Angenommen

The Hebrew Hammer, Kikes und nix mit Nasen *g*
Hallo Max,

Warum darf man eigentlich bei einem Menschen semitischer
Herkunft, (heißt es so?),

Nein, genauso heisst es eben nicht. Semitisch ist eine Sprachfamilie, dazu gehoert hebraeisch, arabisch, auch aramaeisch. Als Semiten wuerde und moechte ich hier nur Leute bezeichnen, deren Muttersprache oder zweite Muttersprache hebraeisch oder arabisch ist. Und fuer viele, eigentlich die meisten Juden ausserhalb Arabiens und Israels, die eben nicht arabisch oder hebraeisch als Muttersprache haben, gilt dies eben nicht. Dann ist hebraeisch eben nur die Religionssprache und der Anteil atheistischer und/oder nicht praktizierende Juden unter allen Juden ist aehnlich hoch, wie in anderen Religionen. Sogar gibt es die beliebte Frage zum Gebet: „Must I pray in Hebrew?“ *g*

Semiten sind also alle, die arabisch oder hebraeisch oder eine andere semitische Sprache wenigstens als zweite Muttersprache haben. Viele Moslems also inklusive, die meisten Juden aber exklusive.

Wo Antisemitismus sich nicht wider Semiten versteht, da hat Herr Maar anno 1879 den Begriff eingefuehrt und er und seinesgleichen Antisemiten verstanden Antisemitismus immer nur als politische Judenfeindschaft, nicht als Feindschaft gegen die Sprachfamilie der Semiten.

in Deutschland nicht behaupten, er
sieht so aus, wie er aussieht?

Kann man doch.

Ich erkenne doch auch andere
Rassen an ihrem Gesicht, ohne dass diese Leute beleidigt
wären. Natürlich nicht bei allen, aber viele sehen eben so
aus, wie man es erwartet.

Juden machen selbst Witze über sich mit ihrer Nase.

Es gibt keine juedischen Nasen, die Nasen schwedischer Juden sehen im Mittel genauso aus, wie im Mittel die Nasen nichtjuedischer Schweden, dito fuer Juden aus den GUS, aus Marroko, Indien, etc…

Schwarzafrikanische US-Amerikaner nennen sich auch nicht
„schwarzafrikanische US-Amerikaner“, sondern einfach
„Schwarze“ oder auch „Neger“. Was wir Deutschen niemals sagen
dürfen, da wir ja diese verdammte Vergangenheit haben.

Klar darf man hier auch Neger benutzen im Alltagsgebrauch, meine Guete. Wenn ein weisser US-Amerikaner vor schwarzen US-Amerikanern aber „Nigger“ auspricht, kann es schon zu Problemen kommen.

Da faellt mir der huebsche Film „The Hebrew Hammer“ ein, da taucht auf, wer wen wie nennen darf oder eben nicht *g*, unten unter post scriptum mehr dazu

Ich selbst habe noch nie bewußt mit einem Juden gesprochen,
noch nie einen kennengelernt. Zumindest nicht wissentlich.
Heute weiß ich, dass ich doch schon mit Deutschen, jüdischen
Glaubens bzw Herkunft zusammengearbeitet habe. Z.B. einen
Herrn Jablonski (Apfelbaum, glaube ich), einen Herrn
Kleeblatt. Sehr nette Leute und immer meine Vorgesetzten.
Damals war mir das überhaupt nicht bewußt, hätte mich aber
interessiert, ihr Judensein.

Wo dies noch nicht einmal vom Namen her sein muss, denn war der Vater ein Apfelbaum, die Mutter aber nicht juedisch, ist das Kind zumeist ein nichtjuedischer Apfelbaum. *g*

Wenn dieser Apfelbaum wiederrum Kinder hat, so sind dies wieder zumeist nichtjuedische Apfelbaeume

Es gab während des zweiten Weltkrieges Jagdkommandos, welche
in Deutschland Juden einfingen. Sie sahen sich die Gesichter
der Passanten in den Städten an und suchten sich die richtigen
aus. Diese Jäger waren oft/meistens selbst Juden. So
versuchten sie zu überleben. Auch sie erkannten ihre
Glaubensgenossen am Aussehen.

