Grundsätzliches
So… lang genug schweigend mitgelesen…
Ich hab mich bei der Medikamentendiskussion zurück gehalten, weil man das so oder so sehen kann. Ich persönlich bin der Meinung, dass meine Vorlieben nicht automatisch für mein Kind gelten sollten. So soll es wählen, ob es in die Kirche eintritt, Ohrringe möchte, Vegetarier wird oder sich ein Medikament wünscht- sofern dies nicht irgendein dahergelaufenes wirkungsloses Zeug ist. Letztlich ist es Deine Entscheidung, wie Du damit umgehst, und man muß sich dann als Elternteil irgendwann u.U. der Frage und Verantwortung stellen, warum man dies oder jenes (nicht) gemacht hat. Wenn Du darauf eine vernünftige Antwort hast, ist das ja in Ordnung.
Mehr Plaque bereiten mir die weiteren Aussagen.
Andere
haben mich monatlich gefragt, ob ich nicht doch die
klassischen Medikamente geben möchte.
Das finde ich ein wichtiges Signal. Wenn wir davon ausgehen, dass es sich bei Arzt und Psychologe um Menschen handelt, die sich der Verantwortung gegenüber ihren Patienten bewusst sind (bei 4 Versuchen solltest Du so einen abbekommen haben), und nach dem geringsten aber notwendigsten Wirkungsmittel suchen.
Sie haben meinen Sohn
nach seinem (unveränderten) Befinden gefragt und das war’s.
Sagt wer? Warst Du dabei? Sagt er? Alles Scharlatane?
Die Schulpsychologen wollten den Kleinen erst mal 6 Monate von
mir isolieren und in eine Klinik geben, aus der er nur als
„geheilt“ entlassen wird…
u.U genau aus diesem Grund:
Glaube mir, ich kümmere mich tagtäglich
nur um mein Kind. Darunter hat sogar schon mein Arbeitsplatz
gelitten.
Das ist mit Verlaub nicht immer von Vorteil. Weder für den krankheitsbezogenen Fortschritt, noch für Dich. Der Situation ist zb. der Verlust des Arbeitsplatzes sicherlich nicht zuträglich, Dein „Nervenpegel“ wird durch den beidseitigen Druck ebenso nicht gesenkt und dies hat wiederum Auswirkungen auf die Situation an beiden „Fronten“. Als geheilt werden Patienten aus Kliniken des psychologischen/psychiatrischen/psychosomatischen Sektors schon seit etlichen Jahren nicht mehr entlassen. Eine Kostenbewilligung für 6 Monate stellen einem, wenn überhaupt, nur noch die Privatkassen aus. Und eine 6 monatige stationäre Behandlung ist bei ADS nicht annähernd üblich. Dir wurde also entweder Käse erzählt oder aber Du erzählst Käse, weil Du solcher Art Behandlung ablehnst. „Heilung“ ist im Zusammenhang mit ADS sowieso ein etwas schräger Begriff- es geht viel mehr darum zu lernen, mit der Situation bestmöglich umzugehen und unterstützende Maßnahmen zu schulen.
In der Ergotherapie werden
wöchentlich die gleichen Bilder gemalt und Sprechübungen
gemacht mit absolut keinem Erfolg. Kann er sich gut
konzentrieren klappt es, kann er sich nicht konzentrieren
klappt es eben nicht.
Wie sollen denn Sprechübungen klappen, wenn man sich nicht konzentrieren kann? Ergotherapeuten sind keine Zauberer, genauso wenig wie Psychologen oder Ärzte. Das konzentrierte und kontinuierliche Arbeiten ist u.a. Ziel solcher Interventionen! Ergotherapie allein kann diese Aufgabe aber bei weitem nicht bewältigen. Der gebrochene Arm wächst auch schief zusammen, wenn kein Gips drum ist, da nützt alle Krankengymnastik nichts. In der Tat können Therapien unter diesen Umständen nicht erfolgreich sein. Mir scheint, dass diese wesentlichen, die Therapie betreffenden Informationen nicht vermittelt oder verstanden wurden.
So ist es auch mit den Hausaufgaben bzw.
Arbeiten in der Schule. Jetzt hat er eine Mathe-Arbeit in den
Sand gesetzt, weil er sich nicht konzentrieren konnte.
