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Hallo!
Bei Marx steht:
"Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes.
Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist." (Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, Einleitung, 1844)
Bei Lenin:
„Denjenigen, der sein Leben lang arbeitet und Not leidet, lehrt die Religion Demut und Langmut hienieden und vertröstet ihn mit der Hoffnung auf himmlischen Lohn. Diejenigen aber, die von fremder Arbeit leben, lehrt die Religion Wohltätigkeit hienieden, womit sie ihnen eine recht billige Rechtfertigung ihres ganzen Ausbeuterdaseins anbietet und Eintrittskarten für die himmlische Seligkeit zu erschwinglichen Preisen verkauft. Die Religion ist das Opium des Volks. Die Religion ist eine Art geistigen Fusels, in dem die Sklaven des Kapitals ihr Menschenantlitz und ihre Ansprüche auf ein halbwegs menschenwürdiges Leben ersäufen.“ ( Sozialismus und Religion, 1905)
Die richtige Übersetzung lautet:
„Wer sein Leben lang schafft und darbt, den lehrt die Religion Demut und Geduld im irdischen Leben und vertröstet ihn auf den himmlischen Lohn. Wer aber von fremder Hände Arbeit lebt, den lehrt die Religion Wohltätigkeit hienieden; sie bietet ihm eine wohlfeile Rechtfertigung für sein Ausbeuterdasein und verkauft zu billigen Preisen Eintrittskarten zur himmlischen Seligkeit. Die Religion ist das Opium für das Volk. Die Religion ist eine Art geistigen Fusels, in dem die Sklaven des Kapitals ihr Menschenantlitz, ihren Anspruch auf ein auch nur halbwegs menschenwürdiges Dasein ersäufen.“ (http://home.rhein-zeitung.de/~rdober/relkrit/soziali…)
Wie wir sehen, ist die deutsche Übersetzung nicht ganz korrekt, da im Original tatsächlich das Wörtchen „für“ steht.
Übrigens noch vor Marx wurde dieser Ausdruck mehrfach verwendet, das berühmteste Beispiel stammt von Heine:
" Für Menschen, denen die Erde nichts mehr bietet,
ward der Himmel erfunden… Heil dieser Erfindung!
Heil einer Religion, die dem leidenden Menschenge-
schlecht in den bittern Kelch einige süße,
einschläfernde Tropfen goß, geistiges Opium, einige
Tropfen Liebe, Hoffnung und Glauben!" (http://www.heinrich-heine.net/boerne/boerned4.htm)
Interessant in dem Zusammenhang ist der Artikel
http://www.rosalux.de/cms/fileadmin/rls_uploads/pdfs…
In kurzer Form hat A. Theis dies Thema behandelt:
„Bereits vor Marx ist von anderen Dichtern und Denkern die betäubende Wirkung der Religion beschrieben worden (z.B. P.Th. v. Holbach: „Die Religion ist die Kunst, die Menschen mit Enthusiasmus zu berauschen“, 1761; Bruno Bauer: „opiumartiger Einfluß“ der Religion, 1841; Heinrich Heine: „Opium ist auch eine Religion […] Es ist mehr Verwandtschaft zwischen Opium und Religion, als sich die Menschen träumen lassen“, 1840). Bei Lenin wird Religion dann zu „Opium für das Volk“, das von den Herrschenden bewusst verabreicht wird. Zitiert und zusammengefasst nach: H. Gollwitzer: Die marxistische Religionskritik und der christliche Glaube, Tübingen 1970, 23-28.“ (http://www.zum.de/Faecher/kR/Saar/gym/projekt/rel_kr…)
Viel wichtiger ist der Unterschied in dem Verständnis des privaten Charakters der Religionsausübung. Das eine wurde verkündet, das andere ausgeübt, leider.
Gruß