Alles über Studiengebühren!

Hallo,

ich verfolge das Problem schon seit einigen Jahren. Ich bin ja (nennt man das die Gnade der späten Geburt) nicht davon betroffen gewesen.

Vor etwa 10 Jahren gab es eine regelrechte Hetzpropaganda gegen Studenten. Hier wurde der Bevölkerung - offensichtlich erfolgreich - eingetrichtert, Studenten seien faul und dumm. Ruhten sich auf der Uni aus während andere für sie arbeiten müssen.

Ich empfehle jedem, der diese Meinung hat, mal eine Vorlesung zu besuchen.

Der Gipfel damals war für mich, das jemand mir 36 Semestern Studium auf Langzeitstudenten rumhacken durfte (Direktor einer internationalen Forschungsanstalt und hoch renomierter Professor)

Der nächst Schritt wird das allgemeine Schulgeld sein.

Gruß

Peter

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Hallo Matze,

Ich
bin, das gebe ich offen zu seit Jahren darauf angewiesener
Nutzer unseres Sozialsystems

Ich auch.

und dafür bin ich auch sehr
dankbar, da ich genau weiss, dass das so in anderen Ländern so
nicht möglich wäre.

Dito.

Aber genau da liegt der Hase im Pfeffer.
Ich habe die Auswirkungen selber schon gespürt, im sozialen
Bereich wird immer mehr eingespart, Kinder- und Jugendheime
müssen schliessen; und nicht weil der Bedarf nicht da
ist-keinesfalls! (die Spanne zwischen arm und reich, und somit
die sozialen Brennpunkte werden immer stärker), sondern weil
überall eingespart wird, egal ob vernünftig oder nicht.

Richtig. Dass Einsparungen dringend notwendig sind, zeigt das staatliche Budget und darin sind sich dann auch alle einig. Nur, sobald es tatsächlich an Kürzungen geht, schreit die betroffene Gruppe (und Betroffene gibt es nun mal immer!) auf. Klar hat niemand das Interesse, weniger Geld zu bekommen. Aber so läuft das nun mal, unser Staat hat nicht unendlich viel Geld, er lebt auch so schon auf Pump.

Und an dieser Stelle frage ich mich: Wo sind Einsparungen sinnvoll? Ich begrüße das Streichen der Eigenheimzulage und die Ablehnung des vorzeitigen Atomkraftausstiegs. Aber das reicht alles nicht. Ich sehe heute schon ein großes Problem darin, dass Kindergärten teuer sind (im Übrigen für den Otto-Normalverbraucher teurer als 500 Euro für ein halbes Jahr!). In den Berliner Schulen müssen Eltern pro Kind und Schuljahr bis zu 100 Euro selbst für Lehrbücher bezahlen. Solche Tatsachen und Entwicklungen beobachte ich mit Sorge, zeigte uns doch die Pisa-Untersuchung auch so schon eine riesige Kluft zwischen Arm und Reich, ein riesiges soziales Gefälle auf. Nur, die Grundlagen für dieses Gefälle werden nicht erst im Studium gefällt, denn nur wenige Kinder aus sozial schwachen Familien schaffen überhaupt das Abitur, und das bei gleichen intellektuellen Voraussetzungen. Was diesen Kindern häufig fehlt, ist eine frühzeitige Förderung: Im Kindergarten, in der Grundschule. Förderung, die ihnen ihre Eltern häufig nicht geben können. DAS ist imho die dringendste staatliche Aufgabe im Moment. Schafft man es, das Kind frühzeitig zu fördern und zu motivieren, ihm zu helfen, die Schule mit dem Abitur abzuschließen und sich hohe Ziele zu setzen, so wird dieses Kind studieren, sofern es sich das in dem Moment leisten kann.

Und genau hier sehe ich einen der Knackpunkte: Für den Studenten darf sich während des Studiums finanziell nichts ändern (weiterhin Bafög, Studiengebühren erst bei Berufstätigkeit), damit sich weiterhin jeder das Studium leisten kann. Aber dann finde ich, dass der ehemalige Student durchaus dazu bereit sein sollte, die Alma-Mater, die ihn ausgebildet hat, finanziell zu unterstützen.

