An Engl-Muttersprachler od mit ähnlichen Kenntniss

Hallo Experten!

Vorab: Bitte nicht sauer sein wg. der Titel. Mir geht es diesmal nicht um eine Übersetzung (dafür habe ich ja Wörterbücher) sondern was man zwischen den Zeilen versteht, wenn man Englisch mit einem Muttersprachler spricht. Also vielen herzlichen Dank!

Es geht um das Verb „to cheat“, betrügen.

Situation:
In der letzten Zeit rede ich öfters mit einem Menschen, dessen Muttersprache Englisch ist. Auf menschliche Ebene verstehen wir uns blendend. Da dieser Mensch auch Deutsch kann, reden wir abwechselnd beide Sprachen *hihihihihi*. Aus diesem Grunde ist es eigentlich gar nicht soooooooooooooooooo schlimm, wenn das Wort andere, zusätzliche Nebenbedeutung hätte.

Aber:

Wie wäre es wenn ich dieses Wort bei jemand verwende, die mich nicht (so gut) kennt?
Wie hört sich dieses Wort in den Ohren eines Muttersprachlers an?
Ist das sehr, sehr böse oder beleidigend?
Ich meine, jemand „cheater“ zu titulieren ist gewiß kein Lobeshymne, aber…

Bei uns in Spanien, wenn ich sage zB. „Carlos hat Herrn Rodríguez betrogen“, je nachdem k ö nnte man das als eine Art „schlau sein“ oder „fuchsig“ auffassen -und das keineswegs beleidigend sein (Würde dann davon abhängen, wie beliebt der Herr Rodriguez halt ist).

So, meine Frage in Kurz:

Wie schlimm ist das Wort „to cheat“?
Wie wird das aufgefaßt?
Muß immer und zwangsläufig beleidigend angenommen werden?

Vielen herzlichen Dank für Eure Antworten.

Schöne Grüße aus Nürnberg,
Helena

Hallo Helena,

Wie schlimm ist das Wort „to cheat“?
Wie wird das aufgefaßt?
Muß immer und zwangsläufig beleidigend angenommen werden?

„Cheat“ heißt nicht jemanden überlisten, sondern richtig betrügen, im Sinne von unsittlich oder regelwidrig. Das kann man auch daran sehen, dass z.B. „eine Affäre haben“ (während man in einer Beziehung ist) auch „to cheat on smb.“ heißt. „Überlisten“ wäre eher „outsmart“, „outwit“ oder ähnliches. Im Deutschen ist dass auch so: „Betrügen“ hat schon einen sehr negativen Charakter.

Grüße,

Anwar

Hallo,

„to cheat“ heißt „betrügen“ (z.B. „to cheat on your husband“) oder auch „schummeln“ („cheating at cards“). Es ist also je nachdem ein größerer oder kleinerer Betrug. Positiv im Sinne von „schlauer Fuchs“ ist es eigentlich nie.

Deine Frage war sehr wortreich, aber es fehlte völlig der Kontext, in dem das Wort in Deinem Beispiel verwendet wird. Damit kann es leider keine weiteren Analysen geben.

Gruß,

Myriam

Quatsch
Hi Anwar

Es kommt auf den Kontext an.

Gruß
Siân
(Muttersprachlerin)

Hallo, Siân,

wie ist das mit rascal (z. B. „That Bob, he’s quite a rascal“)? Wird das Wort auch in rein negativer Bedeutung (Schuft, Lump) gebraucht, oder klingt da immer das „Schlitzohr“ mit?

Und in welchem Zusammenhang würde man die Begriffe trickster und chisel(l)er verwenden?

Gruß
Kreszenz

Hi,

er kann’s ja nochmal probieren.
Denn merke:
If at first you don’t succeed,
try, try again cheat.

Cheers
Elke

Darf ich auch, Kreszenz?

wie ist das mit rascal (z. B. „That Bob, he’s quite a
rascal“)? Wird das Wort auch in rein negativer
Bedeutung (Schuft, Lump) gebraucht, oder klingt da immer das
„Schlitzohr“ mit?

Rascal ist immer auch ein Schlitzohr. Ich würde es eigentlich
nur für junge Menschen benutzen.

