Angenommen

Hallo Experten!

Angenommen…

wir schreiben Anno 1925 (in ca.!) und ich lebe in eine Stadt, wo viele Juden auch wohnen. Natürlich in Deutschland.

Nehmen wir weiter an, ich bin auch eine Judin, die aber herzlich wenig praktiziert. Eigentlich nur wenige Vewandte und angehörige (wenn überhaupt) wissen davon. Nicht, daß ich es leugne, sondern weil es eine Einstellung ist, die mir fremd ist. Von Zuhause kenne ich das eigentlich auch kaum.

Jetzt schreiben wir das Jahr 1930. Ich bin umgezogen. Meine Verwandten und Angehörigen wissen nicht einmal wo ich auffindbar wäre. Zusätzlich habe ich geheiratet (anderer Nachname!). Einen 100%-ig nicht Jude.

Jetzt meine Frage:

Wäre es möglich gewesen, daß die Nazis mir nichts antun weil sie von meinem „Judentum“ nichts wissen?
Wie haben sie sonst darüber erfahren, wer Jude (100%, 75% oder 25%) ist?
Ausser das Land zu verlassen und mch zu verstecken, welche andere Möglichkeiten hätte ich gehabt, von dieser „Judenverfolgung“ verschont zu bleiben?

Über eure Antworten freue ich mich schon sehr!

Schöne Grüße
Helena
PS. Schon jetzt bitte ich um Entschuldigung, sollte mein Wortwahl unpassend oder gar verletzend sein. Das war gewiß nicht mein Absicht! Dafür vielen Dank!
PS2 Diese Frage entstand daraus, daß ich an eine damalige Patientin denken mußte. Wir verstanden uns bestens und ich ging gerne sogar in meiner Freizeit zu ihr um mich mit ihr zu unterhalten und ihr Gesellschaft zu leisten. Und einmal, während eines solchen Gesprächs, sagte sie mir, daß sie 100% Jüdin ist, jedoch nie praktiziert hat. Und einigen Jahren bevor der NSDAP an die Macht kam, hatte sie, aus Liebe, einen Christen geheiratet, seinen Name (wie damals üblich) und seine Religion angenommen und mittlerweile hatten sie sogar 2 Kinder gehabt (hinterher kamen noch 2 hinzu!)

Hallo Helena
In Deutschland gab es den sogenannten „Arier-Nachweis“, mit dem amtlich nachgewiesen werden musste, daß X Generationen den Herkunfts- und Rassevorstellungen der Nazis entsprachen.
Schaue mal hier: http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/antisemitismus/arie…

Mit den Links auf dieser HP solltest Du schon mal weiterkommen.

Gruß aus Rheinhessen!
Weikko

Hallo !

Sie haben es bei fast allen gewußt :

Im öffentlichen Dienst brauchtest Du einen Ariernachweis.
In den Standesämtern sassen später fast ausnamslos Parteiangehörige, für die es Pflicht war, die Namen durchzuforsten. Nicht ohne Grund gab man den juden diese oft lächerlichen Namen.
Die Mitbewohner Deines Hauses hätten Dich denunziert.
Du würdest durch Deine Heirat dein jüdisches Aussehen nicht verändern können. Damals hatten die Leute ein echtes Gespür für so etwas.
Vielleicht hätte Dein arischer Ehemann Dich denunziert.

Gruß max

Hallo helena,

die bisherigen Antworten klären ja schon
einiges. Das Dritte Reich war vom Kern her
„Rassenpolitisch“ motiviert. Jeglicher Hinweis
auf „Rasse“ führte zu einer entsprechenden
Klassifizierung bei den Ämtern.

Jetzt schreiben wir das Jahr 1930. Ich bin umgezogen. Meine
Verwandten und Angehörigen wissen nicht einmal wo ich
auffindbar wäre. Zusätzlich habe ich geheiratet (anderer
Nachname!). Einen 100%-ig nicht Jude.

Das wäre ok. Als Ehefrau eines Ariers geniesst Du
offiziell Schutz, wie in den Nürnberger Gesetzen
vorgegeben. Das schützt Dich natürlich nicht vor
Nachforschungen und Anzeigen durch gehässige und
pflichteifrige Zeitgenossen.

