Angstzustände oder Panikattacken?

Moin Moin allerseits!

Aus einer Diskussion mit meiner Frau, die wir gestern hatten, haben wir beschlossen Euch mal zu fragen, wie Ihr es definiert:

Wo liegt der Unterschied zwischen Angstzuständen und Panikattacken?

Um das Ergebnis nicht zu beeinflussen, will ich hier keine weiteren Anmerkungen zu unserer Diskussion abgeben.

Euere Ansichten bitte, auch gerne fachlich fundiert und/oder einfach persönlich empfunden.

Gruß,
Kristian

Hi,

ich versuche es mal ganz unwissentschaftlich, aber es gibt auch jede Menge Fachleute hier, vielleicht kann das jemand noch genauer erklären.

Also, meines Wissens nach ist eine Panikattacke wirklich ein akuter Panikschub, der von körperlichen Symptomen begleitet wird, z.B. Herzrasen, Schweissausbruch. Es gibt m.W. eine Liste von 13 solcher körperlichen Reaktionen, und wenn ein paar davon zutreffen, war es eine Panikattacke.

Angstzustände sind die „chronische“ Form, allerdings ohne diese heftigen körperlichen Symptome. Es gibt viele Leute, die vor bestimmten Dingen eine Phobie haben, z.B. Spinnen oder grosse Plätze.

Gruss Hans-Jürgen
***

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo,

Wo liegt der Unterschied zwischen Angstzuständen und
Panikattacken?

hier

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

habe ich beschrieben, was unter einer Panikattacke nach DSM-IV verstanden und wie diese gegenüber panikähnlichen Zuständen unterschieden wird.

Gruß,

Oliver Walter

Moin Oliver,

sehr gut, danke schon mal. Es ergeben sich allerdings weitere Fragen.

[…]
wie diese gegenüber panikähnlichen Zuständen
unterschieden wird.

Würdest Du also Angstzustände als „panikähnliche Zustände“ bezeichnen?

Daß Du DSM zitierst, finde ich schon mal sehr professionell. Leider hat die FH Lübeck ihre ICD-Seiten aus dem Netz genommen.
Hast Du einen Link zu einer deutschen ICD und eventuell DSM? Wobei mir letztere nur namentlich bekannt ist. Was erscheint eigentlich relevanter?
Während der Verfahren mit den Leistungsträgern hat sich der Bezug auf ICD einigermaßen bewährt.

Gruß,
Kristian

PS: @ Alle: bitte laßt Euch von Olivers Antwort nicht abhalten, eigene Antworten zu geben. Ich bin an zahlreichen Antworten interessiert.

Hallo Kristian,

[…]
wie diese gegenüber panikähnlichen Zuständen
unterschieden wird.

Würdest Du also Angstzustände als „panikähnliche Zustände“
bezeichnen?

nein, das habe ich damit nicht sagen wollen, sondern nur auf Deinen Teil der Frage bzgl. Panikattacken Bezug genommen. „Angstzustände“ würde ich als einen Oberbegriff für viele mit Angst verbundenen „states“, in denen sich Menschen befinden können, betrachten. Panikattacken und panikähnliche Zustände betrachte ich als Begriffe für Teilmengen der Menge der Angstzustände. Daneben kann man sicherlich noch weitere Teilmengen definieren, wenn man möchte. Unter „Angstzustände“ würde ich natürlich auch normalpsychologische fassen, wobei mir das Wort nicht so gefällt. Ich würde schlicht „Angst“ vorziehen, wie in „Prüfungsangst“, „Leistungsangst“, „sozialer Angst“, „Höhenangst“.

Dein Posting ist überschrieben mit „Angstzustände oder Panikattacken?“ Siehst Du das als Alternativen an, für die Du Dich in irgend einem Kontext entscheiden mußt?

Leider hat die FH Lübeck ihre ICD-Seiten aus dem Netz
genommen.

Kann es sein, daß diese Seiten bloß für Nicht-FH-Angehörige nicht mehr zugänglich sind?

