Hallo Katrin,
ich finde es schade, wenn Mütter so falsch beraten werden,
dass sie Stillen als eine Notwendigkeit und nicht als eine
Annehmlichkeit sehen.
Finde ich auch, aber:
Wenn ich für mich den Trara vergleiche, den nichtstillende
Mütter mit Fläschchen-Sterilisation, Abgekochtes Wasser
beschaffen, nachts Tee bereiten treiben müssen, da war ich
doch als vollstillende Mutter (übrigens nach
Anlaufschwierigkeiten durch überlangen Klinikaufenthalt) viel
besser dran: Das Essen des Kindes war immer bereit, steril und
in der passenden Menge vorhanden. Ich brauchte nur meine
Tochter dabei zu haben.
Das stimmt so nicht. Ich habe meine Tochter 6 Monate voll gestillt, danach aus beruflichen Gründen abgestillt und mit Fläschchen weiter gemacht. Ich kenne also beides! (Hast Du jemals Fläschchen gegeben?).
Ich hatte am Anfang wahnsinnige Schmerzen beim Stillen (nein, keine wunden Brustwarzen), und niemand konnte mir sagen, was das ist, ob das wieder weggeht und wie ich mich am besten verhalten soll. Ich habe damals nur durchgehalten, weil ich mir die Sache mit den Fläschchen genauso schlimm ausgemalt hatte wie Du, zumal meine Tochter keinen festen Rhytmus hatte. Hätte ich damals schon gewust, wie einfach Fläschchen sind, ich hätte sofort abgestillt, denn jede Mahlzeit war ein Horror und wenn ich das Kind angeschaut habe, dann nur in der Angst, es könnte aufwachen und ich müsste wieder stillen. Ich bereue nicht, dass ich durchgehalten habe, aber heute weiss ich auch, dass die Schmerzen irgendwann weggegangen sind und das Stillen dann auch schön wurde. Die Schmerzen hatten übrigens nichts mit schlechter Beratung zu tun, meine Hebamme hat eine super Stillberatung gemacht und alle Hebel in Bewegung gesetzt, um herauszufinden, was los war.
Und dass sie sich zu einem Menschen
entwickelt hat, der in der Lage ist, sich aufgrund ihres
natürlichen Essbedarfs richtig zu ernähren, ist sicher auch
auf die Stillzeit (8 Monate voll, mit 1,5 Jahren freiwillig
abgestillt) zurückzuführen. Wenn kein Fläschchen immer leer
getrunken wird, sondern einfach „gesoffen, was Muttern grade
bereitstellt“, ist Überfütterung im Babyalter einfach leichter
zu vermeiden.
Würde ich von mir auch behaupten, wurde aber nicht gestillt.
Die Vor- und Nachteile:
Die Fläschchen-Sterilisation und das Abkochen von Wasser fällt beim Stillen weg. Dafür muss man wie in der Schwangerschaft auf seine Ernährung achten und darf nie das Trinken vergessen, sonst stockt die Produktion.
Beim Stillen hat die Milch immer die richtige Temperatur. Für Fläschchen muss man erst das Wasser kochen, dann abkühlen lassen und das Pulver damit anrühren. Man kann aber das Wasser abkochen, abkühlen lassen und in eine Thermoskanne füllen, dann hat es auch lange Zeit die richtige Temperatur und man kann es einfach auf das Milchpulver geben, von dem bereits die richtige Menge in einem Fläschchen vorportioniert ist, schütteln, fertig.
Beim Stillen ist man flexibel, muss nur das Kind dabei haben. Bei Fläschchen muss man zusätzlich noch die Thermoskanne und die Fläschchen (mit Milchpuler) mitnehmen, aber Gepäck hat man ja eh immer (Windeln etc.). So ausgerüstet kann man auch sehr flexibel sein, je nach Typ sogar noch flexibler, denn man muss sich für Fläschchen nicht entblößen. Das stört einige Frauen ja nicht, andere brauchen aber zum Stillen immer ein ruhiges Plätzchen, die sind mit Flasche wesentlich flexibler. Mich hat das übrigens nicht mehr gestört, als es warm genug war, vorher kannte ich jede Bank in warmen Einkaufszentren.
Wenn der Vater mal auf das Kind aufpassen soll, ist es mit Fläschchen irgendwie auch praktischer.
Die Sache mit der Trinkmenge ist übrigens auch mehr von der Einstellung als von der Art der Ernährung abhängig. Ich habe meiner Tochter auch mit Fläschchen immer die Menge angeboten, die sie wollte. Auch mit Stillen kann man Rhytmus und Menge vorgeben, wenn man will (Kind vorher und nachher wiegen, leidige Erfahrungen aus der Klinik). Natürlich muss man mit Fläschchen eher auf die Flüssigkeitsaufnahme achten, ja, muss man später wenns Brei gibt aber auch.
Alles in allem ist Stillen nicht eindeutig bequemer, es gibt für beide Arten gute Gründe, sie bequemer zu finden.
Viele Grüße
Bianca