Nach 1939 wäre es übrigens Deine Pflicht gewesen,
Deinen „Rassestatus“ selbst zu kennen, da eine „Ent-
deckung“ eines Verstosses unzweifelhaft KL bedeutet
hätte. Das hättest Du nicht riskiert. Du hättest
herausgefunden, dass Du Jude bist und hättest das
mit Deinem Mann ausgehandelt. Er kann Dich schützen
oder sich trennen.

Wäre es möglich gewesen, daß die Nazis mir nichts antun weil
sie von meinem „Judentum“ nichts wissen?

Kein Einzelfall. Siehe „Rosenstrasse“ oder auch Viktor
Klemperer. Entrechtung, Berufsverbot ja, KL nein.
Wenn die Nazis natürlich gar nichts gewusst hätten,
wärst Du mit Sicherheit auch als Arier durchgegangen.
Die Nazis konnten nicht hellsehen. Ob Du, wie oben gesagt,
riskiert hättest, das Versteckspiel aufrechtzuerhalten,
da Du ja als „Verheiratete“ Rechte hattest, ist fraglich.

Wie haben sie sonst darüber erfahren, wer Jude (100%,
75% oder 25%) ist?

Du hast Deine Unterlagen ausgefüllt und die Nazis konnten
das dann sehen!?

Ausser das Land zu verlassen und mch zu verstecken, welche
andere Möglichkeiten hätte ich gehabt, von dieser
„Judenverfolgung“ verschont zu bleiben?

Wie gesagt. Als verheirateter (vor 1935) Volljude,
dessen Partner zu ihm steht, hattest Du „Glück“.
Allerdings musste die Rasse am Türschild der Wohnung
in folgender Form angegeben werden (z.B. „Helena (Jude)“,
„Wilhelm (Arier)“). Nachzulesen in Klemperers „LTI“.

Eine weitere Variante war, wenn Du als Mann (50% oder
25% Jude nach Rassengesetz) in der Wehrmacht dienen
konntest. Der „Führer“ hat sich nämlich tatsächlich
sehr viel Zeit genommen, für „Mischlinge“, sofern sie
ihm „gefielen“, eine „Deutschblütigkeitserklärung“
auszustellen. Möglicherweise hat er das getan, weil
er im 1. Weltkrieg von einem jüdischen Offizier, den
er sehr schätzte, befördert wurde.

Euer CMБ

Hallo Max

Nicht ohne Grund gab man den juden diese oft
lächerlichen Namen.

Diese lächerlichen Namen gab es schon seit dem Mittelalter, wenn mich nicht alles täuscht. Die Nazis zwangen dann die Juden, als zusätzlichen Namen „typisch jüdische“ Namen zu tragen. (Wenn ich mich recht erinnere „Sarah“ und „David“)

Die Mitbewohner Deines Hauses hätten Dich denunziert.
Du würdest durch Deine Heirat dein jüdisches Aussehen nicht
verändern können. Damals hatten die Leute ein echtes Gespür
für so etwas.

Aua Was bitte ist „jüdisches Aussehen“? Sollte die Rassenlehre der Nazis etwa eine reele Grundlage gehabt haben? Hakennase, tiefliegende schwarze Augen mit stechendem, verschlagenen Blick? Buckel gar noch und fieses Lachen?
Das musst Du mir mal erklären…

Vielleicht hätte Dein arischer Ehemann Dich denunziert.

Auch sowas hat es leider gegeben…

Gruß max

Gruß

Weikko

Liebe Weikko!

Viiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiielen herzlichen Dank für Deinen höchsinteressanter Link!

Ich werde mich ganz, ganz bestimmt mit den darin erhaltenen Links weiter beschäftigen.

Mich wundert jetzt nur, nach allem was ich dort gelesen habe, daß ich die Ehre und die Freude haben dürfte, diese Patientin von mir kennenlernen zu können! Ich vermute (es ist nur eine persönliche Meinung von mir) evtl hat sich von einem befreundeten Pastor 1933 einen solchen Nachweis ausstellen lassen und als es pflichtig wurde, an Wichtigkeit gewann und mit sich getragen werden mußte, dann hatte sie ihn bereits…

Jedenfalls danke ich Dir sehr! Deshalb eben ein Sternchen!