Hast Du einen Link zu einer deutschen ICD und eventuell DSM?

http://icd.web.med.uni-muenchen.de/

Dort findest Du eine Suchmaschine, in der Du ein Stichwort eingeben mußt (z.B. Agoraphobie). Dann werden Dir die Angaben aus der ICD-10 (Klinisch-Diagnostische Leitlinien) angezeigt.

Wobei mir letztere nur namentlich bekannt ist. Was erscheint
eigentlich relevanter?

Beide sind relevant und inzwischen ziemlich ähnlich. Das DSM hat früher den operationalen Ansatz gewählt als die ICD. Doch mit der ICD-10 ist die WHO auch zum operationalen Ansatz übergegangen, also werden im Bereich der psychischen Störungen Klassifikationen hauptsächlich aufgrund der Symptomatik und kaum noch aufgrund der vermuteten Ursachen getroffen. Dies ist aufgrund der unsicheren Erkenntnisse über die Ursachen sinnvoll.

Während der Verfahren mit den Leistungsträgern hat sich der
Bezug auf ICD einigermaßen bewährt.

Es ist in bestimmten Bereichen vorgeschrieben, nach ICD-10 zu codieren. DSM-IV ist jedoch vorteilhafter als ICD-10 (Klinisch-diagnostische Leitlinien), weil es dem operationalen Ansatz noch stringenter folgt und i.a. schärfer definiert. ICD-10 (Forschungskriterien) kommt DSM-IV nahe. Die Verwendung von DSM-IV im „offiziellen“ Bereich ist weitgehend unproblematisch, weil man nach DSM-IV kategorisieren und anschließend die DSM-Schlüssel in ICD-Schlüssel transformieren kann.

PS: @ Alle: bitte laßt Euch von Olivers Antwort nicht
abhalten, eigene Antworten zu geben.

Es greift langsam um sich, daß darauf hingewiesen wird, daß „man“ hier auch noch schreiben „darf“, nachdem ich gepostet habe. Soll ich mich in Abstinenz üben? Oder sollen Oliver-freie-Threads eingeführt werden? Ich sehe schon im ALK-Brett Wünsche nach einer „Walterfreien Zone“. :smile:))

Gruß,

Oliver Walter

1 „Gefällt mir“

Moin Oliver,

sehr gut.

[…]Panikattacken und panikähnliche Zustände
betrachte ich als Begriffe für Teilmengen der Menge der
Angstzustände. Daneben kann man sicherlich noch weitere
Teilmengen definieren, wenn man möchte. Unter „Angstzustände“
würde ich natürlich auch normalpsychologische fassen, wobei
mir das Wort nicht so gefällt.

Okay, die Terminologie stammt hier nicht von mir.

[…]
Dein Posting ist überschrieben mit „Angstzustände oder
Panikattacken?“ Siehst Du das als Alternativen an, für die Du
Dich in irgend einem Kontext entscheiden mußt?

Nein. Ich hatte ein Gespräch mit meiner Frau (dem Angsthäschen nach ICD 10 V F40.01), über meine Teilnahme an einem Angst-Forum als Angehöriger. Es ging um die Frage, wie sie ihre Angstzustände und Panikattacken definiert und wie sie vermutet, daß dies die Forumsteilnehmer tun. Außerdem hatte ich noch eine Definition angeboten. Schließlich stehe ich immer etwas im „Verdacht“ mich von dem Forum „gegen sie“ einnehmen zu lassen, was natürlich Unsinn ist.
Nun hat sie, derweilen ich diesen Gedanken auch schon hatte, vorgeschlagen, die Teilnehmer doch einmal zu fragen, wie sie dies definieren würden.
Da habe ich mir nun gedacht, es wäre zusätzlich sinnvoll, einmal diese Fragestellung ins W-W-W zu übertragen, wegen des hier anderen Niveaus und der Unabhängigkeit von dem bezogenen Forum.

Kann es sein, daß diese Seiten bloß für Nicht-FH-Angehörige
nicht mehr zugänglich sind?

