Anschlag in London

Hallo

Extremisten, denen das Leben von Menschen nichts gilt, gibt es in vielen Religionen und Kulturen. Ich möchte hier auf niemanden zeigen. Was mich jedoch beunruhigt, ist die Erkenntnis, dass es sich beim Londoner Attentat wohl um Leute pakistanischer Herkunft handelt, die aber in Grossbritannien geboren wurden.
Solche Nachkommen, die in unserer westlichen Welt leben, übernehmen doch auch unsere Sprache und Kultur. Was läuft denn hier falsch? Wie kann es passieren, dass sich solche „secondos“ zu einem Selbstmordattentat auf unschuldige Menschen zur Verfügung stellen?

Ratlos und erschüttert

Stephan

Hai, Stephan,

Solche Nachkommen, die in unserer westlichen Welt leben,
übernehmen doch auch unsere Sprache und Kultur. Was läuft denn

Welche Kultur denn?
Ich denke, daß da „Auslands-Briten“ der 2. Generation so ausgetickt sind, ist „nur“ eine extreme Ausprägung des Effektes, den ich hier bei „unseren“ Türk-Deutschen der 3. Generation (und nicht nur bei denen) seit Jahren beobachte: den Versuch, wieder Wurzeln zu finden.

Wir „Kinder der 68er“, insbesondere die deutschen, sind doch überwiegend wurzellos aufgewachsen. Die wenigsten haben vermittelt bekommen, daß nicht die gesamte deutsche Geschichte von verdammenswerten Mördern, Kriegstreibern und sonstigen Verrückten geprägt wurde, jegliche Form von Traditionspflege hatte den Ruch, den Nazis nahezustehen. Dieser kulturlose Raum in unseren Köpfen wurde mit allem angefüllt, was uns irgendwie als unverdächtig vorkam: amerikanisches Essen, fernöstliche Religion, Musik aus aller Welt bloß, um Himmels Willen, keine deutsche Volksmusik usw.
Wir haben gelernt, uns nicht über „wir haben und sind“ (deutsche Traditionen, deutsches Volksgut, die und die Vorfahren, auf die wir Stolz sind), sondern über „wir haben nicht und sind nicht“ (nichts mit den Nazis zu tun, keine Deutschtümelei, glücklicherweise mit unseren Vorfahren nichts gemein) zu definieren.

Sich an diesen Zustand anzupassen, bedeutet, seine Wurzeln vergessen zu müssen.

Und nun entsand die nächste Generation und während wir noch die schlechten Beispiele vor Augen hatten, wegen derer wir wussten, warum wir nicht so sein wollten (der Opa, der mit stolzgeschwellter Brust von seinen Abenteuern im Krieg erzählte - die Oma, die uns knallhart ein „unter Hitler hätte es das nicht gegeben - diese Jugendlichen heutzutage“ vor den Latz knallte), hat die aktuelle Generation doch nur die „Erzählungen der Alten“ über die schrecklichen Folgen tumber Deutschtümelei, Obrigkeitsgläubigkeit und von Tradition-über-alles.

Und so sucht sich die aktuelle Generation wieder Wurzeln - plötzlich ist die Herkunft wieder wichtig, oder die Religion der Vorväter. Denn das selbst zu gestaltende kulturelle Nichts, mit dem wir aufgewachsen sind, ist nicht wirklich geeignet, für mehrere Generationen Halt und Stütze zu geben.

Bei den Auslands-Inländern kommt da denn noch dazu, daß es immernoch (oder auch schon wieder) Vorurteile gibt. Jemandem mit „südländischem“ Aussehen wird eher mißtraut, „so einer“ hat es schwerer, einen Ausbildungsplatz oder einen Job zu bekommen und das hat die aktuelle Generation der Auslands-Inländer zu einem großen Teil in eine „Pffft - dann eben nicht“-Haltung gebracht und aus der Ausgrenzung wurde etwas, worauf man besonders stolz ist und was noch extra betont wird (analog zu der „Niggaz-with-Attitude“-Bewegung in USA)