Ganz liebe Grüße aus Nürnberg!
Helena *die, wann immer sie über den Nazis etwas Neues lernt, sich wundert, wie abgrundtief die Bösheit der menschlichen Seele sinken kann und daß es die absolute Grausamkeit des Menschen gegenüber sich selbst nicht gibt: Es kann imme tiefer und tiefer fallen*

Hi Max!
Wie fürchterlich! Wie schrecklich!!!

Sie haben es bei fast allen gewußt :

Ich denke, in authoritaren Regimen kommt so etwas häufiger vor… Ich könnte ein paar anekdoten aus dem Franco-Spaniens erzählen…

Im öffentlichen Dienst brauchtest Du einen Ariernachweis.

Nach dem Link von Weikko: Was ist, wenn ein mir befreundetes Pastor (am Anfang haben sie diese Ausstellen dürfen) einen fälschlichen ausgestellt/begläubigt hätte??

In den Standesämtern sassen später fast ausnamslos
Parteiangehörige, für die es Pflicht war, die Namen
durchzuforsten. Nicht ohne Grund gab man den juden diese oft
lächerlichen Namen.

Mir als Spanierin ist es schon aufgefallen, daß manche jüdische Nachname seltsam klingen. Aber lächerlich??? In wie fern? Kannst du mir bitte ein paar Beispiele dafür nennen??? Danke im Voraus!

Die Mitbewohner Deines Hauses hätten Dich denunziert.

Das kenne ich aus den Filmen und weiterführende Literatur.

Du würdest durch Deine Heirat dein jüdisches Aussehen nicht
verändern können. Damals hatten die Leute ein echtes Gespür
für so etwas.

Es gibt aber sicherlich Jüden, die nicht als solches „identifiziert“ (Entschuldigung für das schreckliche Wort!!!) werden können, allein durch deren aussehen…

Vielleicht hätte Dein arischer Ehemann Dich denunziert.

Im Fall meine Patientin ganz und gar nicht! Eher im Gegenteil! Du hättest sie reden hören, als sie von ihren (mittlerweile vestorbenen) Ehemann sprach!!! Nach sooooooooo vielen (gemeinsamen) Jahren, noch so viel Liebe!!!

Gruß max

Dir auch, Max einen ganz lieben Gruß, ein Sternchen von mir und vielen Dank für Deinen tollen Beitrag. Auch wenn der mir Gänsehaut verursacht hat.
Helena

Pribjet Semjon!

die bisherigen Antworten klären ja schon
einiges.

Tatsächlich! :o))

Das Dritte Reich war vom Kern her
„Rassenpolitisch“ motiviert. Jeglicher Hinweis
auf „Rasse“ führte zu einer entsprechenden
Klassifizierung bei den Ämtern.

Stimmt! Es muß ja so gewesen sein. Ausserdem steht es sehr gut beschrieben und dargestellt in dem „Dokuzentrum Nürnberg“ („Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände“). Wer sich für diese obskure und grausamste Zeit interessiert, der soll dieses Museum unbedingt besuchen.

Jetzt schreiben wir das Jahr 1930. Ich bin umgezogen. Meine
Verwandten und Angehörigen wissen nicht einmal wo ich
auffindbar wäre. Zusätzlich habe ich geheiratet (anderer
Nachname!). Einen 100%-ig nicht Jude.

Das wäre ok. Als Ehefrau eines Ariers geniesst Du
offiziell Schutz, wie in den Nürnberger Gesetzen
vorgegeben.

Ich dachte aber, die Ehe wird für ungültig erklärt… Und somit entfällt dieser Schutz…

Das schützt Dich natürlich nicht vor
Nachforschungen und Anzeigen durch gehässige und
pflichteifrige Zeitgenossen.

Das sowieso…

Nach 1939 wäre es übrigens Deine Pflicht gewesen,
Deinen „Rassestatus“ selbst zu kennen, da eine „Ent-
deckung“ eines Verstosses unzweifelhaft KL bedeutet
hätte.

Und wenn ich das bekenne, erst recht KL… Und dann umso schneller!

Das hättest Du nicht riskiert. Du hättest
herausgefunden, dass Du Jude bist und hättest das
mit Deinem Mann ausgehandelt. Er kann Dich schützen
oder sich trennen.

Vermutlich ist es so bei meiner Patientin vorgekommen…

Wäre es möglich gewesen, daß die Nazis mir nichts antun weil
sie von meinem „Judentum“ nichts wissen?

Kein Einzelfall.