Und in welchem Zusammenhang würde man die Begriffe
trickster und chisel(l)er verwenden?

Bei letzterem bin ich mir auch nicht sicher.
„Trickster“ kenne ich vor allem aus den afrikanischen
Märchen und Sagen - der Hase ist der „Trickster“ (du kennst
doch sicher auch Brer Rabbit aus den amerikanischen Märchen,
das ist das Enkelkind vom afrikanischen Hasen). Er ist
ein Schlitzohr, aber er hat durchaus auch Böses im Sinn,
oder sagen wir so: er spielt seine Tricks gegen Menschen
ohne Rücksicht auf deren Gefühle aus. Manchmal ist es
ganz witzig, aber es kann für die Betroffenen durchaus
unangenehm und böse ausgehen. Genau mit diesen Eigenschaften
ist er mir auch außerhalb der Fabelwelt begegnet.

Gruß
Elke

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Darf ich auch, Kreszenz?

Aber gern doch :wink:

Rascal ist immer auch ein Schlitzohr. Ich würde es eigentlich
nur für junge Menschen benutzen.

„Trickster“ kenne ich vor allem aus den afrikanischen
Märchen und Sagen - der Hase ist der „Trickster“ (du kennst
doch sicher auch Brer Rabbit aus den amerikanischen Märchen,
das ist das Enkelkind vom afrikanischen Hasen). Er ist
ein Schlitzohr, aber er hat durchaus auch Böses im Sinn,
oder sagen wir so: er spielt seine Tricks gegen Menschen
ohne Rücksicht auf deren Gefühle aus. Manchmal ist es
ganz witzig, aber es kann für die Betroffenen durchaus
unangenehm und böse ausgehen.

Danke für die Erklärungen; trickster ist also nicht unbedingt eine wohlwollend gemeinte Bezeichnung. Eine solche Gestalt gibt es offenbar in verschiedenen Mythen, hab grad gelesen, dass z. B. der leprechaun ein trickster genannt wird.

Der chisel(l)er ist mir übrigens noch nie untergekommen, auf den kam ich nur beim Recherchieren nach „Betrüger“ und „Schlitzohr“.

Und jetzt fällt mir auch noch der rogue ein - der dürfte mit dem rascal vergleichbar sein, aber mehr im Erwachsenenalter?

Gruß
Kreszenz

Hallo Siân

Es kommt auf den Kontext an.

Den Kontex würde ich gerne mal hören. Also los, zeig mir mal eine Textquelle, in der „cheater/to cheat“ positiv verwendet wird.

Anwar
-hat wahrscheinlich mehr englische Texte gelesen, als die meisten Muttersprachler-

Hallo,

Und jetzt fällt mir auch noch der rogue ein - der
dürfte mit dem rascal vergleichbar sein, aber mehr im
Erwachsenenalter?

Und etwas zwielichtiger. Ein Rascal ist eher harmlos, zumindest führt er nichts wirklich Böses im Sinn, ein „rogue“ kann da schon eher mal gefährlich oder bösartig sein (vgl. auch: „rogue elephant“, „rogue state“).

Grüße,

Anwar

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Ich gehe mal in Vorleistung:
_cheat -

v. tr.

  1. To deceive by trickery; swindle: cheated customers by overcharging them for purchases.
  2. To deprive by trickery; defraud: cheated them of their land.
  3. To mislead; fool: illusions that cheat the eye.
  4. To elude; escape: cheat death.

v. intr.

  1. To act dishonestly; practice fraud.
  2. To violate rules deliberately, as in a game: was accused of cheating at cards.
  3. Informal. To be sexually unfaithful: cheat on a spouse.

n.

  1. An act of cheating; a fraud or swindle.
  2. One who cheats; a swindler.
  3. Law. Fraudulent acquisition of another’s property.
  4. Botany. An annual European species of brome grass (Bromus secalinus) widely naturalized in temperate regions._

Quelle: The American Heritage Dictionary of the English Language, Fourth Edition.

Und da kann ich eigentlich keine auch nur annähernd positive Bedeutung sehen.

Anwar

Hallo Anwar!

Den Kontex würde ich gerne mal hören. Also los, zeig mir mal
eine Textquelle, in der „cheater/to cheat“ positiv
verwendet wird.