Und so stellt die türkisch-deutsche, atheistische Mutter plötzlich voll Erstaunen fest, daß ihr Sohn 5 mal am Tag betet und in die Moschee rennt und ihre Tochter statt im Minirock plötzlich im Schador rumläuft und der Alt-68er im selbstgestrickten Pulli, daß sein Jan-Sören sich kahlrasiert und auf „Molukken“ schimpft und seine (soo intelligente) Tochter sich nur noch Sieglinde nennen läßt und unbedingt auf eine Hauswirtschaftsschule und Kinder kriegen will…

Soweit meine laienhafte Meinung/Beobachtung
Gruß
Sibylle

Hallo

Wie kann es passieren, dass sich solche
„secondos“ zu einem Selbstmordattentat auf
unschuldige Menschen zur Verfügung stellen?

Was ist Dir lieber? Wenn der Betreffende vorher
eine 2-jährige Ausbildung für ‚commandos‘ durch-
läuft, die ihn in die Lage versetzt, mit Leich-
tigkeit 100x mehr Menschen umzubringen, ohne
dabei selbst draufzugehen?

Die Selbstmordrate in den „entwickelten“
Industriestaaten ist sehr hoch. Warum
also nicht „erweiterten Selbstmord“ aus
ideologischen Erwägungen mit dem Ziel,
eine symbolische Nachricht zu überbringen?

Ratlos und erschüttert

Was genau verstehst Du nicht?

Grüße

CMБ

Auch Hallo

Extremisten, denen das Leben von Menschen nichts gilt, gibt es
in vielen Religionen und Kulturen. Ich möchte hier auf
niemanden zeigen. Was mich jedoch beunruhigt, ist die
Erkenntnis, dass es sich beim Londoner Attentat wohl um Leute
pakistanischer Herkunft handelt, die aber in Grossbritannien
geboren wurden.
Solche Nachkommen, die in unserer westlichen Welt leben,
übernehmen doch auch unsere Sprache und Kultur.

Glaubst Du ernsthaft, dass ausgerechnet junge Briten pakistanischer Herkunft das tun?
Warum sollten sie?
Etwas weil Ausländer generell (bei uns und andernorts) mit offenen Armen empfangen werden und voll integriert sind/ sich als Einheimische fühlen?

Hast Du im Ernst noch nie die Klagen junger Deutscher türkischer Herkunft gehört: „Hier bin ich ein Kanacke, in der Türkei ein Deutscher?“
Das gleiche Problem, nur mit anderen Vorzeichen gibt es in Großbritannien. Übrigens auch für britische Staatsbürger, der Vorfahren aus Indien, Afrika, der Karibik stammen usw.

Was läuft denn
hier falsch? Wie kann es passieren, dass sich solche
„secondos“ zu einem Selbstmordattentat auf unschuldige
Menschen zur Verfügung stellen?

Verzweiflung kennt viele Formen.
Wer keinen Job hat, von niemandem geliebt wird, sich nicht in dem Land verankert weiß, in dem er lebt, sucht unter Umständen Trost in dem Versprechen einer besseren Welt.
Hat für die Verführer sogar noch den Vorteil, dass die, die ihren Versprechungen folgen, hinterher niemals berichten können, ob es denn stimmt mit dem Paradies.

Ratlos und erschüttert

erschüttern tut mich jedes Attentat, von wem und gegen wen auch immer. Gewalt ist nun einmal keine Lösung.

Aber ratlos?
Sei ehrlich, wir wissen alle, was zu tun wäre.
Aber sieh Dich doch einmal in Deinem persönlichen Umfeld um: kennst Du viele Mischehen zwischen Deutschen und Fremden? Kennst Du viele Arbeitskollegen, zumal in leitender Position, die keine Deutschen sind?
Falls Du Kinder hast, wieviele ihrer nicht-deutschen Freunde gehen bei Dir ein und aus?

Wir brauchen nicht über die Grenze sehen. Ausländerhaß gibt es bei uns genug.

viele grüße
Geli

Hallo Geli

Glaubst Du ernsthaft, dass ausgerechnet junge Briten
pakistanischer Herkunft das tun?