Maaaaaaaaa, wenigstens ein Schimmer Hoffnung!!

Siehe „Rosenstrasse“ oder auch Viktor
Klemperer. Entrechtung, Berufsverbot ja, KL nein.

Soory Semjon: Wenn die Nazis nichts wissen, weshalb hätten sie mich dann entrecht oder gar berufsverbot erteilt??? Ich verstehe Dich jetzt nicht…

Wenn die Nazis natürlich gar nichts gewusst hätten,
wärst Du mit Sicherheit auch als Arier durchgegangen.
Die Nazis konnten nicht hellsehen. Ob Du, wie oben gesagt,
riskiert hättest, das Versteckspiel aufrechtzuerhalten,
da Du ja als „Verheiratete“ Rechte hattest, ist fraglich.

Klar! Siehe Dein 1. Paragraph! aber man mußte es so sehen: Entweder Versteckspiel oder Tod. Da ist, aus heutigem Sicht, keine schwere Entscheidung, oder?

Wie haben sie sonst darüber erfahren, wer Jude (100%,
75% oder 25%) ist?

Du hast Deine Unterlagen ausgefüllt und die Nazis konnten
das dann sehen!?

Dann hätte ich bestimmt gelogen und darauf ankommen lassen…

Ausser das Land zu verlassen und mch zu verstecken, welche
andere Möglichkeiten hätte ich gehabt, von dieser
„Judenverfolgung“ verschont zu bleiben?

Wie gesagt. Als verheirateter (vor 1935) Volljude,
dessen Partner zu ihm steht, hattest Du „Glück“.

Irgendwie kann ich mir, bei so viele abgrundtiefer Bösheit und Grausamkeit nicht vorstellen, daß es so einfach gewesen war.

Allerdings musste die Rasse am Türschild der Wohnung
in folgender Form angegeben werden (z.B. „Helena (Jude)“,
„Wilhelm (Arier)“). Nachzulesen in Klemperers „LTI“.

Vermutlich der kleinste Übel…

Eine weitere Variante war, wenn Du als Mann (50% oder
25% Jude nach Rassengesetz) in der Wehrmacht dienen
konntest. Der „Führer“ hat sich nämlich tatsächlich
sehr viel Zeit genommen, für „Mischlinge“, sofern sie
ihm „gefielen“, eine „Deutschblütigkeitserklärung“
auszustellen. Möglicherweise hat er das getan, weil
er im 1. Weltkrieg von einem jüdischen Offizier, den
er sehr schätzte, befördert wurde.

Ich denke, das waren vermutlich nur Glückspilze und absolute Einzelfalle. Siehe dazu auch „Schindler’s Liste“.

Vielen herzlichen Dank für Deinen Beitrag, Semjon!
Ganz liebe Grüße aus Nürnberg!
Paká! ;o))
Helena

Hall Weikko,

Aua Was bitte ist „jüdisches Aussehen“? Sollte die
Rassenlehre der Nazis etwa eine reele Grundlage gehabt haben?
Hakennase, tiefliegende schwarze Augen mit stechendem,
verschlagenen Blick? Buckel gar noch und fieses Lachen?
Das musst Du mir mal erklären…

naja, wie ich Max einschaetze, wenn ich mir dies erlauben darf, hat er es keineswegs bzgl. Nasen etc. gemeint, sondern andere, vielleicht kleidungsmaessige und sprachliche Gebraeuchlichkeiten gemeint, ohne es eben naeher zu spezifizieren. Denn die Sache mit den Nasen und aehnlich stimmt natuerlich nicht, weiter sehen indische Juden wie Inder aus *g*

Aber, warum ich ueberhaupt antworte: Nicht um Max zu interpretieren, sondern weil ich letztens das Gespraech eines Ehepaares in der S-Bahn in Berlin verfolgte. Sie bearbeitet beruflich Antraege von sogenannten Kontigentfluechtingen, sprich von Juden aus der ehemaligen GUS, was ihm nachhinein umso verwunderlicher fuer die Klischees ihres Mannes war. Sie kamen auf einen gemeinsamen Bekannten zu sprechen und sie sagte, er waere juedisch. Woraufhin ihr Mann meinte, dass er doch gar keine „Hakennase“ haette. Worauf ich von der Nachbarbank mich mit einem Schmunzeln einmischte und ihn aufklaerte.

