Hallo Mathias,
schon beim Wort „Ärztestreik“ sträubt sich bei mir alles. Niedergelassene Ärzte sind Freiberufler, mithin Selbständige. Allgemein ist eines der wesentlichen Kennzeichen eines Selbständigen, mit seinem Kunden auch über Preise reden zu können. Kann der Kassenarzt aber nicht. Er hängt am Tropf der KV.
Selbständige streiken im allgemeinen nicht und falls doch, haben sie selbst Schuld. Man kommt schnell dahinter, daß Kassenärzte keine Angestellten sind, aber auch nicht so richtig selbständig. Dem Stand fehlt die saubere wirtschaftliche Grundlage. Da gibt es einerseits festgelegte Maximalbudgets, andererseits aber nicht die geringste Kontrolle dessen, was der Medicus an Dienstleistungen aufschreibt. Inzwischen ist das Entsetzen groß, daß Behandlungen von Toten abgerechnet wurden. Da waren eben einzelne Ärzte nur dümmer, als die Polizei erlaubt. So wie nach einem früheren Gassenhauer ein Hund an Bellverhaltung starb, weil er keine Jungfrau mehr fand, würde das arme Vieh krepieren, weil es keine ehrlich abrechnenden Ärte gibt. Dabei mag ich nicht einmal von Betrug reden. Wenn jemand eine offene Geldkassette an die Straße stellt und Passanten bedienen sich, würde man auch sagen, daß die Schuld beim Kassettenbesitzer liegt. Nicht einmal die Krankenkassen wissen, was und wofür für den einzelnen Versicherten abgerechnet wurde. Davor steht die KV. Damit ist das System darauf ausgelegt, die unbedingt erforderliche Transparenz mit allen Mitteln zu verhindern.
Die Versicherten haben zu zahlen, ohne zu wissen, wofür. Dafür dürfen sie das System nach Gutdünken und mit kost-nix-Mentalität in Anspuch nehmen, wie alle an diesem System Beteiligten nach Gutdünken und selbstverständlich unkontrolliert zulangen können. Damit fehlen dem Gesundheitssystem die elementaren Voraussetzungen für die Wirtschaftlichkeit. Die Kosten jedes beliebigen Wirtschaftssystems müssen zwangsläufig aus dem Ruder laufen, wenn derart systematisch die Transparenz in den Gliederungen verhindert wird.
Wenn angeblich selbständige Ärzte streiken, wirft das nur ein weiteres Schlaglicht auf die unklaren Verhältnisse. Aber Konsequenzen? Die einzig mögliche und sinnvolle Maßnahme ist nach meiner Ansicht das totale Umkrempeln des Gesundheitssystems mit einer Neuordnung nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Zunächst müssen alle verschleiernden Maßnahmen ersatzlos verschwinden. Der Patient muß in Cent und Euro wissen, was die konkrete Dienstleistung gekostet hat. Ob es dem Ärztestand nun paßt oder nicht, muß man zu echten Auftragsverhältnissen kommen. Der Arzt muß sich wie jeder andere Dienstleister von seinem Patienten bezahlen lassen und wenn Versicherungsleistungen in Anspruch genommen werden, muß der Patient per Unterschrift bestätigen, daß er die Leistung empfangen hat. Auch der Patient braucht einen Anreiz, sich wirtschaftlich vernünftig zu verhalten. Was auch immer man dabei einwenden mag, wird es nicht ohne Kostenbeteiligung funktionieren können.
Man mag diskutieren und streiten, ich halte die beschriebenen Maßnahmen für zwingend und alternativlos. Bevor Ideologen und Interessenvertreter diese Selbstgänger wirtschaftlichen Handelns nicht gefressen haben, braucht man sich über Veränderungen der Gebührenordnung nicht zu unterhalten.
Gruß
Wolfgang