Guten Nachmittag 
Ich versuche darzustellen, daß die Antwort darauf nicht
einfach ist. Unsere Vorstellungen von Recht sind nun einmal
andere als in anderen Ländern, deswegen sind weder unsere
zwangsläufig richtig noch deren zwangsläufig falsch.
Richtig, wie oft soll ich dir hier noch zustimmen ? 
war mir wohl irgendwie durchgegangen. Ich dachte mir
wahrscheinlich, daß Deine Texte für eine einfache Zustimmung
zu lang waren. 
*lach* naja, ich hatte deine Diskussionsanregung schon etwas grundlegender verstanden. Sie beginnt ja im Prinzip bei der Frage, was Recht eigentlich ist und woher eine bestimmte Vorstellung von Recht rührt.
Nein, gewiß nicht. Ich fand nur Anwars Frage interessant und
ich habe darauf keine Antwort. Ich bin einerseits der Ansicht,
daß die im Westen über hunderte von Jahren entwickelten Werte
- aus meiner Sicht - richtig sind. Ich bin weiterhin der
Ansicht, daß der Mittlere Osten nur noch so an die 400-500
Jahre brauchen wird, bis er zu den gleichen Werten kommt. (Wer
daraus folgern will, daß ich der Ansicht bin, daß der Mittlere
Osten/der Islam (um das mal unzulässigerweise in einen Topf zu
werfen) 400-500 Jahre hinter unserer Zivilisation zurück ist,
kann das machen und wird von mir keinen Protest hören.)
Ok, in einem Rechtssystem finden sich mit Sicherheit Wertvorstellungen desjenigen wieder, der dieses Rechtssystem schafft. Allerdings ist es ja nur in Demokratien so, dass das Rechtssystem quasi einen relativen breiten Wertekonsens innerhalb der Gesellschaft widerspiegelt, der aber im Grunde auch in dieser Gesellschaft ein Minimalkonsens ist. Selbst in unserer Gesellschaft finden sich ja Gruppen, die ein ganz anderes Wertesystem verfolgen, die aber augrund der demokratischen Strukturen und freiheitlichen Grundordnung unseres Staates nicht die Möglichkeit haben, sich durchzusetzen. Hätte beispielsweise der katholische Klerus in D die alleinige Macht, Gesetze entsprechend dem Wertesystem der katholischen Kirche zu erlassen und durchzusetzen, sähe unser Rechtssystem auch anders aus.
Nicht anders ist die Situation in vielen islamischen Ländern. Die Mehrheit der Bevölkerung ist dort von der Schaffung eines Rechtssystems aufgrund ihrer Wertvorstellungen ausgeschlossen. Statt dessen folgt das Rechtssystem den Vorstellungen bestimmter Gruppen, welche ihrerseits die Macht haben, sich durchzusetzen (seien das nun religiöse Mullahs oder Diktatoren wie Sadam Hussein). Das Problem, was du oben nennst, ist also in meinen Augen weniger ein Problem einer bestimmten Religion, sondern eher die Folge von Machtverhältnissen in einer Gesellschaft.
Andererseits kann man sich mal im Rahmen eines
Gedankenexperimentes auf die andere Seite stellen und dort die
gleiche Exportorientierung vertreten. Das gibt Ärger. Genauer:
Den Ärger haben wir, weil die Jungs da unten dummerweise
bereit dazu sind, für den Export ihrer Werte nicht nur sich
selbst sondern auch andere Menschen umzubringen (ganz im
Gegensatz zu den meisten Bewohnern der zivilisierten Welt,
deren Einsatz im Kampf für die westliche Kultur lediglich aus
Konsum und Tourismus besteht).
Hier offenbart sich doch im Grunde nichts anderes als die Tatsache, dass es zu Problemen und Auflehnung führt, wenn man anderen Menschen einen bestimmten Lebensstil und Wertekanon aufdrücken will, den diese nicht wollen. Ich würde nicht wissen willen, wie es hier aussähe, wenn die Menschen z.B. nicht die Freiheit hätten, Hamburger zu essen und Brittney Spear zu hören, sondern jeden Tag für ca. 2 Stunden dazu gezwungen würden 
Andererseits halte ich die Problematik der islamischen Millitanz für derart komplex, dass sie sich IHMO genau so wenig auf einen Nenner bringen lässt, wie die Problematik der westlichen Militanz. Man sollte schon genauer hinsehen, worum es da im Einzelnen geht, ob z.B. um Geld, Macht, Religion etc., und was von wem u.U. funktionalisiert wird.
