Moin Susanne
Man ist überzeugt, das eigene Kind schafft das.
Ja klar, wer nicht, wenn man selbst, kann überzeugt sein?
Ja klar.
War vielleicht etwas ungünstig ausgedrückt.
Der Mensch hat oftmals die Angewohnheit, Unangenehmes von sich
zu schieben.
So frei nach dem Motto: „Da passiert schon nix“ oder „Mein
Kind
macht so etwas nicht“.
Verstehst Du, worauf ich hinaus will?
Ja, ist mir klar. Aber wir versuchen schon eine realistische Einstellung zu unseren Kindern zu haben (deswegen denken wir ja auch viel nach und hinterfragen unsere Einstellung quasi ständig. Das ist ja auch ständig im Fluss, weil die Kiddis ja in der Entwicklung nicht stehenbleiben und was ich heute erlaube, muss ich u.U. morgen verbieten oder umgekehrt.).
Wenn Kinder verschwinden, dann doch meistens, weil die Eltern
sich gedacht haben „da passiert schon nix“.
Wie sonst kann man es sich erklären, daß man vor dem Laden
einen
Kinderwagen incl. Kind vorfindet und Mutti währenddessen
einkauft.
Das würde ich allerdings auch als fahrlässig bezeichnen. Ist mir auch nie in den Sinn gekommen.
Wie sonst kann man es sich erklären, daß Kinder auf der
Fahrer-
seite aus einem Auto klettern statt auf der Beifahrerseite?
Das hast du falsch verstanden, natürlich kann man nicht nur
Lob singen, Kritik muss möglich sein, aber ich bin ein Fan von
konstruktiver Kritik. Die Betonung lag für mich auf
unangemessen, nicht auf negativ und bezog sich auch nicht nur
auf deine Äußerungen.
Auf was bezog es sich denn sonst noch, wenn nicht auf meine
Äußerungen?
Hier haben doch noch andere gepostet, oder nicht?
Da hast du Recht, wenn denn mein Kind schon auf der
Strassenseite aussteigen muss, was man i.a. verhindern kann,
aber vielleicht nicht immer (?), dann stehe ich vor der Tür
und hindere sie daran, direkt auf die Strasse zu laufen.
Ja - Du machst das. Sicherlich auch viele andere Eltern.
Aber es gibt verdammt viele, die im Auto sitzen bleiben,
während
ihr Stoppelhopser aus dem Auto steigt.
Sollte nicht sein.
Seh ich oft genug, wenn ich meinen Sohn zu Schule bringe.
Das da nicht jede Woche mindestens ein Kind verletzt wird ist
ein schieres Wunder.
Die meisten Kids schauen nicht links und nicht rechts und
rennen
über die Straße.
Trotz Verkehrserziehung.
In der Theorie können die das alle perfekt.
Allein es hapert an der Praxis.
Wohl wahr. Unser dreijähriger weiss in der Theorie auch, dass der Bär nicht dumm ist und sich erst umschaut (Tiger und Bär im Strassenverkehr). In der Praxis schleudert er seinen Kopf mit halb geschlossenen Augen von rechts nach links und schreit Kommt keiner! selbst wenn der Mercedes schon neben ihm steht. Hilft nix, wird geübt, bis es sitzt.
Das kann ich nicht nachvollziehen. Die Autofahrer haben die
Kinder doch nicht veranlasst, vor ihr Auto zu springen?
Stimmt.
Aber mach das mal einer Mutter oder einem Vater klar, der wut-
schnaubend aus dem Auto springt, nachdem er Bremsen
quietschen hört und das Kind plärrt.
Forget it.
Da kannst du dich aber zu Recht aufregen. Natürlich sitzt der Schock dann tief, wahrscheinlich ist das dann Übertragung des eigenen Schuldgefühls.
Oft genug sieht man doch, wie Vorschulkinder oder Grundschul-
kinder ins Auto krabbeln, während die Eltern sitzen bleiben.
Dann fahren sie ab und die Tür, durch die Stöpsel ins Auto
gekrabbelt ist ist nicht richtig geschlossen.
Anschnalle? Wird der Zwerg schon machen.
Oder auch nicht.
Das kann ich auch nicht nachvollziehen. Unsere Söhne fahren nur angeschnallt oder gar nicht, egal, wieviele cm. Wir fahren erst los, wenn alle (nachgewiesen) angeschnallt sind und halten sofort, falls sich jemand losschnallen sollte (ist mir bisher erst einmal mit dem Kind einer Freundin passiert, haben wir eine Weile am Strassenrand verbracht und der Turnunterricht fand ohne uns statt (der Knirps war knapp 3), seitdem hat er es kein zweites Mal (bei mir) probiert). Da hilft doch nur Konsequenz.
Gleiches gilt übrigens für Fahrradhelm. Bei uns ist der Pflicht und zwar für Erwachsene (Mama und Papa) und Kinder, da mag das noch so uncool oder lästig sein. Vorher steigt keiner aufs Rad. Ich weiss gar nicht, wie das die Eltern machen, die dem Kind den Helm aufsetzen, selbst aber offenbar keinen brauchen. Erstens finde ich das unlogisch (deren Kopf ist doch auch nicht wesentlich härter als der des Kindes) und zweitens würde meine Söhne das nie akzeptieren. Was für sie gilt, muss eigentlich auch für die Eltern gelten.