Daher entlockt mir der Begriff ‚sozialverträglich‘ auch nur
ein müdes Lächeln, wie das aussehen soll weiss doch eh keiner.

Richtig, es steht noch nicht fest, deshalb ist eine Diskussion darüber müßig.

Ausserdem sind die 500€ ja erst der Anfang,
Wirtschaftsexperten würden sie jetzt schon am liebsten
erhöhen, und wo der Anfang erst gemacht ist, da ist der
nächste Schritt auch nicht weit.

Richtig, denn 500 Euro sind ein Klacks für die Uni.

Außerdem werden die
Lebenshaltungskosten auch immer höher. Zudem (das traut sich
zwar noch niemand) könnte es auch passieren, dass das Bafög
bald auch gekürzt wird. (
http://www.faz.net/s/Rub61EAD5BEA1EE41CF8EC898B14B05…
)

Gegen eine Kürzung würde ich tatsächlich protestieren, denn es nützt niemandem, einerseits die Studiengänge zu straffen (Bachelor/Master) und andererseits die Studenten zur studienbegleitenden Arbeit zu zwingen und damit die Studienzeit wieder in die Länge zu ziehen.

Du kannst aber auch nicht
abstreiten, dass unter den Akademikern die Arbeitslosigkeit
geringer ist als unter Nicht-Studierten.

Geringer aber existent.

Existent ist sie immer und überall.

Imho ist das die Folge von kontraproduktiven
Studentenprotesten.

Glaubst du das juckt einen Politiker, wie protestiert wird?

Wenn die Studenten kompromisslos auftreten, sollten sie sich nicht wundern, dass Politiker ebenso reagieren. Nur - die letztliche Macht liegt bei den Politikern, nicht bei den Studenten.

Ich denke es liegt in der Sache eines Protests, dass nicht
sachlich argumentiert wird, sonst wär es ja wohl keiner?

Das sehe ich anders.

Ausserdem gibt es sehr viele die sich damit produktiv
auseinandersetzen, und auch nichts geändert haben. (AStA, AK
etc)

Produktiv ??? Die AStA ist doch die erste, der auf die Barrikaden geht!

Deutschland ist dafür bekannt sich mit seiner eigenen
Bürokratie unwirtschaftlich zu machen. (wie war das? zwei
drittel der weltweiten Steuerliteratur beschäftigen sich mit
dem deutschen Steuersystem?)

Hier stimme ich dir zu.

Ich bewundere deinen Optimismus.

-)

Grüße,
Anja

da ich ja auch zu den von dir genannten „blauäugigen
Verfechtern der Studiengebühren“ gehöre, muss ich an dieser
Stelle klarstellen, dass ich selbst auf das Bafög angewiesen
bin und ohne vermutlich nicht studieren könnte.

Umso unverständlicher Dein vehementes Eintreten für
Studiengebühren, Anja. Ich frage mich: Was bringt Dich
wirklich dazu?

Ein Blick auf die Wirtschaft und auf das universitäre Bildungsniveau anderer Länder.

Gruß,
Anja

Hallo Anja,

ist dir eigentlich aufgefallen, dass du mir in allen wesentlichen Punkten, die sich auf das „es ist dumm und unsinnig Studiengebühren einzuziehen“ beziehen zustimmst!

Wir haben nicht genug Steuereinnahmen. Nein, wir geben das Geld nur falsch aus. Wenn man den Geldfluß als einziges Steuerungsinstrument betrachtet, wird es nie reichen.

Wie gesagt, es ist nicht zu wenig, sondern es ist falsch eingesetzt. Wer in die Ausbildung investiert, investiert in die Zukunft. Aber dazu muss man auch etwas zum Investieren haben.

Ein Student an der Uni (unsere verdienen gut) hat bis zu 30.000 Euro Schulden am Ende seiner Studienzeit. Danach ist er nicht arbeitslos, schließlich hat er ja keine Lehre gemacht und damit auch nichts in die Arbeitslosenversicherung einbezahlt, sondern er ist Hartz 4 Empfänger. Immerhin eine Verbesserung. Vorher war er Sozialhilfeempfänger.
Rente hat er übrigens auch nicht einbezahlt. Wieviel Solidarität erwartest Du noch von einem Studenten.