Auf den zugänglichen Seiten schreiben sie, diese Seiten seien nicht mehr verfügbar, beim direkten Aufruf erhalte ich ein „Forbitten“. Du könntest also recht haben. Sie sind eventuell mit der Überarbeitung nicht fertig und wollen im Schwebezustand lieber gar nichts anbieten.

http://icd.web.med.uni-muenchen.de/

Ah ja, danke. Hier ist die Symptomatik allerdings wesentlich weniger umfangreich beschrieben, als es früher bei der FH Lübeck der Fall war – oder bilde ich mir das nur ein?
Inzwischen habe ich noch beim DIMDI eine „ICD-10-GM Version 2004“ gefunden: http://www.dimdi.de/de/klassi/diagnosen/icd10/ls-icd…

Beide sind relevant […]

Gut. Allerdings: eine deutsche DSM-IV kann ich nicht finden.

Es ist in bestimmten Bereichen vorgeschrieben, nach ICD-10 zu
codieren. DSM-IV ist jedoch vorteilhafter als ICD-10
(Klinisch-diagnostische Leitlinien), weil es dem operationalen
Ansatz noch stringenter folgt und i.a. schärfer definiert.
ICD-10 (Forschungskriterien) kommt DSM-IV nahe. Die Verwendung
von DSM-IV im „offiziellen“ Bereich ist weitgehend
unproblematisch, weil man nach DSM-IV kategorisieren und
anschließend die DSM-Schlüssel in ICD-Schlüssel transformieren
kann.

Gut zu wissen. Fraglich allerdings, ob die Sachbearbeiter dazu fähig und willens sind. Letztlich hat man mehr gewonnen, wenn man „mundgerechte Häppchen“ serviert.

[…] Soll ich mich in Abstinenz üben? Oder sollen
Oliver-freie-Threads eingeführt werden?

Hihi.
Nein, so war es nicht gemeint. Ich teile die Vorurteile nicht. Das Alk-Board hatte seine Thematik – wir haben hier eine andere. Ich konnte in der Diskussion dort ohnehin keine Position beziehen und muß es auch nicht. Meinen (in der Sache unparteiischen) Kommentar hatte ich wohl abgegeben, das war’s aber auch schon.
Auch halte ich nichts davon, Fakten und Emotionen ohne Verlinkung von einem Thread in den anderen zu übertragen. Wie soll jemand da durchblicken, der nicht alles gelesen hat? Das kann nicht sinnvoll sein.
Außerdem kann ich das auch trennen. Wenn ich mich an einer Stelle mit jemandem um das eine Thema heftigst in der Wolle hätte, mich in einem anderen Thread vielleicht gar persönlich angegriffen fühlte, kann ich in einem neuen Thema doch wieder ganz neutral mit den Postings des Teilnehmers umgehen.
Jeder hat im übrigen ein Recht auf Beteiligung, solange er sich einigermaßen benimmt. Wenn mir jemand generell nicht behagt, beantworte ich ihn nicht.
Deine Beteiligung in diesem Thread fand ich bislang extrem hilfreich.

Nein, ich möchte nur noch mehr Antworten haben und nicht, daß andere denken, es sei nun meine Frage erledigt. Das hilft mir in der Diskussion mit meiner Frau.

Gruß,
Kristian

Hallo, Oliver…!

Es greift langsam um sich, daß darauf hingewiesen wird, daß
„man“ hier auch noch schreiben „darf“, nachdem ich gepostet
habe. Soll ich mich in Abstinenz üben? Oder sollen
Oliver-freie-Threads eingeführt werden? Ich sehe schon im
ALK-Brett Wünsche nach einer „Walterfreien Zone“. :smile:))

Das darfst Du nicht persönlich nehmen. Es ist, soweit ich ersehen kann, auch nicht persönlich gemeint. Trotz der Überzeugung, dass Du dies weißt, möchte ich es aus meiner Sicht begründen:
Es ist nunmal so, wenn jemand fachlich große Kompetenz aufbringt (was in Deinem Fall eindeutig so ist), dass man/frau mit weniger fachlichem Wissen das Empfinden hat, dazu nix mehr sagen zu können. Dies nicht im Sinne von Unfähigkeit, sondern so auf die Art „Das ist gut, da gibt’s eigentlich nix mehr zu sagen, was darin nicht schon beinhaltet wäre.“ Da muss man dann schon definitive eigene Erfahrung haben, um wirklich mitreden zu können.