Das sind die vorläufigen Erkenntnisse von Scotland Yard betreffend den Tätern.

Das gleiche Problem, nur mit anderen Vorzeichen gibt es in
Großbritannien. Übrigens auch für britische Staatsbürger, der
Vorfahren aus Indien, Afrika, der Karibik stammen usw.

Ich habe mehrere Jahre in London gewohnt und kenne diese Probleme. Es leben zwar die unterschiedlichsten Kulturen und Rassen auf recht engem Raum zusammen, und nicht jeder Stadtteil ist gleich sicher, aber ich habe mich trotzdem recht wohl gefühlt. Ueberigens viel sicherer als in den USA, wo ich auch ein paar Jahre gelebt habe.

Verzweiflung kennt viele Formen.
Wer keinen Job hat, von niemandem geliebt wird, sich nicht in
dem Land verankert weiß, in dem er lebt, sucht unter Umständen
Trost in dem Versprechen einer besseren Welt.

Ich vermute, dass dies nicht die wirkliche Motivation ist. Nicht Verzweiflung, sondern Fanatisum. Und hier setzt auch meine Frage an. Es handelt sich um Menschen, die in unserer westlichen Welt geboren wurden, die unsere Sprache und Kultur mitbekommen haben. Wieviel Einfluss kann dann ein fanatisches Gedankengut haben?

Aber sieh Dich doch einmal in Deinem persönlichen Umfeld um:
kennst Du viele Mischehen zwischen Deutschen und Fremden?
Kennst Du viele Arbeitskollegen, zumal in leitender Position,
die keine Deutschen sind?

Unsere „Schweizer“ Bevölkerung besteht aus 20% Ausländern. Allerdings ist einzuschränken, dass ein Grossteil Europäischer Herkunft ist. Die Secondos haben sich recht gut integriert. Ein anderer Fall sind die Menschen mit anderer Hautfarbe (jedoch positiv zu erwähnen: Die Indisch-Tamilische Bevölkerung)

Gruss
Stephan

Hallo Stephan!

Wozu die Differenzierung nach Abstammung?

Unsere Gesellschaft kennt diese Auswüchse seit Jahrhunderten. Ein Selbstmordattentat ist nichts, worauf islamisch Gläubige ein Monopol hätten.

Dein Posting lässt vermuten, dass die westliche Welt solche Auswüchse nicht hervorbringen kann.

Aber ich frage Dich, ist das wirklich so? Ich erinnere nur an die Berichterstattungen über Amokläufe (auch schon durch sehr junge Menschen) in der westlichen Welt. Oder ist z.B. der Auswuchs des Serienmörders in der westlichen Welt ein Zeichen von höherer Kultur?

Lieben Gruß
Patrick

Hallo Patrick

Wozu die Differenzierung nach Abstammung?

Tu ich ja nicht, ich sagte ja in meinem Posting:
„Extremisten, denen das Leben von Menschen nichts gilt, gibt es in vielen Religionen und Kulturen. Ich möchte hier auf niemanden zeigen“

Dass es sich beim Londoner Attentat um Engländer pakistanischer Herkunft handeln soll, ist die bisherige Erkenntinis von Scotland Yard.

Ein Selbstmordattentat ist nichts, worauf islamisch Gläubige
ein Monopol hätten.
Dein Posting lässt vermuten, dass die westliche Welt solche
Auswüchse nicht hervorbringen kann.

Habe ich mit keinem Wort behauptet. Die Geschichte bestätigt das auch.

Oder ist z.B. der
Auswuchs des Serienmörders in der westlichen Welt ein Zeichen
von höherer Kultur?

Ist eine andere Sache. Selbstmordattentäter verfolgen andere Ziele.

Viele Grüsse
Stephan

Kinder der 68’ er

Wir „Kinder der 68er“, insbesondere die deutschen, sind doch
überwiegend wurzellos aufgewachsen. Die wenigsten haben
vermittelt bekommen, daß nicht die gesamte deutsche Geschichte
von verdammenswerten Mördern, Kriegstreibern und sonstigen
Verrückten geprägt wurde, jegliche Form von Traditionspflege
hatte den Ruch, den Nazis nahezustehen.

