Ärzte die keine Hände zum Gruß schütteln

Hallo!

Ich war mir unklar wo ich dieses Thread am besten schreibe, unter Kultur oder in Medizin allgemein, aber es passt wohl doch besser zu Psychologie.

Mir ist aufgefallen, das einige Ärzte nicht die Hände der Patienten schütteln. Man bekommt als Entschuldigung zu hören „Ich bin erkältet, ich schüttele daher nicht Ihre Hand“ oder manchmal einfach nur ganz kalt „Ich gebe Ihnen nicht die Hand!“.

Was mit diesen Menschen los?
Sind sie selber krank?

Mein Vertrauen in solchen Ärzte geht sofort zu Bruch wenn sie einen solches Verhalten an den Tag legen.

Gruß
Paul

Hallo Paul,

spontan denke ich, dass Ärzte sehr viel Kontakt zu (kranken) Menschen haben - würden sie jeden unbehandschuhte Hand reichen, würden sie sich und ihre Patienten einen Bakterienaustausch aussetzen, der nicht im Verhältnis zur gesellschaftsüblichen Floskel steht. In vielen anderen Ländern ist es überhaupt nicht üblich sich überhaupt zur Begrüßung die Hand zu geben. Ein freundlicher Blick und ein freundliches „Hallo“ oder „Guten Tag“ sollte schon ausreichen.
Um was für Ärzte handelt es sich denn bei Deiner Beobachtung - sind es vielleicht Ärzte, die viele infektiöse Patienten haben wie z.B. Allgemeinmediziner, HNO oder Hautärzte?

Das war spontan. Und nochmal nachgedacht kann ich Deine Beobachtung nicht zustimmen - Kinderärzte, Zahnärzte, Allgemeinmediziner, ja wenn ich mehr darüber nachdenke sogar Ärzte aus der Notaufnahme haben die Hand gegeben.

Ich würde in Deiner Beobachtung einen klassischen Fall von selektiver Wahrnehmung vermuten.

Viele Grüße

Hallo,

also ich kann das auch gut verstehen, dass Ärzte nicht jedem Patienten die Hand schütteln, das ist doch wirklich ein Infektionsaustausch aller erster Güte.
Ich muss gestehen dass ich kranken Menschen auch nicht so gerne die Hand schüttel, aber ich tue es natürlich, wenn es sonst unhöflich wäre und ich glaube angesteckt habe ich mich damit auch noch nie mit irgendetwas…

Mir hat übrigens mal ein Arzt die Hand geschüttelt und griff gleich danach zum Desinfektionsspray um sich die Hände zu desinfizieren. Das hat mein Vertrauen viel eher erschüttert und es wäre mir viel lieber gewesen, wenn er mir die Hand nicht geschüttelt hätte. (Es war ein niedergelassener Internist und ich hatte definitiv keine ansteckende Krankheit, dass konnte er allerdings zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen, da er ja nicht wusste warum ich gekommen war.)

Ich habe daraufhin leicht amüsiert gelächelt und dies nahm er zum Anlass mir mehrere Minuten lang einen Vortrag über die Gefahr von Ansteckung durch Viren, die Vogelgrippe und Horrorszenarien von Virenübertragungen durch Klimaanlagen in Flugzeugen zu erzählen. Ich habe ihn dann nach einiger Zeit mit der Bemerkung unterbrochen, dass ich gar nicht wegen der Vogelgrippe gekommen wäre…

Bei diesem Arzt war ich nicht mehr besonders oft, obwohl es recht lustig war:wink:

Sorry für die lange off topic Geschichte, aber ich fand es passte gerade ganz gut.

Viele Grüße
Johanna

Hi,

ich bin froh, dass ich meinem Arzt nicht die Hand schütteln muss und wäre beunruhigt, wenn er sie mir hinhielte.
Weiss ich welchem grippekranken Menschen er gerade in den Hals geguckt hat, welchem Norovirusträger er vorher mit der Hand auf dem Bauch herumgetastet hat?
Nein, es dient meinem und seinem Schutz, unnötigen Körperkontakt zu vermeiden, und wenn dann nur mit Handschuhen

Grüße

Uwe

Hallo,

die Frage von Paul ist wirklich interessant.

Mein Hausarzt schüttelt mir immer die Hand und fragt erst dann, was mich zu ihm führt. Das kann eine heftige Erkältung sein, MagDa - beides ansteckend - oder ‚nur‘ wegen Sehnenscheidenentzündung.

