die Mission - bei Markus und Johannes
Hi Iris,
vorab: Zu deiner Frage nach der Urspünglichkeit der zitierten Passage siehe unten …
In der mir vorliegenden Übersetzung von Mk 16, 15-16 heißt es:
„Dann sagte er zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und verkündigt
die frohe Botschaft der ganzen Menschheit. Wer gläubig
geworden ist und getauft ist, wird gerettet werden. Wer aber
nicht gläubig wurde, wird verurteilt werden“.
Die genauere Übersetzung müßte so lauten:
„… Hinausgegangen in die ganze Welt verkündet die Frohbotschaft der gesamten Schöpfung! (pasä tä ktisei)…“. Das andere ist wortwörtlich richtig wiedergegeben.
Der Zusammenhang dieser Szene (Markus 16.15.15) ist für die Deutung wichtig: Jesus macht den Schülern Vorwürfe, weil sie denen, die ihn als Lebenden (bei Markus „als Auferstandenen“, genauer: „als Erwachten“) gesehen haben, nicht glaubten, und zwar, daß er lebt.
Beim Begriff „Glauben“ an dieser Stelle geht es also um das Glauben, daß er auferstanden sei, bzw. daß er lebend sei. Das ist nicht dasselbe wie das Glauben, um das es im vorherigen Teil des Textes geht: Dort geht es nämlich um das Glauben, daß er der „Moschiach“, resp. der „Sohn Gottes“ sei. Der Autor des Johannes-Evangeliums, dem es vielmehr um die Bezeichnung „Gesandter Gottes“ geht, hat für diese spezielle Form des Glaubens den Ausdruck „Glauben in ihn“ geprägt.
Deutlicher wird die von dir zitierte Passage, wenn man Markus vergleicht mit Johannes: Beide stellen eine starke Beziehung zwischen Jesus und Johannes dem Täufer her. Der Täufer tauft - im Wasser - „zur Vergebung der Sünden“ und weist zugleich auf einen „Nach-ihm Kommenden“ hin, der größer sei als er. Dieser taufe ebenfalls, aber nicht mit Wasser, sondern mit „heiligem Geist“.
Markus hält aber - dem Wortlaut nach - fest an dem Ritual des Taufens: So läßt sich ja auch Jesus taufen vom Täufer, was im Johannes-Text nicht der Fall ist. Entsprechend hat Markus in dem von dir zitierten Missionsauftrag auch das Taufen neben dem Gläubigwerden miterwähnt. Diejenigen, die die Botschaft gehört haben und dennoch nicht glauben (genau wie vor der zitierten Stelle die Schüler Jesu selbst!), werden nach Markus „ver“-urteilt (katakrinein), was einer Verdammung gleichkommt.
Bei Johannes aber lautet dieselbe Stelle anders (20.21). Er stellt den Auftrag an die Schüler in eine Analogie zu seinem eigenen Auftrag: „So, wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“. Dann haucht er sie an mit den Worten „Empfangt den heiligen Geist!“ und die Bedeutung dessen wird sogleich mitgeliefert (sie war allerdings auch schon aus dem enorm wichtigen Kap 17. klar): „Wenn ihr irgendwem die Verfehlungen aufhebt, dem sind sie aufgehoben; wenn ihr sie irgendwem festhaltet, sind sie festgehalten“.
Bei Johannes lautet die alternative nicht, wie bei Markus, „Rettung“ oder „Verdammung“, sondern „Ewiges Leben“ oder „Gericht“ (krisis). Und Gericht heißt bei Johannes nicht bereits „Verdammung“.
Damit ist die „Mission“ bzw der Auftrag, den Jesus nach seinen Worten selbst hat, an die Schüler weitergegeben, und der besteht (hier nach der Darstellung des Joh.) allein darin, Sünden zu vergeben (was nur die angeht, die auch die Botschaft gehört haben) und (nach Joh. 17., wo der Auftrag bereits formuliert wird) „einander zu lieben“.
Weder bei Markus noch bei Johannes besteht der Auftrag jedoch darin, Menschen, die diesen Glauben an den göttlichen Auftrag nicht übernehmen (und damit auch nicht den Glauben, daß Jesus „auferstanden“ sei), zu erschlagen, zu ersäufen oder zu verbrennen. Und es steht auch nicht darin, daß die Verbreitung der Botschaft mit der Zerstörung der den Völkern eigenen Kulten verbunden sei.
Nur halt betont Markus die (wahrscheinlich vom Wüstenprediger übernommene) Taufe. Aber wichtig ist - und danach fragtest du ja - daß gesichert ist, daß alle Passagen, die im Markustext nach Kap. 16.8(!) kommen, erst im 2. Jhdt. hinzugefügt wurden. Und in dieser Zeit war das (Wasser-)Taufritual wohl bereits in den meisten Gemeinden in den Kultus aufgenommen.
Es ist zu vermuten, daß das bei den Gemeinden, die mit dem Autor des Johannes-Textes zusammenhängen, nicht der Fall war (weil unnötig).
Gruß
Metapher