Hi Sibylle

Interessanter Aspekt, herzlichen Dank für Deine Ausführung zu den 68’er.
Ich wundere mich oft, dass die Deutsche Oeffentlichkeit so empfindlich und heftig auf alles reagiert, was irgendwie, in irgend einem denkbaren und undenkbaren Zusammenhang mit Nazi-Deutschland gebracht werden könnte, reagiert.
Ich denke, ich verstehe das nun etwas besser.
Viele Grüsse
Stephan

Hallo,

Solche Nachkommen, die in unserer westlichen Welt leben,
übernehmen doch auch unsere Sprache und Kultur.

Nicht wirklich. Es gibt richtige Subkulturen in unserer Gesellschaft, wo Einwanderer im Prinzip genauso leben, wie in ihrem Heimatstaat.

Was läuft denn
hier falsch?

Es gibt so gut wie keine Integration…

Wie kann es passieren, dass sich solche
„secondos“ zu einem Selbstmordattentat auf unschuldige
Menschen zur Verfügung stellen?

Tja, Menschen sind leicht manipulierbar. Das Versprechen an ein Leben nach dem Tod mit Jungfrauen, die dir alle Wünsche erfüllen, ist doch verlockend, oder nicht? Im Prinzip ist das genau dasselbe, was westliche Sekten mit ihren „Mitgliedern“ machen. Die bringen sie schließlich auch dazu, sich vollkommen zu erniedrigen, ihr gesamtes Geld der Sekte zu vermachen usw usf. Wenn der Guru denen sagt, dass sie sich in die Luft sprengen sollten, würden die das genauso machen. Und die Sektenführer verfolgen mit dieser Form von religiösem Fanatismus in Wirklichkeit oft sehr weltliche Ziele: Nämlich möglichst viel Geld.
Der einzige Unterschied bei den Islamisten: Deren weltliche Ziele sind politischer Natur, die sie dann mit Gewalt zu erreichen suchen.

Und Selstmordattentate gabs auch schon von christilichen Fanatikern, ist also nicht wirklich ein neues Prinzip.

mfg
deconstruct

Es gibt richtige Subkulturen in unserer
Gesellschaft, wo Einwanderer im Prinzip genauso leben, wie in
ihrem Heimatstaat.

Hallo

Mit Einschränkungen. Falls sie in unseren Ländern geboren werden, lernen sie unsere Sprache und gehen auch hier zur Schule. Also bekommen sie auch westliche Werte (Kultur und Ethik) mit. Deine Ansicht stimmt natürlich für eingewanderte Leute.

Tja, Menschen sind leicht manipulierbar. Das Versprechen an
ein Leben nach dem Tod mit Jungfrauen, die dir alle Wünsche
erfüllen, ist doch verlockend, oder nicht?

Absolut richtig. In Experimenten wurde gezeigt, dass wenn man den Leuten die Verantwortung wegnimmt für ihre Taten, dass sie ihre Grenzen (zB einem anderen Schmerzen zuzufügen) überschreiten.
Die Versprechung, für ein solches Attentat belohnt zu werden, entlastet das Gewissen des Täters. Es geht noch ein Stück weiter: Sie sind stolz darauf, dafür ausgewählt zu werden.

Der einzige Unterschied bei den Islamisten: Deren weltliche
Ziele sind politischer Natur, die sie dann mit Gewalt zu
erreichen suchen.

Ja, zB Palästinenser haben keine Armee und setzen Selbsmordattentate als Alternative ein.

Und Selstmordattentate gabs auch schon von christilichen
Fanatikern, ist also nicht wirklich ein neues Prinzip.

oder im 2. Weltkrieg von Japanern…

Viele Grüsse
Stephan

Einspruch

Nicht wirklich. Es gibt richtige Subkulturen in unserer

Gesellschaft, wo Einwanderer im Prinzip genauso leben, wie in
ihrem Heimatstaat.