Mein Orthopäde, bei dem ich seit ca. 4 Monaten wegen einem gebrochenen Gelenk regelmäßig in Behandlung sein muss, gibt mir zur Begrüßung oder Verabschiedung mal die Hand, mal nicht. Ich habe mir darüber ebenfalls schon Gedanken gemacht, komme aber zu keinem Ergebnis. An Zeitmangel seinerseits liegt es nicht. An Ansteckungsgefahr ebenfalls nicht (keine Untersuchung, nur Gespräch).

Ist meine Beobachung ebenfalls ‚selektiv‘? Ich denke nicht.

Grüße
Maralena

Hallo Maralena,

nein, in Deinem Fall denke ich nicht, dass es selektiv ist - Du hast ja auch nicht die Frage gestellt: „Warum alle Ärzte nicht die Hand reichen.“

Der Fragende hat es auf eine Berufsgruppe bezogen (Ärzte) und zwar alle (oder viele) und das sehe ich nicht so - Du ja auch nicht.

Da kenne ich ganz andere Berufsgruppen (z.B. Behörden) wo das eher zutreffen würde.

Viele Grüße

Hallo,

mittlerweile empfinde ich so ein Verhalten als verantwortungsvoll. Auch ich vermeide mittlerweile Händeschütteln, wenn ich selber erkältet bin oder merke, daß mein Gegenüber erkältet ist.
Und als Arzt hat man sicher viel Kontakt mit Keimen.

Gruß
Moriarty

…wie bitte???
oder

manchmal einfach nur ganz kalt „Ich gebe Ihnen nicht die
Hand!“.

einem arzt, der das zu mir sagen würde, würde ich -sofort!- erwiedern:

„das ist schlecht -und bedeutet: ich lasse mich nicht von ihnen behandeln.“

bedauernswerterweise haben ärztliche persönlichkeiten noch nie darüber nachgedacht, was im wort be-hand-lung steckt (hand-geben ist also minimum!) und wie wichtig ein persönliches angenommen werden und der este eindruck im kontakt für den patienten ist. abgesehen davon, dass in östlicher heilkunde (und auch in unserer alten tradierten westlichen) die hauttemperatur, die eigenart des händedrucks und der muskeltonus in der hand erste diagnostische informationen sind.

in der fliessbandmedizin von arztpraxen a lá „patient-erklätet-kurz-aspirin-aufschreiben-und-nach-4-min-raus“ kann es allerdings zu solchen begegnungen kommen.

Hallo,

das sind ganz normale Menschen, denke ich.

Persönlich mag ich es auch nicht, jedem die Hand zu geben, den ich nicht wirklich kenne. Wozu auch? Ein freundliches „Guten Tag“ ist doch auch ohne Patschhand völlig ok.

Ich halte es eher für bedenklich, dass Du - und andere Menschen - ein Problem daraus machen, wenn jemand nicht so auf den hautnahen Körperkontakt mit jedem steht.

Gruß
Demenzia

Hände zum Gruß schütteln =schadenstiftende Unsitte
Hallo Paul,

Denk mal über Folgendes nach:
Du musst Niesen oder Husten. Hälst du die spontan eine Hand vor den Mund? Welche Hand ist es?
nachdenk

Falls du, wie die Mehrheit ein Rechtshänder bist, wirst du die rechte Hand verwenden, die Gleiche, mit der du andere Menschen begrüßt.
Gehst du, nach dem du dir die Hand vor den Mund gehalten hast, oder dir die Nase geputzt hast, direkt auf die Toiletten und wäschst dir die Hände? Falls ja, gehörst du einer kleinen Minderheit an.

Das Händeschütteln ist ein wichtiger Übertragungsweg für eine Vielzahl von Infektionskrankheiten. Ganz oben stehen grippale Infekte oder Influenza.
http://www.chirurgie-portal.de/infektionen/noroviren…
Ein Zitat aus dem obigen Link: „Zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen gehören unter anderem das Tragen von Handschuhen und Schutzkitteln. Einfachste Strategie bei der Vermeidung einer Ansteckung ist sicherlich der Verzicht auf Händeschütteln.“

Nun muss man noch bedenken, dass die Gippe jährlich in unserem Land Tausende von Menschen umbringt. Im Winter 2002/2003 waren es 20.000 Menschen!
http://www.abendblatt.de/daten/2003/08/14/196600.html

Könnte man die Unsitte des Händeschüttelns abschaffen, könnte man nicht nur viele Erkrankungen vermeiden, sondern statistisch gesehen Hunderte oder Tausende von Menschenleben retten.
Hier ist übrigens eine nette Alternative:
http://www.20min.ch/news/wissen/story/16677657

Was mit diesen Menschen los?
Sind sie selber krank?

Nein, sie sind verantwortungsbewusst.

Mein Vertrauen in solchen Ärzte geht sofort zu Bruch wenn sie
einen solches Verhalten an den Tag legen.

