Moin Michael,
Problematisch
erscheint mir nur, allgemeine Aussagen über DEN Buddhismus
machen zu wollen, der ja wohl nicht - wenn ich das richtig
verstanden habe - eine Buchreligion mit einer überschaubaren
Anzahl kanonischer Texte ist.
Obiges versteh ich jetzt nicht ganz…
Es gibt wohl keine Religion auf der Welt, die durch so ein gutes Schriftwerk dokumentiert ist, wie der Buddhismus. Von den Anfängen des Buddhismus, dokumentiert durch den Pali-Kanon der Theravadins, bis hin zu den „moderneren“ Schulen sind umfangreiche Dokumente vorhanden, deren Authentizität von Vertretern der jeweiligen Schulen gewahrt wird. Das der Buddhismus schon so einige Jahrhunderte auf dem Buckel ist das gesamte Ausmaß Buddhistischer Literatur zwar sehr umfangreich, aber durchaus überschaubar. Sicher kann man (mal von den Grundaussagen des Buddhismus abgesehen) wenig Aussagen über DEN Buddhismus machen, man kann aber Aussagen über die Aspekte einzelner buddhistischer Schulen machen und diese auch durch Quellverweise fundiert begründen, und man kann Aussagen generell negieren, wenn sie z.B. den buddhistischen Grundaussagen widersprechen.
Was hingegen relativ unüberschaubar ist, dass ist das Gebrabbel vorwiegend westlicher Tonart aus zahllosen Esoterik, New-Age, Lebenshilfe und ich was nicht was für Ecken, die ihre Ansichten häufig dem Buddhismus entlehnen (Problematisch wird es dann, wenn sie es auch noch als Buddhismus vekraufen wollen *ächtz*). Aber diese ganze Literatur kann man IMHO getrost links liegen lassen, wenn man sich für Buddhismus interessiert. Es ist ausreichend authentisches Material auch in deutschen Übersetzungen vorhanden.
Verschiedene Buddhisten können
sich also zu derselben Sachfrage zu verschiedenen Zeiten an
verschiedenen Orten ganz unterschiedlich geäußert haben. Auch
verschiedene „Lehrer“ oder sogar verschiedene „Lamas“, nehme
ich an.
Die Grundlehren des Buddhismus werden von allen buddhistischen Schulen akzeptiert, sonst wären sie keine buddhistische Schulen mehr. Die Schulen unterscheiden sich vielmehr durch die Betonung einzelner Aspekte. Innerhalb der anerkannten Schulen wird auch sehr darauf geachtet, dass nicht irgend welche Ideen reingebracht werden, die mit der buddhistischen Grundlehre nicht mehr vereinbar sind. Was außerhalb der Schulen passiert, unterliegt dieser Kontrolle nicht, aber das ist auch der Grund, warum von buddhistischem Standpunkt aus gesehen, es neue Schulen sehr schwer haben, sich zu etablieren und nicht in die Brabbel-Esoterik-Sekten Ecke geschoben zu werden. Aber dass ist auch gut so, sonst könnte ja jeder Spinner daher kommen, und seine Ideen als „Buddhismus“ verkaufen.
Nicht jeder Buddhist ist zwangsläufig in allen Fragen
„liberal“: für den Dalai Lama z.B. scheint eher zu gelten,
dass er - nach zunächst widersprüchlichen Äußerungen - nun
zumindest in Interviews eine eher rigide Sexualmoral vertritt.
Keine Ahnung. Vielleicht mag der Dalai Lama auch keinen Apfelkuchen und findet dass die Musik von Led Zeppelin unmöglicher Krach ist und findet Frauen mit ranziger Yak-Butter im Haar ziemlich sexy (oder was weiss ich was in Tibet als Schönheitsideal gilt *g*)…na und ?
Kein Buddhist käme auf die Idee, daraus dann ernsthaft ein Dogma machen zu wollen *hmmmpf*.
Gruss
Marion