Es hat sich aber herausgestellt, dass die vier Attentaeter scheinbar ein ganz normales britisches Leben gelebt haben. Sie haben studiert, der eine hatte sogar eine kleine Tochter, sie lebten in einer „normalen“ Gegend, in der sie den Nachbarn immer nur als nette Familien aufgefallen sind… Integration hat also statt gefunden. Gerade deshalb ist es wohl so schockierend, was hier passiert ist.

Gruss,
A.

Hallo,

Ich lebe nun schon seit ueber 7 Jahre in London. Es gibt hier 1000e Briten pakistanischer Herkunft, die angepasster nicht sein koennten! Ich habe 3 pakistanische Freunde (sind Briten, aber Eltern aus Pakistan) - einer ist Buchhalter, einer ist Arzt und eine ist Lehrerin. Will damit nur sagen, dass die absolute Mehrheit der britischen Pakistanis hier auf der Insel komplett normal wohnen und vor allem integriert sind. Mit Deutschland ist das nicht zu vergleichen.

A.

Hallo,

Es hat sich aber herausgestellt, dass die vier Attentaeter
scheinbar ein ganz normales britisches Leben gelebt haben. Sie
haben studiert, der eine hatte sogar eine kleine Tochter, sie
lebten in einer „normalen“ Gegend, in der sie den Nachbarn
immer nur als nette Familien aufgefallen sind… Integration
hat also statt gefunden. Gerade deshalb ist es wohl so
schockierend, was hier passiert ist.

Ein Studierter, integriert und
in einer Familie mit kleiner
Tochter lebend - das glaubst
Du doch nicht im Ernst :wink:

Welche Message sollte der damit
ausdrücken? Kinder sind Mist,
da will ich 'von weg?

Warum dann nur 4kg HMX oder
Semtex pro Rucksack? Typisch
britisches ‚understatement‘?

Na ja, ich kann sowas nicht
so leicht glauben …

(ich denke, das ist ein
„Fahndungstrick“ oder sowas)

Grüße

CMБ

Man muss es wohl bald im Ernst glauben! Genau DAS ist ja das erschreckende: http://www.sky.com/skynews/article/0,30000-1188946,…

A.

Hi
mmh… Tarnung = Integration?

HH

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Hallo Stephan,

Deine Einleitung ist ja schön und gut, doch zeigst Du in der Folge m.E. nach sehr wohl mit Finger auf jemanden:

„Solche Nachkommen, die in unserer westlichen Welt leben, übernehmen :doch auch unsere Sprache und Kultur. Was läuft denn hier falsch?“

Was ich zum Ausdruck bringen wollte, ist dass dieser Unglauben meines Erachtens nach fehl am Platze ist. Unsere Kultur ist keinesfalls ein Garant für eine sozial ausgereifte Persönlichkeit. Mit meinen Beispielen wollte ich gerade das Aufzeigen. Auch Terror hat im Westen Tradition, gerade in Großbritannien. In Deutschland hatten wir die RAF, und ich bin nicht sicher, ob man die rechtsradikalen Bemühungen einiger Gruppierungen nicht auch schon in diesen Bereich einordnen kann. Diese Menschen stammen allesamt nicht von anderen Kontinenten, sondern leben seit vielen Generationen in unserer Mitte. Aus Hass, Selbstverachtung und Langeweile geschehen viele Morde, vielleicht ist nur die „Ziellosigkeit“ (vs. „religiösem Fanatismus“) vieler Menschen hier Ursache, dass diese Aktionen ungeplanter ablaufen. Motivational dürften die Unterschiede aber nur geringfügig sein.