Die gerne angeführten amerikanischen Unis bieten ein reichliches Stipendien und Job-Programm zur Studienfinanzierung an. Außerdem ist deren Verhältnis Prof zu Studi ganz anders als bei uns. Nein, es gibt bei uns keine Anzeichen, dass man die besseren Lehrbedingungen bei uns auch einführen will, lediglich die Gebühren sind noch lange nicht am Ende.

Gruß

Peter

Ergo. Am Anfang nach dem Studium ist das Leben nicht ganz so
üppig.

hi,

nur vorweg um nicht gleich in eine kiste gesteckt zu werden. ich bin auch bafög-empfänger, dazu bekomme ich noch kindergeld und das muss reichen. ich habe alles in allem soviel geld im monat wie manche komilitonen von zu hause überwiesen bekommen. insoweit bin ich „vergleichbar“. und nicht snob, schnösel oder träumer.

ich werde nach meinem studium höchstwahrscheinlich einen schuldenberg von ca. 10.000 € haben. ehrlich gesagt kein guter start ins leben. aber ich weiss, dass ich mindestens 15.000 - 20.000 € dazu noch vom staat bekommen habe, einen kostenfreien studienplatz obendrauf.

und dennoch pflichte ich anja bei: studiengebühren sind nicht dumm! ich sehe leider auch immer in meiner fakultät viele „null-bock“ studenten, die nicht lernen, mal in eine vorlesung gehen, dann mal wieder durchfallen, nochmal eine ehrenrunde drehen etc. davon gibt es leider immernoch viel zu viele.

zudem kann ich auch nur zustimmen, dass man studium / universität immer im vergleich sehen muss. denke ich an kindergärten (und in berlin gibt es noch viele) oder an grundschulen, wird mir schon schwummerig, denke ich an haupt oder realschulen wird mir schlecht.

für mich sollte lieber in die bildung und förderung der 2-18jährigen investiert werden. schon heute können sich eltern nicht auf das bildungssystem verlassen und müssen sich umfassend um die kleinen kümmern obwohl sie einen job ausfüllen sollen. da würde ich mir lieber eine förderung a la ganzstagsschule wünschen und dafür die studenten zahlen lassen. genauso müssten natuerlich auch die berufsausbilder sich kostenmäßig an den berufsschulen beteiligen. die berufsausbildung (ob berufsschule, fh oder uni) sollte zugunsten der allgemeinbildung nicht mehr kostenfrei möglich sein.

man muss das ganze ganzheitlich betrachten. also das GESAMTE system. hier wurde von jd. vorgebracht, deutschland denke nur an heute, nicht an morgen. und deshalb dürfen keine studiengebühren sein… nachgedacht?

gruss vom

showbee

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Das hast du schön ausgedrückt, ich stimme dir komplett zu!

Nein, weil sie im Gegensatz zu den Sozialpädagogen oder Kunstsudenten später einen richtigen Job haben, mit dem man über den Kleckerbetrag von 4000 € nicht nachzudenken braucht.

Aber was lese ich heute:
Studienanfänger Elektrotechnik -15%
Studienanfänger Maschinenbau -7%

Tja, da studiert man doch lieber Germanistik, auch wenn die Zukunftsaussichten nicht gerade prickelnd sind.

MfG

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Vor etwa 10 Jahren gab es eine regelrechte Hetzpropaganda
gegen Studenten. Hier wurde der Bevölkerung - offensichtlich
erfolgreich - eingetrichtert, Studenten seien faul und dumm.

Dumm nicht aber faul! Ich selbst bin die Faulheit in Person und bin gerade im 5/7 Semester. In den Vorlesungen sind maximal 50% der Studenten anwesend. Auf Partys sind sie aber alle da.
Das wird die absolut lockerste Zeit in meinem Leben. Jeder den ich frage meint, dass das Studium wohl die größte Eierschaukelzeit seines Lebens war.

Ruhten sich auf der Uni aus während andere für sie arbeiten
müssen.

Oder gehen erst gar nicht hin. So wie ich. Trotzdem gute Noten!

Ich empfehle jedem, der diese Meinung hat, mal eine Vorlesung
zu besuchen.