Ja, aber nicht und auf gar keinen Fall an der Nase, denn die Sache mit der Nase war und ist immer an allen Orten und zu allen Zeiten ein unwahres Klischee gewesen. Sondern an Akzent, Wortwahl evtl. noch, an Kleidung, sie sprachen sie sicherlich auch an, um sicher zu sein, aber nicht an der Nase, weil dies eben gar nicht ging.

viele gruesse, peter

p.s.

Da gibt es den huebschen Film „The Hebrew Hammer“

http://www.thehebrewhammer.com
http://www.thehebrewhammer.com/about_characters.asp?..
http://www.thehebrewhammer.com/about_artwork.asp?ct=1 *g*
http://www.thehebrewhammer.com/images/prodart/caddy.jpg
http://www.thehebrewhammer.com/images/prodart/jjl.jpg

unten evil weihnachtsmann, der seinen vater umbrachte und judenkinder an den weihnachtsmann heran bringen moechte, oben „mordechai“ aka „hammer“, seines Zeichens verschrobener Privatdetektiv, der von der JJL angestellt wird, wieder einmal, um eben jene weihnachtsmannverschwoerung zu verhindern und um Channukha zu retten.

http://www.thehebrewhammer.com/about.asp
Ein Film, wo alle juedischen Klischees gezogen und maximal uebertrieben werden aus Binnensicht und Aussensicht, eine Verarschung der Extraklasse, der Film gewann auch 2003 oder war es 2002 das Jewish Film Festival in Berlin *g*, das Nasenklischee kommt aber nicht vor :wink:

„The Hammer“ oder Mordechai Jefferson besucht dort seine Kumpels von der afroamerikanischen Befreiungsfront so_und_so, die wiederrum beschaeftigen einen weissen Angestellten. Hammer kommt herein in voller Kluft mit Peijes, riesigem Davidstern, Kipa und Talit Katan unter dem offenen Ledermantel,n erstmal alle Knarren gezogen werden und wieder weggesteckt werden. Der „Chef“ seiner Kumpels geht auf ihn zu, sie umarmen sich und begruessen einander mit: „Hi Kikes, great to see you!“ und „Hi Nigger, how are you?“

Woraufhin ueberrascht der weisse und natuerlich auch nichtjuedische Angestellte ueberrascht fragt: „Ihr nennt Euch gegenseitig Nigger und Kikes?“ „Yo, wir duerfen das, Du
hingegen nicht!“ *g*

Die Nazis Amerikas nennen Juden abfaellig Kikes, nachtraegliche Erlaeuterung

off topic: Bezeichnungen
Hallo Max,

Klar darf man hier auch Neger benutzen im Alltagsgebrauch,
meine Guete.

Nix fuer Ungut, Peter, geh mal ins Sonstiges-Brett.
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarticl…
Da gibt’s einen ganzen Artikelbaum zu dem Thema.

Gruesse, Elke

Jakov Lind
Hallo Helena,

gerade hat dein Posting mich an einen Autor erinnert: Jakov Lind.
Hollaendischer Herkunft (glaube ich, nachher geh ich
gugeln). Er war Jude, noch Teenager als der Krieg anbrach
und hat sich bei den Rheinschiffern rumgetrieben. Er hatte
immer Angst davor, sich irgendwann mal nackt zeigen zu
muessen, denn natuerlich kann man maennlichen Juden die
Religionszugehoerigkeit schon ansehen, sie sind beschnitten.