Ist natürlich nur meine Sicht, jemand anders empfindet das möglicherweise grundverschieden :wink:

So denn, halte Dich nicht zurück mit Deinen Beiträgen!

Liebe Grüße,
profound

Hallo Silvia,

Trotz der Überzeugung, dass Du dies weißt

es war tatsächlich mehr mit Schalk als während eines „Angstzustandes“ meinerseits geschrieben, wie das Emoticon anzeigte. :wink:

Jedenfalls danke ich für Deine erläuternden und lieben Worte.

Herzliche Grüße,

Oliver

2 „Gefällt mir“

Hallo Kristian,

Moin Oliver,

ich dachte, Du kommst aus Frankfurt. :wink:

sehr gut.

Jetzt bedanke ich mich brav für die anhaltenden positiven verbalen Verstärker.

Nein. Ich hatte ein Gespräch mit meiner Frau (dem Angsthäschen
nach ICD 10 V F40.01), über meine Teilnahme an einem
Angst-Forum als Angehöriger.

Da lag ich mit meinem Beispiel ja goldrichtig.

Es ging um die Frage, wie sie
ihre Angstzustände und Panikattacken definiert und wie sie
vermutet, daß dies die Forumsteilnehmer tun.

Ich vermute: Sie kämpft mit automatischen Gedanken im Sinne von Beck.

Schließlich stehe ich
immer etwas im „Verdacht“ mich von dem Forum „gegen sie“
einnehmen zu lassen, was natürlich Unsinn ist.

Hmhm.

wegen des
hier anderen Niveaus und der Unabhängigkeit von dem bezogenen
Forum.

Wobei Du uns verschwiegen hast, ob unser Niveau hier höher oder niedriger zu veranschlagen ist. :wink:

Auf den zugänglichen Seiten schreiben sie, diese Seiten seien
nicht mehr verfügbar, beim direkten Aufruf erhalte ich ein
„Forbitten“. Du könntest also recht haben. Sie sind eventuell
mit der Überarbeitung nicht fertig und wollen im
Schwebezustand lieber gar nichts anbieten.

Oder sie sind fertig und wollen nicht, daß „Soziale Faulenzer“ (sozialpsychologischer Begriff) sich die Früchte ihrer Arbeit aneignen?

Ah ja, danke. Hier ist die Symptomatik allerdings wesentlich
weniger umfangreich beschrieben, als es früher bei der FH
Lübeck der Fall war – oder bilde ich mir das nur ein?

Ja, es sieht so aus. Na ja, die Klinisch-diagnostischen Leitlinien zu ICD-10 Kapitel V kosten nicht die Welt.

Inzwischen habe ich noch beim DIMDI eine „ICD-10-GM Version
2004“ gefunden:
http://www.dimdi.de/de/klassi/diagnosen/icd10/ls-icd…

Es gibt mehrere Ausgaben der ICD-10, je nach Zweck angepaßt.

Gut. Allerdings: eine deutsche DSM-IV kann ich nicht finden.

Im Internet kenne ich auch keine Seite, aber man kann sich das DSM kaufen. ISBN: 3801716600 Buch anschauen Allerdings verschlägt es einem bei dem Preis die Sprache. Im Vergleich dazu ist ICD-10 Kap. V doch billig zu haben :wink:

Gut zu wissen. Fraglich allerdings, ob die Sachbearbeiter dazu
fähig und willens sind. Letztlich hat man mehr gewonnen, wenn
man „mundgerechte Häppchen“ serviert.

Es kommt darauf an, wer was machen möchte. In der Psychologie-Ausbildung verwendet man DSM-IV, praktisch arbeitende Ärzte, die das DSM benutzen, kenne ich auch.

Das Alk-Board hatte seine Thematik – wir haben hier eine
andere.