Ich geh ab und zu. Schlafe aber fast immer ein. Das ist kein Witz. Das Studium ist ohne Probleme von jedem Depp zu schaffen. Mein kleiner Bruder studiert Elektrotechnik, was meiner Meinung nach sauschwer ist.
In den Vorlesungen siehst du den nie, lernen tut er genau wie ich nur vor den Prüfungen.
Bei uns gibt es auch ein paar Freaks die meinen das Studium sei schwer, was aber definitiv nicht der Fall ist (wenn man vom rausprüfen am Anfang mal absieht).

Sorry, so ist es halt!

Tja, da studiert man doch lieber Germanistik, auch wenn die
Zukunftsaussichten nicht gerade prickelnd sind.

Vielleicht sollte man ja auch ein wenig danach gehen, was einem liegt. Talent und Neigung sollten nicht zu kurz kommen.
Natürlich ist der wirtschaftliche Aspekt wichtig, aber dennoch.
Gruß,
Branden

Hallo Tobi,

in DEINER Welt der Elektromonteure und Maschinenbauer möchte aber keiner leben. Kultur ist ein sehr wertvolles Gut, das uns abhanden zu kommen droht.

Neid ist kein guter Ratgeber. 4000 Euro wollen verdient sein. Mein Gehalt - bis knapp unter 40 - lag unterhalb dessen, was man bei ALDI an der Kasse bekommt. Ich hatte mir durchaus überlegt dorthin zu gehen.

Gruß

Peter

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Tobi,

schön, dass dir da sStudium leicht fällt.

Einigen meiner Mitstudenten ist es auch sehr leicht gefallen. Die einen haben in der Prüfung gemerkt, dass sie sich geirrt hatten. Das sind in der Regel die, die lieber feiern als in der Vorlesung sitzen. Oder die, die den 3. Nebenjob haben.

Andere, denen es leicht fällt, machen einfach mehr. An der Uni werden unmengen an tollen Vorlesungen angeboten. Schau da doch mal rein.

Manche Vorlesungen sind langweilig, manche einfach nur schlecht, die wenigsten aber unnötig. Wenn man die Übungen kann, hat man sich irgendwo das Vorlesungswissen besorgt. Das ist auch ok.

Gruß

Peter

Hallo.

Vor etwa 10 Jahren gab es eine regelrechte Hetzpropaganda
gegen Studenten. Hier wurde der Bevölkerung - offensichtlich
erfolgreich - eingetrichtert, Studenten seien faul und dumm.

…klingt nach B*** Zeitung. Aber egal.

Ruhten sich auf der Uni aus während andere für sie arbeiten
müssen.

Oder gehen erst gar nicht hin. So wie ich. Trotzdem gute
Noten!

Was natürlich nichts taugen wird, wenn der Absolvent an den
Anforderungen der jeweiligen Marktsituation vorbei ausgebildet wird.
Will sagen: es hängt -speziell hierzulande- von der Hochschule ab, wie weit man mit dieser Einstellung kommt.

Ich geh ab und zu. Schlafe aber fast immer ein. Das ist kein
Witz. Das Studium ist ohne Probleme von jedem Depp zu
schaffen. Mein kleiner Bruder studiert Elektrotechnik, was
meiner Meinung nach sauschwer ist.

Mathelastig, aber (deswegen) schwer … ? Kommt drauf an :wink:
Wie oben schon angedeutet: woher der Lehrstoff stammt ist eigentlich egal. Wichtiger wird im Arbeitsleben das Können (und Kennen) des Kandidaten sein…

mfg M.L.

Mein Gehalt - bis knapp unter 40 - lag unterhalb dessen, was
man bei ALDI an der Kasse bekommt. Ich hatte mir durchaus
überlegt dorthin zu gehen.

Der Job bei Aldi ist zwar das letzte, verglichen mit der Qualifikation die man dafür braucht ist er aber gut bezahlt. Meint zumindest eine Bekannte die auf dem Finanzamt arbeitet und das Einkommen der Angestellten von Aldi kennt.

MfG

Hallo Peter!

in DEINER Welt der :Elektromonteure und :Maschinenbauer möchte
aber keiner leben.