Sicher, sowas passiert vielen Leuten - aber bei Kindern sollte
man da schon ein wenig achtgeben.
Ich weiß aus eigener Erfahrung, daß es ein Sch…feeling ist,
wenn während der Fahrt plötzlich die Tür aufgeht.
Ja, weiss ich auch, obig genanntes Kind hat bei einer anderen Fahrt plötzlich die Tür aufgemacht (ich hatte drei Kinder hinten im Auto (ein eigenes und Zwillinge von der Freundin), deshalb nicht daran gedacht, auch auf der Seite die Kindersicherung reinzumachen. Gott sei Dank, ist nichts passiert.
Ich hab’ mal folgendes erlebt.
Paßt zwar nicht so ganz - sagt aber ne ganze Menge aus.
Ich hab’ vor ein paar Jahren mal jemandem die Vorfahrt
genommen.
War ne blöde Ecke - konnte man kaum einsehen.
In dem anderen Wagen saß ne Familie mit nem kleineren Kind.
Der Fahrer in die Eisen gestiegen, daß es raucht.
Ich hab selbiges getan.
Springt der Kerl aus dem Auto wie so ein wütender Wichtel,
rennt
2x um sein Auto und beguckt sich die Reifen.
Plärrt mich dann an, er habe die Reifen grad neu aufziehen
lassen.
Sein Kind saß hinten im Auto und hat zum Steinerweichen
geheult.
Seine Frau auch.
Hat ihn nicht übermäßig interessiert.
Btw - seine Frau hat auch nicht einen Blick auf ihr Kind
geworfen.
Ich hab ihn dann mal gefragt, ob bei seiner Familie alles in
Ordnung sei und mich entschuldigt.
Da kam ihm dann der Gedanke, daß er ja auch noch ne Familie
dabeihat.
Der hätte vielleicht besser keine gehabt?
Viel schlimmer sind die Vorwürfe, die man sich selbst macht.
Da ist natürlich etliches dran. Ich mag mir gar nicht
ausmalen, wie ich mich fühlen würde, wenn wirklich einmal
etwas passieren würde.
Eben.
…den Umgang mit schwierigen, problematischen,
gefährlichen Dingen und Situationen beizubringen, indem ich sie
unter Aufsicht selbst machen lasse, als davon überrascht zu
werden…
Die Betonung liegt hier wohl „unter Aufsicht“.
Aber wo liegt die Aufsicht, wenn ich das Kind nicht mal sehen
kann?
Sicherlich ist es besser, Kindern erst mal dabei zuzusehen,
wie
sie mit dem Messer herumhantieren um sich ein Brot zu
schmieren.
Da kann man noch eingreifen.
Dito.
Siehst Du den „geringfügigen“ Unterschied?
Ne, den sehe ich nicht. Wenn sie mit drei noch kein Glas
halten kann, wann soll sie es lernen?
Ich sehe da schon einen Unterschied.
Mit 37 kannst Du durchaus schon beim ansehen erkennen, wie
schwer
dieses Glas (zB 1 Glas Gurken) evtl. ist.
Mit knapp 3 ist das vielleicht noch etwas schwieriger.
Dann fällt das Glas uU runter und geht kaputt.
Kiddie möchte was gutes tun und die Scherben wegwerfen und
schneidet sich dabei.
Sowas passiert ja uns Erwachsenen auch, daß wir mal in eine
Scherbe greifen.
Ehrlich gesagt, ich hatte an Trinkgläser (mit höchstens Saft (je nach Größe des Kindes mehr oder weniger voll) gedacht, nicht an Gläser mit Inhalt, da nehme ich zum Üben lieber Dosen.
Natürlich, ich denke, das ist allen klar, das es die
aufgezeigten Gefahren gibt und man sie minimisieren sollte, wo
es geht.
Eben.
Und imo fällt darunter eben nicht, ein knapp 3jähriges Kind
allein durch den SB Markt streifen zu lassen.
Klar, und die Definition von „allein“ hängt eben von vielen Faktoren ab, Alter des Kindes, „Reife“, Größe des Marktes, Tagesform des Kindes und der Begleitperson etc. etc.
Wobei ich damit eben keinen miniMarkt meine, sondern einen
richtigen Supermarkt.
Ne klar, wie ich bemerke, sind wir, glaube ich, alle in unserer Meinung nicht soo weit voneinander entfernt. Wir bemühen uns alle, das Beste für unsere Kinder zu tun.
Ich hab’s aber auch schon oft erlebt, daß die Fähigkeiten
überschätzt wurden.
Mmh, ist mir noch nicht oft passiert, dass ich so etwas erlebt
habe.
Aber erlebt hast Du es schon.
Ja, verschätzen kann man sich in allen Lebensbereichen - und hoffen, dass es keine irreparablen Folgen hat. Hoffen wir das nicht alle?
Gruß, masc
Viele Grüße
Susanne