Nett gesagt :wink:

Ich konnte in der Diskussion dort ohnehin keine
Position beziehen und muß es auch nicht. Meinen (in der Sache
unparteiischen) Kommentar hatte ich wohl abgegeben, das war’s
aber auch schon.

Ach, ich muß aufpassen, was ich schreibe. Zufällig habe ich einen Schuß abgegeben, bei dem ich nicht ahnte, wo er einschlägt. Das heißt: Meine Worte waren ohne aktuellen Bezug. Einfach nur so, weil doch ALK der Ort für „Anregungen“ („walterfreie Zone“) zuständig ist. :wink:

Gruß,

Oliver Walter

2 „Gefällt mir“

Hi,

Angst ist erstmal eine normale Sache, ein Alarm- und Warnsignal, das bei der Bewältigung von Bedrohungen helfen soll. Angst ist auf biologischer und neurophysiologischer Ebene verwurzelt, aber zugleich auch erlernt, und da liegt der Hase im Pfeffer. Angst kann (durch falsches Lernen oder auch andere Ursachen) sich verselbständigen oder eskalieren und damit zu einer schweren Krankheit werden.

Zunächst unterscheidet man verschiedene Stufen der Angst, nämlich die Alltagsangst (angemessene oder normale Angst), die primären Angskrankheiten (von denen wir hier sprechen) und das sekundäre Angstsyndrom, bei dem die Angst eine neurologische oder internistische Ursache hat, etwa in Zusammenhang mit Epilepsie.

Bei den primären Angsterkrankungen unterscheiden wir nach den Leitsymptomen die Pspontane oder anfallsweise auftretende Angst (Panikstörung bzw. generalisiertes Angstsyndrom), die durch Objekte oder Situationen provozierte Angst (Phobie), die mit (neurotischen) Zwängen verbundene Angst (Zwangskrankheit) und die durch außergewöhnliche Bedrohung hervorgerufene Angst (Posttraumatische Belastungsstörung).

Angsstörungen sind sehr häufig, etwa 15% der Bevölkerung erkrankt minderstens einmal im Leben an einer behandlungsbedürftigen Angststörung.

Diagnostisch geht man zunächst daran, zu prüfen, ob die Angst angemessen ist, also niormale Angst vorliegt, z.B. weil die äußere Lebenssituation sich dramatisch verändert oder ähnliches, sowie desweiteren zu prüfen, ob ein sekundäres Angstsyndrom vorliegt (eine sorgfältige Anamnese ist dazu wichtig, wird aber leider bei niedergelassenen Ärzten selten gemacht) oder ob andere Grunderkrankungen vorliegen, z.B. Depression oder eine schizophrene Psychose. Nach dem man das ausgeschlossen hat, geht man an die Diagnose mit positiven Kriterien. Hierfür gibt es die Diagnosekriterien in der ICD10 und auch im DSM IV, wegen der Relevanz für die Abrechnung mit den Kostenträger wird klinisch meist nach ICD10 gearbeitet. Diagnosetechnik ist ärztliches Gespräch, Verhaltensbeobachtung und gegebenenfalls Anwendung von Skalen, z.B. die Y-BOCS Symptom-Checkliste bei Zwängen und ähnliches.

Das Paniksyndrom (ICD10 F40.01) ist gekennzeichnet durch häufige Angst- bzw. Panikanfälle oder durch die dauerhafte Sorge vor solchen Anfällen. Die Angsanfälle sind plötzlich auftretende Zustände intensiver Furcht und haben körperliche und psychische Symptome. Sie dauern durchschnittlich etwa 30 Minuten, können aber auch kürzer sein. Typisch ist die Angst vor der ANgst oder die Angst, die sich auf die Folgen der Angssymptome bezieht. Häufig treten die Angstanfälle spontan auf, ohne für den Erkrankten erkennbare Ursache und ohne Bindung an eine bestimmte Situation. Es kommt häufig zu Vermeidungsverhalten, der Lebensstil wird eingeschränkt bis hin zur Agoraphobie (Platzangst, ICD 10 F40.0). Diagnostisch unterscheidet man nach Spontaneitätskriterium (unerwartetes Auftreten), Symptomkriterium (midestens vier Symptome gemäß Katalog müssen auftreten), Zeitverlaufskriterium (die Symptome müssen innerhalb von 10 Minuten auftreten) und Intensivitätskriterium (deutliche Verhaltensänderung oder mindestens einem Monat andauernde Sorge).