Das nehme ich Dir nicht ab! Die Bücher in Deinen Regalen konntest Du Dir nur leisten, weil sie aufgrund einer Menge Technik zu erschwinglichen Preisen herstellbar sind und wenn Du selbst ein Buch schreibst, ist es nur deshalb einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, weil ein gewaltiger technischer Apparat, der erdacht und in allen Details manchmal über 100 Jahre vervollkommnet wurde, zur Verfügung steht. Ohne Technik würdest Du gerade eben aus dem Bretterverschlag hinter Deiner Hütte kommen, in der Du Holz gehackt hast, um nicht zu erfieren. Wir kommunizieren über Technik, wie bewegen uns mit den Ergebnissen der Ingenieurwissenschaften und auch das, was mancherorts mit Tunnelblick unter Kultur verstanden wird, ist ohne Technik nicht darstellbar.
Die Ingenieurwissenschaften sind wesentlicher Bestandteil unserer Kultur. Erst durch die Pflege dieses Kulturbestandteils werden wir in die Lage versetzt, uns auch anderen kulturellen Betätigungen zu widmen. Letztlich ist alles von den Geisteswissenschaften bis zur Naturwissenschaft untrennbar miteinander verwoben.

Wenn wir über die religiöse Schöpfungsgeschichte und die Newtonsche Physik hinaus gehen, kommen wir ohne weiteres an Grenzen unseres Denkens, bei der uns auch die Einsteinsche Gedankenwelt nur in einem winzigen Bruchstück als Denkmodell weiterhilft. Solche Grenzen menschlichen Denkens können wieder in die Religiösität führen. Wer sich mit Naturwissenschaften und Technik beschäftigt, kommt, wenn er nicht zum nützlichen Idioten werden will, an Gedanken über wirtschaftliche Zusammenhänge und Technikfolgen nicht vorbei. Solche Aspekte berühren von Ethik bis Soziologie alle möglichen Felder. So hat jedes Wissensgebiet seinen derzeitigen Stand nur im Kontext aller anderen Gebiete und erst alles zusammen bildet unsere Kultur.

Eine ganze Szene hält allein ihr Tun für Kultur und schmückt sich doch nur mit kultivierter Unkenntnis, wie der Strom in die Steckdose kommt. Die Geringschätzung von Natur- und Ingenieurwissenschaften ist oft nur Ausdruck engstirnig blasierter Dummheit. Wir können uns solche Abgrenzungen nicht leisten.

Um auf das Thema zurück zu kommen: Nur rund 14% der berufstätigen Bevölkerung verfügt über einen Hochschulabschluß. Dieses Siebentel verteilt sich auf alle Sparten von Archäologie bis Zahnmedizin. Nur ein kleiner Teil davon entfällt auf die Natur- und Ingenieurwissenschaften. Über die Ursachen dieses Effektes dachten schon viele Leute nach. Ich sehe 2 Ursachen: Der Aufwand für ein Nawi-Studium ist vergleichsweise hoch, sowohl zeitlich als auch hinsichtlich Arbeitsbelastung. Außerdem gelten diese Studien- und Berufsfelder gemeinhin als irgendwie nicht akademisch genug. Das mag geschichtliche Gründe haben, denn früher wurden Leute, die etwas auf sich hielten, entweder Juristen, Theologen oder Offiziere, während andere Studiengebiete sehr nahe an der Arbeitswelt des gemeinen Volkes lagen. Das hat sich geringfügig gewandelt, heute werden einige Gebiete zur Kultur gezählt und andere nicht. Fatal error!

Gruß
Wolfgang

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Hallo,

Das nehme ich Dir nicht ab! Die Bücher in Deinen Regalen
konntest Du Dir nur leisten, weil sie aufgrund einer Menge
Technik zu erschwinglichen Preisen herstellbar sind und wenn
Du selbst ein Buch schreibst, ist es nur deshalb einem
breiteren Publikum zugänglich zu machen, weil ein gewaltiger
technischer Apparat, der erdacht und in allen Details manchmal
über 100 Jahre vervollkommnet wurde, zur Verfügung steht.

