Wieder mal etwas länger…
Hallo Julia,
im Zweifelsfall muß wohl jeder selbst ausprobieren, was ihm am besten hilft bzw. was hilft und womit er klarkommt. Auch ist „helfen“ im Sinne von abnehmen eine Sache und die Gesundheit eine andere. Beispiel: Die Atkins-Diät. Sie hilft zwar, weil man abnimmt. Andererseits ist sie einseitig (da kaum Kohlenhydrate), und das kann nicht gesund sein. Außerdem hat man auf fettes Zeug nach kürzester Zeit einen Ekel und gnadenlose Gelüste auf Brot oder Nudeln. Andere Beispiele sind ebenso denkbar.
Dinner-Cancelling ist - meiner bescheidenen Meinung nach - nicht primär wirkungsvoll, sondern hilft deshalb, weil die wenigsten, die es anwenden, vor 18 Uhr sich eine übermäßige Kalorienmenge reinhauen, da sie ja schließlich abnehmen wollen. Es mag auch Leute geben, die das schaffen, schließlich wachsen auf Gottes Erdboden die unterschiedlichsten Blümelein. Ich würde aber einen Eid darauf schwören, daß die Mehrheit spätestens 5 Stunden (eher früher) auf allen Vieren zum Kühlschrank kriecht und sich was reinzwitschert. Grund: Irgendwann ist die letzte Mahlzeit soweit verdaut, der Blutzuckerspiegel sinkt. Unter einem bestimmten Level sollte dann ein normaler Hunger einsetzen. Ißt man dann nichts, sinkt der Zucker weiter, und da sich der Körper irgendwann holt, was er braucht, wird aus dem Magengrummeln ein Hungerast. Instinktiv sucht man sich etwas, was den Zucker möglichst schnell nach oben steigen läßt, und was ist das? Richtig: Süßkram! Wollten wir das? Eher nicht.
Ich habe 20 kg in einem Jahr abgenommen, und zwar mit der Hauptmahlzeit (Fleisch/Fisch/Ei mit viel Gemüse und oft Kartoffeln) im Schnitt gegen 22 Uhr. Ich gehe allerdings praktisch nie vor 1 Uhr ins Bett. Geschafft habe ich das mit fettarmer und kohlehydratreduzierter (ca. 30 bzw. 60g/Tag) Mischkost und viel Trinken und kein Alkohol. Keine Kohlsuppe (die hab ich auch schon hinter mir - selbst wenn man sonst noch einigermaßen ißt, kann man sie am vierten Tag nicht mehr sehen), keine Trennkost, kein Dinner-Cancelling, kein was weiß ich. Ich will nicht behaupten, daß es keinen Verzicht bedeutet hätte - das geht auch gar nicht bei meinem süßen Zahn. Ich habe es allerdings auch nicht sklavisch betrachtet und mir ab und an mal eine Ausnahme gegönnt. Ich behaupte, daß es auch nur nach diesem Prinzip (bzw. auch Low Fat) möglich ist, eine größere Menge abzunehmen, weil alles andere einfach nicht über einen langen Zeitraum durchzuhalten ist.
Noch was zum Kaiser-König-Bettler: Nicht alle überlieferten Weisheiten sind falsch, ich denke sogar, daß an den meisten was dran ist. Nur muß man die damalige Lebensweise betrachten, die sich von der heutigen grundlegend unterscheidet. Die meisten Menschen mußten körperlich sehr hart arbeiten, und da war es sicher sinnvoll, morgens sehr nahrhaft zu essen, damit diese Arbeit zu leisten war. Abends ging man „mit den Hühnern“ ins Bett, und da wäre eine schwere Abendmahlzeit wenig angenehm und für die meisten auch nicht bezahlbar gewesen.
Heute dagegen haben sehr viele fast keine Bewegung (Bürojob, die ganzen Haushaltsgeräte), so daß es eher Sinn macht, die aufgenommene Energie über den Tag zu verteilen. Ob dann aber die sogenannte warme Mahlzeit mittags oder abends eingenommen wird, muß jeder für sich selbst entscheiden. Ich z.B. mag die Hauptmahlzeit nicht mittags haben, weil ich erstens abends dann genauso Hunger habe, wie wenn ich mittags nur einen Snack esse, außerdem falle ich unweigerlich ins 14:00-Uhr-Loch, wo mir die Arbeit dann ziemlich egal ist. Warum sollte ich es dann so handhaben? Leider haben wir verlernt, auf unseren Körper zu hören!
Hollywood ist übrigens kein Maßstab - eine Gesellschaft, wo Frauen mit Größe 38 als zu dick gelten, 34 als annehmbar empfunden wird und die auf 30 bis 32 hinarbeitet!
Also: Man muß lernen, Appetit von Hunger zu unterscheiden, bei Hunger signalisiert dann aber der Körper wirklich, daß er was braucht. Dem sollte man dann schon Rechnung tragen und sich lieber Gedanken machen, was man ißt und nicht wann.
Gruß
mowei