Das zweite, was gemäß deiner Anfrage relevant ist, ist das Generalisierte Angstsyndrom (CD 10 F41.1. Hierbei handelt es sich um dauerhafte und exzessive Furcht oder Sorgen, die mindestens 6 Monate andauern. Es wird gefordert, das die Befürchtungen sich auf mindestens zwei verschiedene Lebensbereiche beziehen, z.B. Partnerschaft und Finanzen oder um einen Lebensbereich mit zusätlicher grüblerischer Neigung. Wichtiges Kriterium ist, daß der Betroffene die Sorgen nur schwer kontrollieren kann und das weitere Symptome vorliegen, vor allem ständig erhöhte Erregung, Anspannung, Nervosität, Hypervigilanz und vegetative Beschwerden.

Therapiert werden können Angststörungen mit medikamentöser Therapie , wobei verschioeden Substanzgruppen zuum Einsatz kommen, MAO-Hemmer, SSRI, trizyklische Antidepressiva, Benzodiazepine (z.B. Valium), Betablocker, Neuroleptika, Buspiron und auch Naturheilmittel.

Zweite „Säule“ der Behandlung ist die Psychotherapie, vor allem kognitive Verhaltenstherapie.

So, jetzt ist es etwas länger geworden als ich eigentlich wollte, aber ich hoffe es ist noch im lesbaren Rahmen.

Gruß

Yoyi

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Moin Yoyi,

vielen Dank für deine Mühe.
Obgleich es an der Fragestellung knapp vorbei ging, war Dein Text doch sehr informativ und brachte tatsächlich eine Erweiterung meines Horizontes.

Dank und Gruß,
Kristian

Moin Hans-Jürgen,

ich versuche es mal ganz unwissentschaftlich, aber es gibt
auch jede Menge Fachleute hier, vielleicht kann das jemand
noch genauer erklären.

Ja, wunderbar, auch die unwissenschaftlichen Antworten sind interessant, so sie denn persönliche Empfindung sind.

Dank und Gruß,
Kristian

Moin Oliver,

ich dachte, Du kommst aus Frankfurt. :wink:

Ach, äh? Und?? – ViKa geändert :smile:)

[…]
Ich vermute: Sie kämpft mit automatischen Gedanken

Auch, war hier allerdings nicht das Thema.

im Sinne von Beck.

Den Namen kenne ich nur als Steuerkommentar, glaube ich.

Wobei Du uns verschwiegen hast, ob unser Niveau hier höher
oder niedriger zu veranschlagen ist. :wink:

Das kommt allerdings sehr auf den Betrachtungswinkel, das Board und die Luftfeuchtigkeit an … – schwer zu sagen.

Oder sie sind fertig und wollen nicht, daß „Soziale Faulenzer“
(sozialpsychologischer Begriff) sich die Früchte ihrer Arbeit
aneignen?

Naja, könnte ich schon verstehen, hat sie aber früher auch nicht gestört. Mir ist sowieso aufgefallen, daß Studenten über ihre Uni-Netze viel Brauchbares kosten- und werbefrei ins Netz stellen. Was oft noch Jahre später dort steht.

[…] Na ja, die Klinisch-diagnostischen
Leitlinien zu ICD-10 Kapitel V kosten nicht die Welt.
[…] aber man kann sich das
DSM kaufen.[…]

Dafür brauche ich es eindeutig zu selten. Mich interessiert ja fast nur „unsere“ Diagnose und die kann ich notfalls auswendig lernen. Manchmal aber würde man schon gerne mal etwas nachschlagen, um irgendwelche Zusammenhänge und Befindlichkeiten besser zu verstehen.
Die Tage bin ich z.B. beim Lesen eines Buches drauf gekommen, daß eine Ex-Freundin scheinbar Borderlinerin ist. Das war mir (und ihr schon gar) nicht klar. Ich kannte mit Müh’ und Not den Begriff.