Er ist spaeter nach Israel gegangen. Hat Hoerspiele und
Theaterstuecke geschrieben. Eines heisst: Die Silberfuechse
sind tot. Surrealistisch angehaucht. Ein SS-Mann flieht
vor den anrueckenden Allierten, trifft auf der Flucht einen
Juden, der aus einem Konzentrationslager geflohen ist. Sie lassen
einen Blut-Austausch vornehmen (so dass der SSler sagen kann,
er habe ‚juedisches‘ Blut). Nach Jahren treffen sie sich
wieder (der Jude hat eine Tierhandlung, wo er unter anderem
Silberfuechse verkauft) und der SSler ist inzwischen sterbens-
krank, er glaubt, es liege am kranken Blut und er will sein
Blut zurueck. Wie gesagt, kein realistisches Stueck.
Es war meine erste Regiearbeit fuer die Oeffentlichkeit an der
Uni. Ein Theaterkritiker hat das Stueck zerrissen, total miss-
verstanden und als antisemitisch angeklagt. Mir wurde von
der Uni eine oeffentliche Antwort verboten. Man hatte Angst,
jemand wuerde mitkriegen, dass ich deutsch bin und das zum
totalen Skandal hochbauschen. —
Uebrigens waren mein Buehnenbildner und zwei der Darsteller (nicht
der Jude, uebrigens) selbst juedisch. In unserer Klasse waren
10 von 30 Kommilitonen Juden. Was ich aber erst mitgekriegt habe,
als ich nach Monaten in die Uni kam und die alle fehlten. Grippe-
epidemie? fragte ich. Nein, bekam ich zur Antwort, Yom Kippur.
Ich war total baff. Was zeigt, wie naiv ich war. Sie hiessen
Schwartzberg, Feitelberg, Greenspan, Herwitz usw.

Gruesse, Elke

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Hallo Max,

alles
deutsche jüdische Namen.

Viele dieser Namen sind jiddischen Ursprungs, nicht
deutschen.

Gruesse, Elke

Hallo Helena,

zum Luegen auf den Formularen: wenn da nach Vorfahren
gefragt wurde, wurde das Luegen schon schwierig. Wenn
da eine Grossmutter mit Namen Esther dabei war, warst
du ganz schoen in Beweisnotstand (vielleicht mochten
die Ureltern den Namen einfach). Und beweisen (oder
nicht) konnte man es mit dem Stammbuch, bzw. dem Kirchen-
register.
Die Namen Sarah und Israel wurden, soweit ich weiss,
nur den Juden als Zweitnamen ‚verliehen‘, die nicht schon
von Haus aus ‚eindeutig‘ juedische Namen hatten.
So aehnlich wie heute bei Kindern
ein geschlechtseindeutiger Zweitnamen bei geschlechts-
neutralen Erstnamen verlangt wird (z.B. Kim).

Gruesse, Elke

Mischehen
Hallo Semjon,

Nein, das stimmt (afaik) nicht. Ehen, die vor 1935
geschlossen wurden, blieben rechtens.

Nur konnte der arische Ehepartner sehr leicht
ohne weitere Erklaerungen eine Scheidung beantragen
und sie auch ohne grosse Buerokratie bekommen.

Gruesse, Elke

Hallo Eklastic.

denn natuerlich kann man maennlichen Juden die
Religionszugehoerigkeit schon ansehen, sie sind beschnitten.

Zum einen sind nicht alle Juden religiös und zum anderen nicht alle beschnitten. Du konntest damals also aus der Beschneidung annehmen, es könnte ein Jude sein, aber nicht umgekehrt.

Schalom,
Eli

Hallo.

Nicht ohne Grund gab man den juden diese oft
lächerlichen Namen.

Nur, dass diese nicht von den Nazis kamen, die haben alles auf zwei Namen reduziert: Einen für Männer und einen für Frauen.

Du würdest durch Deine Heirat dein jüdisches Aussehen nicht
verändern können. Damals hatten die Leute ein echtes Gespür
für so etwas.

Wow, Nazis regieren hier keine mehr, denunzieren muss man auch nicht mehr, aber das jüdische Aussahen, dass soll es immer noch geben… LOL

Scholem,
Eli

Hallo Elke.

alles
deutsche jüdische Namen.

Viele dieser Namen sind jiddischen Ursprungs, nicht
deutschen.

Genauso wie das Jiddische haben diese Namen einen deutschen Ursprung. Innerjüdisch gibt es nämlich keine Nachnamen.

Scholem,
Eli

Hallo Lego.

Sprachlich dann jeweils oft mit fremdlaendischen Akzent wie
russisch oder hebraeisch oder eben fuer aschkenasche Juden
jiddisch, wer es raushoert.

Wenn ich mich richtig erinnere, ging es aber eben nicht um das heute, sondern um das damals und hier treffen deine Äusserlichkeiten nur auf einen Bruchteil der damaligen Juden zu. Die meisten unterschieden sich hier in nichts von ihrer Umwelt.

Aber genau genommen ist das auch heute nicht viel anders, da deine Bilder ja nicht die Mehrheit der hier lebenden Juden beschreiben.

Scholem,
Eli

Hallo.

