Hallo,
- Mir ist aufgefallen daß der Ton der auf den (Public)Servern
herrscht in den letzten Jahren immer agressiver und
niveauloser geworden ist. Seht ihr das ähnlich?
ich spiele ja kein CS (nicht mehr - früher mal kurz getestet, aber nie online), aber bei anderen Spielen ist das ähnlich.
- Das Einstiegs-Alter der Spieler ist meiner Meinung nach
doch ziemlich gesunken. Man kann es immer recht gut hören wenn
die (teilweise vor-)pubertierenden Kiddies anfangen andere
Spieler zu beschimpfen. Ähnliche Beobachtungen?
Natürlich. Ich führe das darauf zurück, dass diverse Leute ganz einfach nicht verlieren können. Das mag auch damit zusammenhängen, dass an ein Computerspiel natürlich mit der Erwartungshaltung herangegangen wird, dass es einem eine Herausforderung bietet, einen aber trotzdem gewinnen lässt. Sobald du aber ein Spiel gegen andere Menschen spielst, ist das nicht mehr garantiert.
- Glaubt irgendwer daß ein verbot solcher Spiele tatsächlich
das Austicken von psychisch gestörten Jugendlichen verhindern
könnte? Meiner Meinung nach wäre das nur eine Alibi-Aktion, da
es immer noch die Möglichkeit gibt sich die Software aus dem
Ausland zu beschaffen.
Glaubst du dass irgendeiner dieser allwissenden Ü-50-Politiker, die sich so vehement in dieses Thema reinsteigern (pro oder kontra, egal) überhaupt irgendeine Ahnung haben, wovon sie reden? Ich meine, ich bin nun wirklich keineswegs alt, und ich habe große Probleme, Kinder zu verstehen, die nur fünf oder sechs Jahre jünger sind als ich. Für jemanden, der nicht mit sowas aufgewachsen ist, ist ein Computerspiel ein genauso großes Rätsel wie für einen Neandertaler ein Auto, nur dass beim letzteren die Wahrscheinlichkeit, dass er das, was er sieht, zu verstehen glaubt, geringer ist.
Davon abgesehen, wie du schon sagst: Wer ein Spiel will, der kriegt es auch. Legal aus dem Ausland, ganz einfach von unter der Ladentheke dank des großen Bruders (der das natürlich auch gerne mal spielt) oder schlicht illegal.
Man sollte sich mal eines vor Augen führen: Wie viele Ego-Shooter-Kopien werden gespielt? Das sind Milliarden, sogar wenn man bedenkt, dass nicht jeder nur einen Titel hat. Wenn diese Spiele wirklich so gefährlich wären, wie die Ach-so-wissenden behaupten, dann würden mehr Amokläufe stattfinden, oder? Und jetzt sag mir nicht, das wäre, weil man hierzulande so schwer an Schusswaffen rankommt, da gibts auch Messer und Brecheisen und die kann man unauffällig in jedem Baumarkt kaufen.
Autos werden ja auch nicht indiziert, nur weil gelegentlich mal jemand überrollt wird. Und an Autos sterben nun wirklich mehr Menschen als an Amokläufern.
- Was haltet ihr davon daß ein Computer-Spiel an den Pranger
gestellt wird und im Fernsehen MITTAGS von geistig
unterprivilegierten über sexuelle Konflikte und Gewalt
debattiert wird und Nachmittags bereits die ersten Krimis
laufen in denen dann auch immer eine schön blutige Leiche (mit
etwas Glück sogar in Teilen) zu sehen ist?
Zuzusehen ist nicht das gleiche, wie selbst zu agieren. Aber im Prinzip hast du Recht. Mich stören nur weniger die Leichen, sondern vielmehr das wunderbare Niveau, das einem da im Talk präsentiert wird.
- Glaubt ihr es könnte etwas bringen wenn in den Schulen eine
Schuluniform eingeführt würde und Schüler sich nachmittags an
mindestens einem Gemeinschaftsprojekt beteiligen müßten?
Nein, solche Ideen sind absolut schwachsinnig. Wenn man es mit normalen, halbwegs gut erzogenen, geistig gefestigten und einigermaßen gebildeten Schülern zu tun hat, können die spielen was sie wollen, ohne dass sie sich gleich eine Pistole kaufen und jemanden erschießen. Hänseleien bezüglich der Kleidung der Mitschüler passieren da auch nicht. Und diese ständige erzwungene Freizeitbefüllung bei Jugendlichen geht mir auch auf den Keks. Ein Kind braucht auch Zeit für sich, wenn man Kinder ständig irgendwo hinschickt, dann werden sie krank und gefährlich/gefährdet.
Wenn man es natürlich mit anderen als den beschriebenen Kindern zu tun hat, dann ist seitens der Eltern vorher schon ein Fehler passiert, denn deren Aufgabe wäre es gewesen, für Benehmen, Werte und auch ein gewisses Maß an Vorbildung zu sorgen. Bei den Eltern liegt meiner Meinung nach auch das Hauptproblem in der Killerspieldebatte, denn auch die Medienkontrolle obliegt den Eltern. Mir ist klar, dass hierfür gleich Kritik kommt, von wegen unmöglich und so. Mit ist klar, dass das nicht einfach ist. Aber seinen Nachwuchs den ganzen Tag zu außerschulischen Pflichtaktivitäten, in den Sportverein, zur Ganztagsschule oder in den Hort zu schicken ist eben auch keine Lösung.
- Haltet ihr den Amoklauf für ein Resultat der psychischen
Beeinflussung durch EGO-Shooter oder für ein
gesellschaftliches Problem das vor Allem durch die von Politik
und Wirtschaft geschaffene Perspektivlosigkeit, den Mangel an
integrationsfördernder Freizeitbeschäftigungen und nicht
zuletzt das (anscheinend) ohne Verstand zusammengestellte
Fernsehprogramm?
Die Politik hat damit nichts zu tun denke ich, und wenn Perspektivlosigkeit ein guter Grund fürs Amoklaufen wäre, hätten wir mehr solche Fälle. Dass der durchschnittliche Amokläufer vom Fernsehen inspiriert wurde ist auch höchst unglaubwürdig, denn immerhin sitzt so jemand doch den ganzen Tag alleine im abgedunkelten Zimmer, poliert seine Waffen, baut Bomben oder erfreut sich an der tollen neuen roten Wandbemalung im Lieblingsshooter, nicht wahr?
Wenn es so weit kommt, dann treffen im Vorfeld viele Ursachen aufeinander, nicht zuletzt auch eine psychische Veranlagung zu solchen Aktionen. Diese ganze Aktion dann auf eine einzelne Sache zurückzuführen zu wollen (seien es nun „Killerspiele“ oder Einsamkeit) ist töricht.
mfg
MB