sachen gibt’s, die gibt es gar nicht, doch, es gibt sie eben doch, diese unwahren klischees, sie halten sich

Man erzaehlt sich auch eine Anekdote aus Prag, wo anno dazumal der Auftrag erteilt wurde vor einem Theater oder vor einer Oper saemtliche Statuen von Juden zu entfernen. Die auszufuehrenden Deutschen waren nicht bewandert in Kunst und Kultur und fragten die Tschechen vor Ort, wer dieser Leute denn nun juedisch waere und sie gaben nur zur Antwort, dass sie nur nach den Nasen zu gehen braeuchten. Daraufhin wurde die Statue von Richard Wagner eingerissen *g*

viele gruesse, peter

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Vielen herzlichen Dank…
Hallo Experten!

Mit diesem Beitrag nur einen riesen Dankeschön an die WWW-lers, die mich bereits beantwortet haben: Semjon, Max Eyth, Weikko und Lego!

Natürlich wenn jemand noch was dazu hinzu fügen möchte, so sei es im Voraus bedankt und herzlich willkommen!

Ansonsten, wie ich in die antowrt auf Weikko sagte:

„Wann immer ich über den Nazis etwas Neues lerne, wundert’s mich, wie abgrundtief die Bösheit der menschlichen Seele sinken kann und bestätigt mich darin, daß die absolute Grausamkeit des Menschen gegenüber sich selbst nicht gibt: Es kann immer tiefer und tiefer fallen“

Vielen dank,nochmals an alle, die mich ein bißchen aufgeklärt haben! Ihr habt ein Stenchen von mir erhalten!

Einen lieben Gruß aus Nürnberg,
Helena

Hallo Peter
Na, da hat sich der Max aber etwas missverständlich ausgedrückt…
Und die Juden, die ich kenne, kleiden sich und sprechen wie der Durchschnitts-Deutsche auch. Das sind sie ja auch.

Gruß

Weikko

Hallo Weikko,

Die Nazis zwangen dann die Juden, als zusätzlichen Namen „typisch jüdische“ Namen zu tragen. (Wenn ich mich recht erinnere „Sarah“ und „David“)

kleine Korrektur: „Sarah“ und „Israel“

Vielleicht hätte Dein arischer Ehemann Dich denunziert.

Auch sowas hat es leider gegeben…

Literarisch umgesetzt in der 9. Szene („Die jüdische Frau“) von Brechts Theaterstück „Furcht und Elend des Dritten Reiches“. Zwar denunziert der arische Partner seine Frau hier nicht, zieht sich aber feige zurück.

Viele Grüße
Diana

Hallo Weikko,

Na, da hat sich der Max aber etwas missverständlich
ausgedrückt…

ja :wink:

Und die Juden, die ich kenne, kleiden sich und sprechen wie
der Durchschnitts-Deutsche auch. Das sind sie ja auch.

oh nein, fuer meinen Teil, die, die ich kenne, sprechen bei weitem nicht wie der Durschnitts-Deutsche und viele, jetzt aber nicht durchschnittlich, sagen wir also 20 Prozent Derjenigen, die ich kenne, kleiden sich so ziemlich anders, als der Durchschnittsdeutsche. Man wuerde den Unterschied allerdings auch nur, von Ausnahmen abgesehen, erkennen, wenn mehr als zwei von Besagten zusammen stehen.

viele gruesse, peter

Hola Helena,

Das wäre ok. Als Ehefrau eines Ariers geniesst Du
offiziell Schutz, wie in den Nürnberger Gesetzen
vorgegeben.

Ich dachte aber, die Ehe wird für ungültig erklärt…
Und somit entfällt dieser Schutz…

Nein, das stimmt (afaik) nicht. Ehen, die vor 1935
geschlossen wurden, blieben rechtens.

Nach 1939 wäre es übrigens Deine Pflicht gewesen,
Deinen „Rassestatus“ selbst zu kennen, da eine „Ent-
deckung“ eines Verstosses unzweifelhaft KL bedeutet
hätte.

Und wenn ich das bekenne, erst recht KL… Und dann umso
schneller!

Nein, denn bis Mitte 1942 hättest Du, auch als
Jude, nicht sicher gewusst, dass KL gleich Tod bedeutet.
Es gab auch keinen Grund für Dich anzunehmen, dass
Du als „Verheiratete“ ins KL kommst, wenn Du Jude bist.