Und eines noch: den krassen Unglauben, mit denen Menschen immer wieder reagieren, kann ich persönlich nicht nachvollziehen. Die Tatsache, dass jedesmal Bekannte über die Täter aussagen: „Er war doch ein ganz normaler Mensch von nebenan“ macht doch deutlich, dass eben einige dieser ganz normalen Menschen ein extrem großes Risikopotential bergen. Langsam wäre es einmal an der Zeit, um über gesellschaftliche Konzepte zur Früherkennung und über Konzepte zur Vermeidung solcher individuellen Entwicklungen nachzudenken. Gestaunt haben wir lange genug, und diese Entwicklung auf Abstammung, Glauben oder Herkunft zu schieben steht diesen Prozessen nicht gerade forderlich zur Seite.

Mit bestem Gruß
Patrick

Moin,

Solche Nachkommen, die in unserer westlichen Welt leben,
übernehmen doch auch unsere Sprache und Kultur. Was läuft denn
hier falsch? Wie kann es passieren, dass sich solche
„secondos“ zu einem Selbstmordattentat auf unschuldige
Menschen zur Verfügung stellen?

Wie kann es sein, dass sich aus dem gleichen Land vor kurzem unzählige junge Leute ähnlichen Alters für das Bombadieren irakischer Städte zur Verfügung stellten ?

http://www.iraqbodycount.net/

Gruß
Marion

Hallo Semjon,

typische Selbstmörder, die einen „erweiterten“ Selbstmord ausführen, scheinen mir doch eher anders gestrickt zu sein. Das sind einzelne Menschen, die meist enge Verwandte, Ehefrau, Kinder mit ermorden.

Hier haben sich mehrere Männer zusammen getan, offensichtlich die Anschläge gemeinsam geplant und ausgeführt - und eine zufällige Anzahl von Menschen getötet.

Amok gelaufen sind sie auch nicht, ist ja wieder ne andere Sache - insofern ist es schon interessant, sich mal näher anzuschauen, was da passiert ist.

**
wenn ich mir aber anschaue, wie manche „muslime“ (hier geboren) hier in berlin über nicht-muslime denken und reden, wundert mich das gar nicht mehr so. man kann bestimmte (oder alle??) menschen offensichtlich in bestimmten situationen dazu bringen, andere für minderwertig zu halten - und entsprechend scheinen dann gewalttaten auch legitim. ob das jetzt die „degenerierten westeuropäer“ sind, die man in die luft jagt - oder die „primitiven araber“ - das sind dann ja austauschbare schablonen, die scheinbar immer funktionieren. (ich sehe noch die bilder der gefolterten und gedemütigten, nackten iraker vor mir, vor den höhnisch lächelnd briten standen)

grüße,

barbara

nochmal anders. (sehr, sehr lang)
hi sibylle,

naja, dein vergleich hinkt für mich, weil die briten kein probem mit ihrer vergangenheitsbewältigung haben. daran kanns also nicht liegen. sorry, dieses 68er-bashing nervt mich manchmal sehr. denn ich sehe das nicht so, dass „wir alle“ wurzel- und wertelos aufgewachsen sind - zumindest nicht, wenn wir aus 68er haushalten kommen:smile:)…im gegenteil. gerade hier wurden werte vermittelt wie demokratiebewusstsein, ziviler ungehorsam, menschenrechte - eben eine bestimmte „ideologie“ - ob man das jetzt gut und richtig findet ist ja ne andere sache. :smile: werte waren es bestimmt!

nicht, dass nicht viele symptome, die du genannt hast, nicht vorhanden sind in der gesellchaft - ich glaube nur nicht, dass man das monokausal auf die studentenbewegung „schieben kann“.

meine beobachtung in deutschland ist vielmehr, dass wir ein altes nationalgefühl, dass auf militärischer stärke und preußischen tugenden beruhte, jahrzentelang gegen ein stolzes bewusstsein, *die* wirtschaftsmacht zu sein, eingetauscht haben. preußen und militär war eben - zurecht - out - kapitalismus in. wir kauften uns freunde in der welt, wir hatten das wirtschaftswunder, wir bauten die besten autos, wir waren fleißig und erfolgreich und die züge kamen pünktlich. :smile:

