Vielen Dank für die bisherigen Antworten zum Hauptthema. Die meisten von Euch sehen das erstaunlicherweise gelassener als mein Bekanntenkreis.
Da hier wie auch sonst hauptsächlich die Spritsteuer genannt wird, will ich mal versuchen darzustellen, warum hier der Falsche angeschuldigt wird.
Der Hintergrund meines Interesses am Zusammenhang zwischen Spritsteuer und Fahrverzicht liegt, wie schon angedeutet, an meiner beruflichen Verbindung zur Ölbranche. Für mich wäre es interessant zu wissen, ab welchem Preis, oder überhaupt, die Nachfrage nach Öl sinken würde. Dazu gibt es natürlich auf hochoffizielle Umfragen, aber warum soll ich nicht auch mal ein paar Leute fragen.
In der Ölbranche geht es nicht um Spritsteuer oder Spekulanten, sondern ganz einfach darum, wie der Markt mit genügend Öl versorgt werden kann.
Die Zahlen des 2. Qu. 2005 lauten ungefähr: Förderung 84 Mill. Barrel pro Tag, Verbrauch 84 Mill. Barrel pro Tag. Das klingt noch ganz ok.
Seit 2004 steigt jedoch der Ölverbrauch jährlich um satte 2,5 Mill. Barrel pro Tag. Daraus ergibt sich eine wahrscheinliche Nachfrage von 86,5 Mill B/Tag für Mitte 2006.
Die OPEC hat mehrfach erklärt, daß ihre kürzlich Steigerung von 0,5 Mill B/T die absolut letzte mögliche war. Mehr ist nicht rauszuholen.
Die Fördermengen der Nordsee nehmen sogar ab (England - 17 % in einem Jahr). Die Fördermengen von Rußland bleiben bestenfalls gleich. Der chinesische Häuptling war gerade in Venezuela und hat sich das dortige Öl vertraglich gesichert.
Möglicherweise fehlen also in einem Jahr 2-3 Mill. Barrel/Tag.
(Der IWF rechnet für 2030 mit einer Nachfrage von 140 Mill. Barrel/Tag. Was dann tatsächlich geliefert werden kann, wenn die Fördermenge pro Jahr auch nur um 2 % zurückgeht, sagt uns Excel in wenigen Sekunden, nämlich 52 Mill. Barrel/Tag. Was das bedeutet, mag sich jeder selbst ausmalen)
Bleiben wir aber bei den kurzfristigen Fehlmengen. Fachleute verschiedener Richtung (etwa Deutsche Bank oder Lee Raymond, Chef von ExxonMobil) erwarten daher einen Anstieg des Barrelpreises auf 100 bis 150 Dollar in nächster Zeit, egal ob im Herbst oder in 2 Jahren (heute übrigens 60 $, vor einem Jahr 35 $, ein Preis von dem heute keiner mehr zu träumen wagt. Das nur mal so als Hinweis, wie schnell diese Entwicklung jetzt schon läuft)
Diese Entwicklung bringt den Finanzminister natürlich zunehmend in eine Zwickmühle. Und er wird sich beugen und tatsächlich die Spritsteuer senken oder abschaffen müssen - und damit die hier geäußerten Wünsche erfüllen.
Dies wird zwei Effekte haben. Erstens wird dann wieder mehr verbraucht und die Schere zwischen Nachfrage und Angebot klafft noch schneller auseinander. In nicht allzulanger Zeit wird der steuerfreie Sprit sogar noch teurer sein als der zuvor versteuerte. Und zweitens kann der Staat nicht einfach so auf die gigantischen Einnahmen aus der Spritsteuer verzichten. Er muß andere Steuern erhöhen und Ausgaben einschränken. Was dann kommt, dagegen ist Hartz 4 ein Zuckerschlecken gewesen.
Soviel mal zu den Hintergründen. Diese werden zwar nicht geheimgehalten, aber aus mir unerfindlichen Gründen sind sie den meisten trotzdem nicht bekannt.
Und im Hinblick auf die immer wieder als Sündenbock angegebene Spritsteuer bleibt nur zu sagen, die Wünsche werden erfüllt, sie wird abgeschafft. Kein Finanzminister egal welcher Partei bleibt auf seinem Sessel, wenn der Liter 5 Euro kostet, wovon 4 Euro Steuern sind. Andererseites ist die Steuer absolut sinnvoll, da sie die Nachfrage bremst und unsere Schonfrist verlängert, bevor die wirklich kritische Phase beginnt.
Gruß und gute Fahrt 
Ghad