Das ist vollkommen richtig. Allerdings wäre auch die Massenproduktion von Bücher und die Entwicklung von entsprechender Technik unnötig, wenn keiner Bücher schreiben würde, die von einem breiten Publikum gelesen werden. Nicht umsonst sind die meisten Fachbücher teuer…

Kultur und Technik gehören zusammen und brauchen einander. Warum sollte irgendwer etwas Neues entwickeln, wenn es keiner braucht oder will? Genauso wie Technik Kultur verändert, kann auch Kultur einen großen Einfluss auf technische Entwicklung haben.
Darum ging es aber auch gar nicht. Tobi’s Antwort klang sehr nach „Alle sollten doch lieber E-Technik und sowas studieren, statt den unnützen Geisteswissenschaften“. Derartige Überheblichkeit ist sowohl bei Geisteswissenschaftlern als auch bei Naturwissenschaftlern unangebracht. Ich bilde mir ja auch nicht ein, den Job von Medizinern, Biologen, Ingenieuren oder dergleichen besser machen zu können. Gleichzeitig möchte ich aber auch nicht, dass meine Studium runtergemacht und mein Fach als einfaches Laberfach ohne Zukunftschancen abgestempelt wird.
Die wenigsten Leute haben wirklich den Überblick, um über ein Studium urteilen zu können, das sie nie gemacht haben.

Soweit ich weiß, wirst du in NRW welche zahlen müssen. Studiere aber selbst in Hessen, bin mir also nicht ganz sicher.

Dafür spricht eigentlich gar nichts. Überhaupt habe ich schon zu verstehen bekommen, dass viele Profs von der idee nicht angetan sind. Wer dir erzählt, dass es unbedingt notwendig ist, glaubt wahrscheinlich desöfteren, dass es anderen besser geht und irgendwer was geschenkt bekommt.

Hallo,

Derartige

Überheblichkeit ist sowohl bei Geisteswissenschaftlern als
auch bei Naturwissenschaftlern unangebracht. Ich bilde mir ja
auch nicht ein, den Job von Medizinern, Biologen, Ingenieuren
oder dergleichen besser machen zu können. Gleichzeitig möchte
ich aber auch nicht, dass meine Studium runtergemacht und mein
Fach als einfaches Laberfach ohne Zukunftschancen abgestempelt
wird.
Die wenigsten Leute haben wirklich den Überblick, um über ein
Studium urteilen zu können, das sie nie gemacht haben.

Ich stimme überein und denke, dass alle Fächer schwer sind, wenn sie ordentlich betrieben werden. Ich denke dennoch, dass wir mehr Naturwissenschaftler/Ingenieure/Mathematiker/Mediziner brauchen und nict so viele Geistes- und Rechtswissenschaftler. Aber nicht etwa, weil die Leute schlecht oder dumm wären, sondern weil die Nachfrage z.B. nach so vielen Geschichtswissenschaftlern nicht existiert.
Deshalb bin ich persönlich der Meinung, man müsse dahin steuern, dass die Leute etwas studieren, womit sie später auch was machen können. Wenn weniger (bzw. relativ gesehen weniger) Geisteswissenschaftler studieren, dann finden die Übrigen auch leichter einen Job.

Zurück zu den Studiengebühren:

Dass liegt auch im Interesse des Staates, denn Bildung ist in Wirklichkeit eine Investition, die der Staat tätigt, um danach Wertschöpfung zu erzeugen und Steuern einzunehmen. Insofern ist es das natürliche Interesse des Staates, dass er wirtschaftlich sinnvolle Proportionen zwischen den Studentenzahlen anstrebt.

VG, Stefan

Hallo Wolfgang

Die Geringschätzung von Natur- und
Ingenieurwissenschaften ist oft nur Ausdruck engstirnig
blasierter Dummheit.

Da unterstellst Du ihm etwas. Er sagte lediglich, dass er in der WELT DER ELEKTROMONTEURE UND MASCHINENBAUER nicht leben will. Gegen Naturwissenschaften sagte er nichts - und wird sie auch nicht gering schätzen, wenn ich ihn recht verstehe.
Gruß,
Branden

Hallo

Ich stimme überein und denke, dass alle Fächer schwer sind,
wenn sie ordentlich betrieben werden. Ich denke dennoch, dass
wir mehr
Naturwissenschaftler/Ingenieure/Mathematiker/Mediziner
brauchen und nict so viele Geistes- und Rechtswissenschaftler.