Ach, ich muß aufpassen, was ich schreibe. Zufällig habe ich
einen Schuß abgegeben, bei dem ich nicht ahnte, wo er
einschlägt.

Das sollte man nicht tun, auch nicht mit Worten, besonders nicht hier und schon gar nicht als Fachmann – tststs …

[…] weil doch ALK der Ort für „Anregungen“
(„walterfreie Zone“) zuständig ist. :wink:

Naja, ist auch schon ein paar Wochen her …

Gruß,
Kristian

Hallo,

Ach, äh? Und?? – ViKa geändert :smile:)

bei Deiner Person scheine ich nur Treffer zu landen. Du kommst also nicht aus Frankfurt, wie ich mir dachte?

Ich vermute: Sie kämpft mit automatischen Gedanken

Auch, war hier allerdings nicht das Thema.

Ich richte mich nicht ausschließlich danach, was der Postende als zum Thema gehörig betrachtest, denn dann wäre kein weitergehender Erkenntnisgewinn möglich. Solche automatischen Gedanken sind nämlich im konkreten Fall für das Verständnis der Schwierigkeiten Deiner Frau ziemlich wahrscheinlich bedeutsam. Und Du tust sie als „nicht zum Thema gehörig“ ab?

im Sinne von Beck.

Den Namen kenne ich nur als Steuerkommentar, glaube ich.

Eben. Aaron T. Beck ist ein Arzt und bedeutender Psychotherapeut. Er ist der Begründer der Kognitiven Therapie.

Dafür brauche ich es eindeutig zu selten. Mich interessiert ja
fast nur „unsere“ Diagnose und die kann ich notfalls auswendig
lernen.

Womit den Deiner Frau nicht sehr viel weiter geholfen ist.

Manchmal aber würde man schon gerne mal etwas
nachschlagen, um irgendwelche Zusammenhänge und
Befindlichkeiten besser zu verstehen.

Dann schlage ich vor, daß Du Dir ein verständlich geschriebenes Fachbuch über Angststörungen kaufst.

Die Tage bin ich z.B. beim Lesen eines Buches drauf gekommen,
daß eine Ex-Freundin scheinbar Borderlinerin ist.

Bei psychischen Störungsbeschreibungen kommt man als Laie oft schnell darauf, daß das Beschriebene auf einen selbst oder jemanden, den man kennt, zutreffen könnte. Wenn es ernsthafte Schwierigkeiten gibt, dann kann Deine Ex-Freundin einen Arzt oder Psychologen aufsuchen. Laien"diagnosen" sind sehr problematisch.

Ach, ich muß aufpassen, was ich schreibe. Zufällig habe ich
einen Schuß abgegeben, bei dem ich nicht ahnte, wo er
einschlägt.

Das sollte man nicht tun, auch nicht mit Worten, besonders
nicht hier und schon gar nicht als Fachmann – tststs …

Jetzt verstehe ich gar nichts mehr. „Schuß“ war genauso wenig ernstgemeint wie das mit der „walterfreien Zone“. Du scheinst v.a. auf die wörtliche Bedeutung von Begriffen zu reagieren. Interessant … *dsmzück* :wink:

Gruß,

Oliver Walter

2 „Gefällt mir“

Entschuldigung
Hi,

ich denke nicht, daß ich an dem vorbeigeschrieben habe, was du fragtest.

Aus einer Diskussion mit meiner Frau, die wir gestern hatten,
haben wir beschlossen Euch mal zu fragen, wie Ihr es
definiert:

Wo liegt der Unterschied zwischen Angstzuständen und
Panikattacken?