…und irgendwie sind wir das gerade gar nicht mehr, stolz auf unsere wirtschaft ist zur zeit keiner, der kapitalismus hatte auch schonmal mehr spaß gemacht, man kann froh sein, wenn überhaupt ein zug im bahnhof ankommt, die toiletten waren auch schonmal sauberer, die dmark gibt es nicht mehr, fußball spielen konnten wir das letzte mal 1956 (oder so) - und jetzt haben wir gar nix substantielles mehr (scheinbar), auf das wir stolz sein können. schuld daran sind - aus wessi-sicht die ossis (die im ostblock ja auch eher zu den besser gestellten gehörten und grund zum jammern haben), aus ossi-sicht die wessis, aus wessiossi-sicht die ausländer (wenn die wessiossis lafontaine heißen, nennen sie es fremdarbeiter) - und irgendwie sind egentlich alle schuld: die böse globalisierung, der böse euro, die böse eu, der böse bush, die bösen polen, nur wir nicht. und wenn, dann höchstens der nachbar oder der chef oder der verkäufer, der nicht weiß, dass der kunde könig ist.

ein gemeinschaftsgefühl scheint nur im gemeinsamen jammern aufzukommen, was niemand so wirklich spaß bringt - und auf andere, die nicht so recht wissen, ob sie dazugehören, wenig attraktiv wirkt. als türke in berlin kann ich mir dann überlegen, ob ich ne dönerbude aufmache oder drogen verkaufe - oder in moscheen einen auf streng gläubig mache, da habe ich eine sphäre, in der ich wenigstens wer bin, nicht nur ein looser, wenn ich keinen abschluss habe. ohne abschluss sind zur zeit gut 70 prozent aller jungen türken hier. und da scheint mir doch der hase im pfeffer zu liegen, warum so extremistische geschichten mit abenteuer, feinden, ehre und so’n kram bei jungen kerlen gut ankommt. nicht, dass ich das gut heißen würde - keineswegs! wenn’s was helfen würde, kauf ich jeden tag nen döner in der müllerstraße, damit die guten jungs ihren schnitt machen:wink:. aber banalerweise ist es ja oft genau das: auflehnung gegen die konformistischen eltern (insofern ist das nix neues, auch die 68er wollten anders als die eltern sein - deine these unterstütze ich also, halte sie aber für ein normales generationenproblem, das nur wenn’s extrem wird, schädlich ist…) & perspektivlosigkeit.

grüßli,

barbara

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Hallo Stephan,

ich denke, daß mangelnde Integration der Zuwanderer ein großes Problem darstellt. Da dies insbesondere für Deutschland gilt, das Problem bei uns aber m.E. noch zu wenig gesehen wird, möchte ich das an ein paar Sachverhalten verdeutlichen.

Die Situation der in Deutschland geborenen Kinder von Zuwanderern stellt sich noch schlechter dar als diejenige von Kindern, die noch im Ausland geboren worden sind. Die beiden PISA-Studien (2000 und 2003) zeigen, wie groß die Unterschiede im sozioökonomischen Status, dem sozialen und dem kulturellen Kapital zwischen den Zuwanderern und den Einheimischen ist. Auch die Landessprache, also Deutsch, wird in manchen Zuwanderergruppen nur zu einem erschreckend geringen Ausmaß beherrscht. Diese Hintergrundfaktoren bedingen dann oft weit unterdurchschnittliche Schulleistungen: Beispielsweise sind über 50% der in Deutschland geborenen Kinder, deren Eltern aus der Türkei stammen, so schwach in Mathematik, daß sie zur Risikogruppe gezählt werden können. Ihre beruflichen und gesellschaftlichen Zukunftschancen sind höchst problematisch.

So eine Situation kann m.E. von extremistischen Gruppierungen für ihre Zwecke ausgenutzt werden, da deren Zielgruppen nicht in unserer Gesellschaft angekommen sind und daher dem extremistischen Gedankengut nur wenig entgegenhalten können, was für unsere Gesellschaft spricht. Unter anderem deshalb tun wir gut daran, das Integrationsproblem nicht mehr auf die lange Bank zu schieben, sondern es stärker anzugehen.

Grüße,

Oliver Walter