Eine Frage, die sich m.E. daraus ergibt, ist, ob das ganze
Theater im Nahen und Mittleren Osten (und inzwischen auch in
Zentralasien und der Ex-UdSSR) die Auswirkung des
Exports unserer Werte/Kultur ist, oder ob wir ihn fortsetzen
sollten, evtl. mit massiveren Mitteln wie das die USA gerade
versuchen. Darauf könnte man mit Fug und Recht mit „sowohl als
auch antworten“, d.h. wir sind u.U. selber schuld, könnten
aber in der Hoffnung weitermachen, daß das irgendwann fruchtet
und alle glücklich und zufrieden nach den gleichen Werten
nebeneinander her leben. Das allerdings werden wir beide m.E.
wohl nicht mehr erleben.
Wie wärs denn mal mit andere Mitteln ? Wäre das Geld, das die USA bislang für den Krieg im Irak im wahresten Sinne des Wortes verballert haben an irakische und afghanische Familien verteilt und in Maßnahmen wie Gesundheitsvorsorge, Bildung, etc. investiert worden, gebe ich dir ziemliche Garantie dafür, dass die USA in den Ländern als Freund und Vorbild angesehen würden und der beliebteste Vorname für männliche Kinder Dabbeljuh wäre
Es ist doch ein Witz, dass der Grund, warum ausgerechnet die fundamentalistischen Islamisten soviel Zulauf erhalten, unter anderem auch darin liegt, dass sie häufig die einzigen sind, die in diesen Ländern noch eine Art „Sozialarbeit“ und Unterstüzung von Armen bieten.
Was also tun? Ich habe keine Antwort. M.E. haben wir ?da
unten? durch unsere (d.h. der Westen) massive Einmischung ?
beginnend mit der Gründung Israels und anschließend durch
offensichtliche und geheimdienstliche Manipulation fortgesetzt
? den Flächenbrand selbst in Gang gesetzt. Wir haben durch
unser Ölgeld die Agitation gegen den Westen und letztlich den
Terrorismus indirekt selbst finanziert. Alle Bemühungen, der
Konsequenzen Herr zu werden, führt nur zur Beschleunigung des
Schwungrades und ich sehe niemanden und keine Methode, der
bzw. die das verlangsamen könnte.
Meine Vorschlag wäre es, sich offiziell komplett aus diesen Ländern zurückzuziehen und das Geld statt für Militäroperationen lieber in Entwicklings- und Bildungsprojekte zu stecken. Wie wer schon sagte: Wessen Brot ich fress, dessen Lied ich sing, und erst kommt das Fressen, dann die Moral.
Insgesamt lautet also die nun nicht mehr theoretische Frage:
Lassen wir die da unten weiterwursteln, ignorieren
Menschenrechtsverletzungen, abweichende Wertvorstellungen und
verzichten auf so Albernheiten wie Demokratie und
Gleichberechtigung, haben dann aber unsere Ruhe oder aber
greifen wir weiterhin (mitunter auch mal völkerrechtswidrig ?
wie sinnig) ein, um die erlösenden aber unerwünschten
Heilsbringer zu spielen.
Eingreifen ja, aber nicht völkerrechtswidrig. IMHO könnten die meisten Kriegsherde der Welt schon dadurch stark entschärft werden, wenn die Industrienationen darauf verzichten, dorthin Waffen zu liefern. Auch im Irak hätte sich ein Krieg vermeiden lassen, und Saddam hätte dennoch gestürzt werden können. Allerdings hätten die USA dann auch nicht ihre Pfötchen auf den Ölquellen.
Ein Bruch von Völkerrecht und Menschenrechten kommt für mich nicht in Frage. Wie letztens hier mal jemand sagte: Wenn wir unsere Prinzipien wie Rechtsstaatlichkeit, Völkerrecht und Menschenrechte vegessen, wüsste ich nicht, was wir hier noch verteidigen sollten.
Sind wir also die Guten, die den Samen ewiger Glückseligkeit
ins Universum tragen sollten oder haben wir nur einen von
mehreren richtigen Standpunkten und sollten ihn da ausleben,
wo wir sind? Nebenbei bemerkt: Der erste und einzige
Demokratieversuch in einem islamischen land, ist ja nicht ganz
so gut ausgegangen (Algerien). Auch dies könnte uns zu denken
geben.
Nun ja, die ersten Demokratieversuchen in den ehemaligen Ostblockstaaten sind auch eher dürftig 
Gruß
Marion