schuld?“. Man muß dafür mit sich selbst ins Gericht gehen. Der einzige Ausweg fand sich in der Erkenntnis, dass der gesunde Mensch und Therapeut aus eigener Kraft, Mitleid und Verantwortungsbewusstsein die Schuld aller in ihr Leiden gefesselten Täter/Opfer-Generationen auf sich nimmt, ihnen diese Frohe Botschaft verkündigend. Für Deinen unschätzbar wertvollen Beitrag danke ich Dir sehr!

Ich habe mich entschieden, Dir die Abhandlung vielleicht später einmal auszuhändigen, wenn Du Deine Dich mit mehreren sensiblen Themen befassenden Überlegungen den meinen gegenüber stellen, beide vergleichen und prüfen willst, jetzt aber möchte ich vorerst abwarten, ob Du mir helfen kannst, meine Unklarheiten bezüglich Deiner Bedenken gegen die Traumanalyse zu den Akten zu legen.

Ich wünsche Dir viel Efolg!
Dein J.

Hallo Joshua,

ich schreibe dir eine PN, da ich denke, dass unser Gespräch nichts für die Öffentlichkeit ist.

Jenna