Am Donnerstag wurde die Landessynode der Evang. Kirche in Berlin und Brandenburg eröffnet. In seiner Eingangsrede bezog sich Bischof Huber darauf, was Antijudaismus ist.
Wer den vollen Text lesen will, kann das unter den Informationen von http://www.ekibb.de tun.
Danach erfüllt Alex die für Antijudaismus zur Diskussion stehenden Kriterien.
Einen schönen Sonntag
Iris
hier nun die fraglichen Ausschnitte:
Die feierlich erklärte Absage an den Ungeist des Antisemitismus braucht ihre alltägliche Bekräftigung. Herabsetzendes Reden über andere darf nicht in stillschweigender Kumpanei hingenommen werden…
Bei der Absage an den Ungeist des Antisemitismus dürfen wir aber auch nicht vergessen und nicht unterschlagen, dass eine über lange Zeit herrschende Auslegung des christlichen Glaubens zu diesem Ungeist beigetragen hat. Das hat die Synode der EKD in der vergangenen Woche auf eine bemerkenswerte Weise zur Sprache gebracht. …
Jetzt, fünfzig Jahre später, haben wir in Braunschweig hinzugefügt: „Nicht nur durch ‚Unterlassen und Schweigen’ ist die Kirche schuldig geworden. Vielmehr ist sie durch die unheilvolle Tradition der Entfremdung und Feindschaft gegenüber den Jüdinnen und Juden hineinverflochten in die systematische Vernichtung des europäischen Judentums. Diese theologische Tradition hat nach 1945 Versuche zu einer Neubestimmung ihres Verhältnisses zum jüdischen Volk belastet und hinausgezögert.“
Zwar ist die unheilvolle Tradition des Antijudaismus nicht mit dem Antisemitismus gleichzusetzen. Der Glaubens-Antijudaismus, also die Verwerfung des Volkes Israel, des jüdischen Volkes, aus vermeintlichen Glaubensgründen ist nicht identisch mit dem Rassen-Antisemitismus, der von der behaupteten Überlegenheit der „arischen Rasse“ gegenüber der „semitischen Rasse“ der Juden ausgeht. Diese Unterscheidung im Bewusstsein zu behalten, ist deswegen so wichtig, weil wir auch unter uns, auch in unserer Kirche, nach wie vor durchaus einen Antijudaismus vorfinden, der es weit von sich weisen würde, als Rassen-Antisemitismus bezeichnet zu werden. Wir haben den Antijudaismus in uns selbst noch nicht dann überwunden, wenn wir davon überzeugt sind, wir hätten den Antisemitismus hinter uns gelassen.
Unsere Kirche hat mit dem neuen Vorspruch zu ihrer Grundordnung einen wichtigen Schritt in der Neubestimmung des Verhältnisses zwischen Kirche und Israel getan. Die Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg - so heißt es da - „erkennt und erinnert daran, dass Gottes Verheißung für sein Volk Israel gültig bleibt: Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. Sie weiß sich zur Anteilnahme am Weg des jüdischen Volkes verpflichtet. Sie bleibt im Hören auf Gottes Weisung und in der Hoffnung auf die Vollendung der Gottesherrschaft mit ihm verbunden.“ Die wichtigste Einsicht unserer Zeit zu diesem Thema besteht nach meiner Überzeugung darin, dass wir die bleibende Erwählung Israels nicht mehr nur als ein Element im Selbstverständnis des jüdischen Volkes ansehen; wir bejahen diese Erwählung vielmehr als einen Teil unseres christlichen Bekenntnisses zu dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, welcher der Vater Jesu Christi ist. Zu diesem Bekenntnis gehört dann aber auch die Einsicht, dass diese bleibende Erwählung - dieser „ungekündigte Bund“ Gottes mit seinem Volk - auch dem jüdischen Volk der Gegenwart in der Vielfalt seiner Gestalten gibt. Auch wenn die Zugehörigkeit zu diesem Volk durch Abstammung vermittelt und bestimmt wird, bedeutet dies dann aber zugleich, dass wir die Rede vom Volk Israel, vom jüdischen Volk, nicht biologisch, sondern theologisch verstehen, nämlich als Bezeichnung für Gottes erwähltes Bundesvolk…
Aber es bleibt nicht nur dabei, sondern muss erneut bekräftigt werden, dass es aus theologischen Gründen wie im Blick auf unsere Geschichte eine zielgerichtete Judenmission nicht geben kann. Judenmissionarische Initiativen auch in Gestalt „messianischer Gemeinden“ können sich auf unsere Kirche weder berufen noch stützen. Bis hin zur Vergabe von Räumen ist es mir wichtig, dass an dieser Stelle Klarheit besteht.
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