Positiv? Das hatte ich nicht behauptet. Cheat kann auch „mogeln“ bedeuten.

I cheated at school and I cheated at cards.

-hat wahrscheinlich mehr englische Texte gelesen, als die
meisten Muttersprachler-

I am very impressed…

Gruß
Siân

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Hi,

Positiv hat, glaube ich, niemand behauptet.
Aber „to cheat“ kann auch durchaus das lustige
Mogeln beim Spielen (gerade mit Kindern) bedeuten.
Oder wenn jemand sich selbst ein Gummibärchen mehr
als anderen zuteilt als anderen: das heißt dann
sicher nicht „betrügen“, sondern „du schummelst“.

Es gibt einen Kinderreim:
„Cheater, cheater,
pumpkin eater“,
der einem Kind nachgerufen wird, das z.B. beim
Versteckspiel linst.

Von daher hat das Wort „to cheat“ wesentlich
mehr Facetten als die von dir aufgezählten.

Gruß
Elke

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Hallo,

Danke für die Erklärungen; trickster ist also nicht
unbedingt eine wohlwollend gemeinte Bezeichnung. Eine solche
Gestalt gibt es offenbar in verschiedenen Mythen, hab grad
gelesen, dass z. B. der leprechaun ein trickster
genannt wird.

Ja, das kommt hin. Gerade die Leprechauns sind ja
durchaus nicht immer wohlwollend.

Und jetzt fällt mir auch noch der rogue ein - der
dürfte mit dem rascal vergleichbar sein, aber mehr im
Erwachsenenalter?

Rogue hat die negativere Seite, die Anwar anspricht.
Aber gegenüber einem Erwachsenen im richtigen Kontext
ist das Schlitzohrige durchaus auch Teil des „rogues“.
U.U. kann es z.B. auch mit „Schwerenöter“ übersetzt werden.

Gruß
Elke

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@Elke

I am the king of the castle
Get down you dirty rascal! :wink:

Ich stimme deinen Ausführungen zu.
Cheers
Siân

Hallo elke,

Positiv hat, glaube ich, niemand behauptet.

Glaube ich schon. Ich schrieb „Hat schon einen sehr negativen Charakter“. Siân schrieb, dass das Quatsch sei, also nicht stimme. Das legt dann ja nahe, dass es einen postivien, gut, meinetwegen auch noch neutralen Charakter hat.

Aber „to cheat“ kann auch durchaus das lustige
Mogeln beim Spielen (gerade mit Kindern) bedeuten.

Okay… hier kommen wir eher in den Bereich der Ethik, als der Sprache. Ich würde auch diesen Bedeutung noch als negativ bewerten (Ich halte z.B. nichts davon Kinder zu beschummeln, damit sie mal gewinnen). Im übrigen würde ich da nicht „cheat“ sondern „fudge“ benutzen. As in „I fudged the results (the roll etc.), so that the kid had a chance“.

Oder wenn jemand sich selbst ein Gummibärchen mehr
als anderen zuteilt als anderen: das heißt dann
sicher nicht „betrügen“, sondern „du schummelst“.

Es gibt einen Kinderreim:
„Cheater, cheater,
pumpkin eater“,
der einem Kind nachgerufen wird, das z.B. beim
Versteckspiel linst.

Von daher hat das Wort „to cheat“ wesentlich
mehr Facetten als die von dir aufgezählten.

Ich schrieb: regel- oder sittenwidrig. Bingo. Beides fällt wohl unter die Definition. Davon abgesehen: Kinder die beim Versteckspielen linsen sind Nervenärsche par excellence und treffen damit genau in die negative Kerbe.

Grüße,

Anwar

vom Schummeln zum gemeinen Betrug
Ich denke bei cheat an genau die gleichen Bedeutungen, die das Wort
betrügen haben kann. Schummeln ist für mich auch im Wort betrügen mit
drin. Liege ich da falsch?

