Hallo,
gibt es die Möglichkeit von Arbeitnehmerseite aus die Instalation eines Betriebsrates zu verhindern, wenn nur wenige AN einen Betriebsrat wollen ?
Zur Erklärung:
Wir haben superflache Hierarchien (max. 2 Ebenen, davon eine „nur“ Fachvorgesetzter), ein gutes Betriebsklima und eigentlich keinen BR nötig. Zusätzlich besteht der Verdacht, dass einer der Initatoren zur Gründung eines BR, das Ganze mißbrauchen möchte, um ein schwebendes Kündigungsverfahren zu seinen Gunsten zu beiflussen. Und nur weil einer seine Kündigung nicht akzeptieren will, sollte man nicht so einen einschneidenden Schritt wie einen Betriebsrat gründen machen.
Zwei weitere Fragen noch:
Kann ein Betriebsrat wieder aufgelöst werden und wenn ja wie ?
Kann man nach der Einladung zur Betriebsversammlung Zwecks Gründung eines BR das Ganze noch abblasen, also die Gründung nicht durchführen (z.B. durch Mehrheitsentscheidung auf der Versammlung) ? Auch noch nach Bildung des Wahlausschusses aber vor der Wahl der BR-Mitglieder ?
Anmerkung: Das deshalb, weil einige Mitarbeiter das Gefühl haben von dem anwesenden Gewerkschaftler nicht richtig informiert worden zu sein.
Danke
Arne
Hallo Arne,
für den Fall, dass die Antwort von Michael richtig ist, möchte ich Dir noch paar Gedanken zukommen lassen.
Wenn es nicht mehr zu verhindern ist, dann sollte es die Mehrheit mitgestalten. Soll heissen, die gewählten BR-Mitglieder bestimmen, was der Betriebsrat macht bzw. nicht macht. Und auch das Verhalten/Auftreten des BR wird durch die Mitglieder bestimmt. Also sammelt die Leute, die nicht auf Kampf mit dem AG aus sind, macht eine Liste mit Kanditaten, wenn ihr die Mehrheit seid, wird sich gegenüber früher de facto nix ändern.
Tschuess Marco.
Hallo Arne,
ein Betriebsrat ist doch grundsätzlich keine schlechte Einrichtung, die es zu verhindern gilt. Sofern der BR kein Instrument verstaubter Klassenkampf-Ideen ist, sondern als Ansprechpartner für die Beschäftigten und bei Meinungsverschiedenheiten als Interessenvertreter der Mitarbeiter, aber auch als Vermittler zwischen Mitarbeitern und AG fungiert, wird ein BR im Interesse aller Beteiligten liegen, sogar im Interesse des AG. Wenn der BR nicht nur auf von außen eingeflötete tumbe Ideologie hört, sondern im Betriebsinteresse arbeitet, solltet Ihr Euch über so eine Initiative freuen. Der Betriebsrat ist Eure Vertetung und kein ferngesteuerter Gewerkschaftsarm!
Auch für den Arbeitgeber ist das Leben einfacher, wenn es einen Betriebsrat als Ansprechpartner gibt. Dem Chef wird es z. B. lieber sein, einem Betriebsrat mit Durchblick gegenüber zu sitzen, als irgendwelche Maßnahmen jedem einzelnen Mitarbeiter verklickern zu müssen, wobei vom BR abgesegnete Dinge allgemein auf größere Akzeptanz stoßen als von oben angeordnete Maßnahmen. Wählt also fähige und geistig bewegliche Kollegen in den BR.
Die Hoffnung, daß ein BR etwas gegen berechtigt ausgesprochene Kündigungen unternimmt, ist irrig. Und unberechtigte Kündigungen haben spätestens vor dem Arbeitsgericht keinen Bestand. Wenn Ihr eine Pfeife wählt, die alles nachplappert, was von Gewerkschaften kommt, aber nicht auf Eure betriebliche Situation paßt, habt Ihr selbst Schuld. Aber auch nicht alles, was von Gewerkschaften kommt, ist automatisch falsch.
Gruß
Wolfgang