Ganz sicher war jedoch, dass Du massiv bestraft
wirst, wenn Du eines „Rassenvergehens“ überführt
worden wärest. Dazu gehört auch, dein „Judentum“
verborgen zu haben. Dann konnte Dich niemand mehr
bewahren.

Das hättest Du nicht riskiert. Du hättest
herausgefunden, dass Du Jude bist und hättest das
mit Deinem Mann ausgehandelt. Er kann Dich schützen
oder sich trennen.

Vermutlich ist es so bei meiner Patientin vorgekommen…

Ihr Schicksal hing wahrscheinlich *nur* an seiner Hand.

Siehe „Rosenstrasse“ oder auch Viktor
Klemperer. Entrechtung, Berufsverbot ja, KL nein.

Soory Semjon: Wenn die Nazis nichts wissen, weshalb hätten
sie mich dann entrecht oder gar berufsverbot erteilt??? Ich
verstehe Dich jetzt nicht…

Hier meinte ich, dass eine Anzahl Juden überlebten, weil
ihre (deutschen!) Partner zu ihnen standen und die damit
verbundenen Nachteile und Diskriminierungen selbst in
Kauf nahmen. Hätte der Partner sich getrennt -> Deportation.

Die Nazis konnten nicht hellsehen. Ob Du, wie oben gesagt,
riskiert hättest, das Versteckspiel aufrechtzuerhalten,
da Du ja als „Verheiratete“ Rechte hattest, ist fraglich.

Klar! Siehe Dein 1. Paragraph! aber man mußte es so sehen:
Entweder Versteckspiel oder Tod. Da ist, aus heutigem Sicht,
keine schwere Entscheidung, oder?

Ich denke, dass so ein Versteckspiel sehr selten vorgekommen
ist, weil nämlich die Überlebenschancen „durch die Gnade
des Ehepartners“ sehr viel höher waren, als durch Verstecken
in einer Gesellschaft wie der Nazideutschen.

Du hast Deine Unterlagen ausgefüllt und die Nazis konnten
das dann sehen!?

Dann hätte ich bestimmt gelogen und darauf ankommen lassen…

Hättest Du nicht, weil 1939 die Angst vor Strafe bei
„erwischt werden“ und die Wahrscheinlichkeit, dass
es doch „raus kommt“ viel höher war als die Angst
oder Unsicherheit, was mit Dir „offiziell“ passiert.

Wie gesagt. Als verheirateter (vor 1935) Volljude,
dessen Partner zu ihm steht, hattest Du „Glück“.

Irgendwie kann ich mir, bei so viele abgrundtiefer Bösheit und
Grausamkeit nicht vorstellen, daß es so einfach gewesen war.

Es war zunächst so einfach, da viele Deutsche, die jüdische
Ehepartner hatten, in wichtigen Positionen sassen bzw. unverzichtbar
waren. Es bestand ein Kalkül darin, diese Leute und ihre Partner
(erstmal) in Ruhe zu lassen, um nicht unnötigen Aufruhr
auszulösen.

Allerdings musste die Rasse am Türschild der Wohnung
in folgender Form angegeben werden (z.B. „Helena (Jude)“,
„Wilhelm (Arier)“). Nachzulesen in Klemperers „LTI“.

Vermutlich der kleinste Übel…

Ausserdem musstest Du, bei amtlichen Unterschriften,
als Frau ein „Sara“ und als Mann ein „Israel“ zwischen
Vor- und Nachname einbauen. Du wurdest sozusagen von
staats wegen „umgetauft“ (wurde hier im Thread schon erwähnt).

Eine weitere Variante war, wenn Du als Mann (50% oder
25% Jude nach Rassengesetz) in der Wehrmacht dienen
konntest. Der „Führer“ hat sich nämlich tatsächlich
sehr viel Zeit genommen, für „Mischlinge“, sofern sie
ihm „gefielen“, eine „Deutschblütigkeitserklärung“
auszustellen. Möglicherweise hat er das getan, weil
er im 1. Weltkrieg von einem jüdischen Offizier, den
er sehr schätzte, befördert wurde.

Ich denke, das waren vermutlich nur Glückspilze und absolute
Einzelfalle. Siehe dazu auch „Schindler’s Liste“.