Bei mir ist genau andersrum. Ärzte, die mir die Hand geben, zeigen einen Mangel an Kompetenz.

Wie sieht es nun mit dir aus? Wirst du dein Hygiene-Verhalten überdenken oder beleidigt weitermachen wie bisher?

Gruß
Carlos

der händedruck vermittelt auch vertrauen, angenommen zu werden.
kommunikation, und es ist ein wichtiger teil für die diagnostik. wie ich selbst schon mehrmalig gehört habe, von kassen und privat patienten- schauen einige ärzte nicht einmal d. patienten an bei der begrüßung, sie schauen unentwegt in den PC… bezüglich der angst „ich weiß nicht was der patient vor mir hat“,es gibt desinfektionsmittel. wenn ihr wüßtet was an jeder türklinke klebt oder an jeder lebensmittelverpackung usw. gruß konstanze

und der arzt geht das gleiche risiko ein, wo waren die patienten mit ihrer hand!
es geht doch um das arzt/ patienten verhältnis. und nicht darum, das wir allen menschen die hand geben (reichen) wollen, müssen usw.

Hallo Carlos,

Denk mal über Folgendes nach:
Du musst Niesen oder Husten. Hälst du die spontan eine Hand
vor den Mund? Welche Hand ist es?
nachdenk

darüber habe ich mir Gedanken gemacht. Aber wenn ich in meine Hand niese und dann fasse ich die Türklinke an und der Arzt berührt diese ebenfalls und hunderte von Patienten vor und nach ihm, welchen Schutz hat es ihm und mir geboten?

Außerdem atmen wir auch die selbe Luft ein.

Gruß
Paul

Hallo Paul,

Aber wenn ich in meine
Hand niese und dann fasse ich die Türklinke an und der Arzt
berührt diese ebenfalls und hunderte von Patienten vor und
nach ihm, welchen Schutz hat es ihm und mir geboten?

Das ist eine gute Frage. Es sind ja Hygiene-Fachleute, die auf die Problematik des Händeschüttelns aufmerksam machen. Von Türgriffen und Geländern ist dabei nie die Rede.
Die direkte Übertragung von Hand zu Hand ist deutlich risikoreicher, weil man sich bewusst oder unbewusst mit der Hand häufig an Mund, Nase und Augen anfasst. Ein Stück kaltes Metall dazwischen senkt die Übertragungsrate deutlich.
Ich habe mal in einem Artikel gelesen, dass sich die Infektionsrate halbieren ließe, wenn man entweder aufs Händeschütteln verzichten würde oder sich jedes mal die Hände sofort danach waschen würde. Inwieweit das fundiert ist, weiss ich nicht.

Irgendwie ist es ein wenig absurd. Niemand mit gesunden Verstand würde einen infektiösen Gegenstand mit der bloßen Hand anfassen und dann sich noch nicht mal die Hände waschen. Da gäbe es keine Diskussion
Auch die Hand eines anderen Menschen ist gelegentlich ein infektiöser Gegenstand. Was ist nun anders? (Abgesehen davon, dass sich Menschen häufig mit Händen und Füssen dagegen wehren ihr Verhalten zu ändern und dies auch versuchen mit mehr oder weniger stichhaltigen Argumenten zu begründen.)

Außerdem atmen wir auch die selbe Luft ein.

Das lässt sich kaum vermeiden und wie sieht es mit dem Händeschütteln aus?

Ich persönlich versuche mich meinem Mitmenschen gegenüber fair und Rücksichtsvoll zu verhalten. Ich huste und niese nicht in meine Hand, sondern wende meinen Kopf von anderen Menschen ab. Gegebenenfalls huste ich in meine Ellenbeuge oder in meine Jacke. Wenn ich mein Taschentuch verwende bemühe ich mich, baldmöglichst die Hände zu waschen.

Gruß
Carlos

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Hallo,

Ich war mir unklar wo ich dieses Thread am besten schreibe,
unter Kultur oder in Medizin allgemein, aber es passt wohl
doch besser zu Psychologie.

Meine Antwort würde wahrscheinlich besser unter Kultur passen :smile:

Mir ist aufgefallen, das einige Ärzte nicht die Hände der
Patienten schütteln.

Was mit diesen Menschen los?
Sind sie selber krank?

Mir ist der Zusammenhang zwischen „Händeschütteln“ und „krank“ noch nicht ganz klar.
Mal von der Hygienefrage abgesehen: Warum sollten sie auch jedem die Hand geben? Es wäre eine interessante Frage ob das Händeschütteln denn überhaupt für eine Begrüßung notwendig ist. Ich treffe täglich einen Haufen Leute, die ich zwar begrüße, denen ich aber nicht die Hand reiche. Vielleicht sollte das Händeschütteln hier eher im Rahmen der Vorstellung geschehen, wobei ich nicht weiß, ob man das wirklich jedes Mal als Arzt machen muss/sollte.

