Hallo Guido!
Bei meinem Zwerg mache ich mir ein paar Sorgen.
Er ist, gerade in letzter Zeit, super unkonzentriert und super
zappelig.
In der Schule kippt er schon mal mit dem Stuhl um, er hört oft
nicht zu und ist nur dann bei der Sache, wenn es ihn
„interesiert“.
Nur zum besseren Verständnis: war Dein Sohn immer ein unauffälliges Kind, íst im Kindergarten nie durch impulsive Aktionen oder Träumerei aufgefallen?
Gestern brachte er seine erste „fünf“ (er ist zwar erst in der
2. Klasse, aber Noten werden den Kids schon mal gesagt, damit
sie sich daran gewöhnen können) nach Hause, was ihn super
genervt hat, da bislang immer nur von „Einsern“ gesprochen
wurde.
Beim Durchsehen des Diktats (Lückentest) fiel mir auf, dass
eigentlich nur ein Wort „wirklich falsch“ geschrieben war. Der
Rest waren „Flüchtigkeitsfehler“ (vergessene Striche beim „ä“
und „ö“, krakelige Schrift, etc.).
Zweite Frage: wie ist seine Motorik sonst? Insbesondere die Feinmotorik? Feine Linien (aus)malen, exaktes Schneiden mit der Schere.
Ist beim Augenarzt geprüft worden, ob er möglicherweise einen Sehfehler hat?
Seine Lehrerin sagte uns schon beim Sprechtag, dass seine
Leistungen zwar klasse sind, er allerdings völlig
unorganisiert ist und oft auch störend zappelig ist.
Dem sollte man unbedingt Gewicht beimessen, denn Lehrer erleben unsere Kinder in einer gänzlich anderen Situation als wir zuhause.
Es sind noch zwischen 20 und 30 Kinder zusätzlich zum eigenen Kind in der Klasse, der Geräuschpegel ist sehr hoch, und obendrein wird noch eine Leistung verlangt.
Für manche Kinder strömen dann soviel Dinge über alle Sinne herein, dass sie sozusagen dicht machen…unaufmerksam werden…zappeln…stören.
Gestern haben wir ihn mal gefragt, warum er denn nicht einfach
mal still sitzt - Antwort: Ich kann das irgendwie nicht!
Jetzt mache ich mir langsam ernsthafte Sorgen!
Allerdings kann er - wenn er will - völlig konzentriert
stundenlang eher ruhig mit seinen Spielsachen spielen
(momentan Ritter von Playmobil und Schleich)!
Er verkriecht sich auch nicht selten in seine Kuschelhöhle um
dort für eine Std. oder so in einem Buch zu lesen. Auch kann
er ewig lange völlig konzentriert seine Hörspiele verfolgen.
wie ich oben sagte, es ist ein gewaltiger Unterschied zwischen zuhause und Schule. Freies Gestalten nach eigenen Wünschen oder aufgezwungenes Schreiben/Rechnen etc.sind einfach nicht miteinander vergleichbar.
Wir dachten jetzt an Autogenes Training für Kinder…
Wenn da jemand am Niederrhein ein gutes Institut kennt -
BITTE!
Bitte wundere Dich nicht, wenn Dein Sohn von dieser Idee nur mäßig begeistert ist. (Meine Erfahrung dahingehend bei unserem Sohn waren für mich sehr ernüchternd)
Er war immer ein recht aktives Kind, aber irgendwie fanden wir
das völlig normal. Nur halt im letzten halben Jahr wird es
„schlimm“…
Wer sinnvolle Hinweise hat: Bitte!
Meine Idee geht - ebenso wie der Tipp von Inselchen - dahin, dass man abklären sollte, ob möglicherweise ADS die Ursache für sein Verhalten ist.
Häufig fällt das erst in der Schule *gravierend* auf, weil zuvor noch so viel Freiraum im Leben war, dass die Kinder es gut kompensieren können.
Dass der Kinderarzt ein offenes Ohr für ADS hat ist gut, aber ich wehre mich gegen den Begriff „Mode-Diagnose“.
Nur weil der Informationsfluss besser geworden ist, mehr Menschen Kenntnis davon haben und sich damit auseinandersetzen, darf man m.E. nicht behaupten, dass es eine Mode sei.
Zudem gibt es sehr umfangreiche Tests (zugegeben, ein Ausschluss-Verfahren) die Aufschluss darüber geben, ob ADS in Frage kommt oder nicht.
Aus den vielen leidvollen Erfahrungen betroffener Familien mit Schulkindern in höheren Klassen möchte ich Euch raten, diesen Aspekt einfach abklären zu lassen.
Findet man dann eine andere Ursache, um so besser.
Wichtig ist nur, dass man dem Kind hilft, bevor es seinen Stempel weg hat.
Dieses „einmal Chaot - immer Chaot“ werden die Kinder meistens nicht wieder los, und sie werden auch zum Sündenbock gemacht.
Leider von Mitschülern ebenso oft wie von Lehrern.
Ein paar Tipps noch am Rande, die allen Schulkindern helfen können, und die wir erfolgreich erprobt haben:
Stundenplan farbig markieren.
Jedes Fach bekommt eine andere Farbe. (Deutsch rot, Mathe grün etc.)
Alle Bücher und Hefte eines Faches werden in derselben Farbe mit Umschlägen versehen.
Den Stundenplan so in die Küche hängen, dass man ihn gut im Blick hat.
Bei den Schularbeiten für einen freien Tisch sorgen, auf dem nur die Arbeitsmaterialien liegen.
Das Kind darf zuvor wählen, womit es anfangen möchte.
Es hat sich bewährt, mit einer leichten Aufgabe zu beginnen, damit es Erfolgserlebnisse gibt.
Evtl. einen Kurzzeitwecker stellen und regelmäßige, kurze Pausen während der Hausaufgaben machen. (Pieseln, Trampolin, Purzelbaum, Trinken, Toben)
Alle Hausaufgaben erledigen.
Dann kontrollieren, ggf. verbessern und - wichtig - das Kind loben, loben, loben.
Mit Blick auf den Stundenplan für den nächsten Tag die Schultasche packen. („Morgen hast Du was? Aha, rot, blau und grün, also pack die Sachen zusammen und in den Tornister“)
Federmäppchen mit dem Kind kontrollieren, Stifte anspitzen etc.
Alles Gute!
Angelika
P.S. FAQ 1236 gibt viele Infos zu ADS