Hi,
Angst ist erstmal eine normale Sache, ein Alarm- und Warnsignal, das bei der Bewältigung von Bedrohungen helfen soll. Angst ist auf biologischer und neurophysiologischer Ebene verwurzelt, aber zugleich auch erlernt, und da liegt der Hase im Pfeffer. Angst kann (durch falsches Lernen oder auch andere Ursachen) sich verselbständigen oder eskalieren und damit zu einer schweren Krankheit werden.
Zunächst unterscheidet man verschiedene Stufen der Angst, nämlich die Alltagsangst (angemessene oder normale Angst), die primären Angskrankheiten (von denen wir hier sprechen) und das sekundäre Angstsyndrom, bei dem die Angst eine neurologische oder internistische Ursache hat, etwa in Zusammenhang mit Epilepsie.
Bei den primären Angsterkrankungen unterscheiden wir nach den Leitsymptomen die Pspontane oder anfallsweise auftretende Angst (Panikstörung bzw. generalisiertes Angstsyndrom), die durch Objekte oder Situationen provozierte Angst (Phobie), die mit (neurotischen) Zwängen verbundene Angst (Zwangskrankheit) und die durch außergewöhnliche Bedrohung hervorgerufene Angst (Posttraumatische Belastungsstörung).
Angsstörungen sind sehr häufig, etwa 15% der Bevölkerung erkrankt minderstens einmal im Leben an einer behandlungsbedürftigen Angststörung.
Diagnostisch geht man zunächst daran, zu prüfen, ob die Angst angemessen ist, also niormale Angst vorliegt, z.B. weil die äußere Lebenssituation sich dramatisch verändert oder ähnliches, sowie desweiteren zu prüfen, ob ein sekundäres Angstsyndrom vorliegt (eine sorgfältige Anamnese ist dazu wichtig, wird aber leider bei niedergelassenen Ärzten selten gemacht) oder ob andere Grunderkrankungen vorliegen, z.B. Depression oder eine schizophrene Psychose. Nach dem man das ausgeschlossen hat, geht man an die Diagnose mit positiven Kriterien. Hierfür gibt es die Diagnosekriterien in der ICD10 und auch im DSM IV, wegen der Relevanz für die Abrechnung mit den Kostenträger wird klinisch meist nach ICD10 gearbeitet. Diagnosetechnik ist ärztliches Gespräch, Verhaltensbeobachtung und gegebenenfalls Anwendung von Skalen, z.B. die Y-BOCS Symptom-Checkliste bei Zwängen und ähnliches.
Das Paniksyndrom (ICD10 F40.01) ist gekennzeichnet durch häufige Angst- bzw. Panikanfälle oder durch die dauerhafte Sorge vor solchen Anfällen. Die Angsanfälle sind plötzlich auftretende Zustände intensiver Furcht und haben körperliche und psychische Symptome. Sie dauern durchschnittlich etwa 30 Minuten, können aber auch kürzer sein. Typisch ist die Angst vor der ANgst oder die Angst, die sich auf die Folgen der Angssymptome bezieht. Häufig treten die Angstanfälle spontan auf, ohne für den Erkrankten erkennbare Ursache und ohne Bindung an eine bestimmte Situation. Es kommt häufig zu Vermeidungsverhalten, der Lebensstil wird eingeschränkt bis hin zur Agoraphobie (Platzangst, ICD 10 F40.0). Diagnostisch unterscheidet man nach Spontaneitätskriterium (unerwartetes Auftreten), Symptomkriterium (midestens vier Symptome gemäß Katalog müssen auftreten), Zeitverlaufskriterium (die Symptome müssen innerhalb von 10 Minuten auftreten) und Intensivitätskriterium (deutliche Verhaltensänderung oder mindestens einem Monat andauernde Sorge).
Das zweite, was gemäß deiner Anfrage relevant ist, ist das Generalisierte Angstsyndrom (CD 10 F41.1. Hierbei handelt es sich um dauerhafte und exzessive Furcht oder Sorgen, die mindestens 6 Monate andauern. Es wird gefordert, das die Befürchtungen sich auf mindestens zwei verschiedene Lebensbereiche beziehen, z.B. Partnerschaft und Finanzen oder um einen Lebensbereich mit zusätlicher grüblerischer Neigung. Wichtiges Kriterium ist, daß der Betroffene die Sorgen nur schwer kontrollieren kann und das weitere Symptome vorliegen, vor allem ständig erhöhte Erregung, Anspannung, Nervosität, Hypervigilanz und vegetative Beschwerden.
Therapiert werden können Angststörungen mit medikamentöser Therapie , wobei verschioeden Substanzgruppen zuum Einsatz kommen, MAO-Hemmer, SSRI, trizyklische Antidepressiva, Benzodiazepine (z.B. Valium), Betablocker, Neuroleptika, Buspiron und auch Naturheilmittel.
Zweite „Säule“ der Behandlung ist die Psychotherapie, vor allem kognitive Verhaltenstherapie.
So, jetzt ist es etwas länger geworden als ich eigentlich wollte, aber ich hoffe es ist noch im lesbaren Rahmen.
Gruß
Yoyi
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