Warum darf man eigentlich bei einem Menschen semitischer
Herkunft, (heißt es so?), in Deutschland nicht behaupten, er
sieht so aus, wie er aussieht? Ich erkenne doch auch andere
Rassen an ihrem Gesicht, ohne dass diese Leute beleidigt
wären.

LOL, kommt nur langsam hier ein Vorurteil über Juden nach dem Nächsten zum Vorschein? Wie dem auch sei, Juden bilden keien Rasse sondern ein Volk. So gibt, bezogen auf dieser biologischen Einteilung, Juden in allen Rassen. An welchen Merkmalen willst Du also einen Juden erkennen?

Du hast insoweit recht, dass die Zuschreibung erst einmal nicht negativ ist, aber hier bei Juden bezieht sich dieses fast ausschliesslich auf antisemitische Steoreotypen.

Juden machen selbst Witze über sich mit ihrer Nase.

Aha.

Schwarzafrikanische US-Amerikaner nennen sich auch nicht
„schwarzafrikanische US-Amerikaner“, sondern einfach
„Schwarze“ oder auch „Neger“. Was wir Deutschen niemals sagen
dürfen, da wir ja diese verdammte Vergangenheit haben.

Nu, hier geht es ja auch um ein äusserliches Merkmal.

Es gab während des zweiten Weltkrieges Jagdkommandos, welche
in Deutschland Juden einfingen. Sie sahen sich die Gesichter
der Passanten in den Städten an und suchten sich die richtigen
aus. Diese Jäger waren oft/meistens selbst Juden. So
versuchten sie zu überleben. Auch sie erkannten ihre
Glaubensgenossen am Aussehen.

Ach wenn ich doch diese Fähigkeit hätte ;-( Vielleicht sollten alle Juden hier einmal ein Foto von sich in ihr w-w-w-Profil stellen, um klar aufzuzeigen, welchen Unsinn du hier verbreitest. Oder anders gesagt: Nur weil die Nazis eine These hatten, wird daraus noch keine Wahrheit.

Scholem,
Eli

Hallo Max.

Sicher, ich wohne auch in einem Haus, welches zur Nazizeit
gebaut wurde. Soll ich das deshalb warm abfackeln? Was für ein
Blödsinn!!

Wieso Blödsinn? Sicherlich ist richtig, dass eine Sache nicht schlecht wird, nur weil ein Nazi sie einmal gemacht hat. Aber du musst doch auch sehen, dass die Nazis ihre Ideologie hatten, gerade auch in Bezug zur jüdischen Rasse. Diese Ideologie wirkt heute immer noch nach und ich behaupte sogar, dass sie in der Schule gelehrt wird. Dort wurde zumindest ich mit dieser Propaganda konfrontiert, ohne dass sie erläutert oder kommentiert wurde. Aus diesem Grund denken viele halt immer noch, dass Juden eine Hakennase hätte, braueren Taint und dunkle bis schwarze Haare. Das geht dann sogar soweit, dass jüdische Gemeinden anfragen bekommen, ob die Person wegen ihrer Nase vielleicht jüdische Vorfahren hätte oder bei Kontakt mit meinen blonden Kindern bestritten wird, dass sie Juden seien.

Scholem,
Eli

Typen, Klichees, Vorurteile u. Rätselraten
Hallo Weikko,

ich komme viel mit Leuten aus aller Herren (und Damen) Länder zusammen und mache mir oft einen Spaß daraus, allein am Aussehen die jeweilige Gegend zu raten, aus der die Leute stammen können. Sicher liege ich damit nicht immer richtig, aber doch recht häufig. Japaner sehen häufig anders aus als Philipinen oder Leute der Himalaja-Region, Jemand aus Kamerun anders als ein Somalier, ein Nordafrikanischer Araber anders als ein Spanier und ein Skandinaiver anders als ein Ire etc. Dies hat gar nicht mal ausschließlich was mit dem körperlichen Aussehen zutun, sondern auch viel mit anderen Kleinigekeitn, z.B. Vorliebe für bestimmtes Make up oder gar keins, Frisuren, Kleidung (auch wenn sie westlich ist (Französinnen tragen z.B. in einer Häufigkeit Haarreifen, die ich sonst nirgends beobachten konnte), manchmal die Art, sich zu bewegen (beobachte mal einen Japaner im Vergleich mit einem Chinesen) und vieles vieles mehr. Und ein Beispiel aus unserer Gegend: Leute, die in der Öffentlichkeit Birkenstock-Schuhe tragen sind fast immer Deutsche *fg*.