Weil ich den Kontext nicht kenne, ich aber Menschen kenne, die einem
gerne das Wort im Mund herumdrehen, würde ich das Wort samt Bedeutung
vorsichtig gebrauchen. Wenn ich mit jemandem Karten spiele und
andeute, dass ich auch schon mal mogele ‚cheat‘, kann eine sensible
Seele mir vorwerfen, dass ich eine sexsüchtige Herumtreiberin bin und
es auf diesem Weg gestehen will. Man kann einfach alles falsch
verstehen, wenn man will. Dieses Phänomen gibt es aber auch, wenn ich
auf Deutsch zu jemandem sage, dass ich geschummelt habe.

Gruß Sprite

Hallo,

Positiv? Das hatte ich nicht behauptet. Cheat kann auch
„mogeln“ bedeuten.

I cheated at school and I cheated at cards.

Just a second. „I cheated at school“? Ich mogelte in der Schule? Das würde keine deutscher native speaker so sagen…
„I cheated at cards“… nun ja, ich bin ein gamer und bei uns hat „mogeln beim spielen“ auch einen negativen Anklang. Nota bene: Ich schrieb nie, dass „betrügen“ die einzig möglich Übersetzung sei - das wäre wirklich Quatsch. Aber wenn man mich als „cheater“ bezeichnen würde, fände ich das nicht lustig. Zum ausprobieren: Geh mal in ein Online-game und bezeichne jemanden als cheater. Viel Spaß dabei.

I am very impressed…

I didn’t start the bragging contest. That’s a Celtic tradition.

Grüße,

Anwar

Noch dazu (Kontext)
Hallo Experten!
Vorab: vielen herzlichen Dank für die zahlreiche Antworten und an alle die diese auch geschrieben haben!! :o)))

Der Kontext ist folgendes:
Es gibt ein Mensch, der in seiner Klasse, ein Referat halten muß. Da er das nicht kann (nicht genug gelernt, faul, zu spät dran, anderes zu tun,…) wendet er sich an Menschen, die Ähnliches tun, aber auf profesionelle Ebene. Diese nehmen „der Fall“ an und der Schüler präsentiert ein 1A Referat, als ob er das eigenhändig gemacht hätte, und trotzdem hat es ein Profi getan.
Was der Lehrer/Dozent dazu sagt ist nicht überliefert und steht auch nicht zur Debatte.
Könnte man das als „to cheat“ bezeichnen?
So, vielen Dank, nochmals an alle!
Liebe Grüße aus Nürnberg,
Helena

Hallo Anwar,

Ich habe das „Quatsch“ darauf bezogen, dass man
es einfach nicht so deutlich sagen kann, ohne Kontext.

Okay… hier kommen wir eher in den Bereich der Ethik, als der
Sprache.

Also das halte ich jetzt für „Quatsch“ :wink:
Das hat sehr wohl mit Sprache zu tun.

Ich würde auch diesen Bedeutung noch als negativ
bewerten (Ich halte z.B. nichts davon Kinder zu beschummeln,
damit sie mal gewinnen). Im übrigen würde ich da nicht „cheat“
sondern „fudge“ benutzen.

Aber ja doch: cheating ist genau der richtige Ausdruck
dafür.
As in "I fudged the results (the

roll etc.), so that the kid had a chance".

„to fudge“ ist ein wesentlich seltener gebrauchtes Wort,
außerdem kannst du es nur so benutzen wie du es geschrieben
hast:
to fudge + results

„to cheat“ ist wesentlich häufiger im Gebrauch:
I cheat at „Snakes & Ladders“.
I cheated at my exams.
I cheat you out of your reward.
I am a notorious cheater.
I cheated with my husband’s best friend.

Ich schrieb: regel- oder sittenwidrig. Bingo. Beides fällt
wohl unter die Definition.

Nicht ganz und beantwortet vor allen Dingen nicht
helenas ursprüngliche Frage, wie sie das Wort einsetzen
kann.

Davon abgesehen: Kinder die beim
Versteckspielen linsen sind Nervenärsche par excellence und
treffen damit genau in die negative Kerbe.

Hier wird die Diskussion mit dir aber nicht mehr fruchtbar.
Was du von Schummeleien hälst, ist absolut nicht relevant,
sondern wie das Wort im Englischen angewendet wird.

Gruß
Elke

PS: Hast du schon mal mit 2jährigen Verstecken gespielt?

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