Mein Vertrauen in solchen Ärzte geht sofort zu Bruch wenn sie
einen solches Verhalten an den Tag legen.

Ich suche meine Ärzte nach anderen Kriterien aus, von meinen Lieblingsärzten geben einige die Hand, andere nicht.

Viele Grüße
Kati

Wie sieht es nun mit dir aus? Wirst du dein Hygiene-Verhalten
überdenken oder beleidigt weitermachen wie bisher?

Hi Carlos, ich muss ca. 20…30 Leuten am Tag die Hand geben.
Dabei weiß ich nicht, was sie vorher in der Hand hatten.

Meinst du nicht, dass die Konfrontation mit Erregern vielmehr die Abwehrkräfte stärkt, als ihnen bestätig aus dem Wege zu gehen?

Die letzte Grippe bzw. Erkältung hatte ich 1993 oder -94, so genau weiß ich das nicht mehr.

M

Hallo,

mal ungeachtet der eigentlichen Diskussion:

Meinst du nicht, dass die Konfrontation mit Erregern vielmehr
die Abwehrkräfte stärkt, als ihnen bestätig aus dem Wege zu
gehen?

Es geht ja nicht (nur) um die Gesundheit des Arztes, sondern die Bazillen/Viren, die er an kranke Menschen weitergibt.

Gruß
Elke

Hallo Chili,

nein, in Deinem Fall denke ich nicht, dass es selektiv ist -
Du hast ja auch nicht die Frage gestellt: „Warum alle Ärzte
nicht die Hand reichen.“

Der Fragende hat es auf eine Berufsgruppe bezogen (Ärzte) und
zwar alle (oder viele) und das sehe ich nicht so - Du ja auch
nicht.

Einige Ärzte, nicht alle, einige!

Gruß
Paul

Hallo Carlos,

Das ist eine gute Frage. Es sind ja Hygiene-Fachleute, die auf
die Problematik des Händeschüttelns aufmerksam machen.

Du meinst einige sehen sich als Vorbilder und wollen den Menschen beibringen das Händeschütteln abzuschaffen?

Ich persönlich versuche mich meinem Mitmenschen gegenüber fair
und Rücksichtsvoll zu verhalten. Ich huste und niese nicht in
meine Hand, sondern wende meinen Kopf von anderen Menschen ab.
Gegebenenfalls huste ich in meine Ellenbeuge oder in meine
Jacke. Wenn ich mein Taschentuch verwende bemühe ich mich,
baldmöglichst die Hände zu waschen.

Das gehört auch zum Standard-Repertoire des guten Benehmens! Gut so!

Mir ist mal was passiert: Da bohrt doch der Kerle tatsächlich in seiner Nase und holt auch reichlich … naja … gleich darauf hin wollte er mir die Hand reichen … warum?

Gruß
Pietro

Hallo Elke,

Es geht ja nicht (nur) um die Gesundheit des Arztes, sondern
die Bazillen/Viren, die er an kranke Menschen weitergibt.

Ist da allgemein gemeint, oder beziehst Du Dich darauf, daß Kranke sowieso schon ein geschwächtes Immunsystem haben (Ich meine, das ist ja aber auch von der Art der Erkrankung, die sie haben, abhängig)?

Ich persönlich gehe ja nicht gerade oft zum Arzt. Ich kann jetzt nicht mit Sicherheit sagen, ob mein Hausarzt den Patienten die Hände zum Gruß schüttelt. Aber ich glaube schon.

Viermal bin ich nach Überweisung beim Internisten gewesen. Der hat einmal gesagt, daß man ihm getrost die Hand geben kann, weil sie quasi keimfrei gemacht wurde. Ich weiß ja nicht, womit, vielleicht mit Chemie, oder mit einem Miniatur-Tschernobyl?

Jedenfalls wird er sich wohl gut die Hände waschen.

Gruß, Michael

Hallo Pietro

Du meinst einige sehen sich als Vorbilder und wollen den
Menschen beibringen das Händeschütteln abzuschaffen?

OK, du hast recht, das klingt zunächst mal recht abgehoben.
Aber warum nicht? Wenn ein Afroamerikaner US-Präsident werden kann, die CDU und Grünen gemeinsam koalieren können und Frauen wählen dürfen,…
Warum sollte es nicht eines Tages eine Entwicklung in Deutschland geben, dass das Händeschütteln nicht mehr die Standardbegrüßung sein wird.

Gruß
Carlos