Die Umkehrschlüsse sind natürlich nie möglich. Also nicht alle, die keine Birkenstöcker tragen, sind keine Deutschen :smile:

Allerdings einen Juden hab ich noch nie im Leben erkannt, obwohl auch immer welche dabei waren/sind. Wo nach sollte ich denn da deiner Meinung nach schauen ? Und jetzt komm mir bitte nicht mit der Nase *hmmmmpf*

Gruß
Marion

Hi Elimelech,

Das geht dann sogar soweit, dass jüdische Gemeinden anfragen
bekommen, ob die Person wegen ihrer Nase vielleicht jüdische
Vorfahren hätte oder bei Kontakt mit meinen blonden Kindern
bestritten wird, dass sie Juden seien.

Das wäre schon zu Lachen, wenn nicht dieser
geschichtliche Beigeschmack wäre.

Einer der größten Lacher bezüglich der ganzen
Absurdität dieser Frage (meiner Meinung nach):

Der „Vorzeige- und Propagandasoldat“ des
Deutschen Reiches, der auf offiziellen Bro-
schüren zu sehen war – Sohn einer jüdischen Mutter.
„Der ideale deutsche Soldat (Werner Goldberg)“
http://www.kansaspress.ku.edu/images/righitgoldberg.jpg)

Euer CMБ

Moin,

Aber
du musst doch auch sehen, dass die Nazis ihre Ideologie
hatten, gerade auch in Bezug zur jüdischen Rasse. Diese
Ideologie wirkt heute immer noch nach und ich behaupte sogar,
dass sie in der Schule gelehrt wird. Dort wurde zumindest ich
mit dieser Propaganda konfrontiert, ohne dass sie erläutert
oder kommentiert wurde.

Da muss ich dir allerdings recht geben, auch wenn ich nicht sagen würde, dass dies so „gelehrt“ wird weil es IMHO nicht absichtlich geschieht. So war ich z.B. (als überzeugte Antifa etc.) der Meinung, die Rassenpropaganda war zwar widerwärtig, aber da ging es dann mehr um die Form der Darstellung, also fieses Grinsen, Buckel etc. Dies war offensichtlich, das andere war subtiler. Irgendwo im Hinterkopf blieb bei mir also doch ein Bild von gekrümmten Nasen, dunklen Haaren und braunen Augen hängen.

Dieser Zahn wurde mir erst gezogen, als ich in die USA kam und zum erstem Mal wissentlich Juden kennenlernte (zum Beispiel Mitschüler in meiner Klasse). Die gekrümmte Nase dürfte allerdings ein internationales Vorurteil sein. Dieses Vorurteil hab ich auch bei anderen, nicht-Deutschen ohne NS-Rassenwahnvergangenheit wiedergefunden.

Dazu kommt aber noch ein Weiteres, und zwar zumindest bei mir als Jugendliche das Bewusstsein, in Deutschland/Europa gäbe es keine Juden mehr, weil diese entweder alle vernichtet oder die Überlebenden emigriert seien. Juden in Europa waren somit ein Teil der Geschichte, aber nicht meiner erlebten Gegenwart. Damit ist es dann auch schwer, gegen dieses Bild aus der Geschichte anzugehen.

Dass Stefan Heym Jude war, hab ich z.B. erst bei seinem Tod erfahren.

Gruß
Marion

Liebe Elke!
als erstes vielen herzlichen Dank für Deine Antwort!

zum Luegen auf den Formularen: wenn da nach Vorfahren
gefragt wurde, wurde das Luegen schon schwierig.

Das sowieso! Aber wenn man lügt(e), dann ganz… Und hier ging es ja um Leben und Tod!

Wenn da eine Grossmutter mit Namen Esther dabei war, warst
du ganz schoen in Beweisnotstand (vielleicht mochten
die Ureltern den Namen einfach).

