Hallo Matze,
Ich
bin, das gebe ich offen zu seit Jahren darauf angewiesener
Nutzer unseres Sozialsystems
Ich auch.
und dafür bin ich auch sehr
dankbar, da ich genau weiss, dass das so in anderen Ländern so
nicht möglich wäre.
Dito.
Aber genau da liegt der Hase im Pfeffer.
Ich habe die Auswirkungen selber schon gespürt, im sozialen
Bereich wird immer mehr eingespart, Kinder- und Jugendheime
müssen schliessen; und nicht weil der Bedarf nicht da
ist-keinesfalls! (die Spanne zwischen arm und reich, und somit
die sozialen Brennpunkte werden immer stärker), sondern weil
überall eingespart wird, egal ob vernünftig oder nicht.
Richtig. Dass Einsparungen dringend notwendig sind, zeigt das staatliche Budget und darin sind sich dann auch alle einig. Nur, sobald es tatsächlich an Kürzungen geht, schreit die betroffene Gruppe (und Betroffene gibt es nun mal immer!) auf. Klar hat niemand das Interesse, weniger Geld zu bekommen. Aber so läuft das nun mal, unser Staat hat nicht unendlich viel Geld, er lebt auch so schon auf Pump.
Und an dieser Stelle frage ich mich: Wo sind Einsparungen sinnvoll? Ich begrüße das Streichen der Eigenheimzulage und die Ablehnung des vorzeitigen Atomkraftausstiegs. Aber das reicht alles nicht. Ich sehe heute schon ein großes Problem darin, dass Kindergärten teuer sind (im Übrigen für den Otto-Normalverbraucher teurer als 500 Euro für ein halbes Jahr!). In den Berliner Schulen müssen Eltern pro Kind und Schuljahr bis zu 100 Euro selbst für Lehrbücher bezahlen. Solche Tatsachen und Entwicklungen beobachte ich mit Sorge, zeigte uns doch die Pisa-Untersuchung auch so schon eine riesige Kluft zwischen Arm und Reich, ein riesiges soziales Gefälle auf. Nur, die Grundlagen für dieses Gefälle werden nicht erst im Studium gefällt, denn nur wenige Kinder aus sozial schwachen Familien schaffen überhaupt das Abitur, und das bei gleichen intellektuellen Voraussetzungen. Was diesen Kindern häufig fehlt, ist eine frühzeitige Förderung: Im Kindergarten, in der Grundschule. Förderung, die ihnen ihre Eltern häufig nicht geben können. DAS ist imho die dringendste staatliche Aufgabe im Moment. Schafft man es, das Kind frühzeitig zu fördern und zu motivieren, ihm zu helfen, die Schule mit dem Abitur abzuschließen und sich hohe Ziele zu setzen, so wird dieses Kind studieren, sofern es sich das in dem Moment leisten kann.
Und genau hier sehe ich einen der Knackpunkte: Für den Studenten darf sich während des Studiums finanziell nichts ändern (weiterhin Bafög, Studiengebühren erst bei Berufstätigkeit), damit sich weiterhin jeder das Studium leisten kann. Aber dann finde ich, dass der ehemalige Student durchaus dazu bereit sein sollte, die Alma-Mater, die ihn ausgebildet hat, finanziell zu unterstützen.
Daher entlockt mir der Begriff ‚sozialverträglich‘ auch nur
ein müdes Lächeln, wie das aussehen soll weiss doch eh keiner.
Richtig, es steht noch nicht fest, deshalb ist eine Diskussion darüber müßig.
Ausserdem sind die 500€ ja erst der Anfang,
Wirtschaftsexperten würden sie jetzt schon am liebsten
erhöhen, und wo der Anfang erst gemacht ist, da ist der
nächste Schritt auch nicht weit.
Richtig, denn 500 Euro sind ein Klacks für die Uni.
Außerdem werden die
Lebenshaltungskosten auch immer höher. Zudem (das traut sich
zwar noch niemand) könnte es auch passieren, dass das Bafög
bald auch gekürzt wird. (
http://www.faz.net/s/Rub61EAD5BEA1EE41CF8EC898B14B05…
)
Gegen eine Kürzung würde ich tatsächlich protestieren, denn es nützt niemandem, einerseits die Studiengänge zu straffen (Bachelor/Master) und andererseits die Studenten zur studienbegleitenden Arbeit zu zwingen und damit die Studienzeit wieder in die Länge zu ziehen.
Du kannst aber auch nicht
abstreiten, dass unter den Akademikern die Arbeitslosigkeit
geringer ist als unter Nicht-Studierten.
Geringer aber existent.
Existent ist sie immer und überall.
Imho ist das die Folge von kontraproduktiven
Studentenprotesten.
Glaubst du das juckt einen Politiker, wie protestiert wird?
Wenn die Studenten kompromisslos auftreten, sollten sie sich nicht wundern, dass Politiker ebenso reagieren. Nur - die letztliche Macht liegt bei den Politikern, nicht bei den Studenten.
Ich denke es liegt in der Sache eines Protests, dass nicht
sachlich argumentiert wird, sonst wär es ja wohl keiner?
Das sehe ich anders.
Ausserdem gibt es sehr viele die sich damit produktiv
auseinandersetzen, und auch nichts geändert haben. (AStA, AK
etc)
Produktiv ??? Die AStA ist doch die erste, der auf die Barrikaden geht!
Deutschland ist dafür bekannt sich mit seiner eigenen
Bürokratie unwirtschaftlich zu machen. (wie war das? zwei
drittel der weltweiten Steuerliteratur beschäftigen sich mit
dem deutschen Steuersystem?)
Hier stimme ich dir zu.
Ich bewundere deinen Optimismus.
-)
Grüße,
Anja