(Hervorhebung durch mich)

Genau das habe ich dir erläutert. Aber noch mal zum mitschreiben: Angstzustand ist entweder normale Angst (wie in meinem Posting definiert) oder ein generalisiertes Angstsyndrom (wie in meinem Posting definiert). Panikattacke ist das Paniksyndrom (wie in meinem Posting definiert). Das ich noch ein bißchen Information außenrum gegeben habe, bitte ich zu entschuldigen.

Gruß

Yoyi

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Na also: geht doch! :wink:
Moin nochmal Yoyi,

[…] Angstzustand ist entweder normale Angst (wie in
meinem Posting definiert) oder ein generalisiertes
Angstsyndrom (wie in meinem Posting definiert).

Okay … [… blätter …]

Panikattacke
ist das Paniksyndrom (wie in meinem Posting definiert).

[… blätter …] Alles klar! So begreife ich das jetzt auch mit meinem begrenzten Verstand. :wink:

Das ich noch ein bißchen Information außenrum gegeben habe, bitte
ich zu entschuldigen.

Nein gar nicht. Das fand ich schon interessant. Ich selbst neige auch zu größeren Ausschweifungen, wenn ich etwas an den Mann bringen will. Dürfte mich als darüber eh’ nicht beschweren.

Eher müßte vielleicht ich mich entschuldigen, weil ich Deine Treffer nicht erkannte.

Gruß,
Kristian

Angst vs. Panik
Angst kann hilfreich sein um gewisse Dinge zu verhindern -> ein Affekt, der sich von der Furcht durch fehlende oder unbestimmte Gegenstandsbeziehung unterscheidet. Die Angst ist „grundlos“, insofern keine besonderen Gründe für sie angegeben werden können oder der Gegenstand, auf den sie sich richtet, der Stärke des Affekts nicht entspricht. In der Psychoanalyse wird die Angst als Trennungsangst (des Säuglings von der Mutter) bestimmt, die Angst kann - wie andere Affekte - in das Gegenteil umschlagen, z. B. in Aggression. Auch ist man auf die Instinktausstattung des Menschen zurückgegangen und hat die Angst als einen „Gefahrenschutzinstinkt“ erklärt. Bei der Mannigfaltigkeit der Angstzustände, von der „schleichenden“ bis zur panischen Angst, ist eine eindeutige Erklärung aller Phänomene der Angst nicht möglich.

Panik ist somit eine gesteigerte Form der Angst und bedeutet Verlust der Kontrolle über sein Handeln / Denken -> ein besonders in großen Menschengruppen bei Gefahr auftretendes Erschrecken und „Kopflos“-Werden; oft verbunden mit ungerichteten Fluchtreaktionen. Kommt übrigens aus dem Französischem und vom Gott „Pan“ abgeleitet.

so long
Stalker

Hallo,

Aber wenn Du uns therapieren möchtest, bist Du willkommen. Wir
suchen derzeit tatsächlich mal wieder 1½ Therapeuten.

ich muß leider passen. Im Moment bin ich ausgebucht. :wink:

sollten wir das dann aber nicht unbedingt öffentlich tun, dann würde
es bestimmt mehr nützen, oder?

Hinsichtlich meiner „Öffentlichkeitsarbeit“ siehe

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Das ist schwierig, weil sie sich nicht so gerne irgendwo
repräsentiert sieht.

Dann geht sie auch nicht wählen?

Es hat mich Mühe gekostet, es ihr schon mal so weit schmackhaft zu
machen. Ich bin gespannt, ob sie es liest, wenn’s mal hier ist.

Vielleicht nützt es ihr etwas. Ich drücke die Daumen.

Schon klar, aber man kann doch mal einen Spaß mitmachen, oder?
Übrigens ist an jedem Spaß ein Quentchen ernst …

Ach sooooo. Na, klar. :smile:

Gut erkannt!

Ich bin heute echt gut drauf. :smile:

PS: Wieso hast Du eigentlich so viel Zeit?

Hier trügt der Schein.

So, jetzt verabschiede ich mich erstmal und gehe in die Heia.

Einen guten Schlaf wünscht

Oliver Walter

2 „Gefällt mir“

Vielen Dank, Stalker,

sehr präzise formuliert.

Gruß,
Kristian