Dann hätten die Enkeln meine Schwester (Bj. 1974!) Schwierigkeiten gehabt, obwohl wir keine Jüden sind. sie heisst nämlich Ester (so, ohne H)

Und beweisen (oder
nicht) konnte man es mit dem Stammbuch, bzw. dem Kirchen-
register.

Ich glaube diese Quelle wird noch heute verwendet wenn es darum geht den Stammbaum zu prüfen, aus welchen Grund auch immer (bei uns in E, zB zur Erstellung der DNI, allerdings nur um zu wissen wer die Eltern sind und wie sie heissen).

Die Namen Sarah und Israel wurden, soweit ich weiss,
nur den Juden als Zweitnamen ‚verliehen‘, die nicht schon
von Haus aus ‚eindeutig‘ juedische Namen hatten.

Sehr interessant! Habe ich es nicht gewußt! Allerdings ist es mir schon während der Schwangerschaft aufgefallen, daß es mehrere Leute gibt, die der Name David aus rein historischen Gründen nicht mögen. Ich erinnere mich an eine Anekdote: Eine spanische Mutter, wohnhaft in München, wollte ihr Sohn David taufen. Der deutscher Vater hat sein „Veto“ gelten lassen mit der Begründung es wäre ein zu verpönnter Name. Und nun heisst das Kind anders.

So aehnlich wie heute bei Kindern
ein geschlechtseindeutiger Zweitnamen bei geschlechts-
neutralen Erstnamen verlangt wird (z.B. Kim).

Ja, das kenne ich. Ich habe imemr Schwierigkeiten mt der Name Andrea/Andreas. Mittlerweile geht es, weil die Schwester meines Freundes Andrea heisst…

Gruesse, Elke

Dir auch ganz liebe Grüße aus Nürnberg und vielen herzlcihen Dank nochmal!
Helena

Liebe Elke!
Hochinteressanter und wunderschöner Posting! Dafür ein Sternchen und vielen Dank!!! :o))))

gerade hat dein Posting mich an einen Autor erinnert: Jakov
Lind.

Kenne ich leider nicht…

Hollaendischer Herkunft (glaube ich, nachher geh ich
gugeln).

Ich denke in der Niederlande leben viele Jüden, überhaupt. Und zusätzlich (gerade deshalb?) haben sie als Nationsehr unter der deutschen Besatzung leiden müssen.

Er war Jude, noch Teenager als der Krieg anbrach
und hat sich bei den Rheinschiffern rumgetrieben. Er hatte
immer Angst davor, sich irgendwann mal nackt zeigen zu
muessen, denn natuerlich kann man maennlichen Juden die
Religionszugehoerigkeit schon ansehen, sie sind beschnitten.

Ja, das wußte ich. Doch nicht alle Männer, die beschnitten sind auch Juden. (Vielleicht war es in den 30-er Jahren anders und wirklich nur Juden beschnitten würden??)

Er ist spaeter nach Israel gegangen. Hat Hoerspiele und
Theaterstuecke geschrieben. Eines heisst: Die Silberfuechse
sind tot. Surrealistisch angehaucht. Ein SS-Mann flieht
vor den anrueckenden Allierten, trifft auf der Flucht einen
Juden, der aus einem Konzentrationslager geflohen ist. Sie
lassen
einen Blut-Austausch vornehmen (so dass der SSler sagen kann,
er habe ‚juedisches‘ Blut).

Schon an dieser Stelle durfte jeder klar sein, daß dieses Theaterstück surrealistisch angehucht ist! ;o))

Nach Jahren treffen sie sich
wieder (der Jude hat eine Tierhandlung, wo er unter anderem
Silberfuechse verkauft) und der SSler ist inzwischen sterbens-
krank, er glaubt, es liege am kranken Blut und er will sein
Blut zurueck. Wie gesagt, kein realistisches Stueck.

Jop!

Es war meine erste Regiearbeit fuer die Oeffentlichkeit an der
Uni.

Ui!!! Bist du von Beruf Regiesseurin??? WOW!!! Aller Achtung!!!

Ein Theaterkritiker hat das Stueck zerrissen, total
missverstanden und als antisemitisch angeklagt.

