Ich bin seit Kurzem Student und habe ein Problem. Es gibt eine wöchentliche Vorlesung bei einem ganz bestimmten Professor, die trotz eigentlich interessanter Themen wöchentlich für den großen Kampf gegen das kollektive Einschlafen sorgt.
Es ist phenomenal welch großen Einfluss diese Vortragsweise auf alle im Hörsaal anwesenden Personen hat.
Ich habe heute mal, um meine Wahrnehmung dieser Vorlesung zu verändern und um mir den Kampf zu ersparen, einen Energydrink zu mir genommen (Capri Sonne Big Energy) mit viel Coffein, Taurin, Guarana. Ich war überhaupt nicht müde, eher etwas aufgedreht im Anschluss.
Und was ich mitbekommen habe waren nur Leute um mich herum mit halb offenen Augen, abgestützten Köpfen, gähnend und gegen den Schlaf ankämpfend.
Sicherlich kann es eigentlich keine Lösung sein, das immer so zu machen, aber was gibt es für Möglichkeiten etwas vom Stoff mitzubekommen, wenn der Sandmann persönlich vor einem steht? Wieso reagiert der Körper so praktisch unabhängig vom Grad der Ausgangsmüdigkeit?
Man könnte darüber streiten ob diese Frage vielleicht off topic ist, aber ich finde eigentlich passt sie ganz gut hierher…
Hallo,
mein Beleid - so einen brillianten Redner hatte ich auch
während der Studienzeit, zudem um 8 Uhr morgens. An sich
gab es nur die Möglichkeit der Vorlesung beizuwohnen und
den restlichen Tag zu verschlafen oder sie durch längeres
Schlafen zu umgehen. Ich entschied mich schnell für letzteres.
Deine Frage warum Müdigkeit und Gähnen anzustecken scheint,
wurde glaube ich im Psycho Forum schon mal beantwortet.
Der Artikel
Vielleicht hilft Dir, das Phänomen einmal aus einer anderen Perspektive zu sehen: Was geschieht mit mir, wenn dieser Herr meine Müdigkeit auslösen kann? Welche Vorbedingungen gibt es nicht nur bei ihm, sondern auch bei mir?
Wer fällt mir noch dazu ein, welche Situation vielleicht?
Und weil Du die Gruppe ansprichst: Gibt es etwa die Möglichkeit, dass ein gruppendynamisches Phänomen vorliegt, wodurch sich die (kollektive) Müdigkeit herleiten, wenn schon nicht sogleich erklären lässt?
Ein Beispiel aus meiner Praxis: Ich bin genau zwei Mal bei KlientInnen eingeschlafen. Das lag nicht an den - zugegeben: zum x-ten Mal wiederholten - Inhalten, sondern war meine ganz individuelle Reaktion, diese Konflikte nicht mehr an mich heran zu lassen - sprich: sie mir nicht neuerlich übertragen zu lassen.
Daran haben wir gearbeitet, und siehe da: nach Klärung war ich nicht mehr schläfrig. Es hat dem Gegenüber Klärung der eigenen grundlegenden Konfliktsituation gebracht und mich der psychosomatischen Notwendigkeit enthoben, symbolträchtig wegzudösen.
Bevor Ihr nun hingeht und den Vortragenden auf seine persönlichen Konflikte anredet ) - Sprich’s einfach mal bei Dir privat an.
Viel Spaß.
V.
nun ist es aber so, dass dieser Prof alles Wissenswerte als sehr ausführliches Script vor jeder Vorlesung austeilt und das was er an die Tafel schreibt sind nur unendlich langatmige Beispiele, so extrem ausführlich, dass ich nicht sehr motiviert bin das alles mit abzuschreiben…
Irgendwie suche ich noch eine Lösung. Die Zeit muss sich ja auch irgendwie effektiver nutzen lassen…
ich habe den Artikel gelesen und in sich ist es ja auch schlüssig. Ich weiß nur nicht ob es so ganz auf diese Situation übertragbar ist.
Danach wäre der Prof selbst jemand der in seiner Art Müdigkeit ausstrahlt und den Effekt auf die ganze Gruppe überträgt (was ja auch so ist) aber warum schläft er dabei dann selbst nicht ein?
Vielleicht so eine Art zufälliges Zusammentreffen der Art seines Vortragens mit den natürlichen Prozessen die noch immer Kontrolle über die Menschen übernehmen…
Gruß
Michael
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Danach wäre der Prof selbst jemand der in seiner Art Müdigkeit
ausstrahlt und den Effekt auf die ganze Gruppe überträgt (was
ja auch so ist) aber warum schläft er dabei dann selbst nicht
ein?
Nicht unbedingt. Ein hinreichend großer Anteil der Zuhörer
wird durch seinen Vortragsstil müde - der Rest „synchroniert“
sich. Zudem ist der Vortragende aktiv und angespannt. Selbst
unter ungünstigen Randbindungen (s.u.) sollte sich bei ihm
während der Vorlesung keine Müdigkeit einstellen.
Für die Zuhörer kommt spielt neben allg. Umwelteinflüssen
(z.B. geringe Beleuchtung im Winter, mehr Melatonin, größere
Trägheit) evtl. die Uhrzeit (Vorlesung morgens, vielleicht ist
er von Natur aus Frühaufsteher, im Gegensatz der meisten
Zuhörer) oder mangelnder Sauerstoffgehalt im Vorlesungssaal
eine Rolle.
Gruss
Enno
PS: Guarana (koffeinhaltig, z.B. in Drogerie) ist m.M. der
beste moderate Wachmacher (Wirkung/Bekömmlichkeit).
Das Koffein ist langsamer verfügbar als beim Kaffee und
entfaltet dadurch über längere Zeit sein Wirkung.
ich habe gerade nochmal meine Postings durchgesehen und bin auf Deine Antwort gestossen.
also wenn vorher ein gutes Script ausgeteilt wird: warum gehst du dann überhuapt zur vorlesung, wenn Dir auch die Beispiele nix bringen?
ich habe es dann eher so gemacht, dass ich mir in dieser Zeit viel lieber ausführlich das Script zugeführt habe. vielleicht noch mit Kommilitonen drüber gesprochen. so kann man auch ganz gut lernen!