Ich denke, das waren recht viele. Vor allem im Krieg
erfuhren manche Soldaten erst während der Gefechte über ihre
Anfragen an die Ämter, dass sie offiziell „jüdischer Abkunft“
wären. Das führte dann oft dazu, dass deren kommandierende
Offiziere ein Gesuch an Hitler um die „Deutschblütigkeits-
erklärung“ unterstützten.

Was für ein Deal. Man Kämpft als „Deutscher“ für ein
verhasstes Regime, für einen verhassten Führer, weil
das die einziga Chance ist, sich selbst und seinen Leuten zu
helfen.

Mit so einer „Deutschblütigkeitserklärung“ war man in der
Position, bei der SS nachzusuchen und seine jüdischen
Angehörigen aus dem KL zurückzuholen. Das hatte sicher
nicht in vielen Fällen Erfolg, aber es kam vor.

Siehe dazu auch:
http://www.kansaspress.ku.edu/righit.html
http://www.kansaspress.ku.edu/righitpix.html

Grüße

Euer CMБ

Im öffentlichen Dienst brauchtest Du einen Ariernachweis.

Nach dem Link von Weikko: Was ist, wenn ein mir befreundetes
Pastor (am Anfang haben sie diese Ausstellen dürfen) einen
fälschlichen ausgestellt/begläubigt hätte??

Auch die Pastoren waren anfangs auf Seiten der Nazis. Nicht alle, aber sehr viele.

In den Standesämtern sassen später fast ausnamslos
Parteiangehörige, für die es Pflicht war, die Namen
durchzuforsten. Nicht ohne Grund gab man den juden diese oft
lächerlichen Namen.

Mir als Spanierin ist es schon aufgefallen, daß manche
jüdische Nachname seltsam klingen. Aber lächerlich??? In wie
fern? Kannst du mir bitte ein paar Beispiele dafür nennen???
Danke im Voraus!

Grünspan, Birnbaum, Apfelbaum usw. Es gibt hunderte dieser Art.
Lies mal bei Hollywoodfilmen den Nachspann oder Vorspann. Viele jüdische Namen findest Du dort, die genau das bestätigen. Schauspieler, Regisseure und Produzenten, alles deutsche jüdische Namen.

Gruß max

Hallo Peter
Kannst Du mir da mal ein paar Beispiele nennen? Mir ist sowas noch nie aufgefallen…
Danke im Vorraus

Weikko

Hallo !

Warum darf man eigentlich bei einem Menschen semitischer Herkunft, (heißt es so?), in Deutschland nicht behaupten, er sieht so aus, wie er aussieht? Ich erkenne doch auch andere Rassen an ihrem Gesicht, ohne dass diese Leute beleidigt wären. Natürlich nicht bei allen, aber viele sehen eben so aus, wie man es erwartet.
Juden machen selbst Witze über sich mit ihrer Nase. Schwarzafrikanische US-Amerikaner nennen sich auch nicht „schwarzafrikanische US-Amerikaner“, sondern einfach „Schwarze“ oder auch „Neger“. Was wir Deutschen niemals sagen dürfen, da wir ja diese verdammte Vergangenheit haben.

Ich selbst habe noch nie bewußt mit einem Juden gesprochen, noch nie einen kennengelernt. Zumindest nicht wissentlich.
Heute weiß ich, dass ich doch schon mit Deutschen, jüdischen Glaubens bzw Herkunft zusammengearbeitet habe. Z.B. einen Herrn Jablonski (Apfelbaum, glaube ich), einen Herrn Kleeblatt. Sehr nette Leute und immer meine Vorgesetzten.
Damals war mir das überhaupt nicht bewußt, hätte mich aber interessiert, ihr Judensein.
Es gab während des zweiten Weltkrieges Jagdkommandos, welche in Deutschland Juden einfingen. Sie sahen sich die Gesichter der Passanten in den Städten an und suchten sich die richtigen aus. Diese Jäger waren oft/meistens selbst Juden. So versuchten sie zu überleben. Auch sie erkannten ihre Glaubensgenossen am Aussehen.

Gruß max

Hallo Max
Ohne Dir Anisemitismus unterstellen zu wollen: Du bedienst Dich rassistischen/ nationalsozialistischen Gedankengutes!
So, und nach der „Keule“ die Erklärung:

Ich erkenne doch auch andere
Rassen an ihrem Gesicht, ohne dass diese Leute beleidigt
wären.