Ich denke, liegt zum großen Teil auch daran, dass z. B. Maschinenbau nie (oder so gut wie nie?) von Frauen studiert wird, obwohl es bestimmt eine ganze Menge Frauen gibt, die das gut könnten. Die studieren dann zur Not noch Architektur, obwohl es doch bestimmt genug Architekten gibt.

Ich finde das sehr schade. Ich bin für Frauen in den Maschinenbau.

Viele Grüße
Thea

Moin Anja,

Imho ist das die Folge von kontraproduktiven
Studentenprotesten. Anstatt Kompromisse herauszuarbeiten und
Forderungen im Zusammenhang mit den Studiengebühren zu
stellen, gehen die Studenten auf die Barrikaden und zeigen
sich absolut nicht verhandlungsbereit. Dadurch waren sie an
der Ausgestaltung der Studiengebührenverordnungen gar nicht
beteiligt, sie haben sich sozusagen selbst mundtot gemacht.
Schade.

Weia, was glaubst Du, was Landespolitiker von Vorschlägen von Studenten halten?!
Ich habe mehrere Jahre intensiv als Studentnvertreter gearbeitet. Sehr viele, auch konstruktive, Vorschläge gehen den Damen und Herren des Ministeriums so was von am Arsch vorbei, daß es nur so scheppert.
Wenn irgend eine Möglichkeit des Sparens gesehen wird, wird sie ergriffen.
In NW sieht man es mal wieder schön. Da werden Versprechen einige Wochen nach der Wahl schlicht vergessen und um die Wette gespart.
Die Pädagogenverbände, vor der Wahl der CDU voll zugetan, sind mittlerweile tief enttäuscht, weil Gelder massiv angezogen werden.

Studiengebühren hätten vielleicht dann einen Sinn, wenn die Universitäten als privat wirtschaftende, autarke Institutionen auftreten könnten.
Dann müßte aber auch ein System der Stipendien, wie es in GB und den USA existiert, eingerichtet werden.
Dort sind Firmen, staatliche Stellen und Verbände, die Gelder für Studierende zur Verfügung stellen, damit sie studieren können.
So etwas gibt es in D kaum, zumindestens noch nicht.
Allerdings scheint die Bereitschaft der Wirtschaft, Gelder für solche Fonds locker zu machen eher gering zu sein, schließlich halten sie sich, trotz Wehklagen über Facharbeitermangel, auch bei der Ausbildung derselben arg zurück.

Momentan sind Studiengebühren in D ein Mittel, um den Staat zu entlasten und die Studierenden zu belasten, ohne daß irgend ein Vorteil für sie herauskommt.

–> keine Qualitätsverbesserung, mehr Bürokratie, höhere
Belastung für die Studenten.

Ja, klar, wenn das SO durchgezogen wird. Aber in anderen
Ländern gibt es gute Beispiele, denn die Betreuungsqualität
ist in England und Amerika wesentlich besser als in
Deutschland. Und die wird dort über Studiengebühren
finanziert.

Fall USA:
Dort gibt es einige wenige sehr gute Unis, die auch sehr viel Geld verlangen. Dann gibt es einige noch recht gute, meist Staatsunis und dann gibt es viele unsäglich schlechte Unis, die man in keiner Weise mit deutschen unis vergleichen kann.
Ich habe Kollegen, die an diesen Feldwalundwiesenunis studiert haben und ich behaupte jetzt, daß fast alle unsere Laboranten besser ausgebildet sind als diese Damen und Herren.
Darüber wird eher weniger berichtet, weil es nicht ins Konzept passt, aber Zahlsysteme erzeugen sicher eine dünne Eliteschicht, aber auch eine Menge Bodensatz.

Zudem ist die deutsche Hochschullandschaft, weltweit betrachtet, gar nicht mal so schlecht. Deutsche Postdocs z.B. werden fast überall mit Kusshand genommen, auch in den Eliteunis der USA. Wären sie gar so schlecht ausgebildet, wäre das wohl kaum der Fall.
Max Plank- und Fraunhofgesellschaft zählen zu den Spitzeneinrichtungen weltweit.

Wir müssen uns nicht verstecken, auch ohne Studiengebühren

Gandalf