Was bei weitem nicht krankhaft ist. Konzentration hat auch mit Tagesform zu tun, und das betrifft jeden von uns. Das ist kein Indiz für das Wirken oder Nichtwirken einer Therapie.
Am Tag
danach habe ich ihm die gleiche Arbeit diktiert und er hat
alles richtig gemacht.
erfreulich. Wäre das vor 2 Jahren auch der Fall gewesen?
Ich habe mit der Ergotherapeutin nicht mehr
gesprochen, sondern werde die Therapie jetzt abbrechen.
sehr unschlau. Wenn Du mit ihr nicht einmal mehr sprichst, wie soll sie dann die Therapie bezüglich der aktuellen Defizite steuern? Sie sieht ihn anzunehmenderweise 1 mal die Woche für je 1 Std. Der Tag hat 24 Std und die Woche 7 Tage und das was in einer Therapiestd. passiert hat nicht immer etwas mit dem Alltag zu tun. Deshalb muss man miteinander sprechen, um diese Dinge optimal aufeinander abzustimmen. Wortlos eine Therapie abzubrechen, weil das Kind nach einem Jahr einmal die Woche malen immer noch nicht „gesund“ ist, ist grober Schwachsinn.
Womöglich sieht sie (aus Profitgier) Ansatzpunkte, ich aber
nicht.
Aus Profitgier…
Ich fasse mal vorsichtig zusammen:
Kaum einer weiß so gut über ADS bescheid wie Du. Zumindest die Therapeuten haben offensichtlich keine Ahnung und wollen nur Dein Geld. Du suchst nach einer homöopathischen nicht dem BtmG unterlegenen Mittel um neurologische Deifizite auszugleichen. Du verhälst Dich zu jeglicher Form der Therapie kontraproduktiv: angefangen bei der medikamentösen Therapie (was ich noch verstehen/tolerieren kann), stellst die Therapie einer multikausalen (!) Erkrankung auf nur eine einzige Säule (derzeit Ergotherapie), Sinn und Arbeitsmethoden dieser Therapie haben sich Dir dabei nicht erschlossen. In vier Jahren hast du vier unterschiedliche Psychologen aufgesucht und deren unterschiedlichen Anweisungen befolgt oder eben nicht. Eine kontinuierliche und effektive Arbeit ist so definitiv nicht möglich!
Du sträubst Dich gegen jede Empfehlung des Fachpersonals. Angefangen vom Kur-/Klinik-Aufenthalt bis hin zu der Tatsache, dass Dir die Psychologin auf den Kopf zusagt, dass eine Ergotherapie (alleine) so kaum Fortschritte bringen kann und Dir zunächst die Überstellung verweigert.
Die Threads zu ADS sind hier im Forum stets unglaublich lang, da viele Kinder der anwesenden Eltern beteiligt sind. Es gibt unterschiedliche Vorlieben und so gab es Für und Wider in Punkto Medikation. ALLE haben Dir aber geraten oder gesagt, dass das Aufbauen auf nur einer einzigen Säule bei multikausalen Störungsbildern kaum einen Sinn macht. Weder die Säule der Medikation, noch die der Psychotherapie oder anderer Therapieformen wie die Ergo, da sie alleinstehend keine wesentlichen Effekte erzielen. Wenn Du Deinem Sohn keine Medikamente geben magst, dann sorge wenigstens dafür, dass er in ein vernünftiges therapeutisches Setting eingebettet ist.
Du bist uns keine Rechenschaft schuldig, aber mir ist nicht klar, warum Du, obwohl es so vielfältige Möglichkeiten gibt- auch außerhalb der medikamentösen Therapie- offensichtlich der Meinung bist, dass außer Dir keiner Deinem Sohn wirklich helfen kann. Und Du solltest Dich dringend fragen, ob Dein Sohn es verstehen wird, wenn er Dich mit 20 evtl. mit argen Perspektivproblemen, fragt, weshalb ihm diese Mittel nicht zugute gekommen sind. So wie Du die Situation jetzt schilderst, KANN es gar keine wesentlichen Effekte geben. Das sollte aber kein Grund sein, die bestehende Therapie abzubrechen, sondern zusätzliche Angebote anzunehmen. Und ich bin mir sicher, Du fändest hier eine Menge Menschen, die Dir mit Rat und Tat zur Seite stehen würden.