So ein riesen Quatsch habe ich zum Glück, selten gehört! Wie kann so ein Stück antisemitisch bezeichnet werden??? Es erinnert mich jedoch an unser zu Francos Zeiten, unseligen „Ministerio de Información“, dessen Haupt- und fast einzige Aufgabe war, alle Texten zu zensieren (verstummeln eben), denen sie nicht passte. Es war aber dermassen extrem und breit, daß man fast „guten morgen“ sagen könnte, ohne zensiert zu werden. Ein Beispiel? Es gibt ein Film von Alfred Hitchcock
(ich glaube „Remember“) Die alleletzte Szene zeigt ein Zug, der gerade in einem tunnel rein geht. Zugegeben, es ist etwas erotisch angehaucht, vorallem wenn man das so sehen will. Jedenfalls solange Franco lebte, haben nur die Beamten des Kultusministeriums diese Szene gesehen. Und nur die für Filmzensur zuständigen… Aber es gab zahlreiche Filme die gänzlich verboten waren. (Bei uns, da wir so nahe an der franzosischen Grenze lebten -ca 60 km.- wurde zu Legende, die Staus an der Grenzübergang, als Filme die die BBC auf spanisch empfohlen hatte, in Frankreich in den Kinos kamen!!!)

Mir wurde von der Uni eine oeffentliche Antwort verboten. Man hatte
Angst, jemand wuerde mitkriegen, dass ich deutsch bin und das zum
totalen Skandal hochbauschen. —

Ich denke, das hätte leicht skalieren können. Wenn ein Kritiker das als antisemitisch beurteilt ist es im Nullkommanichts passiert, daß dies zu größeren Probleme führt. Da erinnere ich mich an diesen argentinischer dirigent, jüdische Abstammung und mit israelitischem Paß, der neulich wagte in Israel Wagner zu spielen!! Unglaublich wie alles eben skalierte!

Ganz liebe Grüße, nochmals! ;o)))
helena

Hallo Marion.

Die gekrümmte Nase dürfte
allerdings ein internationales Vorurteil sein. Dieses
Vorurteil hab ich auch bei anderen, nicht-Deutschen ohne
NS-Rassenwahnvergangenheit wiedergefunden.

Auch so ein Punkt, dass viele Deutsche denken, dass diese Form von Antisemitismus damals (oder zu anderen Zeiten) nur im Deutschen Reich stattfand. Dem ist nämlich nicht so und viele Staaten hatten auch deswegen ihre Probleme mit den jüdischen Flüchtlingen. So gab es z. B. auch damals in den USA eine starke Bewegung in diese Richtung.

Damit ist es dann auch schwer, gegen dieses Bild aus der
Geschichte anzugehen.

Wobei ich manchmal auch den Eindruck habe, dass dem so sein muss. So ist es für mich schon erstaundlich, wieviele Deutsche sich mit dem toten Judentum beschäftigen, Friedhöfe pflegen, Synagogen restaurieren, Museen betreiben, anderen das Judentum erklären, sich dann aber aufregen, wenn Juden kommen und darauf einen Anspruch erheben oder gar Kritik anbringen.

Scholem,
Eli

Hallo Eli,

natuerlich hast du Recht, ich hatte schnoddrig
formuliert. Jedenfalls musste ein beschnittener
Mann damals Angst haben, als Jude zu gelten.

Gruesse, Elke

Zensur (off topic)
Liebe Helena,

Bist du von Beruf Regiesseurin???

Ich hab das zwar gelernt und habe gelegentlich als
Regieassistent gearbeitet, und im Moment bin ich an der
amerikanischen Schule hier ‚drama teacher‘, aber Regisseur
wuerde ich mich deshalb nicht nennen.

Es
erinnert mich jedoch an unser zu Francos Zeiten,

Deine Schilderung erinnert mich an viele grotesken
Aspekte der Zensur, die ich in Suedafrika erlebt habe
(ein lustiges, als Schmankerl: weisse Brueste oeffentlich
zu zeigen, war verboten; schwarze Brueste galten als Kultur
und waren somit erlaubt :wink: )
Vielleicht sollten wir uns mal hier ueber Zensur unterhalten.
Auch in Saudi ein interessantes Thema (hier gilt eigentlich:
wenn wir etwas verbieten, dann gibt es das nicht - weshalb
zum Beispiel Saudi-Arabien offizielle AIDS-frei ist, was
allerdings niemand daran hindert daran zu erkranken und zu
sterben).

Liebe Gruesse, Elke