„Jüdisch“ zu sein bedeutet ja nun mal eben nicht , ein gewisses Aussehen zu haben, sonder erst einmal eine Religionszugehörigkeit. Kein Jude, den ich kenne, erfüllt die äusserlichen Kriterien des Nazi-Rassenwahnes. Hakennase hin oder her.

Juden machen selbst Witze über sich mit ihrer Nase.
Schwarzafrikanische US-Amerikaner nennen sich auch nicht
„schwarzafrikanische US-Amerikaner“, sondern einfach
„Schwarze“ oder auch „Neger“. Was wir Deutschen niemals sagen
dürfen, da wir ja diese verdammte Vergangenheit haben.

Wie man sich selbst benennt, bleibt jeden selbst überlassen. Aber glaube mir, als mal ein Kollege von mir über einen schwarzen Army-Soldaten recht laut sagte (und da waren noch ein paar andere gleichen Kalibers zugegen) „Schau mal der Neger da, der sieht aus wie Mike Thysons Bruder“ weiss ich, daß die Afro-Americans recht sauer auf alle reagieren, die Worte für sie benutzen, die auch nur ähnlich wie „Nigger“ klingen. Wobei das wieder ein anderes Thema ist.

Ich selbst habe noch nie bewußt mit einem Juden gesprochen,
noch nie einen kennengelernt. Zumindest nicht wissentlich.
Heute weiß ich, dass ich doch schon mit Deutschen, jüdischen
Glaubens bzw Herkunft zusammengearbeitet habe. Z.B. einen
Herrn Jablonski (Apfelbaum, glaube ich), einen Herrn
Kleeblatt. Sehr nette Leute und immer meine Vorgesetzten.
Damals war mir das überhaupt nicht bewußt, hätte mich aber
interessiert, ihr Judensein.

Warum hast Du es nicht an ihrer Hakennase gesehen? Hättest Du doch eigentlich, oder?

Nix für Ungut

Weikko

Es gab während des zweiten Weltkrieges Jagdkommandos, welche
in Deutschland Juden einfingen. Sie sahen sich die Gesichter
der Passanten in den Städten an und suchten sich die richtigen
aus. Diese Jäger waren oft/meistens selbst Juden. So
versuchten sie zu überleben. Auch sie erkannten ihre
Glaubensgenossen am Aussehen.

Gruß max

Ohne Dir Anisemitismus unterstellen zu wollen: Du bedienst
Dich rassistischen/ nationalsozialistischen Gedankengutes!

Sicher, ich wohne auch in einem Haus, welches zur Nazizeit gebaut wurde. Soll ich das deshalb warm abfackeln? Was für ein Blödsinn!!

Die Zeiten haben sich Gott sei Dank etwas geändert. Vor 30 Jahren, war selbst das Wort „Germane“ nationalzozialistisch angehaucht. Heute? Eine Inflation findet statt, jeden interessiert das. Jeden Tag ein Lehrfilm über Germanen im TV.

Gruß max

Hallo Weikko,

ich kenne viele Studenten der Ronald-S-Lauder-Foundation aus Berlin. Fast alle davon laufen immer im „vornehmschwarz“ gekleidet und alle tragen immer nur Muetze auch bei hoechstsommerlichen Tagen, das faellt bei jungen Leuten auch bei einer Person allein auf.

Oder die Beter der orthodoxen Synagoge innerhalb der Einheitsgemeinde Berlins Naehe Kudamm. Davon natuerlich nur die, die auch Wochentags zuweilen zum Gebet erscheinen. Auch im Hochsommer mit Muetze, oft vornehm schwarz gekleidet und zuweilen sieht man eineindeutig auch auf der Strasse noch die Zizit des Tallit Katan hervorschauen. Stehen davon 3 zusammen, so erkennt man den Unterschied eigentlich immer von der Durchschnittsbevoelkerung.

Sprachlich dann jeweils oft mit fremdlaendischen Akzent wie russisch oder hebraeisch oder eben fuer aschkenasche Juden jiddisch, wer es raushoert.

Einige ganz wenige tragen auch offen Kippot auf der Strasse.

Allerdings siehe bitte die Einschraenkungen der Personengruppen auf jene Jeschiweh und jene Synagoge, sprich keine Feiertagsjuden.

viele Gruesse, Peter